{"id":11787,"date":"2006-10-08T14:25:01","date_gmt":"2006-10-08T14:25:01","guid":{"rendered":".\/?p=11787"},"modified":"2006-10-08T14:25:01","modified_gmt":"2006-10-08T14:25:01","slug":"11787","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/10\/11787\/","title":{"rendered":"100.000 DemonstrantInnen in zehn St&#228;dten gegen die Sozialk&#252;rzungen"},"content":{"rendered":"<p>  D&#228;nemark &#8211; Gr&#246;&#223;ter Protest seit 20 Jahren in der zweitgr&#246;&#223;ten Stadt des   Landes. Augenzeugenbericht vom Protesttag.<!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>von Sarah Victoria Bruun, CWI (Komitee f&#252;r eine   Arbeiterinternationale, der auch die SAV angeh&#246;rt), &#197;rhus<\/i><\/p>\n<p>  &#8222;Ich habe geh&#246;rt, dass am gestrigen Protesttag bis zu 100.000 Menschen   &#252;berall im Land auf den Stra&#223;en waren. In &#197;rhus, der zweitgr&#246;&#223;ten Stadt   in D&#228;nemark, wo ich lebe, gab es die gr&#246;&#223;te Demo seit 20 Jahren!   Mindestens 35.000 Menschen nahmen hier an den Protesten gegen die tiefen   Einschnitte ins Sozialsystem teil. Die meisten von ihnen waren besorgte   Eltern, w&#252;tende Studierende und ArbeiterInnen, die allesamt im Kampf   gegen die neoliberale Politik der Regierung zusammen kamen.<\/p>\n<p>  Seit drei Wochen streiken bereits die LehrerInnen der Pflegesch&#252;lerInnen   und Eltern blockieren die Eing&#228;nge der Kinderg&#228;rten. Anstatt in einen   Dialog mit den Eltern zu treten, zeigte der Stadtrat diese bei der   Polizei an &#8211; was zu noch mehr Wut f&#252;hrte. Die Polizei versuchte   daraufhin die Eltern zur Aufgabe zu bewegen, blieb bislang jedoch   gl&#252;cklos.<\/p>\n<p>  Die Studierenden sind ebenfalls in Aktion getreten, blockieren ihre Unis   und Schulen &#8211; mit der Unterst&#252;tzung ihrer LehrerInnen. Selbst Gro&#223;eltern   haben ihre eigene Gruppe gegr&#252;ndet, die sich &#8222;Gro&#223;eltern gegen   K&#252;rzungen&#8220; nennt!<\/p>\n<p>  Die Demonstration war deutlich gepr&#228;gt von Leuten, die genug von den   Ausfl&#252;chten der Regierung haben und die Botschaft der Bewegung war   eindeutig: &#8222;Nein zu den K&#252;rzungen &#8211; Ja zum Sozialsystem!&#8220;<\/p>\n<p>  Die Bewegung &#8222;Sozialleistungen f&#252;r alle&#8220;, eine neue, haupts&#228;chlich aus   Studierenden bestehende Gruppe, hat bei der Mobilisierung f&#252;r die Demo   ganze Arbeit geleistet. Aber weil diese Gruppe von Sozialdemokraten   dominiert ist, war die Fahne nicht rot und die Botschaft nicht   Sozialismus.<\/p>\n<p>  Ungl&#252;cklicherweise sind die sozialistischen Parteien und Organisationen   sich nicht einig &#252;ber die von ihnen vorzuschlagende Alternative. Sie   haben mit den ArbeiterInnen und Studierenden nicht &#252;ber Sozialismus oder   die Ungerechtigkeit im Kapitalismus gesprochen. Der wichtigste Punkt   aber ist, dass sie auf einen Kampf mit den Sozialdemokraten v&#246;llig   verzichten! All das ist f&#252;r die sozialistischen Parteien sehr gef&#228;hrlich   und ich hoffe, dass die Stimmung sehr bald kippen wird.<\/p>\n<p>  Nach der gestrigen Demo haben die LehrerInnen der Pflegesch&#252;lerInnen f&#252;r   eine Fortsetzung der Streiks gestimmt. Das wird hoffentlich die   Studierenden dazu bringen, weiterhin die Unis zu blockieren und andere   motivieren, ebenfalls in Aktion zu treten.<\/p>\n<p>  Die Stimmung ist gro&#223;artig und wir sind alle sehr aufgeregt. Dieser   Monat ist der wichtigste seit vielen, vielen Jahren und er kann &#8211; wenn   wir in den sozialistischen Parteien die Verantwortung &#252;bernehmen und die   ArbeiterInnen und Studierenden weiterhin unterst&#252;tzen &#8211; die Regierung   st&#252;rzen.<\/p>\n<p>  F&#252;r morgen, wenn der Rat seine Verhandlungen wieder aufnimmt, erwarten   wir weitere Demonstrationen zumindest in &#197;rhus und Kopenhagen.<\/p>\n<p>  Wir werden jetzt nicht aufh&#246;ren, teilte mir ein Elternteil auf der Demo   mit: &#187;Wir werden so lange weitermachen, wie wir m&#252;ssen. Wenn Fogh (der   d&#228;nische Premierminister) das heute nicht versteht, dann bringen wir es   ihm Donnerstag bei!&#171;&#8220;<\/p>\n<p>  <b>D&#228;nemark &#8211; Aufstand gegen K&#252;rzungsma&#223;nahmen<\/b><\/p>\n<p>  &#220;ber den Hintergrund der gestrigen Demonstrationen schreibt Per Olsson   f&#252;r &#8222;Offensiv&#8220;, die Zeitung der R&#228;ttvisepartiet Socialisterna   (Gerechtigkeitspartei; Schwesterorganiation der SAV und Sektion des CWI   in Schweden)<\/p>\n<p>  Nach den Massendemonstrationen vom 17. Mai diesen Jahres hat sich in   D&#228;nemark ein wahrer B&#252;rgeraufstand gegen die K&#252;rzungen entfaltet. Dieser   Herbst hat etliche Streiks und Demonstrationen hervorgebracht. Am 3.   Oktober, wenn der Folketinget, das d&#228;nische Parlament, wieder zusammen   kommt, werden die Proteste in einer gemeinsamen Aktion m&#252;nden.<\/p>\n<p>  In &#197;rhus, D&#228;nemarks zweitgr&#246;&#223;ter Stadt, wird seit Ende letzter Woche die   gesamte Kinderbetreuung bestreikt. Daraufhin folgten Streiks der   LehrerInnen und Sch&#252;lerInnen, Eltern haben Streikposten vor den   Kinderg&#228;rten postiert.<\/p>\n<p>  Die s&#252;dschwedische Tageszeitung Helsingborgs Dagblad berichtete am 23.   September: &#8222;Sozialarbeiter befinden sich ebenfalls im Kriegszustand. Um   die 600 Sozialarbeiter haben aus Protest gegen die K&#252;rzungen im Sozial-   und Arbeitslosensystem am Freitag in &#197;rhus aufgeh&#246;rt zu arbeiten&#8230; Im   Streik befindliche Sozialarbeiter erh&#246;hen den Druck auf den Rat, den   letzte Woche verabschiedeten Haushalt neu zu verhandeln. Die Forderung,   im sozialen Bereich 68 Mio. d&#228;nische Kronen (~8 Mio. Euro) einzusparen,   wird zweifellos zu Entlassungen f&#252;hren&#8220;.<\/p>\n<p>  In den vergangenen letzten Wochen wird D&#228;nemark von Streiks,   Demonstrationen und anderen Protestformen ersch&#252;ttert. Nicht nur in   &#197;rhus folgt ein Protest dem n&#228;chsten. Am 12. September nahmen 15.000   Menschen an einer Demonstration in &#197;rhus gegen die K&#252;rzungen im   Sozialwesen teil. Am selben Tag fanden auch in anderen Orten Demos statt.<\/p>\n<p>  Der Staatshaushalt weist einen &#220;berschuss von mehr als 11 Milliarden   Euro auf und die Steuereinnahmen steigen aufgrund der momentanen   wirtschaftlichen Zuwachsraten schneller als die Regierung prophezeit   hat. H&#246;chstwahrscheinlich hat die Regierung die Steuereinnahmen sogar   bewusst herunterzuspielen versucht.<\/p>\n<p>  <b>Sparma&#223;nahmen in den Kommunen<\/b><\/p>\n<p>  Das Wirtschaftswachstum spiegelt sich dennoch nicht im &#246;ffentlichen   Dienst wider. Die Regierung weigert sich, den Gemeinder&#228;ten die   ben&#246;tigten Ressourcen zur Verf&#252;gung zu stellen und fordert im Gegenteil   sogar Sparma&#223;nahmen. Die Budgets der kommunalen Haushalte sind seit 2003   nur um 0,6 Prozent j&#228;hrlich gestiegen (verglichen mit 1,6 Prozent   j&#228;hrlich zwischen 1998 und 2001). Die Gesamtwirtschaft dagegen wuchs   gleichzeitig um 3 Prozent j&#228;hrlich. Die kommunalen Ausgaben m&#252;ssten um 3   Prozent steigen, um die Leistungen aufrecht zu erhalten und den   gestiegenen Anforderungen im Bildungsbereich, bei der   Gesundheitsversorgung, der Kinderbetreuung und der Altenversorgung   gerecht zu werden.<\/p>\n<p>  Die rechts-konservative Regierung in D&#228;nemark, eine Minderheitskoalition   aus Liberalen und Konservativen, die mit Unterst&#252;tzung der rassistischen   DFP (D&#228;nische Volkspartei) regiert, fordert, dass die Ausgaben der   Kommunen im n&#228;chsten Jahr die Ausgaben des Jahres 2005 nicht &#252;bersteigen   d&#252;rfen. Die Folge w&#228;ren tiefe Einschnitte bei der Kinder- und   Altenbetreuung, den Schulen und den &#246;ffentlichen Bibliotheken mit   weiterer Arbeitsplatzvernichtung im &#246;ffentlichen Bereich.<\/p>\n<p>  <b>K&#252;rzungen ablehnen<\/b><\/p>\n<p>  Laut &#8222;linker&#8220; Sozialistische Volkspartei will die Regierung die   Gemeinden dazu zwingen, mindestens 4 Billionen d&#228;nische Kronen (~600   Mio. Euro) einzusparen. Und die K&#252;rzungsliste ist noch nicht komplett   bevor nicht alle Kommunen ihre Pl&#228;ne zur Umsetzung dieser Bestimmungen   vorgelegt haben.<\/p>\n<p>  Die von der Regierung vorgeschriebenen Ma&#223;nahmen (Begrenzung der   Ausgaben und Steuerzuweisungen, Streichung von Unterst&#252;tzungsleitungen   etc.), die darauf abzielen, die Kommunen zur Ausgabenk&#252;rzung zu zwingen,   sind Teil einer neoliberalen Attacke der Rechten und der Arbeitgeber auf   Besch&#228;ftigte, Jugendliche und alte Menschen. Ein weiterer Teil dieser   Offensive sind die fortgesetzten Angriffe auf Fl&#252;chtlinge und   ImmigrantInnen. Und zum Dritten fordern die Arbeitgeber eine   Arbeitszeitszeitverl&#228;ngerung.<\/p>\n<p>  Die Sozialdemokraten unterst&#252;tzen die meisten politischen Ma&#223;nahmen der   Regierung. Kurz vor Sommerbeginn gingen sie mit der Regierung einen   Handel zur K&#252;rzung der Renten ein. Die rassistische DFP und das Radikale   Venstre (eine traditionell liberale Partei) waren ebenfalls Teil dieses   Handels. Speziell die Bedingungen zur Fr&#252;hverrentung wurden   verschlechtert. Die Sozialdemokraten behaupteten hinterher, dass sie   einige Einschnitte abgemildert h&#228;tten. Doch der Grund, warum die   Regierung auf einige ihrer vorherigen Vorschl&#228;ge gegen Arbeitslose und   Kranke verzichtete, sind die K&#228;mpfe, besonders der Protest vom 17. Mai,   als &#252;ber 100.000 Menschen &#8211; das ist jeder f&#252;nfzigste D&#228;ne bzw. jede   f&#252;nfzigste D&#228;nin &#8211; auf den Stra&#223;en waren, um zu demonstrieren.<\/p>\n<p>  Die Angriffe der Regierung k&#246;nnen nur durch Kampfma&#223;nahmen beantwortet   werden. Die Forderung &#8222;Mehr Geld vom Staat &#8211; f&#252;r einen kommunalen   Aufstand&#8220; ist &#252;berall zu vernehmen. Dies ist der Hauptslogan der   Gewerkschaften, der Studierenden- und Sch&#252;lerorganisationen sowie   verschiedener anderer lokaler Gruppen.<\/p>\n<p>  Der Protesttag am 3. Oktober k&#246;nnte so viele Leute auf die Stra&#223;en   bringen wie schon der 17. Mai. In wenigstens sechs St&#228;dten wird es Demos   geben. Und schon jetzt sind weitere lokale Aktionen geplant, wie die am   12. Oktober in T&#248;nder.<\/p>\n<p>  Sollte die Regierung sich weigern, Zugest&#228;ndnisse zu machen, muss die   Bewegung darauf vorbereitet sein, die K&#228;mpfe auszuweiten. Am 3. Oktober   sollte ein weiterer Termin f&#252;r gemeinsamen Protest angek&#252;ndigt werden &#8211;    ein Demonstrationstag verbunden mit einem eint&#228;gigen Proteststreik. Dies   w&#252;rde die Bewegung voran bringen und den Druck auf Kommunalvertreter im   ganzen Land erh&#246;hen, sich am Ausstand zu beteiligen und ihre Versprechen   keine K&#252;rzungen durchzuf&#252;hren zu halten.<\/p>\n<p>  <b>Der Kampf in Liverpool<\/b><\/p>\n<p>  Der Kampf in Liverpool gegen die Thatcher-Regierung in Britannien gibt   ein Beispiel dar&#252;ber, was durch einen Massen-Kampf um mehr Finanzmittel   f&#252;r kommunale Ausgaben erreicht werden kann.<\/p>\n<p>  In den vier Jahren, in denen der Liverpooler Stadtrat von einer   sozialistischen Mehrheit gef&#252;hrt wurde, wobei die Militant-Fraktion &#8211;   die heutige Socialist Party (Schwesterorganisation der SAV und Sektion   des CWI in England und Wales) &#8211; wiederum eine f&#252;hrende Rolle spielte,   wurden 5.000 neue &#246;ffentliche Wohnungen gebaut, mehr als in allen   anderen Kommunalbezirken zusammen. Das schaffte 12.000 neue   Arbeitspl&#228;tze in der Baubranche. Der Mindestlohn f&#252;r &#246;ffentlich   Bedienstete wurde angehoben und Arbeitszeiten verk&#252;rzt.<\/p>\n<p>  All das wurde m&#246;glich durch einen Kampf &#8211; Massendemos und Streiks gegen   die Regierung &#8211;, der Thatcher dazu zwang, einige Millionen der von der   Regierung geraubten Gelder zur&#252;ck zu zahlen.<\/p>\n<p>  Sozialleistungen f&#252;r alle bedeutet, dass die Kommunen sich weigern   m&#252;ssen, K&#252;rzungen umzusetzen. Weitere Massenaktionen k&#246;nnen die   Regierung zum R&#252;ckzug zwingen; das zeigte bereits der 17. Mai.<\/p>\n<p>  Die K&#228;mpfe von heute bereiten die Voraussetzungen f&#252;r die Formierung   einer politischen Alternative zur Regierung und der DFP wie auch zur   rechten Politik der Sozialdemokratie.<\/p>\n<p>  Die OrganisatorInnen der K&#228;mpfe sollten zu einer landesweiten Konferenz   aufrufen, um zu diskutieren, wie eine politische Alternative aufgebaut   werden kann, die in der Lage ist, die Regierung in den kommenden Wahlen   herauszufordern. Die Gr&#252;ndung einer aus den aktuellen K&#228;mpfen   hervorgehenden politischen Alternative k&#246;nnte die sozialistischen Linke,   GewerkschaftsaktivistInnen, Studierende, Sch&#252;lerInnen und andere in   einer Formation zusammenbringen, aus der sich eine neue Arbeiterpartei   im Kampf gegen rechte Politik und Rassismus entwickeln k&#246;nnte.<\/p>\n<p>  Nein zu K&#252;rzungen und Privatisierungen &#8211; K&#228;mpft f&#252;r mehr Zuweisungen an   die Kommunen. Lokale Kommunalvertretungen m&#252;ssen sich weigern, die   Sparma&#223;nahmen der Regierung umzusetzen &#8211; nein zu K&#252;rzungen im   &#246;ffentlichen Sektor. Kommunalhaushalte m&#252;ssen sich an den Bed&#252;rfnissen   der Menschen orientieren, nicht am Diktat der rechten Regierung.<\/p>\n<p>  Vorbereitung weiterer Massenaktionen &#8211; f&#252;r einen landesweiten Protesttag   einschlie&#223;lich Streikma&#223;nahmen.<\/p>\n<p>  R&#252;cknahme aller K&#252;rzungen im Rentensystem.<\/p>\n<p>  Kampf dem Rassismus &#8211; gemeinsamer Kampf f&#252;r Gesundheit, Kinderbetreuung   und Bildung.<\/p>\n<p>  Wiedereinf&#252;hrung des Asylrechts.<\/p>\n<p>  Beendet die Zerschlagung des Sozialsystems.<\/p>\n<p>  R&#252;cktritt der Regierung Rasmussen&#8211; f&#252;r eine Regierung der ArbeiterInnen   mit einem sozialistischen Programm.<\/p>\n<p>  Lasst diesen Kampf erst den Anfang einer Entwicklung sein hin zu einer   neuen politischen Alternative f&#252;r ArbeiterInnen und Jugendliche, einer   neuen Arbeiterpartei, die f&#252;r das Wohl aller k&#228;mpft.<\/p>\n<p>  Aus &#8222;Offensiv&#8220;, Ausgabe dieser Woche<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>      D&#228;nemark &#8211; Gr&#246;&#223;ter Protest seit 20 Jahren in der zweitgr&#246;&#223;ten Stadt des<br \/>\n      Landes. 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