{"id":11852,"date":"2006-12-07T00:10:19","date_gmt":"2006-12-07T00:10:19","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=11852"},"modified":"2012-08-21T13:04:30","modified_gmt":"2012-08-21T11:04:30","slug":"11852","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/12\/11852\/","title":{"rendered":"Stromriesen vergesellschaften!"},"content":{"rendered":"<p>In der Energiewirtschaft sprudeln die Gewinne \u2013 gleichzeitig nehmen Sicherheitsm\u00e4ngel zu und steigen die Preise<br \/>Ein St\u00f6rfall im schwedischen Atomkraftwerk Forsmark vom 25. Juli h\u00e4tte beinahe eine Katastrophe ausgel\u00f6st. Aus einem internen Bericht der deutschen Gesellschaft f\u00fcr Anlagen-und Reaktorsicherheit geht hervor, dass die Anlage nach dem Ausfall der gesamten Stromversorgung nur noch 18 Minuten von dem Gr\u00f6\u00dften Anzunehmenden Unfall (GAU) entfernt war.<!--more--><br \/> \u00a0<\/p>\n<p><em>von Pablo Alderete, Stuttgart<\/em><\/p>\n<p>Ein Warnruf, der nach Tschernobyl eigentlich auch in Deutschland geh\u00f6rt werden m\u00fcsste \u2013 sollte man meinen. Doch der deutsche Stromriese EnBW beispielsweise bezieht weiterhin drei Viertel des Stroms aus Atomkraftwerken.<\/p>\n<h5>Gehen auch hier mal die Lichter aus?<\/h5>\n<p>Auch beim deutschen Stromnetz mehren sich die Fragezeichen. Ausl\u00f6ser daf\u00fcr war der Stromausfall im Sp\u00e4therbst dieses Jahres. Das wirft weitere Fragen auf \u2013 nach Investitionen und Kapazit\u00e4ten. Es ist ein ungeschriebenes Gesetz des Kapitalismus, das nach Privatisierungen und \u201eMarkt\u00f6ffnung\u201c knapp kalkuliert und spitz gerechnet wird, um vor allem eines zu erzielen: eine hohe Rendite.<\/p>\n<h5>Monopoly<\/h5>\n<p>Die Liberalisierung des Strommarktes 1998 hat nicht, wie behauptet, dazu gef\u00fchrt, dass die \u201e<em>unsichtbare Hand des Marktes<\/em>\u201c Angebot und Nachfrage reguliert und kleineren Anbietern eine Chance gibt. Im Gegenteil.<\/p>\n<p>Es sind in der Bundesrepublik eine Handvoll Stromkonzerne, die sich ihre Bilanzen vergolden. Die Monopolisten E.on, RWE, EnBW und Vattenfall kommen auf einen Marktanteil von 80 Prozent bei der Stromerzeugung.<\/p>\n<p>Allein im ersten Halbjahr 2006 konnte E.on einen Gewinn von 2,8 Milliarden Euro erwirtschaften, RWE 1,66 Milliarden, EnBW und Vattenfall je eine Milliarde. Kurz nach Bekanntgabe dieser Zahlen im August sickerte durch, dass die Strompreise erneut um im Schnitt zehn Prozent erh\u00f6ht werden sollen.<\/p>\n<h5>Der Filz<\/h5>\n<p>Verflechtungen garantieren eine gro\u00dfe Einflussnahme auf die Politik. Ex-Bundeswirtschaftsminister M\u00fcller arbeitet heute als Berater f\u00fcr RWE. Zahlreiche Politiker aus Nordrhein-Westfalen hatten Beratervertr\u00e4ge mit der gleichen Firma \u2013 bis diese \u201eNebeneink\u00fcnfte\u201c zus\u00e4tzlich zu den \u00fcppigen Di\u00e4ten \u00f6ffentlich wurden. Gegen die Umweltministerin von Baden-W\u00fcrttemberg, wird jetzt ermittelt, weil sie gleichzeitig in der Atomaufsichtsbeh\u00f6rde sitzt. \u00dcbrigens bekam sie von EnBW zwei Freikarten f\u00fcr die Fu\u00dfball-WM. Im S\u00fcdwesten ist EnBW in puncto Sponsoring allgegenw\u00e4rtig.<\/p>\n<h5>Wie der Kapitalismus (nicht) funktioniert<\/h5>\n<p>Die Wurzeln der derzeitigen Macht der Stromkonzerne liegen in dem privaten Eigentum an einem lukrativen und wichtigen Bereich der \u00f6ffentlichen Vorsorge. Privateigentum f\u00fchrt zwangsl\u00e4ufig zu Konkurrenzkampf und Profitstreben. Dem wird alles andere untergeordnet. Die Erh\u00f6hung der Rendite ger\u00e4t in Widerspruch zu den gesamtgesellschaftlichen Interessen. F\u00fcr Investitionen und Erneuerungen wird h\u00f6chstens das N\u00f6tigste ausgegeben, oft nicht einmal das. Damit sind weitere Stromausf\u00e4lle vorprogrammiert. Umweltrisiken und Sch\u00e4den werden in Kauf genommen. Damit die Rendite stimmt, geht die Umwelt den Bach runter.<\/p>\n<h5>Sozialistische Politik<\/h5>\n<p>Wenn wir nennenswert was verbessern wollen, dann m\u00fcssen wir an die Wurzeln gehen. Die Stromriesen m\u00fcssen in Gemeineigentum \u00fcberf\u00fchrt werden. Denn nur was einem geh\u00f6rt, kann man auch kontrollieren.<\/p>\n<p>Gemeineigentum darf nicht hei\u00dfen, dass einige kapitalistische Politiker das Sagen haben. Vielmehr m\u00fcssen die Belegschaften und andere gesellschaftliche Gruppen eine wirksame Kontrolle dar\u00fcber erlangen, wie die Produktion ausgerichtet sein soll, wo investiert wird, wer zu welchem Zweck in welchem Bereich forscht. N\u00f6tig ist also eine demokratische Kontrolle und Verwaltung von Produktion und Forschung im Energiesektor.<\/p>\n<p>Wenn keine Profite mehr f\u00fcr eine kleine Minderheit erwirtschaftet werden m\u00fcssen, um Konkurrenten auszustechen, und zudem ein Leben f\u00fcr einige Wenige in Saus und Braus zu garantieren, dann k\u00f6nnten viele Gelder eingespart werden. Gelder, die in die Infrastruktur und zur Erforschung alternativer Energien und von Energieeinsparmodellen gesteckt werden k\u00f6nnten.<\/p>\n<h5>Es geht um unsere Zukunft<\/h5>\n<p>Im August wurde bekannt, dass die Eisschicht in Gr\u00f6nland in den vergangenen zwei Jahren dreimal schneller geschmolzen ist, als in den vorangegangenen f\u00fcnf Jahren. Geschmolzenes Eiswasser ist nicht so hell wie das wei\u00dfe Eis (welches Sonne reflektiert) und absorbiert mehr Sonnenstrahlen. Das k\u00f6nnte dazu f\u00fchren, dass die Erde mehr Sonnenstrahlen aufnimmt, die Erderw\u00e4rmung weiter steigt, was wiederum mehr Eis zum schmelzen bringt und einen voranschreitenden Kreislauf ausl\u00f6st.<\/p>\n<p>Um aber die Erderw\u00e4rmung und die Klimaprobleme in den Griff zu bekommen, wird es notwendig sein, nicht nur die Energieindustrie dem privaten Zugriff und den Profitinteressen einer kleinen Minderheit zu entziehen, sondern auch die Wirtschaft im Allgemeinen nach den Bed\u00fcrfnissen von Mensch und Umwelt zu gestalten.<\/p>\n<p>Das schreit nach sozialistischer Planung. Und zwar \u00fcber L\u00e4ndergrenzen hinweg. Radioaktive Strahlen machen auch nicht an Grenzen halt. Stromausf\u00e4lle in einem Land k\u00f6nnen auch die Nachbarl\u00e4nder treffen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Energiewirtschaft sprudeln die Gewinne \u2013 gleichzeitig nehmen Sicherheitsm\u00e4ngel zu und steigen die Preise<br \/>\nEin St\u00f6rfall im schwedischen Atomkraftwerk Forsmark vom 25. 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