{"id":11806,"date":"2006-10-30T08:00:28","date_gmt":"2006-10-30T08:00:28","guid":{"rendered":".\/?p=11806"},"modified":"2006-10-30T08:00:28","modified_gmt":"2006-10-30T08:00:28","slug":"11806","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/10\/11806\/","title":{"rendered":"&#8222;Das Selbstbewusstsein ist gestiegen&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>  Streikende erzielen an der Charit&#233; einen akzeptablen Kompromiss. Ein   Gespr&#228;ch mit Carsten Becker<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>Carsten Becker ist Vorsitzender der ver.di-Betriebsgruppe am Berliner   Uniklinikum Charit&#233; und Mitglied der betrieblichen Streikleitung sowie   der gewerkschaftlichen Tarifkommission. Mit ihm sprach Daniel Behruzi. <\/i> <\/p>\n<p>  <b>Nach langer Auseinandersetzung &#8211; inklusive zwei Wochen Streik &#8211; gibt   es einen Tarifabschluss f&#252;r das nicht-&#228;rztliche Personal. Wie bewertest   du die mit der Gesch&#228;ftsleitung vereinbarten Eckpunkte? <\/b><\/p>\n<p>  Ein Tarifabschluss ist am Ende immer ein Kompromiss, allerdings ist dies   &#8211; gerade vor dem Hintergrund der Entscheidung des   Bundesverfassungsgerichts zum Berliner Haushalt &#8211; ein ziemlich   akzeptabler. Sicherlich gibt es einige Punkte, die wir lieber anders   gehabt h&#228;tten, aber im Gro&#223;en und Ganzen bewerte ich den Abschluss als   sehr positiv. Wir haben einen Ausschluss betriebsbedingter K&#252;ndigungen   ohne Lohnverzicht erreicht. Zudem tun wir einen gro&#223;en Schritt dahin,   die Ungleichbehandlung zwischen Ost und West endlich zu beenden.   Allerdings haben wir es nicht geschafft, in diesem Tarifvertrag einen   Stichtag zu vereinbaren, an dem die Unterschiede vollends beseitigt   sind. Es gibt aber eine vertragliche Verpflichtung, hier&#252;ber im Jahr   2010 zu verhandeln.<b> <\/b><\/p>\n<p>  <b>Was bedeuten die Vereinbarungen in Hinblick auf die angestrebte   Angleichung an den Fl&#228;chentarif?<\/b><\/p>\n<p>  Formell ist es ein Haustarifvertrag f&#252;r die Charit&#233;. Das hei&#223;t, wir   haben zwar die Angleichung an den Tarifvertrag f&#252;r den &#246;ffentlichen   Dienst (TV&#246;D) mit dem stufenweisen Nachholen der in Potsdam 2002   vereinbarten und in der Charit&#233; bislang nicht geltenden   Einkommenserh&#246;hung von 4,4 Prozent bis 2010 erreicht. Das Klinikum ist   aber nicht in den Arbeitgeberverband eingetreten. Das k&#246;nnte dazu   f&#252;hren, dass wir erneut darum k&#228;mpfen m&#252;ssen, in der Tarifrunde 2009   bundesweit vereinbarte Lohnerh&#246;hungen zu &#252;bernehmen, sowie die   Angleichung Ost an West zu erreichen. Unsere Ausgangslage ist dann aber   deutlich besser als in der nun beendeten Auseinandersetzung, denn   bislang gab es drei verschiedene Bezahlungsstrukturen an der Charit&#233; &#8211;   Ost- und Westbesch&#228;ftigte sowie Neueingestellte.<\/p>\n<p>  <b>Betriebsbedingte K&#252;ndigungen sind bis Ende 2012 ausgeschlossen.   Zugleich ist allerdings vereinbart worden, dass Besch&#228;ftigte innerhalb   der Charit&#233; versetzt werden k&#246;nnen, auch wenn sich ihre Bedingungen   dadurch verschlechtern. <\/b><\/p>\n<p>  Wir konnten mit diesem Tarifvertrag tats&#228;chlich nicht alle Probleme   l&#246;sen. Wir haben es nicht geschafft, den geplanten Stellenabbau an der   Charit&#233; zu verhindern &#8211; das ist das gro&#223;e Manko. Alllerdings ist der   vereinbarte Ausschluss betriebsbedingter K&#252;ndigungen viel wert. Die   Besch&#228;ftigten k&#246;nnen nur befristet in den Stellenpool der Charit&#233;   versetzt werden. Zudem haben wir hierf&#252;r Zumutbarkeitsregeln   durchgesetzt, die die Messlatte recht hoch legen.<\/p>\n<p>  Eine ganze Zeit lang haben die Tarifverhandlungen vor dem Hintergrund   der Drohung mit betriebsbedingten K&#252;ndigungen und der   Arbeitgeberforderung nach einem Lohnverzicht von zehn Prozent   stattgefunden. Jetzt kommen wir mit einem positiven Einkommensergebnis   und dem Ausschluss betriebsbedingter K&#252;ndigungen heraus. Dieser   Sinneswandel beim Arbeitgeber ist in erster Linie auf die beeindruckende   Bereitschaft vieler KollegInnen zur&#252;ckzuf&#252;hren, sich mit einem Streik   f&#252;r ihre Rechte einzusetzen.<\/p>\n<p>  Ich meine, dass diese Auseinandersetzung und das erzielte Ergebnis ein   wegweisender Schritt nicht nur f&#252;r die Charit&#233;, sondern auch f&#252;r andere   Betriebe in Berlin ist. Mir ist kein Tarifvertrag zur   Besch&#228;ftigungssicherung bekannt, der nicht zu Lohneinbu&#223;en gef&#252;hrt hat. <\/p>\n<p>  Nach intensiven Diskussionen werden die Gewerkschaftsmitglieder im   Betrieb das Erreichte in einer Urabstimmung bewerten.<\/p>\n<p>  <b>Noch vor ein, zwei Jahren h&#228;tten es viele nicht f&#252;r m&#246;glich gehalten,   dass man im Berliner Uniklinikum einen Erzwingungsstreik durchf&#252;hren   k&#246;nnte. <\/b><\/p>\n<p>  Dass uns dies gelungen ist und am Ende ein annehmbares Ergebnis steht,   kann nicht positiv genug bewerten werden. Das Selbstbewusstsein der   Besch&#228;ftigten ist durch die aktive Beteiligung am Arbeitskampf enorm   gestiegen. Wir haben deutlich gemacht: K&#228;mpfen lohnt sich. Zugleich ist   klar, dass wir uns mit dem Abschluss jetzt nicht zur&#252;cklehnen k&#246;nnen.   Die Auseinandersetzungen im betrieblichen Alltag werden weitergehen.   Deshalb will die ver.di-Betriebsgruppe die positive Entwicklung, die wir   in puncto gewerkschaftlicher Organisierung und Aktivit&#228;t im Streik   erreicht haben, f&#252;r den Aufbau schlagkr&#228;ftiger Vertrauensleutestrukturen   nutzen, um so in k&#252;nftigen Konflikten noch durchsetzungsf&#228;higer zu sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Streikende erzielen an der Charit&#233; einen akzeptablen Kompromiss. 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