{"id":11853,"date":"2006-12-03T00:30:00","date_gmt":"2006-12-03T00:30:00","guid":{"rendered":".\/?p=11853"},"modified":"2006-12-03T00:30:00","modified_gmt":"2006-12-03T00:30:00","slug":"11853","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/12\/11853\/","title":{"rendered":"Kopftuchverbot beseitigt nicht die Unterdr&#252;ckung der Frau"},"content":{"rendered":"<p>  Haltung von SozialistInnen zur Kopftuchdebatte<br \/>Die gr&#252;ne Abgeordnete   Ekin Delig&#246;z rief k&#252;rzlich dazu auf, das Kopftuch abzulegen. Dieser   Appell f&#252;hrte zu Morddrohungen gegen sie.<!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>von Angelika Teweleit, Berlin<\/i><\/p>\n<p>  SozialistInnen verteidigen das Recht von Ekin Delig&#246;z, ihre Meinung zu   &#228;u&#223;ern und offensiv zu vertreten. Jegliche Drohungen gegen sie sind aufs   Sch&#228;rfste zu verurteilen. Doch Ekin Delig&#246;z&#8217; Position tr&#228;gt nicht dazu   bei, die vergiftete Stimmung gegen&#252;ber MuslimInnen zu ver&#228;ndern. Im   Gegenteil. VertreterInnen von CDU und CSU sehen darin einen willkommenen   Anlass, die angesto&#223;ene Debatte als Deckmantel zu nutzen, unter dem sie   Rassismus weiter gedeihen lassen k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  Es mag schon sein, dass Delig&#246;z ihren Appell an muslimische Frauen   richtete, weil sie das Kopftuch als Zeichen der patriarchalen   Unterdr&#252;ckung versteht. Doch es wird schnell klar, dass es sich hier um   ein zweischneidiges Schwert handelt: Es ginge ihr darum, die   &#8222;Abgrenzung&#8220; gegen Deutsche aufzuheben. In der konkreten Auswirkung muss   Delig&#246;z sich aber die Frage gefallen lassen, ob sie Kopft&#252;cher tragende   Frauen nicht ins Aus dr&#228;ngt und rassistischer Hetze in die H&#228;nde spielt. <\/p>\n<p>  Die SAV verteidigt ohne Vorbehalte das Recht von Frauen, ein Kopftuch   oder auch einen Schleier zu tragen, wenn sie das wollen. Wenn sie sich   dagegen wehren, ein bestimmtes Kleidungsst&#252;ck zu tragen, stehen wir   ebenfalls auf ihrer Seite.<\/p>\n<h5>  Symbol f&#252;r Unterdr&#252;ckung oder Widerstand?<\/h5>\n<p>  Im Jahr 1932 legte Huda Shaawari, eine f&#252;hrende &#228;gyptische   Frauenrechtlerin, auf dem Bahnhof von Kairo &#246;ffentlich ihren Schleier   ab. Dies war eine Kampfansage an die patriarchalen Strukturen und ein   Beginn f&#252;r den Kampf um Emanzipation. In den darauf folgenden   Jahrzehnten legten in L&#228;ndern des Nahen Ostens viele Frauen Schleier und   Kopftuch ab. Dies war mit auch mit einer politischen Radikalisierung   nach links und der Entstehung von starken kommunistischen Parteien und   radikalen b&#252;rgerlichen Befreiungsbewegungen verbunden. Auf Grund des   Versagens dieser Parteien &#8211; dazu kommt in einigen F&#228;llen die bewusste   Unterst&#252;tzung radikal-islamistischer Kr&#228;fte wie der Taliban durch den   US-Imperialismus &#8211; hat sich seit den achtziger Jahren das politische   Kr&#228;fteverh&#228;ltnis in diesen L&#228;ndern massiv zugunsten des islamischen   Fundamentalismus verschoben.<\/p>\n<p>  Die SAV lehnt die Ziele eines islamischen Gottesstaates (was unter   anderem Unterdr&#252;ckung von Gewerkschaften oder Frauen bedeutet)   entschieden ab; ebenso die Methoden des individuellen Terrorismus. Der   rechte politische Islam ist eine reaktion&#228;re Ideologie.<\/p>\n<p>  Gerade aufgrund des Fehlens einer linken Alternative wird allerdings von   vielen der islamische Fundamentalismus als radikale Kraft im Kampf gegen   imperialistische Unterdr&#252;ckung gesehen. Daher haben auch Kopftuch und   Schleier heute eine andere symbolische Bedeutung bekommen. Viele Frauen   tragen sie bewusst, besonders in westlichen L&#228;ndern, weil sie gegen&#252;ber   der westlichen Bevormundung nicht klein beigeben wollen. H&#228;ufig ist es   ein Zeichen des Protestes gegen die Kriege im Irak, Afghanistan und   gegen die nationale Unterdr&#252;ckung der Pal&#228;stinenserInnen in den von   Israel besetzten Gebieten.<\/p>\n<p>  Von Seiten der Herrschenden wird gezielt eine &#8222;Islamophobie&#8220; gesch&#252;rt,   um von der sozialen Krise und der schwindenden Unterst&#252;tzung der   Regierung abzulenken. Das f&#252;hrt auch zu mehr rassistischen &#220;bergriffen. <\/p>\n<h5>  Kopftuchverbot f&#252;r die Befreiung der Frau?<\/h5>\n<p>  Man stelle sich vor, eine das Kopftuch tragende Frau wird auf der Stra&#223;e   dazu aufgefordert, ihr Kopftuch abzunehmen, oder das Tuch wird ihr sogar   abgerissen. Was w&#228;re nun die Reaktion einer Frauenrechtlerin? Etwa zu   sagen, emanzipiere dich und nimm das Kopftuch freiwillig ab? Oder w&#228;re   es nicht im Gegenteil richtig, dieser Frau zu Hilfe zu eilen und sich   klar gegen die Rassisten zu stellen?! Nicht nur auf der Stra&#223;e, sondern   auch in der &#246;ffentlichen Debatte stehen SozialistInnen auf der Seite der   betroffenen Frauen, die hier zur Zielscheibe gemacht werden. Nat&#252;rlich   ist nicht zu leugnen, dass Kopftuch und Schleier Bestandteil einer   patriarchalen Struktur sind. Letztendlich werden alle Religionen   genutzt, um Herrschaftsstrukturen zu verfestigen. Es gibt auch   heutzutage Frauen, die sich gegen den Zwang wehren, ein Kopftuch oder   Schleier tragen zu m&#252;ssen. SozialistInnen bieten hier ebenso ihre   Unterst&#252;tzung an.<\/p>\n<h5>  Frauenunterdr&#252;ckung stoppen<\/h5>\n<\/p>\n<table align=\"right\" width=\"200\">\n<tr>\n<td>\n<h5>   <i>&#8222;Das Problem religi&#246;s motivierter Gewalt ist heute fast    ausschlie&#223;lich ein Problem des Islam (&#8230;) Die muslimische Seite    muss bereit sein, Kritik anzunehmen. Und wir m&#252;ssen bereit sein,    f&#252;r unsere christlich gepr&#228;gten westlichen Werte einzustehen.&#8220; <\/i>  <\/h5>\n<p>   <i>Ronald Pofalla, Generalsekret&#228;r der CDU<\/i> <\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<p>  Der Kampf um die Befreiung der Frau muss konsequent gef&#252;hrt werden. Laut   einer Untersuchung des Bundesfamilienministeriums (!) sind 40 Prozent   aller Frauen in Deutschland mindestens einmal in ihrem Leben Opfer von   k&#246;rperlicher oder sexueller Gewalt gewesen! Daher m&#252;ssen wir einen Kampf   f&#252;r die Erhaltung und den Ausbau von autonomen Frauenh&#228;usern f&#252;hren.   Zudem geht es um das Recht auf Bildung f&#252;r alle, Deutsche wie   MigrantInnen, Jungen wie M&#228;dchen, unabh&#228;ngig vom Einkommen der Eltern.   Weiter m&#252;ssen wir f&#252;r tariflich bezahlte Arbeitspl&#228;tze eintreten, denn   nur wer materiell unabh&#228;ngig ist, kann &#252;ber sich selbst bestimmen. <\/p>\n<p>  Ein Ende von Diskriminierung und eine wirkliche Befreiung der Frau kann   es nur geben, wenn der Kapitalismus &#252;berwunden wird. Ziel muss eine   Gesellschaft sein, in der jede und jeder materiell abgesichert ist und   sich auf dieser Grundlage frei entfalten kann.<\/p>\n<p>  <b>&#8211; Nein zu Verboten von Kopftuch oder Schleier <\/b><\/p>\n<p>  <b>&#8211; Gleiche Rechte f&#252;r alle, gegen Abschiebungen <\/b><\/p>\n<p>  <b>&#8211; Mehr Geld f&#252;r autonome Frauenh&#228;user <\/b><\/p>\n<p>  <b>&#8211; Mindestlohn von zw&#246;lf Euro brutto pro Stunde <\/b><\/p>\n<p>  <b>&#8211; Arbeitszeitverk&#252;rzung auf 30 Stunden pro Woche bei vollem Lohn- und   Personalausgleich <\/b><\/p>\n<p>  <b>&#8211; Gemeinsamer Kampf gegen Arbeitsplatzabbau und Rassismus <\/b><\/p>\n<p>  <b>&#8211; &#214;ffentliche Investitionen bei Bildung, Gesundheit, Soziales &#8211;   finanziert durch die Gewinne der Konzerne und die Verm&#246;gen der Reichen <\/b> <\/p>\n<p>  <b>&#8211; F&#252;r den Aufbau einer Arbeiterpartei mit sozialistischem Programm<\/b> <\/p>\n<\/p>\n<p>  <i>Angelika Teweleit ist Mitglied der Bundesleitung der SAV<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>      Haltung von SozialistInnen zur Kopftuchdebatte<br \/>Die gr&#252;ne Abgeordnete<br \/>\n      Ekin Delig&#246;z rief k&#252;rzlich dazu auf, das Kopftuch abzulegen. 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