{"id":11790,"date":"2006-10-10T14:53:12","date_gmt":"2006-10-10T12:53:12","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=11790"},"modified":"2012-07-02T19:38:40","modified_gmt":"2012-07-02T17:38:40","slug":"11790","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/10\/11790\/","title":{"rendered":"Fortgesetzte Privatisierung und Verarmung in Kosova"},"content":{"rendered":"<p>  von Max Brym <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Die KTA (Kosova-Treuhand-Agentur) verk&#252;ndete am 1. Oktober die   neunzehnte Privatisierungsrunde im Land. Mit stolz geschwellter Brust   wurde den einfachen Menschen in Kosova, der weitere Ausverkauf der   nationalen und gesellschaftlichen Reicht&#252;mer angek&#252;ndigt. W&#228;hrend der   neunzehnten Schnellprivatisierung sollen 50 neue Unternehmen entstehen.   Der erste Stichtag an dem die Bewerber &quot;gepr&#252;ft&quot; werden ist der 29.   November 2006.<\/p>\n<p>  Am 10. Dezember wird bestimmt welche Investoren den Zuschlag erhalten.   Betroffen sind 36 gesellschaftliche Unternehmen, diese werden aufgeteilt   und zerschlagen. Es ist kein Geheimnis, dass mindestens die H&#228;lfte der   Arbeiter von den kapitalistischen Investoren nicht &#252;bernommen werden.   Offiziell gilt in Sachen Privatisierung das Recht aus der Milosevic   Periode, Milosevic zwang einst die Arbeiter Aktion&#228;re zu werden. Sie   mussten einen Anteil von 20% an den Fabriken erwerben. Den Rest eigneten   sich privilegierte B&#252;rokraten, der serbische Staat und ausl&#228;ndische   Investoren an. Die Arbeiter werden jetzt formal mit 20% der   Verkaufserl&#246;se abgespeist. Aber auch das steht nur auf dem Papier, von   den bis dato erzielten Verkaufserl&#246;sen wurden den Arbeitern nur 5.   Millionen Euro ausbezahlt, obwohl ihnen von der erzielten Verkaufssumme   selbst nach UNMIK und Milosevic Recht, 50. Millionen zustehen w&#252;rden.   Die Verschleuderung des gesellschaftlichen Reichtums in Kosova bringt   den Arbeitern im Schnitt h&#246;chstens 1000 Euro ein. F&#252;r die Masse ist   dieser Betrag, die Abfindung auf dem Weg in die Arbeitslosigkeit und die   v&#246;llige Armut. <\/p>\n<p>  Die kapitalistischen Investoren krallen sich kosteng&#252;nstig den Reichtum   des Landes. Allerdings beginnt damit noch nicht die Produktion, denn   viele &quot;Gro&#223;investoren&quot; scheuen noch die politischen Risiken und die   infrastrukturellen Probleme in Kosova. Deshalb wird der Reichtum   vorl&#228;ufig an kleinere Kapitalisten und Spekulanten verscheuert. F&#252;r die   gro&#223;en Projekte, wie den Kohlereichtum des Landes stehen internationale   Konzerne bereit. Perspektivisch gilt Kosova als &quot;Energie und   Stromtr&#228;ger&quot; des Balkans.<\/p>\n<p>  F&#252;r die reichen Minen von Trepca haben sich kapitalistische Unternehmen,   die n&#246;tigen Optionen gesichert. Der Rest der Wirtschaft wird aufgeteilt   und in kleinere Einheiten zerlegt. Jeder Investor ist an Maximalprofit   interessiert. Dazu verlangt er Niedrigl&#246;hne, absolut geringe   Steuerlasten und Belegschaften, die zahlenm&#228;&#223;ig verkleinert, rund um die   Uhr arbeiten. Diese Dinge werden von der UNMIK gegen den Widerstand der   Arbeiter und der Armen garantiert. Wie unter der Doktrin des   kapitalistischen Neoliberalismus die soziale Frage in Kosova gel&#246;st   werden soll vermag auch der neoliberale Hardliner Joachim R&#252;cker, den   Menschen nicht zu erkl&#228;ren. Die Privatisierer reden nur von ihren   Erfolgen in Sachen Privatisierung, wie sie die Massenarmut in Kosova   bek&#228;mpfen wollen dazu wird von ihnen fast nichts mehr gesagt.. Es wird   nur noch nebenbei von den Selbstheilungskr&#228;ften des Marktes   schwadroniert. Die ber&#252;hmten &#65533;Selbstheilungskr&#228;fte des Marktes&#65533; die   kapitalistische Barbarei mit der ideologischen Begleitmusik des   Neoliberalismus f&#252;hren in der ganzen Welt zur Anh&#228;ufung von Reichtum und   &#220;berfluss auf dem einem Pol der Gesellschaft und zur sozialen   Verelendung verbunden mit Massenarmut auf dem anderen Pol der   Gesellschaft. Dieses Schicksal ist auch Kosova zugedacht. <\/p>\n<p>  Herr R&#252;cker der sich als Privatisierungsmeister in Kosova abfeiern l&#228;&#223;t   ignoriert v&#246;llig den Fakt, dass durch seine &quot;Erfolge&quot; die Zahl der   extrem Armen in Kosova von 2002, bis zum Jahr 2006, von 12% auf 18%   angestiegen ist. Diese Menschen haben weniger als 1 Dollar pro Tag.   Geringf&#252;gig mehr zum Lebensunterhalt haben 50% der Menschen. Die   Privatisierung wird das Ph&#228;nomen der Massenarmut nur vergr&#246;&#223;ern. Als   j&#252;ngstes Beispiel kann Ungarn herangezogen werden, in dem Land werden   die Armen Kranken und die Arbeiter sozial stranguliert, um den   EU-Kriterien zwecks Machbarkeit der Gewinnmaximierung zu entsprechen.   Dagegen gab und gibt es in Ungarn Massenwiderstand. Der soziale   Widerstand steht auch in Kosova auf der Agenda.<\/p>\n<p>  <b>Anmerkungen: <\/b>    <\/p>\n<p>  <i>Was soll privatisiert werden? <\/i>Bis 10. Dezember soll die Schlauch   Fabrik in Ferizaj, verh&#246;kert werden. Dem Maximalprofit wird zudem die   Weinproduktion in Suhareka, eine Batterie-Fabrik (ein Teil von Trep&#231;a)   und zwei Magnesiumgruben in den Rachen geworfen.<\/p>\n<p>  <i>Erl&#228;uterung: <\/i>Der deutsche Diplomat Joachim R&#252;cker war bis 1.   September Chef der KTA und ist jetzt UNMIK Protektoratsleiter<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>      von Max Brym<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[43],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11790"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11790"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11790\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11790"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11790"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11790"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}