{"id":11781,"date":"2006-10-05T10:25:47","date_gmt":"2006-10-05T10:25:47","guid":{"rendered":".\/?p=11781"},"modified":"2006-10-05T10:25:47","modified_gmt":"2006-10-05T10:25:47","slug":"11781","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/10\/11781\/","title":{"rendered":"3.000 Arbeitsp&#228;tze in Gefahr!"},"content":{"rendered":"<p>  Der Schock f&#252;r die Besch&#228;ftigten beim Handyhersteller BenQ Mobile GmbH   war gro&#223; gewesen, als am vergangenen Freitag der deutsche Ableger vom   taiwanesischen Konzern BenQ konkurs anmeldete.<!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  3.000 Arbeitspl&#228;tze in M&#252;nchen, Bocholt und Kamp-Lintfort sind damit in   Gefahr. Innerhalb weniger Stunden versammelten sich hunderte   Besch&#228;ftigte zum Protest vor der Zentrale ihres ehemaligen Arbeitgebers   Siemens in M&#252;nchen sowie an den anderen BenQ-Standorten.<\/p>\n<p>  <b>Die Wut ist gro&#223;<\/b><\/p>\n<p>  Was die KollegInnen so w&#252;tend macht ist neben ihrer Angst vor   Arbeitslosigkeit insbesondere das Vorgehen ihres vorherigen Arbeitgebers   Siemens. Dieser verkaufte vor gerade mal einem Jahr die   Siemens-Handy-Sparte an den Konzern BenQ, vers&#252;&#223;t mit einer zus&#228;tzlichen   Finanzspritze von 400 Millionen Euro. Auch die MitarbeiterInnen durften   dabei &#8222;Geschenke&#8220; verteilen, indem sie in der Handyfertigung einem   Erg&#228;nzungstarifvertrag zustimmten, der eine unbezahlte   Arbeitszeitverl&#228;ngerung von f&#252;nf Stunden in der Woche und einen   zus&#228;tzlichen Gehaltsverzicht von 15 bis 30 Prozent vorsah. Daf&#252;r hatten   sie das Versprechen bekommen, dass der Betrieb eine Perspektive haben   w&#252;rde. &#8222;Die Zahlung sehen wir als Investment, um das Gesch&#228;ft   zukunftstr&#228;chtig fortzuf&#252;hren und den Mitarbeitern Chancen f&#252;r eine   positive Zukunftsgestaltung zu geben.&#8220;, so Siemens-Chef Klaus Kleinfeld.   Dass sich die KollegInnen nun verschaukelt f&#252;hlen, kann wohl jedeR   verstehen. Und die Aussage, dass Lohnverzicht und Mehrarbeit keine   Arbeitspl&#228;tze retten, hat sich damit wieder einmal bewahrheitet.<\/p>\n<p>  <b>Rendite, Rendite, Rendite&#8230;<\/b><\/p>\n<p>  das ist das Ziel von Siemens-Chef Kleinfeld. Dem ist alles   unterzuordnen. Daf&#252;r werden so genannte Verlustbringer abgesto&#223;en wie   die Handy-Sparte und auf der anderen Seite teure Zuk&#228;ufe get&#228;tigt wie   der Kauf der Medizindiagnostik-Sparte von Bayer f&#252;r schlappe 4,2   Milliarden Euro. Siemens wurde mit dem Verkauf der Handy-Sparte nicht   nur auf einen Schlag ein Bereich mit hohen Verlusten, sondern auch die   3.000 Besch&#228;ftigten los, ohne teure Sozialpl&#228;ne auflegen zu m&#252;ssen oder   mit Protesten gegen Betriebsschlie&#223;ungen und Massenentlassungen   konfrontiert zu werden. Diese Drecksarbeit &#252;bernimmt daf&#252;r jetzt BenQ,   der einen Konkurrenten aus dem Weg r&#228;umen und gleichzeitig den   Markennamen Siemens und Patentrechte einkaufen konnte. In einem   Schreiben an Siemens wirft der Betriebsrat im Standort Kamp-Lintfort   diesem &#8222;arglistige T&#228;uschung&#8220; und beiden Verhandlungspartnern eine   &#187;Entsorgung der deutschen Mitarbeiter&#171; vor.<\/p>\n<p>  <b>Erfreuliche Gewinnentwicklung<\/b><\/p>\n<p>  Das Ergebnis f&#252;r die Siemens-Bosse, die 2005 noch ein Minus von 690   Millionen Euro verkraften mussten, ist sehr erfreulich. So machte   Siemens in den ersten neun Monaten des Gesch&#228;ftsjahres 2006 einen Gewinn   nach Steuern von 2,492 Milliarden Euro, was gegen&#252;ber dem gleichen   Zeitraum des Vorjahres eine Steigerung von rund 14 Prozent ausmacht. In   dem Zusammenhang ist wohl auch die satte Gehaltserh&#246;hung f&#252;r die   Siemens-Chefs von 30 Prozent zu sehen. Allein Siemens-Chef Klaus   Kleinfeld steigert damit sein Gehalt von 3,3 Millionen auf rund 4,3   Millionen Euro. Auch f&#252;r die BenQ-Aktion&#228;re l&#228;uft alles bestens. So   schossen die Aktien des Handyherstellers im taiwanesischen Taipeh um 5,5   Prozent in die H&#246;he, als die Nachricht von den bevorstehenden   Entlassungen die Runde machte.<\/p>\n<p>  <b>BenQ-Besch&#228;ftigte machen Druck<\/b><\/p>\n<p>  Der &#252;berraschende Coup von BenQ und die daraus resultierenden Proteste   der Besch&#228;ftigten haben die Siemens-F&#252;hrung und die Politiker unter   Druck gesetzt. So wollen mit einem Mal die Siemens-Chefs f&#252;r ein Jahr   auf ihre Gehaltserh&#246;hung verzichten, die f&#252;nf Millionen Euro in einen   35-Millionen-Euro-Hilfsfonds einzahlen und ihren ehemaligen   BenQ-Besch&#228;ftigten Arbeitspl&#228;tze bei Siemens anbieten. Politiker der   verschiedenen Parteien liefern sich einen Wettstreit darum, wer am   schnellsten weitere Zugest&#228;ndnisse bei Siemens erreichen kann.   BenQ-Mobile-Chef Clemens Joos ruft sogar Verbraucher auf, Handys zur   Rettung der deutschen Werke zu kaufen. Die Gewerkschaft IG Metall   wiederum m&#246;chte ganz gerne Siemens auf Wiedereinstellung ihrer   ehemaligen Mitarbeiter verklagen.<\/p>\n<p>  <b>Wir sind entschlossen zu k&#228;mpfen&#8230;!<\/b><\/p>\n<p>  Dabei dr&#228;ngt die Zeit f&#252;r die Besch&#228;ftigten. Der vorl&#228;ufige   Insolvenzverwalter droht mit dem Aus f&#252;r die BenQ Mobile GmbH, wenn bis   Jahresende kein neuer Investor gefunden wird. Dass das f&#252;r die   Besch&#228;ftigten keinen Ausweg bedeutet, darauf weist die   Betriebsratsvorsitzende Susanne Hahlweg hin, die in jedem Fall mit einem   deutlichen Stellenabbau rechnet. Dabei sind die Besch&#228;ftigten bereit, um   ihre Arbeitspl&#228;tze zu k&#228;mpfen. So schreibt Markus Grolms, ein Metaller   aus der BenQ-Mobile-Fabrik in Kamp-Lintfort in einem Leserbrief vom 03.   Oktober: &#8222;Wir sind entschlossen zu k&#228;mpfen und wir haben nichts mehr zu   verlieren. Das ist so sicher wie die Verkommenheit der Managementkultur.&#8220; <\/p>\n<p>  Siemens will sich perspektivisch auf die Wasser-, Verkehrs-, Energie-   und Medizintechnik konzentrieren und alle anderen Firmenbereiche   loswerden. Das wird weiterhin mit Verk&#228;ufen, Werksschlie&#223;ungen,   Arbeitsplatzabbau und Lohnk&#252;rzungen einhergehen. Die Siemens- und   BenQ-ArbeiterInnen sind international miteinander verbunden. Ein   gemeinsamer Kampf aller Siemens- und BenQ-Besch&#228;ftigten in Deutschland   und auch international, organisiert durch die Gewerkschaften, ist daher   n&#246;tig und m&#246;glich und w&#252;rde die Chefs von Siemens und BenQ an ihrer   empfindlichsten Stelle treffen: bei ihrem Profit. Sollten Siemens   und\/oder BenQ aber dann trotzdem nicht bereit sein, die Werke und   Arbeitspl&#228;tze zu erhalten, dann ist es legitim, sie bei demokratischer   Kontrolle und Verwaltung in Gemeineigentum zu &#252;berf&#252;hren.<\/p>\n<p>  <i>Ronald Luther, Berlin<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>      Der Schock f&#252;r die Besch&#228;ftigten beim Handyhersteller BenQ Mobile GmbH<br \/>\n      war gro&#223; gewesen, als am vergangenen Freitag der deutsche Ableger vom<br \/>\n      taiwanesischen Konzern BenQ konkurs anmeldete.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[17],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11781"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11781"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11781\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11781"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11781"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11781"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}