{"id":11766,"date":"2006-09-19T18:04:32","date_gmt":"2006-09-19T18:04:32","guid":{"rendered":".\/?p=11766"},"modified":"2006-09-19T18:04:32","modified_gmt":"2006-09-19T18:04:32","slug":"11766","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/09\/11766\/","title":{"rendered":"Die Wahlverlierer von Gestern buhlen um die Macht von Morgen"},"content":{"rendered":"<p>  Zum Wahlausgang in Mecklenburg-Vorpommern <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  &quot;Es gibt in Mecklenburg-Vorpommern keine wesentlichen Erfolge im sozialen   Bereich. Das Land hat die h&#246;chste Arbeitslosenquote, die h&#246;chste   Abwanderungsquote und die schlechtesten demoskopischen Zahlen. Wenn es   dann hei&#223;t, den Erfolg fortsetzen, f&#252;hlen die Menschen sich gedem&#252;tigt   und ironisch behandelt&quot;&#8211; mit diesen Worten fasst der Direktor der   mecklenburgischen Caritas, Alfons Neumann, am 18. September das   Wahlergebnis zusammen.<\/p>\n<p>  <i>von Ren&#233; Henze, Rostock <\/i>    <\/p>\n<p>  Die mit der Linkspartei.PDS regierende SPD unter Ministerpr&#228;sident Ringstorff   versprach im Wahlkampf: &quot;Den Erfolg fortsetzen&quot;. F&#252;r &#252;ber zehn   Prozent der ehemaligen SPD-W&#228;hlerInnen muss das eher wie eine Drohung   geklungen haben &#8212; und sie machten ihre Kreuze am Wahlabend woanders   oder gingen nicht mehr zur Wahl. Damit kam die SPD, nach vorl&#228;ufigen   amtlichen Wahlergebnis, nur noch auf 30,2 Prozent (2002: 40,6 Prozent).<\/p>\n<p>  <b>&quot;Rot-Rot&quot; abgestraft <\/b>    <\/p>\n<p>  Die mitregierende Linkspartei.PDS br&#252;stet sich zwar, dass sie ihr Ergebnis   von 2002 mit 16,4 auf 16,8 Prozent gesteigert habe &#8212; aber dass die   L.PDS 22.000 Stimmen verloren hat, das taucht in den Statements der Linkspartei.PDS   kaum auf (2002 war die PDS gegen&#252;ber 1998 um ein Drittel eingebrochen!).<\/p>\n<p>  Die Linkspartei.PDS hat dabei noch Gl&#252;ck gehabt. Denn der drohende Einzug   der Nazis in den Landtag f&#252;hrte im Vorfeld der Wahlen unter antifaschistischen   Gruppen und anderen zu einer weitverbreiteten Einstellung, diesmal der   Linken im Landtag die Stimme zu geben&#8230; Die Verluste f&#252;r beide Parteien   sind die Quittung f&#252;r die Politik der K&#252;rzungen, Einsparungen,   Entlassungen der letzten acht Jahre.<\/p>\n<p>  <b>CDU &#8212; schlechtestes Ergebnis seit 1990 <\/b>    <\/p>\n<p>  Doch auch die oppositionelle CDU konnte aus der Ablehnung gegen&#252;ber der &quot;rot-roten&quot;   Landesregierung kein Kapital schlagen. Sie verlor zwar &quot;nur&quot; 2,6   Prozent &#8212; aber das gestrige Ergebnis von 28,8 Prozent ist damit das schlechteste   Ergebnis f&#252;r die CDU in MV.<\/p>\n<p>  <b>B&#252;ndnis 90\/Die Gr&#252;nen und die FDP <\/b>    <\/p>\n<p>  F&#252;r B&#252;ndnis90\/Die Gr&#252;nen gibt es einfach keinen Raum, um den Einzug ins Parlament   zu schaffen. Weder gibt es in MV eine nennenswerte &#214;ko- oder &quot;B&#252;rger-&quot;Bewegung,   noch gibt es eine &quot;Schikeria&quot;, die aus dieser Bewegung   hervorgegangen ist. Mecklenburg-Vorpommern ist einfach zu arm, als dass   solch eine Schicht ein nennenswertes W&#228;hlerpotenzial f&#252;r B&#252;nndis   90\/Die Gr&#252;nen bilden k&#246;nnte. Proteststimmen, wie teilweise anderswo,   landen in MV auch nicht bei den Gr&#252;nen.<\/p>\n<p>  Die FDP hat nach 12 Jahren Abstinenz mit 9,6 Prozent den Sprung in den Landtag   geschafft. Gen&#252;tzt hat der FDP der Bonus, dass sie weder in der Bundesregierung   noch im Schweriner Landtag &#252;berhaupt vertreten ist\/war. Interessant   f&#252;r das gute Abschneiden der Liberalen d&#252;rften auch die n&#228;heren   Untersuchungen der n&#228;chsten Wochen &#252;ber die &quot;W&#228;hlerwanderung&quot; sein.   Es ist zu vermuten, dass es gerade im Lager der Selbst&#228;ndigen &#8212; das   hei&#223;t im Lager der Klein- und Kleinst-Unternehmer &#8212; die Linkspartei.PDS   ihre seit 1989 bestehende Klientel an die Liberalen verloren hat.<\/p>\n<p>  <b>NPD und Kameradschaften <\/b>    <\/p>\n<p>  Die NPD hat mit 7,3 Prozent den Einzug in den Landtag geschafft. Mit Plakaten   wie &quot;Wehrt euch!&quot;, &quot;Jetzt reichts!&quot; und &quot;Den Bonzen auf die Finger   hauen!&quot; trafen sie den Nerv von knapp 60.000 W&#228;hlerInnen. Doch nicht   nur gro&#223;kotzig-populistische Spr&#252;che prangten auf den NPD-Plakaten,   sondern auch inhaltliche Forderungen wie &quot;Zukunft statt Arbeitsamt&quot;,   &quot;L&#228;ndliche Schulen erhalten&quot; und die &quot;Wiederherstellung der Poliklinik-Strukturen&quot;.   Gerade im &#246;stlichen Teil Mecklenburg-Vorpommerns hat die NPD teilweise Ergebnisse   zwischen 13 und 15 Prozent eingefahren. In diesen Regionen liegt die   Arbeitslosigkeit zwischen 40 bis 50 Prozent.<\/p>\n<p>  Mit 400.000 bis 1,5 Millionen Euro hat die NPD am meisten Geld in den Wahlkampf   gesteckt. Dies und ein generalstabsm&#228;&#223;ig organisierter Wahlkampf   &#8212; geleitet von dem s&#228;chsischen Fraktionschef Apfel &#8212; sicherte   nicht nur den Einzug dieser Partei in den Landtag, sondern auch die   Gefolgschaft von den der NPD bislang skeptisch gegen&#252;ber stehenden Kameradschaften.<\/p>\n<p>  Mit dem Erfolg vom 17. September festigt die NPD innerhalb des rechtsradikalen   Lagers ihre Vorherrschaft. Das und der Fakt, dass fast die H&#228;lfte der   NPD-Abgeordneten aus den offen militanten Kameradschaften kommt, wird   auch das Auftreten der NPD in der kommenden Zeit noch st&#228;rker   beeinflussen. Ein Vorgeschmack dessen lieferte diese Partei auch gleich   am Wahlabend. Bei ihrer zentralen Wahlparty in Schwerin wurden Journalisten   vom NDR und dpa handgreiflich aus dem Saal bef&#246;rdert. Dieses   Abschneiden bedeutet eine ernste Warnung. Das macht es n&#246;tig, den Kampf   gegen Rechts und Sozialabbau noch zu intensivieren.<\/p>\n<p>  <b>Nichtw&#228;hlerInnen <\/b>    <\/p>\n<p>  Entgegen manchen erschrockenen (linken) Kleingeistern, die nun wittern, dass   &quot;die Ostdeutschen anf&#228;lliger f&#252;r Neo-Nazi-Parolen seien&quot;, oder dass &quot;in   der Krise die Arbeiter nach rechts gehen&quot;, sei hier nochmal gesagt, die   gr&#246;&#223;te Partei bei diesem Wahlkampf, war die Partei der &quot;Nichtw&#228;hlerInnen&quot;!   40,8 Prozent der Wahlberechtigten gingen weder den Neo-Nazis, noch den   leren Spr&#252;chen der etablierten Parteien, auf den Leim. Damit ist   diese &quot;Partei&quot; der eigentliche &quot;Wahlsieger&quot;. Denn noch vor   vier Jahren hatten knapp 70 Prozent gew&#228;hlt.<\/p>\n<p>  <b>WASG <\/b>    <\/p>\n<p>  Die Partei &quot;Arbeit &amp; soziale Gerechtigkeit &#8212; Die Wahlalternative&quot; (WASG)   hatte eigentlich ein riesiges Potenzial vor sich &#8212; genau die Nichtw&#228;hlerInnen   und diejenigen, die z&#228;hneknirschend ihr Wahlkreuz bei der   Linkspartei.PDS machen. Doch die WASG konnte daraus nichts machen. Zum   einen ist einfach die Basis in Mecklenburg-Vorpommern mit nur einer Handvoll   Mitgliedern zu gering. Zum anderen war f&#252;r viele Menschen nicht klar,   ob sie &#8212; angesichts der angestrebten Fusion durch die Bundesvorst&#228;nde   von WASG und PDS &#8212; nicht am Ende doch die Regierungspartei   Linkspartei.PDS w&#228;hlen. So erhielt die WASG nach bisherigen &#8212; noch   unvollst&#228;ndigen &#8212; Ergebnissen zwischen 0,3 und einem Prozent.<\/p>\n<p>  <b>Aussicht <\/b>    <\/p>\n<p>  Die Aufgabe, auch im nord-&#246;stlichen Bundesland eine neue Partei f&#252;r Besch&#228;ftigte,   Arbeitslose, RentnerInnen und Jugendliche aufzubauen, steht nach wie vor   noch aus. Denn egal wie die zuk&#252;nftige Regierungskoalition zwischen   SPD, Linkspartei.PDS und CDU ausgehandelt wird &#8212; die Lage der Menschen   in diesem Bundesland wird nicht besser. Die WASG h&#228;tte somit eigentlich   ein weites Feld, um durch systematische Kampagnenarbeit gegen Nazis und   Rassisten einerseits und gegen Sozialk&#252;rzungen und Arbeitslosigkeit die   Linke in diesem Bundesland zu sammeln, zu organisieren. Konfrontiert mit   dem bedingungslosen Fusionskurs seitens der WASG-Bundesspitze gilt es   jetzt, die Schw&#228;chung der L.PDS und das Debakel in (Ost-)Berlin &#8212;   aufgrund ihrer Kahlschlagspolitik in &quot;rot-roten&quot; Koalitionen &#8212;   innerhalb der WASG und Akteuren gegen Sozialraub zum Ausgangspunkt f&#252;r   die weitere Diskussion &#252;ber den politischen Neuformierungsprozess   der Linken zu machen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>      Zum Wahlausgang in Mecklenburg-Vorpommern<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[78],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11766"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11766"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11766\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11766"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11766"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11766"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}