{"id":11764,"date":"2006-09-15T13:24:08","date_gmt":"2006-09-15T13:24:08","guid":{"rendered":".\/?p=11764"},"modified":"2006-09-15T13:24:08","modified_gmt":"2006-09-15T13:24:08","slug":"11764","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/09\/11764\/","title":{"rendered":"Eint&#228;giger Schulstreik in Berlin"},"content":{"rendered":"<p>  Mittwoch, neun Uhr, f&#252;nf Tage vor den Abgeordnetenhauswahlen in Berlin:   Eine Gruppe von ca. 500 Sch&#252;lerInnen zieht mit lautstark gerufenen   Parolen wie &#8222;Bildung f&#252;r alle und zwar umsonst!&#8220; vom Prenzlauer Berg in   Richtung Berlin Mitte. Dort treffen sich Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler aus   ganz Berlin zum eint&#228;gigen Schulstreik. <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>von Anne Engelhardt, Berlin<\/i><\/p>\n<p>  Trotz massivem Druck seitens vieler LehrerInnen und SchulleiterInnen,   Tadel auszuteilen, Sechsen einzutragen oder Sch&#252;lerInnen in den Klassen   einzusperren, ist die Beteiligung gro&#223; und w&#228;chst w&#228;hrend dem Marsch zum   Roten Rathaus auf etwa tausend Sch&#252;lerInnen an.<\/p>\n<p>  Tags zuvor wurde auf einigen Elternabenden das Ger&#252;cht gestreut, die NPD   w&#252;rde den Schulstreik organisieren. Die Eltern sollten sich &#252;berlegen,   &#8222;wem ihre Kinder an diesem Tag nachlaufen werden&#8220;.<\/p>\n<p>  Doch die Sch&#252;lerInnen fielen nicht auf diese billige L&#252;ge rein. Sie   machten an diesem Tag klar, wof&#252;r sie sich einsetzen: Neben   antifaschistischen Parolen, die sich ganz klar gegen Neonazis wandten,   &#228;u&#223;erten sie mit &#8222;Streik in der Schule, Streik in der Fabrik! Das ist   unsere Antwort auf eure Politik!&#8220; ihren Protest gegen die neoliberale   Politik in Berlin. W&#228;hrend der Demonstration dr&#252;ckten einige   Sch&#252;lerInnen ihre Wut &#252;ber die etablierten Parteien durch Abrei&#223;en von   Wahlplakaten aus. Dies veranlasste die Polizei dazu, insgesamt zwei   Festnahmen durchzuf&#252;hren.<\/p>\n<p>  Die hohe Motivation der Sch&#252;lerInnen, trotz der vielseitigen   Einsch&#252;chterungsversuche, zu streiken, ist nicht verwunderlich. Mit der   Abschaffung der Lehrmittelfreiheit hat sich beim Lernen die Schere   zwischen Arm und Reich innerhalb der Schulen deutlich versch&#228;rft. Bis zu   100 Euro sollen die Eltern j&#228;hrlich f&#252;r die Schulb&#252;cher ihrer Kinder   aufbringen. Auch die &#220;berlastung der Lehrer, der hohe Stundenausfall,   der mittlerweile durch Aushilfstunden meist fachfremder LehrerInnen   abgedeckt werden soll oder die massenhaften Schlie&#223;ungen und   Zusammenlegungen von Schulen waren Thema des Streiks.<\/p>\n<p>  Mehr als 8.000 Sch&#252;lerInnen aus Gymnasien, Berufschulen, Hauptschulen   und einigen Gesamtschulen gingen an diesem Tag gemeinsam f&#252;r ihr Recht   auf freie Bildung und kostenlose Schulb&#252;cher auf die Stra&#223;e. Auch einige   StudentInnen unterst&#252;tzten den Streik. Trotz der klaren Ausrichtung des   Protests gegen Bildungs- und Sozialabbau, ist die Vernetzung mit anderen   Betroffenen aber noch im Anfangsstadium.<\/p>\n<p>  Entstanden ist die Initiative &#8222;Bildungsblockaden einrei&#223;en&#8220; vor etwa   einem halben Jahr. Ihr geh&#246;ren Sch&#252;lerInnen und linke Gruppen an. Auch   die Landessch&#252;lervertretung rief zum Streiktag auf. Mit der Idee, es   &#8222;genauso zu machen wie in Frankreich&#8220;, wurden s&#228;mtliche Schulen in   Berlin angeschrieben. Es meldeten sich Sch&#252;lerInnen, die an ihren   Schulen f&#252;r den Streik warben.<\/p>\n<p>  Das hohe politische Bewu&#223;tsein dr&#252;ckten auch Transparente aus, auf denen   zum Beispiel &#8222;Was ist einen Tag fehlen gegen unsere Zukunft&#8220; zu lesen   war.<\/p>\n<p>  Aus fast allen Stadtteilen Berlins kamen die DemoteilnehmerInnen und   zogen bis 15 Uhr durch die Innenstadt Berlins. Es wurde deutlich, dass   den Streikenden auch die Notwendigkeit der Vernetzung mit anderen von   der neoliberalen Politik des rot-roten Senats betroffener Menschen klar   ist. Die Solidarit&#228;tsdelegation des Charit&#233;-Klinikums, an dem am selben   Tag drei Standorte bestreikt wurden, sprach auf der Abschlusskundgebung.   Carsten Becker (Pver.di-Betriebsgruppenvorsitzender an der Charit&#233;)   machte klar, was der vom Senat geplante Absenkungstarifvertrag f&#252;r die   Besch&#228;ftigten und PatientInnen bedeutet. Hei&#223; begr&#252;&#223;t wurde von den   Sch&#252;lerInnen die Ansage, dass der Kampf weiter gef&#252;hrt wird.<\/p>\n<p>  Viele Erwachsene, die zuf&#228;llig vom Sch&#252;lerstreik geh&#246;rt haben,   beobachten schaulustig und solidarisch das Spektakel. &#8222;Wennse bei den   Kurzen schon sparen, brauchen se uns gar nicht mehr anzukieken&#8220;,   kommentierte einer kopfsch&#252;ttelnd die Politik des rot-roten Senates kurz   vor den Berliner Wahlen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>      Mittwoch, neun Uhr, f&#252;nf Tage vor den Abgeordnetenhauswahlen in Berlin:<br \/>\n      Eine Gruppe von ca. 500 Sch&#252;lerInnen zieht mit lautstark gerufenen<br \/>\n      Parolen wie &#8222;Bildung f&#252;r alle und zwar umsonst!&#8220; vom Prenzlauer Berg in<br \/>\n      Richtung Berlin Mitte. 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