{"id":11795,"date":"2006-10-16T20:11:13","date_gmt":"2006-10-16T20:11:13","guid":{"rendered":".\/?p=11795"},"modified":"2006-10-16T20:11:13","modified_gmt":"2006-10-16T20:11:13","slug":"11795","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/10\/11795\/","title":{"rendered":"Neonaziaufmarsch erfolgreich in Hamburg blockiert"},"content":{"rendered":"<p>  Wie viele Polizisten sind notwendig um ca. 200 Neonazis einen Aufmarsch   durch den Hamburger Osten zu erm&#246;glichen? Am Samstag den 14.Oktober   waren rund 1.700 Polizisten inklusive mehrerer Wasserwerfer mehr als 6   Stunden im Einsatz, um den Neonazis einen kurzen Weg durch die Stra&#223;en   zu bahnen. <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  von Andreas aus Hamburg<\/p>\n<p>  <b>Klarer Volkentscheid gegen  Neonazis wurde ignoriert <\/b>    <\/p>\n<p>  An einem normalen Samstag str&#246;men Menschen unbeschwert durch Wandsbek,   um ihre Besorgungen zu t&#228;tigen. Nicht an diesem Samstag: Stra&#223;en und   S-Bahnstationen sind abgeriegelt, Tausende Menschen skandieren lautstark   &#8222;Nazis Raus&#8220;, Wasserwerfer beschie&#223;en Sitzblockaden, Demonstranten   werden von der Stra&#223;e verhaftet.<\/p>\n<p>  Nicht mit einem Wahlschein, sondern mit dem Widerstand auf der Stra&#223;e   haben die Menschen im Hamburger Osten abgestimmt: Keinen Fu&#223;breit den   Faschisten! Leider hat der Hamburger Senat eine lange Tradition darin    Volksbegehren zu missachten . So wurde auch dieser eindeutige   Volksentscheid gegen die Neonazis ignoriert. Das Ergebnis waren gut 6   Stunden Ausnahmezustand, bis die Demonstration der NPD nach der halben   Strecke abgebrochen wurde. Es spricht f&#252;r sich, dass der Hamburger Senat   lieber eine b&#252;rgerkriegs&#228;hnliche Situation provoziert als den Willen der   Hamburger Bev&#246;lkerung zu akzeptieren.<\/p>\n<p>  <b>Die Doppelmoral der herrschenden Politik<\/b><\/p>\n<p>  Auf der einen Seite beklagen PolitikerInnen der b&#252;rgerlichen Parteien   die Wahlerfolge der NPD . Zivilcourage wird gefordert. Stellen sich nun   auf der anderen Seite couragierte Menschen den Neonazis in den Weg   werden sie mit Wasserwerfern und Verhaftungen schikaniert. Der   &#252;berzogene Einsatz in Hamburg  ist kein Einzelfall. Am selben Tag wurde   in N&#252;rnberg f&#252;r rund 8 Stunden die halbe Stadt lahmgelegt, damit 100   Neonazis marschieren konnten. Mit Polizeigewalt wird den Neonazis   erm&#246;glicht ihre rassistischen L&#252;gen zu verbreiten, das ist ein   Armutszeugnis. Die Schlussfolgerung liegt klar auf der Hand: wir d&#252;rfen   uns auf die Lippenbekenntnisse der PolitikerInnen nicht verlassen,   sondern m&#252;ssen den Widerstand in die eigene Hand nehmen. Und eines   d&#252;rfen wir nicht vergessen: die schlimmste Gefahr f&#252;r MigrantInnen geht   nicht von den &#220;bergriffen durch Neonazis aus, sondern von der grausamen   Abschiebemaschinerie dieses Staates.<\/p>\n<p>  <b>Nullnummer nationaler Sozialismus<\/b><\/p>\n<p>  Die NPD und freien Kameradschaften marschierten unter dem Motto &#8222; F&#252;r   nationale Arbeitspl&#228;tze- gegen internationale Profite&#8220; Die NPD spielt   sich also als Partei des kleinen Mannes auf . Aber was hat sie   programmatisch zu bieten?<\/p>\n<p>  Das Programm unterscheidet sich nicht grunds&#228;tzlich von dem der NSDAP   oder dem aktueller faschistischer Organisationen. Es f&#228;llt auf, dass das   Programm der NPD keine Analyse der Situation anbietet. Die meisten   Forderungen sehr unkonkret z.B.: &#8222;Nicht das Volk dient der Wirtschaft,   vielmehr muss die Wirtschaft dem Volk dienen.&#8220; Aber wie soll das   verwirklicht werden? Durch einen Appell an das soziale Gewissen der   Unternehmer: &#8222;Ziel nationaldemokratischer Wirtschaftspolitik ist die   Synthese von unternehmerischer Freiheit und sozialer Verpflichtung.   Deshalb bekennt sich die NPD zu einem freien und sozialverpflichteten   Unternehmertum.&#8220;<\/p>\n<p>  Wie diese Wunschvorstellung vom sozialen Unternehmer zu verwirklichen   sein soll, bleibt das Geheimnis der NPD. Im Gegenteil machen die   Konzerne eben dadurch Profite indem sie Mensch und Natur m&#246;glichst stark   auspressen . Will die NPD an das soziale Gewissen von Lidl appellieren,   um die miese Ausbeutung der KollegInnen zu beenden? Soziale   Verbesserungen wie z.B. der K&#252;ndigungsschutz wurden uns niemals von   sozial gesinnten Unternehmern geschenkt, sondern m&#252;ssen erk&#228;mpft werden.<\/p>\n<p>  Aber anstatt mit den KollegInnen zu k&#228;mpfen terrorisieren die Neonazis   lieber Gewerkschafter wie zuletzt bei UPS in Mannheim und phantasieren   vom sozialen deutschen Unternehmer. <\/p>\n<p>  Die NPD behauptet keine &#8222;Systempartei&#8220; zu sein, aber ihr   Wirtschaftsprogramm stellt das System gar nicht in Frage. Der &#8222;nationale   Sozialismus&#8220; der&#160; NPD will nicht die Grundpfeiler des kapitalistischen   Systems wie das Privateigentum an den Produktionsmitteln antasten. Das   ist kein Wunder. Denn zu ihren Verb&#252;ndeten z&#228;hlen Unternehmer wie Frey   oder Superreiche Bonzen wie J&#252;rgen Rieger. Ohne die Wirtschaft der   Profitgier der Konzerne zu entziehen ist jedes Gerede von sozialer   Gerechtigkeit oder Sozialismus leeres Gew&#228;sch. Deswegen bleibt der NPD   nichts &#252;brig als einen Mix aus schwammigen Phrasen, alten   sozialliberalen Wunschvorstellungen und Ausl&#228;nderfeindlichkeit   anzubieten.<\/p>\n<p>  <b>Antifaschismus bedeutet Antikapitalismus<\/b><\/p>\n<p>  Positiv ist, dass Tausende auf der Stra&#223;e waren, um keinen Fu&#223;breit den   Faschisten zu &#252;berlassen. Stundenlang harrten sie aus, trotz der   Schikanen durch die Polizei.<\/p>\n<p>  Es stellt sich aber die Frage wie wir nachhaltig den Rassismus bek&#228;mpfen   k&#246;nnen. Sich den Neonazis in den Weg zu stellen ist notwendig, reicht   aber nicht aus. In ganz Europa gewinnen rechtsextreme Formationen an   Zustimmung. Sie nutzen die soziale Krise und die Entt&#228;uschung in die   etablierten Parteien aus, um sich als Alternative anzubiedern.   Gleichzeitig spielen b&#252;rgerliche Parteien und Medien selbst die   rassistische Karte, um von den wahren Ursachen der sozialen Krise   abzulenken. Das ist nicht neu. Seit Jahrhunderten wird Rassismus   benutzt, um MigrantInnen als S&#252;ndenb&#246;cke vorzuschieben. Steilvorlagen   wie die &#8222;deutsche Leitkultur&#8220; oder &#8222;das Boot ist voll&#8220; spielen den   Neonazis in die H&#228;nde. Die Neonazis k&#246;nnen sich als konsequente   Vollstrecker der deutschen Leitkultur aufspielen.<\/p>\n<p>  Diese Entwicklungen zeigen eines: Der Traum vom krisenfreien   Kapitalismus und der sozialen Marktwirtschaft ist ausgetr&#228;umt. Es gibt   keinen Kapitalismus ohne Arbeitslosigkeit, Ausbeutung und Preiswucher.   Und es gibt auch keinen Kapitalismus ohne Rassismus, denn die   herrschende Elite braucht S&#252;ndenb&#246;cke f&#252;r ihre eigene Unf&#228;higkeit.<\/p>\n<p>  <b>Leere Flaschen sind keine glaubw&#252;rdige Alternative<\/b><\/p>\n<p>  Ein System, welches zwangsl&#228;ufig zu Massenarbeitslosigkeit und Rassismus   f&#252;hrt, verdient es durch ein besseres System ersetzt zu werden. Nicht   durch ein totalit&#228;res Regime, wie es sich die Neonazis w&#252;nschen, sondern   durch ein wirklich demokratisches System. Wir von der SAV treten f&#252;r   eine sozialistische Demokratie ein, wo nicht abgehobene Unternehmer und   Politiker die Entscheidungen treffen, sondern die Menschen vor Ort in   ihren Betrieben und Stadtteilen. Auf der Basis einer demokratisch   geplanten Wirtschaft k&#246;nnen Massenarbeitslosigkeit, Preiswucher   aufgehoben und rassistische Vorurteile abgebaut werden.<\/p>\n<p>  F&#252;r solch eine Ver&#228;nderung m&#252;ssen wir aber nicht nur Tausende, sondern   Millionen sein. Mit dem Umschmei&#223;en von Glascontainern, Anp&#246;beln von   Anwohnern und Flaschenw&#252;rfen, werden wir kaum jemanden &#252;berzeugen mit   uns auf die Stra&#223;e zu gehen- im Gegenteil. Diese m&#246;chtegern-radikalen   Methoden schaden nur unserer Bewegung. Es gilt sich zu entscheiden:   ernsthafter Widerstand oder  R&#228;uber&amp; Gendarm-Spielchen f&#252;r   Fortgeschrittene. Wem es bei Antifademos nur um den &#8222;Kick&#8220; geht, sollte   sich lieber ein anderes Hobby suchen. Wenn wir den Neonazis wirklich den   Boden entziehen wollen, dann nur mit ernsthafter Arbeit in den Betrieben   und Stadtteilen.  Wir wollen, dass die Leute aus unserem Viertel nicht   vor uns Angst haben, sondern mit uns gemeinsam  auf die Stra&#223;e gehen-   gegen Sozialabbau und Rassismus- f&#252;r eine sozialistische Alternative. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>      Wie viele Polizisten sind notwendig um ca. 200 Neonazis einen Aufmarsch<br \/>\n      durch den Hamburger Osten zu erm&#246;glichen? 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