{"id":11815,"date":"2006-10-31T13:59:04","date_gmt":"2006-10-31T12:59:04","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=11815"},"modified":"2012-07-02T19:38:15","modified_gmt":"2012-07-02T17:38:15","slug":"11815","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/10\/11815\/","title":{"rendered":"Griechenland &#8211; Massenproteste im Bildungswesen ersch&#252;ttern das Land"},"content":{"rendered":"<p>  Forderungen nach h&#246;heren Geh&#228;ltern und mehr Geld f&#252;r die Bildung<!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>von Tony Saunois und Andros Payiatsos, CWI, London und Athen<\/i><\/p>\n<p>  Gestern beschloss die F&#252;hrung der Lehrergewerkschaft in Griechenland,   den Dauerstreik der LehrerInnen zu beenden, und mit w&#246;chentlichen   eint&#228;tigen Streiks weiterzumachen. Grund ist die Ersch&#246;pfung der   LehrerInnen nach dem sechsw&#246;chigen Dauerstreik. Aber sie weigern sich   nach wie vor, ihren Kampf aufzugeben. Sie wollen in den n&#228;chsten zwei   Wochen mit jeweils mindestens einem 24st&#252;ndigen Streik pro Woche   fortfahren (am 3. und 9. November).<\/p>\n<p>  Grundschulen in Griechenland hatten dieses Jahr noch nicht ge&#246;ffnet. Vom   ersten Tag des neuen Schuljahres an hatten sich die   GrundschullehrerInnen zu einem f&#252;nft&#228;tigen Streik entschlossen, und   erneuerten diesen Beschluss jede Woche.<\/p>\n<p>  Sie verlangen h&#246;here Geh&#228;lter, aber auch mehr Ressourcen f&#252;r das   staatliche Bildungswesen. Ab der drittens Streikwoche bekamen die   GrundschullehrerInnen Unterst&#252;tzung von den LehrerInnen der   weiterf&#252;hrenden Schulen, jede Woche zu drei Tagen Streik aufriefen.<\/p>\n<p>  <b>Eine fantastische Bewegung<\/b><\/p>\n<p>  Dieser fantastischen Bewegung schlossen sich in der vierten Woche   tausende von Sch&#252;lerInnen an, von denen viele ihre Schulen besetzten.   Von 3.000 Schulen sind fast 1.000 zurzeit besetzt.<\/p>\n<p>  Seit Beginn der Woche wollen sich die StudentInnen der Bewegung   anschlie&#223;en, was die Perspektive einer landesweiten Bewegung aufwirft,   an der zum ersten mal alle Bereiche des staatlichen Bildungswesens   beteiligt sind.<\/p>\n<p>  Viele Massendemonstrationen haben stattgefunden, jeden Mittwoch gibt es   einen landesweiten Aktionstag der Lehrerinnen und StudentInnen. Letzten   Mittwoch, dem 22. 10., demonstrierten, selbst als sich der Lehrerstreik   seinem Ende zuneigte, ca. 20.000 LehrerInnen und ihre Sch&#252;lerInnen in   Athen und 5.000 in Thessaloniki.<\/p>\n<p>  <b>Forderungen<\/b><\/p>\n<p>  Neben einer Erh&#246;hung ihres Gehaltes von bisher 950 &#8364; im Monat fordern   die GrundschullehrerInnen auch mehr Ressourcen f&#252;r die staatliche   Bildung. Unter anderem sind das eine Erh&#246;hung der staatlichen   Bildungsausgaben von 3% des BIP auf den Eu- Durchschnitt von 5% und eine   Reduzierung der Klassenst&#228;rke von 30 auf 20.<\/p>\n<p>  Diesen Forderungen f&#252;gten die LehrerInnen der weiterf&#252;hrenden Schulen   und die Studentinnen einige hinzu. Erstere fordern auch die Einrichtung   von Schulkonferenzen, um die F&#252;hrung der Schulen aus der strengen   Kontrolle der Direktoren zu rei&#223;en. Sie fordern auch die Abschaffung von   Aufnahmepr&#252;fungen f&#252;r Studienpl&#228;tze. Zurzeit wird StudentInnen, die von   20 Punkten weniger als 10 bei den Pr&#252;fungen bekommen, die Aufnahme in   die Hochschule verweigert, selbst wenn es freie Pl&#228;tze gibt.<\/p>\n<p>  Eine zentrale Forderung dieser Bewegung ist die Verteidigung des   Artikels 16 der griechischen Verfassung, den die rechte Regierung der   Nea Democratia ( Neue Demokratie) abschaffen will. Dieser Artikel   verhindert die Einf&#252;hrung privater Bildungseinrichtungen im   Bildungssystem. Leider war die neo- kapitalistische sozialdemokratische   PASOK nicht dagegen, sondern verlangte nur eine Verschiebung der   Entscheidung im Parlament.<\/p>\n<p>  <b>Xekinimas Kampagnearbeit in dem Kampf<\/b><\/p>\n<p>  Die griechische CWI &#8211; Sektion, Xekinima, in dieser Bewegung voll dabei   und k&#228;mpft f&#252;r eine vereinigte Bildungsfront. Die zentralen Forderungen,   die in tausenden Flugbl&#228;ttern, die in Arbeitervierteln und unter   Sch&#252;lerInnen und StudentInnen verteilt wurden, sind ein gemeinsamer   Streik im Bildungswesen, unterst&#252;tzt von einem 24st&#252;ndigen Generalstreik   aller Besch&#228;ftigten, die diese Bewegung unterst&#252;tzen.<\/p>\n<p>  Gleichzeitig treten Xekinima- Unterst&#252;tzerInnen aktiv f&#252;r die   demokratische Kontrolle der Sch&#252;ler- und Studierendenbewegung und der   Wahl von Koordinationskomitees ein. Letzten Mittwoch mobilisierten   Xekinima &#8211; Mitglieder in Thessaloniki 200 Sch&#252;lerInnen auf die   Demonstration (verglichen mit 500, die die Kommunistische Partei KKE   mobilisiert hatte). Dies stellt einen Durchbruch dar in der Arbeit von   Xekinima in Thessaloniki, nachdem &#228;hnliche Erfolge bereits in den   St&#228;dten Volos und Athen erreicht werden konnten.<\/p>\n<p>  Eine landesweite Konferenz (Koordinationskomitee) der Sch&#252;lerInnen   letzte Woche wurde von 200 Delegierten und Einzelpersonen besucht. Das   Koordinationskomitee der Sch&#252;lerInnen hatte sich bis dahin im Geheimen   getroffen, da es von der griechischen KKE ins Leben gerufen worden war.   Durch Xekinimas konsequente Kampagne f&#252;r ein demokratisches   Koordinationsgremium war die KKE- Jugend gezwungen worden, das Treffen   &#246;ffentlich zu veranstalten.<\/p>\n<p>  Auf diesem Treffen unterschrieben VertreterInnen von zehn besetzten   Schulen Resolutionen, die von Xehinima unterst&#252;tzt wurden und forderten,   dass Sch&#252;lerInnen und LehrerInnen gemeinsam demonstrieren sollten statt   getrennt, was die KKE ablehnte, und die demokratische Wahl eines   Sch&#252;lerkoordinationskomitees f&#252;r den Kampf. Die KKE konnte keine   Mehrheit bekommen, und lehnte eine Abstimmung &#252;ber die Resolution ab. Am   Ende brach sie das Treffen ab &#8211; dies entlarvte sie nur noch weiter und   sogar einige ihrer Mitglieder waren von der undemokratischen   Vorgehensweise ihrer F&#252;hrung abgesto&#223;en.<\/p>\n<p>  <b>Aufgaben des Tages<\/b><\/p>\n<p>  In diesem Moment konzentriert sich die Hauptkampagne der Xekinima &#8211;   Unterst&#252;tzerInnen auf die StudentiInnen und den Aufruf, alle   Universit&#228;ten zu besetzen.<\/p>\n<p>  Leider untergr&#228;bt die Ersch&#246;pfung der LehrerInnen die M&#246;glichkeiten   einer allgemeinen Bildungsfront.<\/p>\n<p>  Auf diese Gefahr hatte Xekinima von der ersten Woche des Lehrerstreiks   an aufmerksam gemacht. Xekinima begr&#252;&#223;te nat&#252;rlich die Militanz des   Kampfes der GrundschullehrerInnen, die niemals in ihrer Geschichte solch   eine Kampfbereitschaft gezeigt hatten, aber gleichzeitig erkl&#228;rte   Xekinima, dass es ein Fehler sei, alleine in den Kampf zu treten.   Besonders, da alle Bereichen der Bildung g&#228;rte, nach den zweimonatigen   Besetzungsaktionen der Universit&#228;sdozentInnen im letzten Mai und Juni.   Unsere &#196;ngste waren gerechtfertigt &#8211; wenn der Rest des Bildungssektors   in den Kampf tritt, sind die LehrerInnen zu ersch&#246;pft , um   weiterzumachen.<\/p>\n<p>  Trotzdem muss ein Versuch unternommen werden, die Studierenden   herauszuholen. Es gibt keine andere Option. Wenn sie k&#228;mpfen, k&#246;nnten   die LehrerInnen ihre Streiks fortsetzen, wenn auch in abgemilderter Form   als bisher. Dieser Versuch, einen gemeinsamen Bildungsstreik aufzubauen,   ist der einzige Weg, die Regierung zum Aufgeben zu zwingen.<\/p>\n<p>  Die Perspektiven f&#252;r die Studierenden sind immer noch unklar. Jede   Vollversammlung der Studierenden in jeder Universit&#228;t endet in einem   Krieg, da die ND &#8211; Jugend jedesmal all ihre Kr&#228;fte mobilisiert und mit   allen Mitteln versucht, die Besetzungsbewegung zu stoppen. Die n&#228;chste   Woche wird entscheidend sein.<\/p>\n<p>  Diese Bewegung stellt eine wichtige Ver&#228;nderung der Situation in   Griechenland dar und dem Kampf der Massen gegen die neoliberale ND-   Regierung. W&#252;rde eine Bildungsfront aufgebaut, w&#228;re dies eine v&#246;llig   neuartige Entwicklung. Und zweifellos w&#252;rde sich diese sich auf die   gesamte Arbeiterklasse Griechenland auswirken.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>      Forderungen nach h&#246;heren Geh&#228;ltern und mehr Geld f&#252;r die Bildung<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[44],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11815"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11815"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11815\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11815"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11815"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11815"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}