{"id":11802,"date":"2006-10-20T17:41:28","date_gmt":"2006-10-20T15:41:28","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=11802"},"modified":"2017-07-06T13:50:40","modified_gmt":"2017-07-06T11:50:40","slug":"11802","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/10\/11802\/","title":{"rendered":"BSH Berlin: Mehrheit der Belegschaft f&#252;r Fortsetzung des Streiks"},"content":{"rendered":"<p>  Die Urabstimmung der Kolleginnen und Kollegen beim   Bosch-Siemens-Hausger&#228;tewerk in Berlin wurde heute um 12.00 Uhr beendet.   Auf dem ganzen Werksgel&#228;nde h&#228;ngen Transparente und Plakate, die dazu   auffordern die von IG Metall, Betriebsrat und Gesch&#228;ftsleitung   ausgearbeitete Vereinbarung abzulehnen und mit &#8222;Nein&#8220; &#8211; und damit f&#252;r   eine Fortsetzung des Streiks &#8211; zu stimmen. <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Das Ergebnis der Urabstimmung ist ein Schlag ins Gesicht der IG Metall   und der Verhandlungsf&#252;hrung. 67 Prozent der Kolleginnen und Kollegen,   die an der Urabstimmung teilnahmen (die Beteiligung lag bei &#252;ber 95   Prozent) stimmten mit Nein. Das politische Votum ist also eindeutig:   Ablehnung eines Vertrages, der unter anderem 216 betriebsbedingte   K&#252;ndigungen vorsieht. Doch die Satzung der IG Metall h&#228;lt in solchen   Fragen wenig von Mehrheitsentscheidungen und Demokratie. Nach Satzung   reichen 25 Prozent f&#252;r den Abbruch eines Streiks. Das Argument der f&#252;r   einen Streik notwendigen gro&#223;en Geschlossenheit einer Belegschaft zog   aber bei den BSH-Streikenden nicht. Sie reagierten emp&#246;rt auf die   Interpretation des Urabstimmungsergebnisses durch den zust&#228;ndigen   IGM-Sekret&#228;r Luis Sergio, der erkl&#228;rte, dass die Vereinbarung damit   angenommen sei. Unter lauten Rufen &#8222;Die Mehrheit muss entscheiden&#8220; und   &#8222;Wir wollen streiken&#8220; &#252;bergab Sergio dann das Mikrophon an den   IGM-Bezirksleiter Olivier H&#246;bel. Dieser wurde mit einem Konzert aus   Pfiffen und Buh-Rufen empfangen und als er begann zu reden, verlie&#223; die   gro&#223;e Mehrheit der Kolleginnen und Kollegen das Streikzelt und   versammelte sich auf dem Platz davor. H&#246;bel entbl&#246;dete sich nicht vor   einem fast leeren Streikzelt zu reden, w&#228;hrend davor heftige   Wortgefechte und Debatten statt fanden. Kollegen brachen in Tr&#228;nen aus   und lie&#223;en ihrer Wut und Entt&#228;uschung freien Lauf. Nach einer   Viertelstunde und einigen Gespr&#228;chen riefen einige AktivistInnen dazu   auf, ins Zelt zur&#252;ck zu kehren und die Versammlung fortzusetzen, um eine   neue Streikleitung zu w&#228;hlen.<\/p>\n<p>  Als erster ergriff der Vertraunsk&#246;rper-Leiter H&#252;seyin Akyurt das Wort.   Er sagte: &#8222;Das Ergebnis ist eindeutig. Der Streik wird fortgesetzt. Wir   entscheiden dar&#252;ber, ob wir streiken oder nicht.&#8220; Diese deutliche Absage   an den Versuch der IG Metall-F&#252;hrung, den Streik abzublasen f&#252;hrte zu   stehenden Ovationen. Der Ruf &#8222;Wir streiken weiter &#8211; Solidarit&#228;t&#8220; erklang   aus hunderten Kehlen. Die Kolleginnen und Kollegen waren auf dem Weg,   sich die Kontrolle &#252;ber ihren Streik in ihre H&#228;nde zu holen.<\/p>\n<p>  Nach Akyurt sprach der Betriebsratsvorsitzende G&#252;ng&#246;r Demirci, der auch   f&#252;r eine Fortsetzung des Streiks eintrat, aber doch sehr stark darauf   orientierte, dass dieser durch die Strukturen der IG Metall gef&#252;hrt   werden m&#252;sse. Er sprach davon, dass die Satzung der IG Metall ver&#228;ndert   werden m&#252;sse und forderte den IGM Vorstand zur Unterst&#252;tzung des Kampfes   auf. Nach einer kurzen Beratung ergriff er wieder das Wort und lie&#223; &#252;ber   drei Forderungen abstimmen: 1. Ausschluss betriebsbedingter K&#252;ndigungen,   2. Verbesserungen bei den Abfindungen, 3. Verbesserungen bei den   Renten-Regelungen. Auf den Zwischenruf &#8222;was ist mit den Lohneinbu&#223;en&#8220;   reagierte Demirci beschwichtigend und sagte, man k&#246;nne jetzt auch nicht   zuviel fordern. Dann erkl&#228;rte er, dass sie nun zu Gespr&#228;chen zur IG   Metall aufbrechen.<\/p>\n<p>  Wenige Stunden sp&#228;ter erkl&#228;rten sie vor der Belegschaft, dass die IG   Metall den Streik um Mitternacht beenden werde.<\/p>\n<p>  Nun stellt sich die Frage, wie es weiter gehen kann? Die Belegschaft ist   einen weiten Weg gegangen, um endlich einmal ein Signal in diesem Land   zu geben: Es reicht mit Arbeitsplatzvernichtung aus Profitgier! Sie   haben einen Marsch der Solidarit&#228;t zu anderen Betrieben durchgef&#252;hrt und   viel positive Resonanz und Solidarit&#228;t erfahren. Sie haben sich gegen   einen faulen Kompromiss ausgesprochen, der ihnen von der IG   Metall-F&#252;hrung pr&#228;sentiert wurde. Jetzt stehen sie vor der Wahl: den   schwierigen Weg des selbst&#228;ndigen Streiks und der Betriebsbesetzung   gehen oder der &#220;bermacht von Kapital und Gewerkschaftsb&#252;rokratie   nachgeben. Eines ist klar: das Verhandlungsergebnis ist ein Todesurteil   f&#252;r den Standort Berlin, 216 werden jetzt den Arbeitsplatz verlieren,   der Rest sp&#228;testens 2010 &#8211; und dieser Rest wird dann aufgrund der   Lohneinbu&#223;en mit einer schlechteren Abfindung und niedrigerem   Arbeitslosengeld gehen. Klar ist auch: ein selbstorganisierter Streik   und eine Betriebsbesetzung sind hart und werden von den Kolleginnen und   Kollegen einiges abverlangen. Aber ohne harte Kampfma&#223;nahmen wird es   kaum m&#246;glich sein die Offensive der Kapitalisten zu beenden. Und ohne   offene Zur&#252;ckweisung der Sabotage der IG Metall-F&#252;hrung wird eine   Entwicklung hin zu mehr innergewerkschaftlicher Demokratie und zu   k&#228;mpferischen Gewerkschaften kaum m&#246;glich sein.<\/p>\n<p>  Eine Betriebsbesetzung w&#252;rde vor allem eine sofortige Neuwahl einer   Streikleitung erfordern, die das Vertrauen aller k&#228;mpfenden Kolleginnen   und Kollegen geniest.<\/p>\n<p>  Doch dies ist nicht nur eine wegweisende Entscheidung f&#252;r die   BSH-Belegschaft. F&#252;r alle Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter wird   sich die Frage stellen: wie stehst Du zu BSH? Wird der Betrieb besetzt,   dann kommt es darauf an, dass bundesweit in einem ganz anderen Ausma&#223;   Solidarit&#228;t von unten organisiert wird. Nicht nur, weil die Kolleginnen   und Kollegen auf Spenden angewiesen sein werden. Auch, um die IG Metall   unter Druck zu setzen und dazu zu zwingen, die Unterst&#252;tzung des Kampfes   wieder aufzunehmen.<\/p>\n<p>  BSH kann zu einem Sinnbild f&#252;r den Widerstand gegen die Willk&#252;r der   Kapitalisten und die massenhafte Arbeitsplatzvernichtung im ganzen Land   werden. So wie in den 80ern der Kampf in Rheinhausen, in den 90ern der   Kampf in Bischofferode, von enormer bundesweiter Bedeutung f&#252;r die   Arbeiterbewegung waren, so kann dies bei BSH geschehen. Wenn die   Kollegen sich dazu entscheiden sollten, den betrieb zu besetzen.<\/p>\n<p>  <i>Sascha Stanicic, 20.10.06, 18:30 Uhr<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>      Die Urabstimmung der Kolleginnen und Kollegen beim<br \/>\n      Bosch-Siemens-Hausger&#228;tewerk in Berlin wurde heute um 12.00 Uhr beendet.<br \/>\n      Auf dem ganzen Werksgel&#228;nde h&#228;ngen Transparente und Plakate, die dazu<br \/>\n      auffordern die von IG Metall, Betriebsrat und Gesch&#228;ftsleitung<br \/>\n      ausgearbeitete Vereinbarung abzulehnen und mit &#8222;Nein&#8220; &#8211; und damit f&#252;r<br \/>\n      eine Fortsetzung des Streiks &#8211; zu stimmen.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[8,17],"tags":[929],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11802"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11802"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11802\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":34965,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11802\/revisions\/34965"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11802"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11802"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11802"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}