{"id":11762,"date":"2006-09-14T09:13:48","date_gmt":"2006-09-14T09:13:48","guid":{"rendered":".\/?p=11762"},"modified":"2006-09-14T09:13:48","modified_gmt":"2006-09-14T09:13:48","slug":"11762","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/09\/11762\/","title":{"rendered":"WASG Berlin leitet Wahlkampf-Endspurt ein"},"content":{"rendered":"<p>  &#220;ber 100 WASG-Mitglieder aus dem ganzen Bundesgebiet wie auch   Unterst&#252;tzerInnen aus Irland, Griechenland, England und Belgien nahmen   an der Diskussionskonferenz der Berliner WASG am 10. September teil. <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>von Nima Sorouri, K&#246;ln <\/i>    <\/p>\n<p>  Es w&#228;ren mehr Berliner WASG-Mitglieder da gewesen, wenn nicht   gleichzeitig noch andere wichtige Wahlkampfaktionen in der Hauptstadt   stattgefunden h&#228;tten.<\/p>\n<p>  Die Erfahrungen, die die Wahlk&#228;mpferInnen jeden Tag auf der Stra&#223;e, vor   Schulen und Betrieben machen, wirkte sich auf die Stimmung und   Atmosph&#228;re der Konferenz aus. Es war nicht zu &#252;bersehen, mit welch einem   Selbstbewusstsein und Kampfgeist die TeilnehmerInnen ihre Erfahrungen   austauschten. Auch die angereisten Unterst&#252;tzerInnen zeigten sich von   der Stimmung auf der Stra&#223;e und von der unerm&#252;dlichen Konsequenz der   Berliner AktivistInnen beeindruckt.<\/p>\n<p>  Die Berliner WASG und ihre Unterst&#252;tzerInnen bundesweit haben es nochmal   deutlich gemacht: Es geht auch anders! Statt Anpassung erst zu   kleineren, schlie&#223;lich zu gr&#246;&#223;eren &#220;beln, Glaubw&#252;rdigkeit durch   unbeugsame Konsequenz. Statt dieses &#8222;Wir-k&#246;nnen-ja-garnix-daf&#252;r-Gerede&#8220;   von L.PDS- und WASG-&#8220;Realos&#8220;, Widerstand auf der Stra&#223;e und ins   Parlament!<\/p>\n<p>  Die erste Diskussion behandelte das Thema: &quot;Berlin braucht eine soziale   Alternative &#8211; wof&#252;r steht die WASG?&quot; Auf dem Podium sa&#223;en KandidatInnen   der WASG-Landesliste Lucy Redler, Michael Pr&#252;tz und Renate Herranen.<\/p>\n<p>  Die Lehrerin, auch Mitglied der GEW, Renate Herranen, machte auf die   katastrophale Situation im Kinder- und Jugendbereich in Berlin   aufmerksam. &quot;Im Bundesgebiet lebt im Schnitt jedes siebte Kind in Armut.   In Berlin jedes dritte!&quot; Unter Rot-Rot sei die Situation noch schlimmer   geworden. Betreuungsangbote seien zusammengek&#252;rzt worden und die   Lehrmittelftreiheit abgeschafft worden. Viele der Kinder in Armut   leideten an Hunger, so Herranen. ALG-II-Empf&#228;ngerInnen im Schnitt haben   gerade mal elf Euro f&#252;r den ganzen Tag zur Verf&#252;gung &#8211; und eine warme   Mahlzeit an der Schule kostet bereits zwei Euro. Nach einem Umriss der   erschreckenden Verh&#228;ltnisse in der Bundeshauptstadt stellte sie die   Forderungen der Berliner WASG vor, wie beispielsweise nach deutlich   kleineren Klassen, die Einstellung von 1.000 LehrerInnen und der   einheitlichen Ganztagsschule.<\/p>\n<p>  Michael Pr&#252;tz leitete die momentane Haushaltssituation in Berlin her,   wobei er den &quot;Bankenskandal&quot; ausf&#252;hrlich schilderte, an dem die   Vorregierung gest&#252;rzt ist. In am&#252;santer Weise stellte er die   Verstrickungen zwischen Immobiliengesch&#228;ften und der Berliner Politik   dar. Dass die L.PDS keine Wahl gehabt h&#228;tte, weil es schlie&#223;lich   Vertr&#228;ge zwischen der Landesbank und den Gl&#228;ubigern gegeben h&#228;tte, sei   Unsinn. Auf die Frage hin, warum die LPDS diese Vertr&#228;ge &#252;ber die   Interessen der Menschen stelle, wenn es doch Alternativen gegeben hat,   antwortete Pr&#252;tz: &quot;Das ist eine Klassenfrage. Wenn mehrere Tausend   Unternehmer und Reiche in Berlin ihr Geld zur&#252;ckhaben wollen, dann   stellt sich die Frage, ob man sich mit ihnen anlegen will, oder tut, was   sie verlangen. Die L.PDS hat sich f&#252;r letzteres entschieden.&quot;<\/p>\n<p>  Lucy Redler, die Spitzenkandidatin der WASG Berlin, zeigte auf, was die   meist gestellten Fragen im Wahlkampf sind. Am h&#228;ufigsten h&#246;re man im   Stra&#223;enwahlkampf: &quot;Find ich alles echt gut, was ihr sagt, aber wer sagt   mir, dass ihr anders seid und nicht einmal an der Regierung den selben   Mist auch macht.&quot; Lucy zeigte Verst&#228;ndnis daf&#252;r, da SPD, Gr&#252;ne und PDS,   eben diese Entwicklung von links nach rechts gemacht h&#228;tten. Die   Entt&#228;uschung sei gro&#223; und viele Hoffnungen entt&#228;uscht. Umso wichtiger   sei es zu erkl&#228;ren, dass eine soziale Opposition n&#246;tig und m&#246;glich ist.   &quot;Wir sind anders&quot;, so Lucy Redler, &quot;das m&#252;ssen wir erkl&#228;ren und daf&#252;r   Beispiele geben&quot;. Die Situation an der Charit&#233; zeige in aller   Deutlichkeit den Unterschied. W&#228;hrend alle anderen Parteien die   Besch&#228;ftigten in einen Absenkungstarif zwingen wollen, und das unter der   F&#252;hrung von L.PDS-Wissenschaftssenator Flierl, sei die WASG Berlin   konsequent auf der Seite der Besch&#228;ftigten und unterst&#252;tze ihren Kampf. <\/p>\n<p>  Auch sei die Frage nach der Art und Weise, wie eine WASG-Fraktion   arbeiten w&#252;rde, entschiedend. Es gehe darum, den Menschen Mut zu machen,   ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Deshalb wird die Fraktion   &quot;Kampagnen auf der Stra&#223;e machen und den Protesten eine &#214;ffentlichkeit   geben&quot;. Erst an vierter Stelle sieht die Sozialistin die Frage, ob die   WASG mit ihrer Kandidatur die Linke spalte. Bis auf ein paar Ausnahmen   jedoch h&#228;tte sie die Erfahrung gemacht, dass diese Personengruppe offen   ist und sich f&#252;r eine &quot;Linke, die auch den Namen verdient&quot; &#252;berzeugen   lasse, wenn man l&#228;nger mit ihr diskutiert.<\/p>\n<p>  Die Diskussionsbeitr&#228;ge aus dem Publikum waren gepr&#228;gt von den ganzen   positiven Erfahrungen aus dem Wahlkampf. Einige appellierten, mit allen   zu sprechen, so h&#228;tten sie nicht nur die Erfahrung gemacht, entt&#228;uschte   L.PDS-W&#228;hlerInnen zu gewinnen, sondern auch Mitglieder der Gr&#252;nen, SPD   und sogar Leute, die sich aus Frust und Verzweiflung &#252;berlegt hatten,   die NPD oder andere Naziparteien zu w&#228;hlen.<\/p>\n<p>  Die zweite Diskussion hat nochmal deutlich gemacht, dass es bei der   Neuformierung der Linken darauf ankommt, die Vielfalt der linken und   sozialen Bewegungen einzubeziehen. Schon bei der Auswahl der   PodiumsteilnehmerInnen wurde das Ziel verfolgt, AktivistInnen aus den   verschiedenen Bereichen, inbesondere aus dem betrieblichen und   gewerkschaftlichen zusammenzubringen, um den aktuellen Wahlkampf und das   Verh&#228;ltnis zwischen parlamentarischer Arbeit und au&#223;erparlamentarischem   Widerstand zu diskutieren. An der Diskussion: &quot;Protest und Parlament &#8211;   welche Erwartungen an eine linke Fraktion?&quot; nahmen teil: Angela Klein,   Koordinatorin der Eurom&#228;rsche und deutsches Sozialforum, Carsten Becker,   ver.di-Betriebsgruppenvorsitzender an der Charit&#233; und WASG-Kandidat, Tom   Adler, Betriebsrat bei DaimlerChrysler Mettingen und Michael   Kronawitter, langj&#228;hriger Aktivist der antifaschistischen Bewegung und   WASG-Kandidat. Angela Klein mahnte an, dass es weniger um linke Arbeit   im Parlament gehen d&#252;rfe, sondern vielmehr das Ziel im Vordergrund   stehen m&#252;sse, die Bewegung gegen die bestehenden Verh&#228;ltnisse   aufzubauen. Eine m&#246;gliche Fraktion, ob im Abgeordnetenhaus oder in den   Bezirksverordnetenversammlungen, sollte nur als Werkzeug dienen, die   Partei und vor allem die Bewegung aufzubauen, um die gesellschaftlichen   Macht- und Kr&#228;fteverh&#228;ltnisse zu ver&#228;ndern. Der erste Landesparteitag   nach der Wahl, so Angela Klein, &quot;darf sich nicht mit der Frage   besch&#228;ftigen: &quot;Was machen wir im Parlament?&quot;, sondern: wie organisieren   wir die Kampagne gegen die Privatisierung der Sparkasse?&quot;<\/p>\n<p>  Carsten Becker schilderte die Situation an der Charit&#233; und stellte die   Notwendigkeit vom engen Verh&#228;ltnis zwischen dem betrieblichen Kampf und   m&#246;glichen WASG-Parlamentariern in den Vordergrund. &quot;Dass Besch&#228;ftigte   wieder eine Stimme haben, darum geht es mir.&quot; Die Tatsache, dass die   Charit&#233;-Besch&#228;ftigten die einzigen Angestellten des &#246;ffentlichen   Dienstes seien, die bisher nicht in einen Absenkungstarif gezwungen   werden konnten, sei Resultat des Widerstands. &quot;Als Vertreter dieses   Widerstands will ich ins Parlament&quot;, so der Personalrat.<\/p>\n<p>  Tom Adler, einer der &quot;Mettinger Rebellen&quot;, erkl&#228;rte, wie die IG Metall   in den Achtzigern begonnen habe, sich zunehmend der &quot;Standortlogik&quot; zu   unterwerfen, was immer mehr zu faulen Kompromissen mit den Bossen   gef&#252;hrt habe. Gegen diese zunehmdende Auslieferung von   Arbeiterinteressen g&#228;be es aber Widerstand. Diese &quot;gallischen D&#246;rfer&quot;   solle die Fraktion unterst&#252;tzen und den allgemeinen Konsens   durchbrechen. &quot;Die Fraktion muss eine Kultur des K&#228;mpfens in der breiten   &#214;ffentlichkeit verankern.&quot; Pflicht der Fraktion sei deswegen, gegen die   herrschende Hegemonie eine Gegen&#246;ffentlichkeit aufzubauen.<\/p>\n<p>  Michael Kronawitter fasste mit den Stichworten &quot;laut, offensiv und   ungehorsam&quot; seine Vorstellungen von der Rolle m&#246;glicher Abgeordneter   zusammen. Es sei an der Zeit, endlich wegzukommen von den   Deffensivforderungen. &quot;Parlament ist wie Theater und im Theater muss man   laut sprechen.&quot; Es sei wichtig, sich Geh&#246;r zu verschaffen durch   Aktionen, die wahrgenommen werden. &quot;Wenn Politiker die Stra&#223;enseite   wechseln, wenn sie uns sehen, dann wei&#223; ich, dass wir es richtig gemacht   haben.&quot;<\/p>\n<p>  Mehrere DiskussionsteilnehmerInnen betonten die Bedeutung von   Transparenz und Kontrolle &#252;ber die zuk&#252;nftigen Abgeordneten.<\/p>\n<p>  Die sehr lebendige und k&#228;mpferische Veranstaltung l&#228;sst Gutes hoffen.   Das Potenzial f&#252;r den Einzug ins Abgeordnetenhaus ist auf jeden Fall   vorhanden. Doch auch wenn es nicht reicht, haben die Konferenz und auch   die Erfahrungen im Wahlkampf etwas deutlich gemacht: Linke Ideen kommen   gut an, wenn der Begriff &quot;links&quot; sich nicht mehr verbinden l&#228;sst mit   Sozialabbau, Privatisierung und Abschiebungen, sondern mit konsequentem   Widerstand gegen die bestehenden Verh&#228;ltnisse. Der Kampf f&#252;r so eine   neue Linke geht weiter!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>      &#220;ber 100 WASG-Mitglieder aus dem ganzen Bundesgebiet wie auch<br \/>\n      Unterst&#252;tzerInnen aus Irland, Griechenland, England und Belgien nahmen<br \/>\n      an der Diskussionskonferenz der Berliner WASG am 10. 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