{"id":11803,"date":"2006-10-22T15:42:53","date_gmt":"2006-10-22T13:42:53","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=11803"},"modified":"2017-07-06T13:50:40","modified_gmt":"2017-07-06T11:50:40","slug":"11803","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/10\/11803\/","title":{"rendered":"BSH: Bericht von der letzten Streikversammlung"},"content":{"rendered":"<p>  von Sascha Stanicic <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Nachdem sich 67 Prozent der Streikenden bei BSH f&#252;r eine Fortsetzung des   Streiks und eine Ablehnung der zwischen IG Metall und Gesch&#228;ftsleitung   ausgehandelen Vereinbarung ausgesprochen hatten, hat die IG   Metall-F&#252;hrung dieses eindeutige Votum der Belegschaft ignoriert und den   Abbruch des Streiks durchgesetzt. Und das, obwohl eine Streikversammlung   nach Ende der Urabstimmung einstimmig f&#252;r die Fortsetzung des Streiks   votierte und die Gewerkschaft aufrief dieses Votum zu respektieren.<\/p>\n<p>  Nachdem auf der Streikversammlung unmittelbar nach der Urabstimmung die   Stimmung unter den Streikenden auf dem Siedepunkt war, f&#252;hrte die   Unterbrechung der Versammlung und die Durchf&#252;hrung eines gemeinsamen   Abendessens im Streikzelt mit Beteiligung von IGM-Funktion&#228;ren und   Spitzenpolitikern (Wowereit, Gysi, Dieter Dehm) zu einer ver&#228;nderten   Stimmung unter den Kolleginnen und Kollegen. Die Dynamik der gemeinsamen   Rebellion gegen das Vorgehen der IG Metall-F&#252;hrung war nicht mehr da und   es dominierte das Gef&#252;hl, dagegen selbst&#228;ndig nichts ausrichten zu   k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  Eine um 21 Uhr einberufene Streikversammlung verlief dann auch ganz   anders, als die Versammlungen am Nachmittag und am Vortag. Die   kritischen Kolleginnen und Kollegen, die f&#252;r Fortsetzung des Streiks   waren, meldeten sich kaum oder zu sp&#228;t zu Wort. Wahrscheinlich, weil sie   nicht wussten, welche praktischen Vorschl&#228;ge sie machen k&#246;nnen.   Stattdessen gab es viele Unmutsbekundungen aus dem Saal durch   Zwischenrufe, die aber immer wieder zu Auseinandersetzungen im Saal   f&#252;hrten. Dies wurde dadurch verst&#228;rkt, dass von Seiten der   Betriebsratsvorsitzenden G&#252;ng&#246;r Demirci, der die Versammlung leitete, am   Anfang der Debatte keine Vorschl&#228;ge gemacht wurden, sondern erst einmal   &#8222;die Meinungen der Kollegen geh&#246;rt&#8220; werden sollten. Daraufhin meldeten   sich dann vor allem Kollegen zu Wort, f&#252;r die der Streikabbruch nicht   mehr in Frage zu stellen war. Den meisten Applaus erhielt die kleine   Tochter eines Streikenden, die sich dar&#252;ber beschwerte, dass sich die   Kollegen nun untereinander stritten und sagte: &#8222;Wenn es um meinen   Arbeitsplatz gehen w&#252;rde, w&#252;rde ich weiter k&#228;mpfen.&#8220;<\/p>\n<p>  Als der zust&#228;ndige IGM-Sekret&#228;r Luis Sergio dann den Streikabbruch   offiziell verk&#252;ndete und sagte, &#8222;wir k&#246;nnen stolz auf unseren Kampf   sein&#8220;, ergriff ein Kollege das Wort und sprach den Streikenden aus dem   Herzen, als er an Sergio gerichtet sagte: &#8222;Dein Stolz und unser Stolz   sind zwei verschiedene Dinge. Wir k&#246;nnen stolz sein, Du nicht.&#8220; Diese   deutlichen Worte in Richtung IG Metall-F&#252;hrung ernteten starken Applaus   und Sergio erhielt damit die verbalen Pr&#252;gel, die er zweifellos   verdient, weil er den Streikabbruch mit betrieben hat, die aber vor   allem die Verantwortlichen im IGM-Hauptvorstand beziehen sollten, die   den faulen Kompromiss ausgehandelt hatten.<\/p>\n<p>  Als dann G&#252;ng&#246;r Demirci sagte, dass das Streikzelt bis Sonntag stehe und   man weiter zusammen kommen solle, um zu diskutieren, wie es weiter gehen   soll, war klar, dass der Streik nicht weitergehen wird. Denn dies war   der letzte Moment, in dem ein Vorschlag f&#252;r eine Fortf&#252;hrung des Kampfes   h&#228;tte kommen k&#246;nnen. Die allgemeine Aufforderung zur Fortsetzung von   Diskussionen musste ins Leere laufen und gab f&#252;r die Streikenden keine   Perspektive. So fand die Versammlung leider ein Ende, das das   Selbstbewusstsein und das Gef&#252;hl f&#252;r das Erreichte nicht st&#228;rkte,   sondern die Kolleginnen und Kollegen eher vereinzelt nach Hause gehen   lie&#223;.<\/p>\n<p>  Viel zu sp&#228;t wurde dann in der Nacht noch entschieden zu einer   Diskussion am Samstag um 16 Uhr einzuladen. Diese Einladung wurde auf   der Gewerkschaftsdemonstration, an der sich &#252;ber 50 KollegInnen   beteiligten, verteilt. Das f&#252;hrte aber dazu, dass an dieser Versammlung   mehr GewerkschafterInnen aus anderen Betrieben und Mitglieder   politischer Gruppen teilnahmen, als Streikende selber.<\/p>\n<p>  Hier war man sich einig, dass der Kampf der BSH-Belegschaft, trotz des   f&#252;r die IG Metall unr&#252;hmlichen Streikabbruchs, als ein politischer   Erfolg zu bewerten ist und dass ein Weg gefunden werden muss, auf diesem   aufzubauen. &#8222;Der Streik ist beendet, der Kampf geht weiter.&#8220; &#8211; das war   die Schlussfolgerung aller an der Diskussion Beteiligten.<\/p>\n<p>  <i>Berlin, den 22.10.06<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>      von Sascha Stanicic<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[8,17],"tags":[929],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11803"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11803"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11803\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":34966,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11803\/revisions\/34966"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11803"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11803"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11803"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}