{"id":11750,"date":"2006-09-07T08:48:38","date_gmt":"2006-09-07T08:48:38","guid":{"rendered":".\/?p=11750"},"modified":"2006-09-07T08:48:38","modified_gmt":"2006-09-07T08:48:38","slug":"11750","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/09\/11750\/","title":{"rendered":"Stellungnahme der SAV"},"content":{"rendered":"<p>  zum Parteibildungsprozess und den Aufgaben des Netzwerks Linke Opposition <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Wir sind GegnerInnen einer bedingungslosen Fusion von WASG und LPDS und   werden einer solchen nicht zustimmen. Wir haben immer daf&#252;r   argumentiert, dass eine &#8222;Neue Linke&#8220; inhaltliche Mindestkriterien   erf&#252;llen muss und mehr sein muss als eine Addition von WASG und LPDS.   Wir haben uns insbesondere f&#252;r die gleichberechtigte Einbeziehung von   AktivistInnen, die in keiner der beiden Parteien sind, in den   Neuformierungsprozess eingesetzt.<\/p>\n<p>  Zu den inhaltlichen Mindestkriterien m&#252;ssen aus unserer Sicht u.a.   jegliche Ablehnung von Sozialabbau, Privatisierungen,   Arbeitsplatzvernichtung, Tarifflucht in jeder Form und auf allen Ebenen   geh&#246;ren. Das beinhaltet ein Ausschluss von Regierungskoalitionen mit   neoliberalen Parteien auf allen Ebenen, die zu solchen Ma&#223;nahmen f&#252;hren. <\/p>\n<p>  Wir haben uns innerhalb der WASG f&#252;r ein antikapitalistisches und   sozialistisches Programm eingesetzt, das den Kampf um die konkreten   Forderungen der Partei mit der Perspektive einer Gesellschaft, die nicht   auf Privateigentum an Produktionsmitteln, Profitlogik und   Marktkonkurrenz aufgebaut ist, verbindet.<\/p>\n<p>  Wir haben uns in der WASG sowohl f&#252;r die eigenst&#228;ndigen Kandidaturen in   Berlin und Mecklenburg-Vorpommern eingesetzt, als auch f&#252;r den Aufbau   einer linken Opposition gegen den durch den Bundesvorstand   eingeschlagenen Kurs der Anpassung an die LPDS.<\/p>\n<p>  Wir sind zuversichtlich, dass die WASG Berlin den Einzug ins   Abgeordnetenhaus schafft. Wir treten f&#252;r die Existenz einer unabh&#228;ngigen   WASG-Fraktion im Abgeordnetenhaus, unabh&#228;ngig vom Verlauf des   Parteibildungsprozesses, ein. Dies ist n&#246;tig, um eigene Politik- und   Handlungsf&#228;higkeit zu erhalten. Selbst wenn die LPDS nicht im n&#228;chsten   Senat vertreten sein sollte, wird die Fraktion von den Wolfs und Liebigs   dominiert werden.<\/p>\n<p>  Wir treten daf&#252;r ein, den Kampf um die Ausrichtung und Programmatik der   zu bildenden Partei ernsthaft bis zum Schluss zu f&#252;hren. Das beinhaltet   das Eintreten f&#252;r ein Nein zu einem Zusammenschluss mit der LPDS, wenn   die genannten inhaltlichen Mindestkriterien nicht erf&#252;llt werden und der   Parteibildungsprozess so undemokratisch verl&#228;uft, wie bisher.<\/p>\n<p>  Wir halten es f&#252;r verfr&#252;ht und taktisch unklug zum jetzigen Zeitpunkt   Festlegungen f&#252;r den Fall zu treffen, dass dieser Kampf verloren geht   und eine Mehrheit der WASG-Mitglieder einem Zusammenschluss mit der LPDS   auf Basis der jetzigen LPDS-Politik zustimmt.<\/p>\n<p>  Ohne eine Festlegung auf eine Mitarbeit in einer solchen Partei   festzulegen, sollte f&#252;r das Recht von Landesverb&#228;nden der WASG   eingetreten werden, die Fusion auf Landesebene nicht zu vollziehen und   trotzdem am bundesweiten Parteibildungsprozess weiter teilzunehmen. Das   Eintreten f&#252;r ein solches Recht, beinhaltet nicht automatisch, dass   dieses auch wahrgenommen w&#252;rde.<\/p>\n<p>  Die Frage, ob eine linke Opposition innerhalb einer solchen neuen Partei   wirkt oder dieser nicht beitritt, h&#228;ngt nicht nur von der beschlossenen   Programmatik, der Politik der Parteif&#252;hrung und der   Regierungsbeteiligung auf Landesebene statt. Wenn breite Teile der   Bev&#246;lkerung diese Partei trotz ihrer Politik als eine m&#246;gliche   Alternative ansieht, kann eine Oppositionsarbeit innerhalb   wirkungsvoller sein. Entscheidend ist, dass eine Opposition tats&#228;chlich   Opposition ist und keine inhaltlichen und praktischen faulen Kompromisse   eingeht. Auch die Rifondazione Comunista in Italien hatte schon auf   regionaler Ebene an Sozialabbau-Ma&#223;nahmen teilgenommen, bevor sie nun in   die Prodi-Regierung eingetreten ist. Trotzdem ist das Agieren einer   linken Opposition in der Partei als eine legitime Arbeitsweise   weitgehend unumstritten. Wenn durch die Formierung einer linken   Opposition innerhalb gr&#246;&#223;erer Parteien mit einem linken\/sozialistischen   Anspruch mehr abh&#228;ngig Besch&#228;ftigte, Erwerbslose und Jugendliche f&#252;r   eine konsequent anti-neoliberale und antikapitalistische Politik   erreicht werden k&#246;nnen und der gesellschaftliche Widerstand dadurch   st&#228;rker unterst&#252;tzt werden kann, ist dies eine legitime M&#246;glichkeit. <\/p>\n<p>  Ob dies der Fall sein wird, kann man erst entscheiden, wenn klar ist   unter welchen Bedingungen und mit welchem Kr&#228;fteverh&#228;ltnis der   Parteibildungsprozess weiter geht. Aufgrund der Erfahrung mit dem   b&#252;rokratisch-zentralistischen Regime innerhalb der PDS und der   gleicherma&#223;en administrativen Vorgehensweise des WASG-Bundesvorstands   zum Beispiel gegen&#252;ber dem WASG-Landesvorstand Berlin haben sich aber   auch schon zahlreiche AktivistInnen mit Blick auf die drohende Fusion   aus der WASG verabschiedet. Die fusionierte Linke k&#246;nnte zwar einerseits   f&#252;r die Masse der Arbeiterklasse auf Wahlebene eine gewissen   Attraktivit&#228;t entwickeln, f&#252;r AktivistInnen andererseits kann sie ein   unattraktiver, lebloser Laden werden. Dieser Spagat &#8211; auch mit   unterschiedlichen lokalen Auspr&#228;gungen und Unterschieden &#8211; kann die   folgenden Monate f&#252;r linke KritikerInnen recht kompliziert gestalten.   Abh&#228;ngig davon, ob die fusionierte Partei in Regierungen bleibt \/ neu   eintritt beziehungsweise wie weit es ihr gelingt, wie Oskar Lafontaine   bei betrieblichen oder sozialen Auseinandersetzungen radikal   aufzutreten, kann die Entwicklung der neuen Partei verkomplizieren. Ob   sie selbst im Falle eines radikaleren Auftretens attraktiv zur   Aktivierung einer gr&#246;&#223;eren Zahl neuer Mitstreiterinnen und Mitstreiter   wird, ist jedoch unwahrscheinlich. Trotzdem ist es nicht auszuschlie&#223;en,   dass zum Beispiel durch die Erringung von Kommunal- und Landtagsmandaten   in bestimmten Orten und Regionen, Oppositionsarbeit auch innerhalb der   zuk&#252;nftigen Partei eine wichtige gesellschaftliche Wirkung erzielen kann. <\/p>\n<p>  Es ist ist abzusehen, dass ein ganzer Teil von kritischen   Oppositionellen keine Alternative zu dem Versuch sieht, auch innerhalb   dieser Partei t&#228;tig zu werden. Die Verbindung zu diesen Kolleginnen und   Kollegen vorschnell abzubrechen w&#228;re ein Fehler. Deshalb sollte eine   Linke Opposition sich als offen f&#252;r Mitglieder und Nicht-Mitglieder der   zuk&#252;nftigen Partei zeigen.<\/p>\n<p>  Dabei ist klar: der zu erwartende Fusionsprozess macht einen neuen   Anlauf zur Bildung einer, wie wir es nennen, Arbeiterpartei, also einer   konsequenten Partei gegen Sozialabbau, Privatisierungen und Tarifflucht   n&#246;tig. Doch es ist zu erwarten, dass zuk&#252;nftige daf&#252;r n&#246;tige Impulse aus   unterschiedlichen Quellen kommen k&#246;nnen. Vor allem aus   gesellschaftlichen Auseinandersetzungen, Widerstandsbewegungen,   Gewerkschaften und Klassenk&#228;mpfen, aber m&#246;glicherweise auch zum Teil aus   dieser fusionierten Partei heraus.<\/p>\n<p>  Wir sehen, au&#223;erhalb von Berlin, zur Zeit kein Potenzial f&#252;r eine   erfolgreiche Gr&#252;ndung einer sogenannten &#8222;sechsten Partei&#8220; im Falle einer   bedingungslosen Fusion von WASG und LPDS. In Berlin ist es eine   M&#246;glichkeit, dass eine Regionalpartei entstehen muss, um den Kampf, den   der WASG Landesverband bisher erfolgreich gef&#252;hrt hat, fortzusetzen.   Diese h&#228;tte aufgrund der spezifischen Situation in Berlin ein hohes   soziales Gewicht und eine Verankerung in Teilen der Gewerkschaften,   sozialen Bewegungen und Arbeiterklasse.<\/p>\n<p>  Weil ein solches soziales Gewicht und eine solche Verankerung bundesweit   nicht existieren w&#252;rde, warnen wir vor der Orientierung auf eine   bundesweite Parteigr&#252;ndung bzw. Gr&#252;ndung einer partei&#228;hnlichen   Organisation. Das w&#252;rde die Gefahr beinhalten, die beteiligten   AktivistInnen an den Rand der politischen Auseinandersetzungen zu   bef&#246;rdern und diese zu entt&#228;uschen.<\/p>\n<p>  In jedem Fall sollte die Opposition gegen eine bedingungslose Fusion von   WASG und LPDS geschlossen diesen Kampf f&#252;hren, ohne Vorfestlegungen zu   treffen, die diese Geschlossenheit zum jetzigen Zeitpunkt in Frage   stellen w&#252;rden. Aus diesem Grund halten wir den ultimatistischen   Beschluss eines Teils der Unterst&#252;tzerInnen des Netzwerks Linke   Opposition in NRW, zum jetzigen Zeitpunkt anzuk&#252;ndigen, sicher nicht in   die fusionierte Partei einzutreten, wenn diese die von den KollegInnen   selbst aufgestellten &#8222;Haltelinien&#8220; nicht erf&#252;llt, f&#252;r einen Fehler. <\/p>\n<p>  Wir schlagen dem Netzwerk Linke Opposition vor, weiterhin f&#252;r alle   diejenigen offen zu sein, die den Kampf f&#252;r eine tats&#228;chlich linke &#8222;Neue   Linke&#8220; und gegen eine bedingungslose Fusion f&#252;hren wollen &#8211; unabh&#228;ngig   davon, wie sie sich nach einer Fusion verhalten wollen.<\/p>\n<p>  <i>Berlin, 6.9.2006<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>      zum Parteibildungsprozess und den Aufgaben des Netzwerks Linke Opposition<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[104],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11750"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11750"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11750\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11750"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11750"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11750"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}