{"id":11818,"date":"2006-11-02T09:18:16","date_gmt":"2006-11-02T09:18:16","guid":{"rendered":".\/?p=11818"},"modified":"2006-11-02T09:18:16","modified_gmt":"2006-11-02T09:18:16","slug":"11818","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/11\/11818\/","title":{"rendered":"&#8220;Eine andere Politik ist m&#246;glich&#8221;"},"content":{"rendered":"<p>  Belgien: Konferenz zur linken Neuformierungsprozess <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>von Tanja Niemeier, Gent<\/i><\/p>\n<p>  Mehr als 500 Jugendliche, Gewerkschaftsmitglieder, darunter zahlreiche   Vertrauensm&#228;nner und &#8211;frauen, Vertreter der sozialen Bewegungen sowie   G&#228;ste und Beobachter verschiedener Organisationen und Parteien aus allen   Landesteilen Belgiens f&#252;llten am vergangenen Samstag das Auditorium   Janson der freien Universit&#228;t Br&#252;ssel (ULB).<\/p>\n<p>  Sie waren der gemeinsamen Einladung der beiden unabh&#228;ngig voneinander   existierenden Initiativen &#8220;Komitee f&#252;r eine andere Politik&#8221; (CAP) und   &#8220;Eine andere Linke&#8221; (UAG) gefolgt um &#252;ber die Notwendigkeit einer neuen   politischen Interessensvertretung f&#252;r Lohnabh&#228;ngige und Erwerbslose zu   diskutieren. Bei der Abstimmung waren sich die TeilnehmerInnen mit   &#252;bergro&#223;er Mehrheit einig, dass sie bei den vermutlich im Mai   stattfindenden Parlamentswahlen mit alternativen Listen antreten wollen.   Damit ist in den Augen der Mehrheit der Veranstalter ein wichtiges,   wenngleich umstrittenes, Ziel erreicht worden.<\/p>\n<p>  &#8220;Das neue Projekt hat das Potential 15% der Stimmen zu erreichen&#8221;, so   zitiert die belgische Tageszeitung De Standaard Jef Sleeckx, den wohl   bekanntesten Mitinitiator des Komitees f&#252;r eine andere Politik (CAP).   Jef Sleeckx war 22 Jahre lang Abgeordneter f&#252;r die Sozialistsiche Partei   (SP), heute SP.a., im belgischen Nationalparlament. Er kommt aus der   Bergbauregion &#8220;Kempen&#8221;. Es ist auch der Bergbau und der Widerstand gegen   Grubenschlie&#223;ungen, der ihn in die Politik gebracht hat. Heute erkl&#228;rt   Sleeckx, dass es Schl&#252;sselmomente in der gesellschaftlichen Entwicklung   gibt, die politische Konsequenzen nach sich ziehen. Die Zustimmung zur   EU-Verfassung und die Beteiligung an der Ausarbeitung des sogenannten   &#8220;Generationenvertrages&#8221;, der belgischen Version der Agenda 2010, durch   die SP.a, die eine jahrzehntelange Kontinuit&#228;t der Regierungsbeteiligung   auf allen Ebenen kennt, waren derartige Schl&#252;sselmomente, so Sleeckx. So   ist es auch kein Zufall, dass die Konferenz genau ein Jahr nach der   Generalstreiksbewegung gegen den Generationenpakt stattfindet. Sie ist   so etwas wie der Geburtsmoment der Idee einer neuen politischen   Interessenvertretung geworden. &#8220;In den Gespr&#228;chen an den Streikposten   musste ich feststellen, wie gross die Frustration der Leute &#252;ber die   Politik der Sozialdemokratie ist, &#8221; so Sleeckx und &#8220;dass etwas links von   SP.a und PS (wallonische Sozialdemokratie) entstehen muss, um die   Interessen des kleinen Mannes zu verteidigen&#8221;. Er sei &#252;berzeugt, dass es   einen Platz gibt f&#252;r eine linke Alternative mit einem deutlich   anti-neoliberalen Profil. Inhaltlich und programmatisch f&#252;hrte Sleeckx   dies jedoch nicht weiter aus.<\/p>\n<p>  In den verschiedenen Redebeitr&#228;gen wurde die Notwendigkeit einer neuen   Interessensvertretung unterst&#252;tzt. Insbesondere Vertrauensleute aus den   Betrieben illustrierten, dass sie in ihren Protesten keine politischen   B&#252;ndnispartner mehr finden. Dabei wurde vielfach auch die F&#252;hrungen der   beiden grossen Gewerkschaftsdachverb&#228;nde kritisiert. Levi Solie,   Vertrauensmann bei Bayer in der Industrie-und Hafenstadt Antwerpen wies   darauf hin, dass diese sich aufgrund der politsichen Verflechtung mit   den etablierten Parteien nicht entschieden genug f&#252;r die Interessen der   Belegschaften einsetzen.<\/p>\n<p>  <b>Kampf gegen VB<\/b><\/p>\n<p>  Der politische Kampf gegen den rechtsextremen Vlaams Belang (VB),   vormals Vlaams Blok, muss eines der Hauptanliegen einer neuen linken   Formation sein, betonte Nikei Depooter, Student und Mitglied der im CAP   und auf der Konferenz deutlich vertretenen Linkse Socialistische   Partij\/Mouvement por une Alternative Socialiste (LSP\/MAS &#8211;   Schwesterorganisation der SAV in Belgien) aus Antwerpen. Unl&#228;ngst   br&#252;stete sich die SP.a in der Hafenstadt damit durch ihren   Stimmenzuwachs bei den Kommunalwahlen vom 8. Oktober dem Wachstum des VB   Einhalt geboten zu haben. Bei genauerm Betrachten der Wahlergebnisse   muss jedoch festgestellt werden, dass die SP.a allein ihre &#8220;Konkurrenten   gefressen&#8221; habe, so Nikei. Keine einzige Stimme von VB W&#228;hlern sei   zur&#252;ckgewonnen worden. In der zweitgr&#246;&#223;ten belgischen Stadt lebt ein   Viertel der Menschen in Armut. Die Vertreter der etablierten Politik   haben darauf keine Antwort und wir k&#246;nnen nur bestehen, wenn es uns   gelingt, tats&#228;chliche Alternative zu formulieren, so der junge Mann.<\/p>\n<p>  Noch ist nicht deutlich, welchen Weg das Projetkt nehmen wird. Deutlich   wurden unterschiedliche Ans&#228;tze, die sich organisatorisch im Moment   entlang der Sprachgrenze niederschlagen. Die Vertreter der   franz&#246;sischsprachigen Initiative UAG bevorzugen ein f&#246;derales Projekt,   die Vetreter des mehrheitlich niederl&#228;ndischsprachigen CAP, unterst&#252;tzt   von LSP\/MAS in Flandern, Br&#252;ssel und der Wallonie, wollen ein   gemeinsames nationales Vorgehen mit einheitlichen Strukturen. Dieser   Vorschlag wurde auf der Konferenz von der Mehrheit, darunter auch von   wichtigen franz&#246;sischsprachigen Gewerkschaftsaktivisten, unterst&#252;tzt.   Allein die Tatsache, dass Br&#252;ssel zweisprachig ist, sollte Grund genug   sein, um in der Hauptstadt mit einer gemeinsamen Organisationsform   aufzutreten, erkl&#228;rten viele Teilnehmer in den G&#228;ngen der Universit&#228;t   Br&#252;ssels, die ebenfalls ihre Auseinandersetzungen um die nationale Frage   in dem 10 Millionen z&#228;hlenden Nachbarland kennt.<\/p>\n<p>  <b>Rolle von LSP\/MAS<\/b><\/p>\n<p>  Lode van Outrieve, zwischen 1994 und 1999 Mitglied des Europ&#228;ischen   Parlaments f&#252;r die SP bedankte sich in seinen abschliessenden   Bemerkungen bei LSP\/MAS vor allen Dingen f&#252;r die organisatorischen   Unterst&#252;tzung zum Gelingen der Konferenz. Die R&#228;umlichkeiten an der   Universit&#228;t konnten durch LSP\/MAS organisiert werden. Mitglieder und   Sympathisanten der Schwesterorganisation der SAV waren auch schon in den   fr&#252;hen Morgenstunden des Samstags im Einsatz um 1.600 Br&#246;tchen f&#252;r das   leibliche Wohlergehen der KonferenzteilnehmerInnen zu schmieren. Das   unterstreicht sehr deutlich das Selbstverst&#228;ndnis unserer Organisation.   Wir wollen mit Rat und Tat einen Beitrag leisten zum Wiederaufbau der   Arbeiterbewegung und ihren Organisationen. Genau wie in Deutschland   tritt LSP\/MAS seit dem Zusammenbruch des Stalinismus und der damit   einhergehenden Verb&#252;rgerlichung der sozialdemokratischen Parteien   Europas und gro&#223;en Teilen der Welt f&#252;r den Aufbau von neuen   Arbeiterparteien ein. LSP\/MAS ist von Beginn an aktiver Teil des   Komitees f&#252;r eine andere Politik gewesen. Die Teilnahme an den   Kommunalwahlen wurde in erster Linie zur Mobilisierung f&#252;r den 28.10.   und zur Verbreitung der Idee einer neuen Arbeiterpartei und des   Projektes CAP genutzt. Die aktive Teilnahme spiegelt sich an dem Tag   selber dann auch nicht nur im Br&#246;tchen schmieren und in der Organisation   der &#214;rtlichkeiten wieder. Zwei f&#252;hrende Mitglieder waren Teil des   6-k&#246;pfigen Pr&#228;sidiums. 350 der bis zu 600 Anwesenden waren Mitglieder   und Sympathisanten von LSP\/MAS. Das traf sicherlich auf den gro&#223;en Teil   der Jugendlichen Anwesenden zu, aber auch auf wichtige Vertreter aus dem   gewerkschaftlichen Bereich. Die inhaltlichen Beitr&#228;ge der GenossInnen   wurden mit viel Applaus bedacht und auch in den 12 Arbeitgruppen wurde   der aktuelle politische Einfluss deutlich. Vielfach waren es die   Mitglieder von LSP\/MAS, die, anders als in den zum Teil sehr abgehobenen   und abstrakt radikalen Beitr&#228;gen von Vertretern anderer Organisationen   der sogenannten extremen Linken, anhand konkreter Beispiele und   Erfahrungen die Notwendigkeit eines antikapitalistischen und   sozialistischen Programms deutlich machen konnten. Auch die   internationalen Erfahrungen, die WASG Stadtrat und SAV Mitglied Marc   Treude aus Aachen in die Konferenz einbringen konnte, waren sehr   willkommen.<\/p>\n<p>  <b>Wie geht es weiter?<\/b><\/p>\n<p>  Die ersten konkreten Schritte sind gemacht. Die Abstimmung der   Resolution hat gr&#252;nes Licht gegeben, um bei den kommenden Wahlen mit   eigenst&#228;ndigen Listen kandidieren zu k&#246;nnen und um nach M&#246;glichkeit an   einem einheitlichen Projekt zu bauen. Dennoch bestehen Zweifel, ob die   Initiative tats&#228;chlich aus den Kinderschuhen wachsen wird und den   Praxistest bestehen wird. Die gute Beteiligung, insbesondere von   Gewerkschaftern, an der Konferenz dr&#252;ckt das Potential f&#252;r eine neue   Partei oder Bewegung links von der Sozialdemokratie und den Gr&#252;nen aus.   Gleichzeitig offenbarte das Zusammenkommen entscheidende Schw&#228;chen.   Programmatisch und inhaltlich blieb man sehr vage. Jef Sleeckx &#228;usserte   sich kaum &#252;ber den Charakter und die inhaltlichen Herausforderungen an   eine neue Formation. Es gab keine konkreten Vorschl&#228;ge zur weiteren   Arbeit oder f&#252;r eine gemeinsame Kampagne. Eine &#246;ffentliche Zusammenkunft   des provisorischen Leitungsgremiums am 6. November wird hoffentlich   einige Antworten geben k&#246;nnen. LSP\/MAS wird den Aufbau einer neuen   Interessensvertretung der Arbeiterklasse in Belgien weiterhin nach allen   Kr&#228;ften unterst&#252;tzen.Die Mitglieder und Symapthisanten von LSP\/MAS   werden sich aktiv und unterst&#252;tzend am Aufbau lokaler Gruppen   beteiligen; gleichzeitig werden wir in solidarischer Art und Weise   unsere Kritik und die Notwendigkeit eines &#252;ber den Kapitalismus   hinausgehenden Programms in die Diskussion einbringen.<\/p>\n<p>  <i>Weitere Infos unter <a href=\"http:\/\/www.socialisme.be\">  www.socialisme.be<\/a> und unter <a href=\"http:\/\/www.anderepolitiek.be\">  www.anderepolitiek.be<\/a><\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>      Belgien: Konferenz zur linken Neuformierungsprozess<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[46],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11818"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11818"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11818\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11818"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11818"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11818"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}