{"id":11845,"date":"2006-11-26T14:46:09","date_gmt":"2006-11-26T13:46:09","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=11845"},"modified":"2012-07-02T19:38:01","modified_gmt":"2012-07-02T17:38:01","slug":"11845","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/11\/11845\/","title":{"rendered":"Polen: Grubenungl&#252;ck in Ruda Slaska"},"content":{"rendered":"<p>  Einer Explosion in der Halemba-Mine in Polen fallen 23 Bergleute zum   Opfer.<!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>Paul Newberry, Grupa na rzecz Partii Robotniczej (GPR;   Schwesterorganisation der SAV und Sektion des CWI in Polen), Warschau,   24. November 2006, &#252;bersetzt von Gerd Schuster<\/i><\/p>\n<p>  Die Trag&#246;die geschah am vergangenen Dienstag, als eine Methan-Explosion   einen Grubenschacht zerriss und 23 Bergleute t&#246;tete, die sich in diesem   Schacht befanden. 23 Bergleute waren in diesen Schacht, der f&#252;r seine   gef&#228;hrlich hohen Methan-Konzentrationen bekannt ist, geschickt worden,   um Ger&#228;t im Wert von 17,9 Mio. Euro von dort abzutransportieren.<\/p>\n<p>  Im vergangenen Jahr hat die GPR in Kampagnen zu Arbeitnehmer-Rechten eng   mit den Bergleuten der Halemba-Mine zusammen gearbeitet. Die Kumpel   haben die Klischees widerlegt, nach denen der polnische Arbeiter   stereotypisch tief religi&#246;s und konservativ ist. In j&#252;ngster   Vergangenheit sind Bergleute der Halemba-Mine nach Warschau gekommen, um   dort eine Demonstration f&#252;r das Recht auf Abtreibung zu unterst&#252;tzen.   Das war die Antwort auf den Versuch der &quot;Liga der polnischen Familie&quot;,   Abtreibungen generell &#8212; also auch im Falle von Vergewaltigung, Inzest   und bei Lebensgefahr f&#252;r die Schwangere &#8212; durchzusetzen. Vor dieser   Demo waren schon einmal Mitglieder derselben Gewerkschaft nach Warschau   gekommen, um Feministinnen, Schwule und Lesben bei ihrerm Marsch am 8.   M&#228;rz zu unterst&#252;tzen. Fast jeden Monat fahren ganze Busladungen mit   Bergleuten durchs Land und unterst&#252;tzen Streikaktionen oder   Demonstrationen. Sie zeigen ihre Solidarit&#228;t mit anderen Gruppen   protestierender ArbeiterInnen und opfern daf&#252;r h&#228;ufig ihre Freizeit. <\/p>\n<p>  Die Medien beklagen nun den tragischen Verlust von Menschenleben,   nachdem sie jahrelang dazu beigetragen haben, der polnischen   Gesellschaft weis zu machen, dass die Besch&#228;ftigten im Bergbau eine Last   f&#252;r die Gesellschaft darstellen w&#252;rden und es nicht einzusehen ist,   weshalb die Kumpel fr&#252;her in Rente gehen d&#252;rfen als andere   ArbeitnehmerInnen. Einen anderen widerlichen Anblick bieten die   Regierungsmitglieder mit ihren Krokodilstr&#228;nen nach dem Ungl&#252;ck;   besonders der Premierminister, Jaroslaw Kaczynski, der sich sofort nach   Bekanntwerden des Ungl&#252;cks zur Mine begab. Es wurde viel davon geredet,   dass die Mine &quot;unter einem schlechten Stern&quot; stehe und davon, dass es   man &quot;Pech gehabt&quot; habe. Damit soll die Rolle von Gesch&#228;ftsf&#252;hrung und   Privatwirtschaft &#252;bert&#252;ncht werden, die diese bei dem Ungl&#252;ck spielten.   Gesundheits- und Sicherheitsvorkehrungen sind zur&#252;ckgefahren worden, um   Profite &#252;ber Menschenleben zu setzen.<\/p>\n<p>  Die Trag&#246;die ist vermeidbar gewesen. Boguslaw Zietek, Vorsitzender der   gr&#246;&#223;ten Gewerkschaft in der Halemba-Mine, Sierpien 80, sagte uns: &quot;Sie   wurden in den Tod geschickt, um unter lebensgef&#228;hrlichen Bedingungen   Ger&#228;tschaften aus dem stillgelegten Schacht zu bergen, von dem bekannt   war, dass sich dort Methan in der Luft befand. Vor einem Jahr gab es   schon einmal einen Unfall und der Schacht wurde daraufhin geschlossen.   Er wurde dann nach einigen Wochen wieder ge&#246;ffnet, um die Ger&#228;tschaften   zu bergen. Von Anfang an war klar, dass dort weiterhin hohe   Methankonzentrationen vorhanden waren. Die ganze Mine wusste Bescheid   &#252;ber diesen Fakt, aber nichts wurde dagegen unternommen. Es geht in der   Mine zu wie beim Milit&#228;r: Es gibt eine Order und du musst sie erf&#252;llen   &#8212; keine Diskussion.&quot; Zietek f&#252;gte hinzu: &quot;Es gibt Hunderte von   M&#246;glichkeiten, die Sensoren, die dort unten angebracht sind, zu   manipulieren.&quot;<\/p>\n<p>  Der ganzen Sache kommt ein weiterer fader Beigeschmack bei, wenn mensch   wei&#223;, dass die Mehrheit der Toten nicht Besch&#228;ftigte der Mine selbst,   sondern Mitarbeiter einer Privatfirma waren, die von einem ehemaligen   Mitglied der Gesch&#228;ftsf&#252;hrung einer benachbarten Mine gegr&#252;ndet wurde.   &quot;Diese Kollegen arbeiten f&#252;r&#180;n Apfel und&#180;n Ei und sie machen mit ihnen,   was sie wollen. Ganz anders als die Besch&#228;ftigten der Mine selbst.&quot;   erkl&#228;rt Zietek.<\/p>\n<p>  Gestern wurde im Fernsehen ein Bergmann mit dem R&#252;cken zur Kamera   gezeigt, der aus Angst vor Repressalien seine Identit&#228;t nicht preisgeben   wollte. Er versicherte, dass bewusst fehlerhafte Sensoren zur   Feststellung der Methankonzentration angebracht wurden, um die Gewinne   nicht einbrechen zu lassen.<\/p>\n<p>  Krzysztof Labadz, Mitglied von Sierpien 80 aus einer anderen Kohlenzeche   in der Region, z&#228;hlte die wahren Gr&#252;nde f&#252;r diese Trag&#246;die auf, als er   die Gesch&#228;ftsf&#252;hrung anklagte, Gewinne &#252;ber Menschenleben zu setzen. <\/p>\n<p>  Die Halemba-Mine h&#228;lt den traurigen Rekord schwerer Unf&#228;lle. 1990 t&#246;tete   eine Explosion 19 Bergleute. Ein Jahr sp&#228;ter wurden 5 Kumpel bei einem   Absturz get&#246;tet. Seit 2003 starben &#252;ber 80 Bergleute in polnischen   Zechen. Die Gewerkschaften beklagen die viel zu geringen Investitionen   und die gewissenlose Gier nach Profiten.<\/p>\n<p>  Sierpien 80 fordert die Entlassung der Halemba-Gesch&#228;ftsf&#252;hrung, damit   Bergleute und Zeugen des Ungl&#252;cks frei und ohne Angst vor Strafe die   Trag&#246;die aufarbeiten und aussagen dazu machen k&#246;nnen. Die Bergleute   verlangen nach der Wahrheit &#252;ber Halemba &#8212; keine weitere Vertuschung   von Tatsachen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>      Einer Explosion in der Halemba-Mine in Polen fallen 23 Bergleute zum<br \/>\n      Opfer.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[43],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11845"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11845"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11845\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11845"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11845"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11845"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}