{"id":11754,"date":"2006-09-08T16:05:57","date_gmt":"2006-09-08T16:05:57","guid":{"rendered":".\/?p=11754"},"modified":"2006-09-08T16:05:57","modified_gmt":"2006-09-08T16:05:57","slug":"11754","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/09\/11754\/","title":{"rendered":"Was ist links &#8211; und was ist es nicht"},"content":{"rendered":"<p>  Die Frage, was denn &#8222;links&#8220; sei, lockte mehrere hundert ZuschauerInnen   zur Diskussionsveranstaltung der Berliner taz am 4. September. Schnell   polarisierte sich die Diskussion: Einerseits argumentierten Stefan   Liebich (Linkspartei.PDS), Michael M&#252;ller (SPD) und Volker Ratzmann   (Gr&#252;ne) f&#252;r &#8222;linke&#8220; Politik unter dem Diktat der leeren Kassen.   Andererseits vertrat Lucy Redler (WASG) die Auffassung, dass angesichts   des wachsenden Reichtums der Verm&#246;genden und der Konzerne Widerstand   gegen alle K&#252;rzungen auf dem R&#252;cken der arbeitenden und arbeitslosen   Bev&#246;lkerung n&#246;tig sei und auf keinen Fall eine Beteiligung an   Regierungen, die f&#252;r Sozialabbau, Privatisierungen und Tarifflucht   stehen. <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>von Bianca Suttner<\/i><\/p>\n<p>  Die Positionen von Gr&#252;nen, SPD und L.PDS waren ern&#252;chternd: SPD und   Gr&#252;ne nahmen gegen&#252;ber linker Politik eine klare &#8222;Nicht mit uns&#8220;-Haltung   ein: der eine will 15.000 weitere Wohnungen privatisieren (M&#252;ller), der   andere dazu auch ein bisschen von der BVG (Ratzmann). Die Linkspartei   tanzte hingegen ihr Wahlkampfballett: aber der Spagat zwischen der   Verteidigung von vier Jahren Regierungspolitik (inklusive   Lohnabsenkungen bei der BVG) und der Beteuerung, nun sei es aber genug   mit den Wohnungsprivatisierungen, stie&#223; beim Publikum auf Skepsis. Zu   Recht angesichts der ersch&#252;tternden Bilanz von vier Jahren Rot-Rot.<\/p>\n<p>  Die Kernfragen linker Politik aufzugreifen blieb damit der   Spitzenkandidatin der WASG, Lucy Redler, &#252;berlassen, die f&#252;r ihre   Positionen gro&#223;e Unterst&#252;tzung und Beifall aus dem Publikum bekam:   konsequent auf der Seite der Betroffenen zu stehen gegen Sozialabbau und   Privatisierung, das m&#252;sse der Ausgangspunkt linker Politik sein. <\/p>\n<p>  Dass hei&#223;t zum Beispiel mit den Besch&#228;ftigten aktiv f&#252;r den Erhalt von   Arbeitspl&#228;tzen zu k&#228;mpfen wie bei BSH. Au&#223;erdem m&#252;sste bei   Betriebsschlie&#223;ungen das Land auch von der M&#246;glichkeit Gebrauch machen,   solche Betriebe in &#246;ffentliches Eigentum zu &#252;berf&#252;hren. Am Beispiel der   BVG machte sie klar, dass es f&#252;r Linke nicht die Alternative zwischen   Lohnk&#252;rzungen oder Fahrpreiserh&#246;hung geben k&#246;nne. Im Interesse einen   guten Verkehrsversorgung mache es keinen Sinn, NutzerInnen und   Besch&#228;ftigten gegeneinander auszuspielen. Sie stellte auch klar, dass es   ein Irrglaube ist, dass Lohnk&#252;rzungen Privatisierungen verhindern   k&#246;nnten. Sind die L&#246;hne erst einmal gedr&#252;ckt, wie beim   Krankenhausbetrieb &#8222;vivantes&#8220;, dann steige f&#252;r private Unternehmen   vielmehr die Attraktivit&#228;t solche Betriebe zu &#252;bernehmen. <\/p>\n<p>  Immer wieder wurde die Frage der Finanzierung aufgeworfen. Die Vertreter   von Gr&#252;ne, SPD und  auch PDS argumentierten, dass die Haushaltslage dazu   zwingen w&#252;rde, K&#252;rzungsma&#223;nahmen umzusetzen. Lucy Redler machte klar,   dass die Kassen von L&#228;ndern und Kommunen ausgeblutet seien, weil es eine   massive Umverteilung von unten nach oben gegeben hat: auf dieser   Grundlage haben sich die oberen 10.000 immer weiter bereichert. Wenn man   alleine nur ein Drittel des Verm&#246;gens absch&#246;pfen w&#252;rde, w&#228;ren alle   L&#228;nder und Kommunen schuldenfrei. Aufgabe der Linken sei es, den   Widerstand gegen diese Umverteilungspolitik zu organisieren. Nur so   k&#246;nnten die notwendigen Gelder zur Finanzierung von &#246;ffentlichen und   sinnvollen Investitionen erreicht werden. Sie stellte heraus, dass die   L.PDS es seit Jahren vers&#228;umt habe, eben diesen Widerstand zu   organisieren. <\/p>\n<p>  Das Publikum schien zumindest eine klare Positionierung gegen   Sozialabbau zu begr&#252;&#223;en.<\/p>\n<p>  Insgesamt blieb die Orientierung auf die au&#223;erparlamenatarische Bewegung   um politische Ver&#228;nderungen zu erreichen, auf dem Podium allein Lucy   Redlers Ansatz f&#252;r linke Politik. Oppositionsarbeit, gar &#8222;Kampagnen&#8220;   gegen Wohnungsprivatisierung oder Werksschlie&#223;ungen &#8211; f&#252;r Liebich   unvorstellbar.  Sowohl er als auch M&#252;ller sahen in Regierungsposten die   einzigen Handlungsm&#246;glichkeiten f&#252;r &quot;linke&quot; Politik. Welche &quot;Spielr&#228;ume&quot;   sie dabei in den vergangenen Jahren ausgesch&#246;pft haben, wissen die   meisten Berliner nur zu gut. Da stellt sich einmal mehr die Frage: wer   oder was hier eigentlich links ist? Messlatte hierf&#252;r sind die Taten,   nicht die Worte, wie Lucy Redler bereits am Anfang der Veranstaltung   erkl&#228;rte. Und da den Vertretern der bekannten Parteien selbst die Worte   f&#252;r linke Positionen und Visionen fehlten, zeigte sich die Notwendigkeit   einer konsequenten linken Kandidatur der WASG an diesem Abend einmal   mehr. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>      Die Frage, was denn &#8222;links&#8220; sei, lockte mehrere hundert ZuschauerInnen<br \/>\n      zur Diskussionsveranstaltung der Berliner taz am 4. September. 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