{"id":11808,"date":"2006-10-26T08:05:59","date_gmt":"2006-10-26T08:05:59","guid":{"rendered":".\/?p=11808"},"modified":"2006-10-26T08:05:59","modified_gmt":"2006-10-26T08:05:59","slug":"11808","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/10\/11808\/","title":{"rendered":"Soziale Explosion in Mexiko"},"content":{"rendered":"<p>  Streiks, und Gro&#223;demos dauern an. Schritte Richtung Selbstorganisation   werden gemacht <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Seit der Wahlf&#228;lschung bei der Pr&#228;sidentschaftswahl im Juli kommt es zu   Massenprotesten. Die Wut richtet sich dagegen, dass der neoliberale   Felipe Calder&#243;n von der Regierungspartei PAN (Partei der Nationalen   Aktion) und nicht L&#243;pez Obrador von der PRD (Partei der Demokratischen   Revolution), ein radikaler b&#252;rgerlicher Populist, zum Sieger erkl&#228;rt   wurde.<\/p>\n<p>  <i>von Rafael Reimann, Hamburg <\/i>    <\/p>\n<p>  L&#243;pez Obrador und seine PRD mussten aufgrund des anhaltenden Aufruhrs   viel weiter gehen, als sie sich vor der Wahl wohl h&#228;tten vorstellen   k&#246;nnen. Am 16. September rief Obrador in Mexico City eine   &#8222;Gegenregierung&#8220; aus. Das Stadtzentrum wird seit Monaten regelrecht   belagert. Tausende harren dort in Zelten aus. Am 16. September waren 1,5   Millionen beteiligt, als Obrador zum &#8222;Pr&#228;sident&#8220; der &#8222;Gegenregierung&#8220;   gek&#252;rt wurde. Sie verpflichteten sich, auf Basis zivilen Ungehorsams am   1. Dezember die Amts&#252;bergabe vom bislang amtierenden Pr&#228;sidenten Vicente   Fox an Felipe Calder&#243;n (beide von der PAN) zu verhindern.<\/p>\n<p>  <b>Wie links ist Obrador? <\/b>    <\/p>\n<p>  Obrador und die PRD sind keine Gegner des b&#252;rgerlichen Parlamentarismus   und der Marktwirtschaft. Sie lie&#223;en beispielsweise auch die   Milit&#228;rparaden zum Nationalfeiertag ungest&#246;rt ablaufen. Sie beschr&#228;nken   sich darauf, Korruption und Armut anzuprangern. Was die Herrschenden in   Mexiko wirklich f&#252;rchten, sind nicht Obrador und seine   Parteiangeh&#246;rigen, sondern die Erwartungen, die bei Millionen von   ArbeiterInnen, Bauern und Jugendlichen geweckt wurden. W&#252;rde Obrador als   Pr&#228;sident vereidigt &#8211; so die Sorge der herrschenden Klasse &#8211; dann   k&#246;nnten sich dar&#252;ber Massenstreiks und Besetzungen Bahn brechen &#8211; und   Obrador zwingen, weitergehende Ma&#223;nahmen zu ergreifen.<\/p>\n<p>  <b>Aufst&#228;ndische in Oaxaca <\/b>    <\/p>\n<p>  Nicht nur in der Hauptstadt halten die Proteste an. Stahlarbeiter   streikten 141 Tage und lieferten sich Schlachten mit der Polizei. Ihnen   wurden nicht nur alle Forderungen erf&#252;llt, sie konnten die Unternehmer   auch zwingen, f&#252;r jeden Streiktag Lohn auszuzahlen. Mitte November   sollen 400.000 Staatsbesch&#228;ftigte in sozialen Diensten in den Ausstand   treten.<\/p>\n<p>  Das wird noch in den Schatten gestellt von den Ereignissen im   Bundesstaat Oaxaca. Dort entwickelt sich regelrecht ein Volksaufstand.   Ausgehend von einem k&#228;mpferischen Lehrerstreik f&#252;r h&#246;here L&#246;hne wurde   eine Volksversammlung (APPO) ins Leben gerufen, die Hunderte von   gewerkschaftlichen, sozialen, indigenen und politischen Organisationen   umfasst. Sie trotzten den Eins&#228;tzen von Paramilit&#228;rs und Polizei. Ziel   ist eine neue Verfassung. Eine Dynamik hat sich entfaltet, die dem von   der jahrzehntelangen Regierungspartei PRI gestellten Gouverneur immer   weniger Spielraum l&#228;sst. Das Parlament f&#252;hrt nur noch heimliche Treffen   in Hotels durch. Die Polizei hat sich zur&#252;ckgezogen. Acht   Rundfunkstationen wurden besetzt.<\/p>\n<p>  Hier l&#228;sst sich schon von Z&#252;gen einer Doppelherrschaft sprechen. Der   kapitalistische Staatsapparat hat die Lage l&#228;ngst nicht mehr v&#246;llig   unter Kontrolle.<\/p>\n<p>  In Oaxaca k&#246;nnte sich die Situation jetzt zuspitzen. Zum   Redaktionsschluss der Solidarit&#228;t lehnten die streikenden LehrerInnen   eine Vereinbarung ab, die von Lehrergewerkschaft, Regierung und APPO   ausgehandelt worden war. Vivente Fox droht nun mit dem Einsatz von   Polizei und Milit&#228;r gegen die LehrerInnen.<\/p>\n<p>  <b>Aufgaben <\/b>    <\/p>\n<p>  Wie lange wird der US-Imperialismus, der gro&#223;e Nachbarstaat im Norden,   den Entwicklungen noch zusehen? Die Zeit dr&#228;ngt. N&#246;tig w&#228;re jetzt eine   Kampagne f&#252;r einen eint&#228;gigen Generalstreik. Demokratisch gew&#228;hlte   Aktionskomitees m&#252;ssten in den Betrieben und auf allen Ebenen geschaffen   werden. Diese m&#252;ssten &#252;berregional und national mit einander verbunden   werden. Es f&#252;hrt kein Weg daran vorbei, dass die Arbeiterklasse ihre   eigenen unabh&#228;ngigen Organisationen aufbaut. Die Gewerkschaften mit   ihren zehn Millionen Mitgliedern m&#252;ssen demokratisiert werden. Eine   Arbeiterpartei ist n&#246;tig &#8211; die den Kampf gegen Vetternwirtschaft und   Neoliberalismus mit dem Kampf zum Sturz des kapitalistischen Systems   verbindet und das Ziel einer sozialistischen F&#246;deration in ganz   Lateinamerika verfolgt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>      Streiks, und Gro&#223;demos dauern an. 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