{"id":11772,"date":"2006-10-05T13:01:52","date_gmt":"2006-10-05T13:01:52","guid":{"rendered":".\/?p=11772"},"modified":"2006-10-05T13:01:52","modified_gmt":"2006-10-05T13:01:52","slug":"11772","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/10\/11772\/","title":{"rendered":"NPD-Wahlerfolg in Mecklenburg-Vorpommern: eine ernste Warnung"},"content":{"rendered":"<p>  Die NPD zieht nach Sachsen in den zweiten Landtag ein <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Bei den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern wurden die etablierten   Parteien geh&#246;rig abgestraft. Die SPD verlor rund zehn Prozent, die CDU   konnte davon nicht profitieren, sondern b&#252;&#223;te ebenfalls Stimmen ein. Die   Linkspartei.PDS ist seit 1998 Regierungspartei und tr&#228;gt K&#252;rzungen an   den Unis und Schulen, Stellenstreichungen bei Landesbesch&#228;ftigten und   Abschiebungen mit. Bundesgesetze wie Hartz IV werden vorbildlich   umgesetzt. Deshalb kehrten 22.000 W&#228;hlerInnen der L.PDS den R&#252;cken,   wobei man bedenken muss, dass die PDS in Mecklenburg-Vorpommern bereits   2002 kr&#228;ftig an Stimmen verloren hat: sie st&#252;rzte vor vier Jahren von 24   auf 16 Prozent ab.<\/p>\n<p>  <i>von Linda Sch&#252;tz, Rostock<\/i><\/p>\n<p>  Durch den Anpassungskurs der L.PDS an das Establishment f&#228;llt es der NPD   einfacher, sich als Alternative darzustellen und erreichte 7,3 Prozent   oder 59.674 Zweitstimmen. Damit sitzen sechs braune Abgeordnete im   Schweriner Landtag. In einigen D&#246;rfern stimmte ein Viertel der   W&#228;hlerInnen f&#252;r die NPD und nur in drei Wahlkreisen in Schwerin und   Rostock blieb die NPD unter f&#252;nf Prozent! Bei den 18- bis 24-J&#228;hrigen   votierten 15 Prozent f&#252;r die Rechtsextremen. &#220;berdurchschnittlich viele   Erwerbslose w&#228;hlten die Partei.<\/p>\n<p>  <b>Eine faschistische Partei<\/b><\/p>\n<p>  Die NPD kn&#252;pft offen an nationalsozialistische Traditionen an. Am   Wahlabend w&#252;rdigte Spitzenkandidat Udo Past&#246;rs Hitler, der in vielen   Bereichen &#8222;Akzente gesetzt&#8220; habe. Die NPD arbeitet (offener als in der   Vergangenenheit) mit Kameradschaften zusammen und griff im Wahlkampf   regelm&#228;&#223;ig Infost&#228;nde anderer Parteien an.<\/p>\n<p>  Die NPD thematisierte die soziale Krise mit riesigen Plakaten:   &#8222;Arbeitslosigkeit und Sozialabbau: wehrt euch!&#8220; und &#8222;L&#228;ndliche Schulen   erhalten&#8220;. Mit Spr&#252;chen wie &#8222;Den Bonzen auf die Finger hauen&#8220; sprechen   sie vielen Leuten aus der Seele. Ihre &#8222;L&#246;sungen&#8220; sind aber nur   Scheinl&#246;sungen. Mit ihrer Hetze gegen MigrantInnen spalten sie die   arbeitende Bev&#246;lkerung, das nutzt nur den Kapitaleignern.<\/p>\n<p>  Die Menschen f&#252;hlen sich nach 16 Jahren Abschwung Ost und 50 Prozent   Arbeitslosigkeit in manchen Stadtteilen verraten und verkauft. Wenn dann   noch auf SPD-Plakaten &#8222;Den Erfolg fortsetzen&#8220; steht, ist das pure   Verarschung. Die Hetze gegen Muslime, die Propagierung einer &#8222;deutschen   Leitkultur&#8220; und die Diskriminierung von Fl&#252;chtlingen durch die   etablierten Parteien ist Wasser auf die M&#252;hlen der Nazis.<\/p>\n<p>  Die Pr&#228;senz der NPD im Wahlkampf war massiv, es gab Stra&#223;en, in denen   keine Laterne ohne NPD-Pappe blieb. Nach eigenen Angaben hat die NPD f&#252;r   den Wahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern rund 400.000 Euro ausgegeben.   Zum Vergleich: Den Gr&#252;nen standen 120.000 Euro zur Verf&#252;gung.<\/p>\n<p>  <b>Starke Pr&#228;senz in l&#228;ndlichen Gebieten<\/b><\/p>\n<p>  Au&#223;erdem haben die NPD und die in Mecklenburg-Vorpommern starken Freien   Kameradschaften in der Partei sich durch jahrelange Aufbauarbeit in   manchen Gegenden fest verankert. In l&#228;ndlichen Gebieten, wo oft jegliche   Freizeit- oder Kultureinrichtungen fehlen, wo der &#246;ffentliche Nahverkehr   zusammengestrichen wurde und sich s&#228;mtliche Parteien und Institutionen   zur&#252;ckgezogen haben, ist die NPD pr&#228;sent.<\/p>\n<p>  F&#252;r viele scheint sie inzwischen dazu zu geh&#246;ren. Sie beteiligt sich an   B&#252;rgerinitiativen, organisiert Kaffee-Nachmittage und besucht   Fu&#223;ballclubs oder Stammtische. Falls es noch Jugendclubs gibt, sind sie   mancherorts fest in den H&#228;nden der Nazis. Im Gegenzug f&#252;r das Wohlwollen   des B&#252;rgermeisters stellen die Rechten gern den Ordnerdienst f&#252;rs   Dorffest.<\/p>\n<p>  <b>K&#228;mpferische Linke n&#246;tig<\/b><\/p>\n<p>  Dass eine k&#228;mpferische, kampagnenorientierte Linke, die den   Sozialkahlschlag konsequent ablehnt, das beste Mittel gegen das   Erstarken der Nazis ist, zeigen die Berliner Wahlen. Dort bekam die WASG   bei den Abgeordnetenhauswahlen auf Anhieb mehr Stimmen als die NPD.   Schon vor einem halben Jahr hatte die NPD die Kandidatur der Berliner   WASG auf ihrer Website bedauert. Allerdings konnte die NPD leider auch   in Berlin in vier Bezirksparlamente einziehen.<\/p>\n<p>  Auch in Mecklenburg-Vorpommern trat die WASG als soziale Alternative an.   Wie in Berlin konnte durch das Fehlen von gro&#223;en Protestbewegungen und   K&#228;mpfen und in der kurzen Zeit seit der Gr&#252;ndung der WASG das Vertrauen   vieler Leute noch nicht erarbeitet werden. Gegen&#252;ber Berlin ist die WASG   Mecklenburg-Vorpommern zahlenm&#228;&#223;ig schwach, nicht in sozialen Bewegungen   und Gewerkschaften verankert, mit gro&#223;en politischen Schw&#228;chen behaftet   und war deshalb f&#252;r viele nicht als linke Alternative erkennbar. Wo die   SAV schwerpunktm&#228;&#223;ig Wahlkampf leistete und seit Jahren verankert ist,   konnten immerhin Ergebnisse &#252;ber dem Landesdurchschnitt erzielt werden.<\/p>\n<p>  Der Kampf gegen weitere Angriffe auf die sozialen Errungenschaften muss   mit dem Kampf gegen Nazis verbunden werden. Es ist dringender denn je,   eine starke Linke aufzubauen, die sowohl Argumente gegen die Propaganda   der NPD liefert, ihre Aktivit&#228;ten konkret verhindert, sich selber  &#252;ber   Kampagnen und K&#228;mpfe in Stadtteilen, Betrieben, an Schulen und Unis   verankert, und auch Antworten auf die kapitalistische Krise gibt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>      Die NPD zieht nach Sachsen in den zweiten Landtag ein<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[5],"tags":[186],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11772"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11772"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11772\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11772"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11772"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11772"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}