{"id":11788,"date":"2006-10-06T15:50:27","date_gmt":"2006-10-06T15:50:27","guid":{"rendered":".\/?p=11788"},"modified":"2006-10-06T15:50:27","modified_gmt":"2006-10-06T15:50:27","slug":"11788","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/10\/11788\/","title":{"rendered":"Wie den Kampf gegen den Ausverkauf der WASG f&#252;hren?"},"content":{"rendered":"<p>  <i><b>Zum Treffen des Netzwerks Linke Opposition am 3. Oktober<\/b><\/i><br \/>  Mit etwa 90 Anwesenden war die Bundeskonferenz des Netzwerks Linke   Opposition in Felsberg bei Kassel besser besucht als die Versammlungen   anderer Str&#246;mungen in der Linken. Der R&#252;ckgang im Vergleich zur   Gr&#252;ndungsversammlung am 20. Mai (280 TeilnehmerInnen) widerspiegelt   jedoch das insgesamt abnehmende politische Engagement f&#252;r die WASG seit   ihrem Parteitag in Ludwigshafen. Eine Entwicklung, deren Ursachen die   linke Opposition beschreiben und bek&#228;mpfen, der sie sich aber nicht   vollst&#228;ndig entziehen kann. <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>von Heino Berg und Stephan Kimmerle<\/i><\/p>\n<p>  Der gesamte Fusionsprozess wird vom WASG-Bundesvorstand unter der Regie   der Linksfraktion im Bundestag auf einen Anschluss der WASG an die   Linkspartei.PDS im politischen und organisatorischen Sinn ausgerichtet.   Das Gr&#252;ndungsverst&#228;ndnis der WASG, Lehren aus dem Scheitern von SPD,   Gr&#252;nen und PDS zu ziehen, wird kampflos preisgegeben. Die Absage an   Regierungsbeteiligungen mit Sozialabbau soll geschliffen werden. Mehr   noch: In Berlin finden Koalitionsverhandlungen statt, Privatisierungen,   Sozial- und Stellenabbau der letzten Jahre mittels SPD-L.PDS-Senat   fortzusetzen &#8211; und jeglicher auch nur leise Protest des Propagandisten   von Haltelinien, Oskar Lafontaine, bleibt aus. <\/p>\n<p>  Die Lebendigkeit der WASG in ihrer Gr&#252;ndungsphase ist einem   Postengeschacher gewichen. Viele AktivistInnen der ersten Stunde der   WASG sind daher auf dem R&#252;ckzug. <\/p>\n<p>  Mit dem Anspruch, dem entgegen zu wirken, startete das Netzwerk Linke   Opposition bei seinem ersten Treffen in Kassel im Mai 06. Die Debatten   der Folgekonferenz am 3. Oktober waren von gro&#223;em Willen, zum Teil von   Leidenschaft erf&#252;llt, die Errungenschaften der WASG zu verteidigen. Doch   einige Aufgaben wurden bislang nicht gemeistert. <\/p>\n<h3>  Nein-Kampage<\/h3>\n<p>  In Vorbereitung auf den n&#228;chsten Bundesparteitag der WASG am 18. und 19.   November steht der Beginn einer &#8222;Nein!&#8220;-Kampagne auf der Tagesordnung.   &#8222;Nein!&#8220; zu einer Fusion unter Preisgabe dessen, was die WASG ausgemacht   hat. Dazu wurden von Netzwerk &#8222;Rote Linien&#8220; beschlossen, die   Mindestbedingungen f&#252;r eine Zustimmung zur Neugr&#252;ndung einer vereinigten   Partei ausmachen sollen. <\/p>\n<p>  Zu dieser &#8222;Nein!&#8220;-Kampagne muss um Delegiertenmandate gerungen und um   Mehrheiten in den Bezirksgruppen gek&#228;mpft werden. Dazu sind bundesweite   Absprachen und eine &#220;bersicht n&#246;tig. Dazu muss gemeinsam mit Antr&#228;gen,   Stellungnahmen und Vorschl&#228;gen politisch agiert werden. Der Austausch   zwischen verschiedenen Orten muss intensiviert werden. All das wurde   leider nicht besprochen.<\/p>\n<p>  Denn im Mittelpunkt der Diskussion stand nicht, diese Kampagne gemeinsam   voran zu treiben und dazu die Kr&#228;fte zu b&#252;ndeln, sondern die Frage des   &#8222;Danach&#8220;: Was ist, wenn dieser Kampf verloren gehen sollte? Eine Entwurf   einer &#8222;<i>Politischen Erkl&#228;rung des Netzwerks Linke Opposition<\/i> &#8220; (Antrag 4), die keine Festlegung des Netzwerks auf eine bestimmte Position   f&#252;r den Fall einer Niederlage dieses Kampfes fest schreiben wollte, &#8211;   damit ein Kompromissantrag, der allen ihre Haltung dazu unbenommen   gelassen h&#228;tte &#8211; wurde abgelehnt. <\/p>\n<p>  In den Vordergrund werden nun (Antrag 2) die Satzungs- und   organisatorischen Fragen der Neuformierung ger&#252;ckt statt die Ablehnung   von Sozialabbau und darauf beruhender Regierungsbeteiligungen zum   Ausgangspunkt zu machen. Diese Anpassung geschah wohl aus taktischen   Gr&#252;nden der Anpassung an eher basisdemokratisch orientierte Stimmungen   in der WASG jenseits der politischen Inhalte.<\/p>\n<p>  Einige NetzwerkerInnen haben sogar bereits ihren Austritt aus der WASG   erkl&#228;rt &#8211; noch bevor der Kampf gef&#252;hrt und entschieden ist! Dabei ist   klar: Wenn wir Erfolg haben und wenigstens das retten wollen, was durch   die Gr&#252;ndung der WASG in Bewegung gesetzt wurde, m&#252;ssen alle   oppositionellen Kr&#228;fte in der WASG  geb&#252;ndelt werden. Nur so haben wir   &#252;berhaupt die Chance, sp&#228;testens im M&#228;rz 07 eine Sperrminderheit von   &#252;ber einem Drittel der Bundesparteitagsdelegierten gegen diese Fusion   zusammen zu bekommen.<\/p>\n<h3>  Was tun &#8222;danach&#8220;?<\/h3>\n<p>  Was aber tun, wenn die Anstrengungen nicht reichen, die WASG gegen den   Ausverkauf aller Prinzipien zu verteidigen? Mit 50 zu 30 entschied sich   das Oppositionellen-Treffen f&#252;r einen Beschluss (&#8222;Antrag 2&#8220;) mit der   Drohung, man werde dann &#8222;<i>eine politische Kraft als Alternative   aufbauen. Schon heute gibt es da, wo die Linkspartei.PDS &quot;mitregiert&quot;   Platz f&#252;r eine Partei links von ihr<\/i>.&#8220;<\/p>\n<p>  Dies entsprach dem Willen, den Ausverkauf nicht nur zu kommentieren,   sondern auch klar zu machen, dass &#8222;<i>da doch etwas passieren muss<\/i> &#8220;, dass das &#8222;<i>Konsequenzen haben muss<\/i>&#8220;. Das ist   nachvollziehbar. Aber die Bedingungen einer solchen Niederlage &#8211; wenn   wir sie denn nicht verhindern k&#246;nnen &#8211; suchen wir uns nicht aus. Und die   M&#246;glichkeiten, die dann existieren, auch nicht. <\/p>\n<p>  Leider wurde beim Netzwerk-Treffen in Felsberg, im Gegensatz zu der   Kasseler Konferenz vom 20. Mai versucht, mit Behauptungen Stimmung zu   machen. Peter Weinfurth erkl&#228;rte, die SAV habe beschlossen in die   Linkspartei.PDS einzutreten. Wann und wo wurde so ein Beschluss gefasst   oder auch nur ein Artikel mit dieser Aussage ver&#246;ffentlicht? <\/p>\n<p>  Der Kampf um Mehrheiten in einem Netzwerk ist legitim. Aber wenn er mit   solchen Mitteln gef&#252;hrt wird, sch&#252;rt er Misstrauen in den eigenen Reihen   und schw&#228;cht immer den gemeinsamen Widerstand. <\/p>\n<h3>  Haltung der SAV<\/h3>\n<p>  Trotzdem nochmal zur Klarstellung die Haltung der SAV: Der Kampf um eine   konsequente, glaubw&#252;rdige Interessensvertretung muss gef&#252;hrt werden.   Erstens durch die Nein-Kampagne gegen die Fusion. Zweitens durch   gemeinsamen Widerstand, der auch nach der drohenden Fusion den Anspruch   aufrecht erh&#228;lt, den Kampf gegen Anpassungskurs und Sozialabbau zu   formieren und unter Einbeziehung m&#246;glichst vieler AktivistInnen in   zuk&#252;nftige Bewegungen zu tragen. <\/p>\n<p>  Was aber tun sollte der Kampf dennoch verloren gehen?<\/p>\n<p>  In Berlin gibt es eine Alternative zu dieser drohenden fusionierten   Partei. Die WASG Berlin hat eine gewisse Verankerung. Sie hat &#8211; sicher   erst in Ans&#228;tzen &#8211; Gewerkschafter und AktivistInnen aus den sozialen   Bewegungen um sich sammeln k&#246;nnen,und eine politische Lebendigkeit, wie   sonst nirgendwo. Sie kann regional ein Angebot f&#252;r glaubw&#252;rdige linke   Politik darstellen. Sie wird in der Stadt als eigenst&#228;ndige Kraft   dringend ben&#246;tigt. Sie muss unter allen Umst&#228;nden verteidigt werden.   Kampagnen gegen Privatisierungen zum Beispiel von Wohnungen wie im   Wahlkampf begonnen, Unterst&#252;tzung f&#252;r streikende KollegInnen, aktuell   zum Beispiel bei Bosch-Siemens-Hausger&#228;te m&#252;ssen den Beweis antreten:   Wir sind die Alternative f&#252;r alle von Sozialabbau Betroffenen. <\/p>\n<p>  Eine Fusion, ein Eintreten in die Linkspartei.PDS in Berlin, die Partei   des Sozialabbau und der Privatisierungen, wird es mit uns nicht geben.<\/p>\n<p>  Im Osten Deutschlands bleibt die PDS weitgehend, was sie war:   Unattraktiv f&#252;r Menschen, die sich zur Wehr setzen wollen.<\/p>\n<p>  Im Westen dagegen werden sich Linke in zahlreichen Regionen entscheiden,   den Schritt in die fusionierte Partei zu machen. Auch wenn das mit   knischenden Z&#228;hnen geschieht &#8211; einfach, weil politischen Alternativen   mit Massenbasis nicht in Sicht sind. &#214;rtliche Wahlb&#252;ndnisse in Hessen   oder Niedersachsen aus den Kommunalwahlen k&#246;nnen Ans&#228;tze sein, mehr   zusammen zu bringen als L.PDS und WASG. Sie sind in einigen St&#228;dten der   Beginn von gemeinsamer Gegenwehr. Das w&#252;rde noch nicht den Charakter der   fusionierten Partei ver&#228;ndern, die Lafontaine und Gysi im bisherigen   &#8222;Parteibildungsprozess&#8220; schaffen wollen, aber die Bedingungen vor Ort. <\/p>\n<p>  In einer solchen Situation kann es f&#252;r Sozialisten sinnvoll sein, auch   aktiv in der fusionierte Partei einzugreifen, anstatt die Verbindungen   zu unseren bisherigen MitstreiterInnen aus der WASG oder zu kritischen   AktivistInnen abzubrechen.<\/p>\n<h3>  Netzwerk!<\/h3>\n<p>  Was diese vor Ort unterschiedlich handelnden Menschen zusammenhalten   kann und was uns die M&#246;glichkeit geben kann, gemeinsame Kampagnen gegen   Privatisierungen, Sozialabbau und Unternehmermacht zu starten, ist <b>  ein Netzwerk<\/b>. Ein Netzwerk, das auch die politischen   Unterschiedlichkeiten nicht leugnen will und trotzdem die eigene   Handlungsf&#228;higkeit als Netzwerkb&#252;ndnis aufrecht erh&#228;lt.<\/p>\n<p>  Damit k&#246;nnte auf der Linken in Deutschland sicher gestellt werden, dass   wir eine gemeinsame, starke Stimme in Opposition zum Anpassungskurs der   fusionierten Partei verteidigen &#8211; einige in ihr, andere unabh&#228;ngig von   ihr.<\/p>\n<p>  Die von Gysi und Lafontaine geplante Fusion ist nicht das Ende der   Geschichte. Besch&#228;ftigte, Erwerbslose und ihre Familien ben&#246;tigen eine   konsequente Interessensvertretung. Die fusionierte Partei, wie sie uns   droht, wird das nicht leisten. Und das wird offensichtlich werden. Im   Augenblick wissen oder ahnen das diejenigen, die sich aktiv am Aufbau   der WASG beteiligt haben &#8211; aber noch nicht die gro&#223;e Mehrheit der   Lohnabh&#228;ngigen und Arbeitslosen, die mit ihnen &#8211; aus unserer Sicht   vergebliche &#8211; Hoffnungen auf eine starke linke Kraft gegen die Gro&#223;e   Koalition verbinden.<\/p>\n<p>  Wie und wann bundesweit Bedingungen entstehen, einen neuen Anlauf zu   starten, um die Notwendigkeit einer k&#228;mpferischen Partei nicht nur zu   erkl&#228;ren, sondern sie tats&#228;chlich zu gr&#252;nden und aufzubauen, ist heute   nicht vorher zu sagen. Teile der fusionierten Partei k&#246;nnen eine Rolle   spielen. Selbst ein Zustrom von AktivistInnen aus zuk&#252;nftigen Bewegungen   zur fusionierten Partei, der notwendigerweise eher fr&#252;her als sp&#228;ter mit   der dortigen F&#252;hrung in Konflikt ger&#228;t, ist nicht auszuschlie&#223;en. Doch   das wahrscheinlichste ist, dass sich aus betrieblichen,   gewerkschaftlichen und sozialen Bewegungen neue Impulse entwickeln. <\/p>\n<p>  <b>Diesen neuen Anlauf zu f&#246;rdern, zu verteidigen, was wir haben, und   daf&#252;r ger&#252;stet zu sein ist unser Vorschlag f&#252;r die Zeit nach einer   drohenden Niederlage im Kampf um die WASG.<\/b> Dabei ist klar, dass es   sehr unterschiedliche Bedingungen in verschiedenen Regionen geben wird   und dass die AktivistInnen erst einmal unterschiedliche Wege gehen   werden. <\/p>\n<p>  <b>Daher: Weder Verzicht durch Selbstisolation und -gen&#252;gsamkeit noch   Anpassung und Unterordnung unter das Regime der Fraktionslinken.<\/b><\/p>\n<h3>  &#8222;6. Partei&#8220;?<\/h3>\n<p>  Ein Berliner Teilnehmer formulierte es am Rande des Treffens so, dass er   &#8222;die Schnauze voll davon&#8220; habe, &#8222;st&#228;ndig die Auseinandersetzungen in den   eigenen Reihen zu f&#252;hren&#8220;. Doch klar ist: Eine Alternative zur   Auseinandersetzung innerhalb der sich neu aufrappelnden Arbeiterbewegung   mit den Kr&#228;ften um Lafontaine und Co kann niemand anbieten &#8211; es sei denn   durch den Verzicht auf den Kampf durch Selbstgen&#252;gsamkeit und   Selbstisolation. (Das gilt auch gerade dann, wenn man nicht in einer   Partei mit diesen Herren bleibt.) Eine Form dieser Selbstgen&#252;gsamkeit   ist das Ausrufen einer neuen, 6. Partei &#8211; ein Versuch nach vorne zu   fliehen, aber doch in erster Linie eine Flucht.<\/p>\n<p>  Beim aktuellen Stand von Bewegungen und Klassenk&#228;mpfen f&#228;llt es   Lafontaine und der fusionierten Partei noch verh&#228;ltnism&#228;&#223;ig leicht, als   linke Alternativeaufzutreten. Auch wenn das nicht zu Aktivierung und   Einbeziehung von neuen Mitstreitern f&#252;hrt, so reicht es doch, um einem   neuen Anlauf zum Aufbau einer konsequenten Interessensvertretung f&#252;r   Besch&#228;ftigte, Erwerbslose, Jugendliche und RentnerInnen erst einmal das   Wasser abzugraben.<\/p>\n<p>  Die SAV setzt sich seit mehr als zehn Jahren f&#252;r den Aufbau einer   k&#228;mpferischen, demokratischen, offenen und sozialistischen   Arbeiterpartei ein. Gerade deshalb wissen wir aber, dass es nicht   gen&#252;gt, eine solche Partei einfach auszurufen. &#8222;<i>Platz f&#252;r   eine Partei links von der PDS in Regierungskoalitionen<\/i>&#8220; (Antrag 2)   gibt es seit Jahren. Doch damit dieser Raum ausgef&#252;llt werden kann,   bedarf es eines gesellschaftlichen Aufbruchs. <\/p>\n<p>  So ist die WASG entstanden. Ihre Erfolge erkl&#228;ren sich aus dem   vorhandenen brach liegenden Feld und dem Aufschwung von Widerstand und   Bewegung gegen Sozialabbau und Angriffen der Unternehmer. Immer wieder   wirkte der Dampf, den die Proteste ausgehend vom 1. November 2003 bis   hin zu den Montagsdemos vor dem Hintergrund der sozialen Krise und der   brutalen Angriffe der Schr&#246;der-Regierung machten. Dieser Aufbruch und   die mit ihm verbundenen Hoffnungen, drohen durch die Anpassung der   WASG-Bundesf&#252;hrung an die PDS und ihre Beteiligung am Sozialabbau   ruiniert zu werden. Er l&#228;sst sich auf Knopfdruck, also durch einen   Beschluss des Netzwerks, nicht einfach neu herbei zaubern. <\/p>\n<p>  Eine Partei oder Organisation wird durch ein gemeinsames Programm   beziehungsweise gemeinsame Ziele und durch eine gewisse Masse an   Mitgliedern lebendig gehalten. Sind Programm und Verst&#228;ndnis einheitlich   und klar genug, dann kann auch vor&#252;bergehend ohne Massenbasis der   Zusammenhalt und die Lebendigkeit gew&#228;hrleistet werden. Eine neue   Partei, die keine einheitliche &#220;berzeugung zur Grundlage h&#228;tte, w&#252;rde   ohne gr&#246;&#223;eren Zulauf und damit Lebendigkeit schnell in inneren   Zerrei&#223;proben zerrieben und in die Bedeutungslosigkeit gedr&#228;ngt werden. <\/p>\n<p>  Die Behauptung, dass sich eine &#8222;6. Partei&#8220;, im politischen System in   Deutschland unmittelbar nach einer freiwilligen Selbstaufl&#246;sung des   Hoffnungstr&#228;gers WASG in der L.PDS als massenhaft w&#228;hlbare Alternative   etablieren k&#246;nnte, beruht auf verst&#228;ndlichem, aber unrealistischem   Wunschdenken. <\/p>\n<p>  Michael Aggelidis vom NRW-Landesvorstand, Helmut Born (D&#252;sseldorf),   Egbert Scheunemann (Hamburg) sowie Mitglieder der SAV warnten daher auf   der Oppositionellen-Konferenz eindringlich vor den Kurzschl&#252;ssen einer   &#252;bereilten Parteineugr&#252;ndung. Das Netzwerk, so ihr gemeinsamer Appell,    m&#252;sse seine in Kassel gemeinsam beschlossenen Ziele, also die   Verteidigung der antineoliberalen Grunds&#228;tze der WASG, bis zu Ende   f&#252;hren und sich darauf konzentrieren, anstatt sich an den Aufgaben einer   weiteren Parteigr&#252;ndung zu &#8222;&#252;berheben&#8220; und die Einheit des Netzwerks   aufs Spiel zu setzen.<\/p>\n<p>  Die Alternative dazu &#8211; nur um es noch einmal zu sagen &#8211; ist nicht die   Kapitulation und Aufgehen in der L.PDS, sondern ein Netzwerk   unterschiedlicher Kr&#228;fte und Wahrung unserer Errungenschaften gerade   auch, aber nicht nur in Berlin.<\/p>\n<h3>  Programm zum Widerstand<\/h3>\n<p>  Michael Hammerbacher vom Landesvorstand der Berliner WASG analysierte   einleitend das Berliner Wahlergebnis: Der Einbruch der L.PDS habe die   Eigenkandidatur der WASG best&#228;tigt und gezeigt, dass die neoliberale   Regierungspolitik der L.PDS Platz f&#252;r eine Alternative lasse. Er   bem&#228;ngelte nur gleichzeitig, dass es der WASG in Berlin nicht gelungen   sei, ins &#8222;<i>b&#252;rgerliche Protestlager<\/i>&#8220; vorzudringen. Das   sei aufgrund von Bankenskandal und Landowski-Aff&#228;re in Berlin stark   vorhanden. Also doch &#8222;<i>Politik f&#252;r alle<\/i>&#8220;, wie es   Lafontaine formuliert? <\/p>\n<p>  Die WASG hat im Wahlkampf erkl&#228;rt, sich konsequent f&#252;r die vom   Sozialabbau Betroffenen einzusetzen. Sie erkl&#228;rte sich f&#252;r parteiisch.   Die Verm&#246;genden und Unternehmer haben schon genug Parteien. <\/p>\n<p>  Das respektable Stimmergebnis der Berliner WASG, das aber unter f&#252;nf   Prozent blieb (genau: 2,9 Prozent der Zweitstimmen, 3,8 Prozent der   Erststimmen), kann f&#252;r uns nicht aus dem Blickwinkel betrachtet werden,   dass man zu viele &#8222;b&#252;rgerliche Kr&#228;fte&#8220; verschreckt habe. Es war schlicht   so, dass es f&#252;r Erwerbslose, f&#252;r Besch&#228;ftigte im &#246;ffentlichen Dienst,   f&#252;r MieterInnen usw. nicht ausreicht, dass weitere linke Partei daher   kommt und behauptet, sie sei anders. Eine solche Partei muss es erst   einmal beweisen. Das gelang in Ans&#228;tzen, zum Beispiel bei den von   Privatisierungen betroffenen MieterInnen. Da steht die WASG Berlin   allerdings trotz allem am Anfang. Das ist ihre Aufgabe in der n&#228;chsten   Zeit.<\/p>\n<p>  Die Skepsis gegen&#252;ber einer neuen Kraft wurde nat&#252;rlich dadurch   verst&#228;rkt, dass die Bundesf&#252;hrung der WASG und Lafontaine im Wahlkampf   verk&#252;ndeten, dass die WASG und ihr Berliner Landesverband nur noch bis   zum M&#228;rz kommenden Jahres existieren w&#252;rden. <\/p>\n<p>  Es w&#228;re ein Irrtum, die Ursache f&#252;r die Nichterreichung des   WASG-Wahlziels der F&#252;nf-Prozent-H&#252;rde in den antikapitalistischen Zielen   oder in den entsprechenden Erkl&#228;rungen ihrer Spitzenkandidatin Lucy   Redler zu suchen &#8211; und daher Abstriche an system&#252;berwindenden   Perspektiven des Netzwerks zu bef&#252;rworten. Es ist doch kein Zufall, dass   sogar Lafontaine von der &#220;berf&#252;hrung der Schl&#252;sselindustrien in   Gemeineigentum redet. Oder dass sich die Str&#246;mungen in der WASG, je   rechter sie stehen, umso linkere Namen geben (&#8222;<i>  antikapitalistische<\/i>&#8220; beziehungsweise &#8222;<i>sozialistische   Linke<\/i>&#8220;). Sie tun das, weil man sich mit diesen Perspektive in der   Bev&#246;lkerung nicht mehr isoliert und sie sich nur noch mit dieser   &#8222;sozialistischen&#8220; Verpackung trauen, die neoliberale Regierungspraxis   der L.PDS unter die Leute zu bringen. Gerade in Ost-Berlin erschien die   WASG vielen nicht radikal genug. Das fing damit an, dass sie nicht als   sozialistische Kraft auftrat und sich nicht k&#228;mpferisch genug   pr&#228;sentierte. <\/p>\n<p>  Das Netzwerk Linke Opposition ben&#246;tigt selbst Klarheit &#252;ber eine   Systemalternative. Ein Beitrag am Wochenende stellte grundlegend in   Frage, ob &#8222;rechts&#8220; und &#8222;links&#8220; wichtigte Kategorien w&#228;ren, ob nicht die   Struktur wichtiger w&#228;re als das Programm. Eine Zusammenarbeit auch mit   den zahlreichen Menschen in der WASG, die so denken, ist absolut   notwendig. F&#252;r das Netzwerk, will es eine Zukunft haben, steht aber eine   klare Entscheidung an: F&#252;r &#8222;b&#252;rgerlichen Protest&#8220; oder f&#252;r eine   sozialistische Perspektive?<\/p>\n<p>  Aus dem abgelehnten Antrag 4 wurde immerhin der Abschnitt &#252;bernommen, in   dem das Aufzeigen &#8222;<i>sozialistischer Perspektiven<\/i>&#8220; vom   Netzwerk eingefordert wird.<\/p>\n<p>  Nachgearbeitet werden muss an dieser Stelle, was denn unter einer   sozialistischen Perspektive zu verstehen ist. Die Macht der Banken und   Konzerne muss gebrochen, die Eigentumsverh&#228;ltnisse m&#252;ssen grundlegend   ver&#228;ndert werden. Eine solche Perspektive ist n&#246;tig, nicht f&#252;r   Sonntagsreden wie bei Lafontaine und Teilen der L.PDS, sondern als   Schutz gegen die Logik der kapitalistischen Sachzw&#228;nge. <\/p>\n<h3>  Statut<\/h3>\n<p>  Das Linkentreffen nahm auch ein f&#252;r ein Netzwerk merkw&#252;rdig   &#252;berfrachtetes Statut an: Obwohl die dort reklamierten &#8222;Basis-   oder gar R&#228;teorganisationen&#8220; innerhalb des Netzwerks noch nirgendwo   existieren,wurden sie im Antrag 1 als einzige Autorit&#228;t f&#252;r den vom   Netzwerk gew&#228;hlten Koordinationskreis proklamiert. Der einzig erkennbare   Sinn eines solchen aufgebl&#228;hten Statuts liegt wohl in der Vorwegnahme   des Statuts einer zuk&#252;nftigen Partei. <\/p>\n<p>  Dann ist allerdings die Zuschreibung von Leitungsgremien als   ausschlie&#223;lich ausf&#252;hrende Organe bestenfalls naiv. Dies wurde von Peter   Weinfurth auf dem Treffen mit dem Verweis auf &#8222;<i>  Arbeiterdemokratie<\/i>&#8220; begr&#252;ndet. In der Arbeiterbewegung haben sich   immer wieder &#8211; gerade in Abgrenzung zu den b&#252;rokratischen Apparaten zum   Beispiel der Gewerkschaftsf&#252;hrung &#8211; sehr demokratische, aber auch sehr   klare Organisationsprinzipien durchgesetzt. Selbstverst&#228;ndlich hat zum   Beispiel eine Streikleitung keinerlei Mandat, die KollegInnen zu   verkaufen, sondern die Pflicht, Transparenz zu garantieren und die   Entscheidungen von unten einzuholen und einzuhalten. Sie hat aber   gleichzeitig die Pflicht, selbst politisch zu agieren, Initiativen zu   ergreifen und auf Angriffe der Arbeitgeber und des Staates zu reagieren.   Wenn sie jederzeit w&#228;hl- und abw&#228;hlbar ist, werden die KollegInnen   wissen, wie ihr Wille am besten durchgesetzt werden kann. Einer solchen   &#8222;Kampf&#8220;-Leitung das Recht abzusprechen, sich politisch zu &#228;u&#223;ern und   Initiativen zu ergreifen w&#228;re Selbstkastration. <\/p>\n<p>  Auch f&#252;r das Netzwerk gilt, dass es sich mitten in einer   Auseinandersetzung befindet. Hoffentlich agiert der Ko-Kreis, der auf   dem Netzwerk-Treffen gew&#228;hlt wurde, nicht mit politischer   Enthaltsamkeit, w&#228;hrend sich die Auseinandersetzung zuspitzen. <\/p>\n<h3>  Netzwerk zusammen halten<\/h3>\n<p>  Edith Bartelmus-Scholich unterstellte den Unterst&#252;tzerInnen des Antrag   4, erst kompromissbereit geworden zu sein, nachdem die &#8222;<i>  Mobilisierung der SAV gescheitert<\/i>&#8220; sei. Abgesehen davon, dass die   Mobilisierungsf&#228;higkeit der SAV in der Berliner Wahlkampagne sichtbar   geworden ist, kommt sie nicht auf den Gedanken, dass es in einem   Netzwerk um Zusammenarbeit statt um Majorisierung gehen k&#246;nnte. Der   gesamte Antrag 4 war ein Vorschlag, die strittigen Punkte bez&#252;glich der   Weiterarbeit nach M&#228;rz 2007 auszuklammern, um eine gemeinsame Praxis   hier und jetzt zu erm&#246;glichen. <\/p>\n<p>  Dass eine grundlegende Abstimmung statt fand und mit 50 zu 30 f&#252;r den   Antrag 2 und gegen Antrag 4 angenommen wurde, macht die   Mehrheitsverh&#228;ltnisse am Wochenende sichtbar. Wie dann allerdings von   der Mehrheit damit umgegangen wird, liegt in ihrer Verantwortung. Es mag   Situationen geben, in denen man auch mit solchen Mehrheiten durchziehen   muss. Die jetzige Situation &#8211; sechs Monate vor dem M&#228;rz 07 und am Beginn   der Auseinandersetzung um ein &#8222;Nein&#8220; zu dieser Fusion &#8211; ist es nicht. <\/p>\n<p>  Der Antrag 2 wurde zwar noch durch einen Abschnitt erg&#228;nzt, der von &#8222;<i> unterschiedlichen praktischen Schlussfolgerungen<\/i>&#8220; der AktivistInnen nach   einer drohenden Niederlage redet und die Kooperation davon nicht ber&#252;hrt   sehen will. Die Zuspitzung wurde aber auch bei der Wahl des Ko-Kreises   fortgef&#252;hrt, zu dem weder Helmut Born, gewerkschaftlicher Aktivist und   Sozialist aus D&#252;sseldorf, noch der beim Treffen verhinderte Sascha   Stanicic, Bundessprecher der SAV, gew&#228;hlt wurden. Beide unterst&#252;tzten   den Antrag 4. Der Ko-Kreis setzt sich jetzt aus Edith   Bartelmus-Scholich, Heino Berg, Dieter Elken, Michael Hammerbacher,   Susanna von Oertzen, Mario Sperling, Charlotte Ullmann, Peter Weinfurth   und Augusto Yankovic zusammen.<\/p>\n<p>  Der Kreis wird die Aufgabe haben, Scherben zusammen zu kehren, um das   Netzwerk in der &#8222;Nein!&#8220;-Kampagne zu koordinieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>      <i><b>Zum Treffen des Netzwerks Linke Opposition am 3. Oktober<\/b><\/i><\/p>\n<p>\n      Mit etwa 90 Anwesenden war die Bundeskonferenz des Netzwerks Linke<br \/>\n      Opposition in Felsberg bei Kassel besser besucht als die Versammlungen<br \/>\n      anderer Str&#246;mungen in der Linken. Der R&#252;ckgang im Vergleich zur<br \/>\n      Gr&#252;ndungsversammlung am 20. Mai (280 TeilnehmerInnen) widerspiegelt<br \/>\n      jedoch das insgesamt abnehmende politische Engagement f&#252;r die WASG seit<br \/>\n      ihrem Parteitag in Ludwigshafen. Eine Entwicklung, deren Ursachen die<br \/>\n      linke Opposition beschreiben und bek&#228;mpfen, der sie sich aber nicht<br \/>\n      vollst&#228;ndig entziehen kann.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[30],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11788"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11788"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11788\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11788"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11788"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11788"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}