{"id":11747,"date":"2006-09-04T15:01:48","date_gmt":"2006-09-04T15:01:48","guid":{"rendered":".\/?p=11747"},"modified":"2006-09-04T15:01:48","modified_gmt":"2006-09-04T15:01:48","slug":"11747","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/09\/11747\/","title":{"rendered":"Krisen und Kriege im Nahen Osten"},"content":{"rendered":"<p>  &#8222;Die Geburtswehen eines neuen Nahen Osten&#8220;, so nannte US-Au&#223;enministerin   Rice den Krieg gegen den Libanon (Washington Post online vom 21. Juli). <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Zynischer kann man die Lage in der Region wohl kaum beschreiben: Diese   &#8222;Geburtswehen&#8220; forderten seit Anfang des Jahres mehrere Tausend zivile   Todesopfer im Irak, &#252;ber Tausend Tote und eine Million Kriegsfl&#252;chtlinge   im Libanon und 300.000 Menschen, die aus Nordisrael fliehen mussten.<\/p>\n<p>  <i>von Conny Dahmen<\/i><\/p>\n<p>  Flugzeuge und Gesch&#252;tze der israelischen Armee haben weite Teile des   Libanon bis auf die Grundmauern niedergebombt, Br&#252;cken, Stra&#223;en und   Elektrizit&#228;tswerke in Asche verwandelt. Viele Fabrikanlagen und   s&#228;mtliche libanesische H&#228;fen und Flugh&#228;fen wurden zerbombt. Trotzdem   konnten die Hisbollah und deren Anh&#228;nger nicht besiegt werden. Selbst   wenn dieser Waffenstillstand zun&#228;chst mehr oder weniger eingehalten   wird, sind weitere, noch verheerendere Konflikte nur eine Frage der Zeit.<\/p>\n<p>  Einmal mehr ist die Rolle des US-Imperialismus als Schl&#252;sselfaktor im   Nahen Osten deutlich geworden, der Israel gr&#252;nes Licht f&#252;r die Angriffe   auf den Libanon gegeben hatte. Was die libanesischen, aber auch die   israelischen Massen der ArbeiterInnen, Armen und der Landbev&#246;lkerung mit   ihrem Blut und ihren Tr&#228;nen bezahlen, sind die knallharten Interessen   der verschiedenen imperialistischen M&#228;chte. Es geht um die Frage der   Vorherrschaft im Nahen Osten und den Zugang zum &#214;l.<\/p>\n<p>  <b>Brandstifter mit Tradition<\/b><\/p>\n<p>  Schon der franz&#246;sische und britische Imperialismus legten die   Grundsteine f&#252;r die heutigen Probleme. Ihr wirtschaftliches und   politisches Interesse an der Region reicht &#252;ber hundert Jahre zur&#252;ck. Um   ihre Kontrolle zu festigen, spielten beide M&#228;chte von Anfang an gezielt   die verschiedenen Volksgruppen und Religionszugeh&#246;rigkeiten   gegeneinander aus. Damit wollten sie einem vereinten Widerstand gegen   die Besatzung vorbeugen. So wurden unter anderem die Massenbewegungen   der AraberInnen f&#252;r nationale Selbstbestimmung gegen die britische   Herrschaft in den zwanziger und drei&#223;iger Jahren unterdr&#252;ckt.<\/p>\n<p>  Eine einschneidende Entwicklung bedeutete die Gr&#252;ndung des Staates   Israel im Jahr 1948, die besonders der US-Imperialismus vorangetrieben   hatte. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatten Gro&#223;britannien und Frankreich   ihren Einfluss mehr und mehr an den US-Imperialismus verloren. Damals   wie heute machten die &#214;lvorkommen in der Region den Nahen Osten   attraktiv. Drei Viertel der heute bekannten &#214;lreserven liegen in den   arabischen L&#228;ndern und in Iran. Der Wunsch der j&#252;dischen Einwanderer   nach einem Ort, an dem sie in Frieden leben k&#246;nnen, wurde und wird f&#252;r   die strategischen Interessen des Westens, allen voran der USA,   missbraucht. Die Art und Weise wie der Staat Israel geschaffen wurde,   musste zu einem Konflikt mit der arabischen Bev&#246;lkerung f&#252;hren. Bei   seiner Gr&#252;ndung wurden Hunderttausende Pal&#228;stinenserInnen vertrieben,   die seit mehreren Generationen in Fl&#252;chtlingslagern in den umliegenden   Staaten lebten.<\/p>\n<p>  Das Ziel des Imperialismus war und ist die Kontrolle &#252;ber diese   strategisch wichtige Region. Das Kalk&#252;l hinter ihrer Politik im Nahen   Osten: Solange die arabischen Massen ihre Wut gegen Israel richten,   werden sie abgelenkt von dem Kampf f&#252;r ihre nationale Befreiung von der   Vorherrschaft der westlichen kapitalistischen L&#228;nder.<\/p>\n<p>  Denn in der zweiten H&#228;lfte des 20. Jahrhunderts erhielten im Zuge der   nationalen Unabh&#228;ngigkeitsbewegungen gegen Kolonialherrschaften in aller   Welt auch die panarabischen Bewegungen einen enormen Zulauf, die eine   geeinte Nation aller AraberInnen zum Ziel hatte. Die reaktion&#228;ren   Herrscherh&#228;user pr&#228;sentieren sich zwar als Vertreter aller AraberInnen   im Kampf gegen Israel, sind aber Hindernisse im Kampf gegen   Unterdr&#252;ckung und Ausbeutung, da sie die eigene Bev&#246;lkerung unterdr&#252;cken   und in letzter Instanz gemeinsame Sache mit dem Westen machen &#8211; zum   Beispiel die Machthaber in Saudi-Arabien, Jordanien und &#196;gypten.<\/p>\n<p>  <b>Der Hauptfeind steht in Israel?<\/b><\/p>\n<p>  Der Staat Israel diente aber auch als milit&#228;rischer und politischer   Vorposten gegen das Vordringen revolution&#228;rer Bewegungen nach dem   Zweiten Weltkrieg, an deren Ende die Abschaffung des Kapitalismus h&#228;tte   stehen k&#246;nnen, wie in China beispielsweise.<\/p>\n<p>  Im Irak hatte die panarabische Baath-Partei einen Gro&#223;teil der   ausl&#228;ndischen Verm&#246;gen verstaatlicht, in Syrien gingen die   Verstaatlichungen sogar noch weiter. In Algerien erhoben sich die Massen   gegen die franz&#246;sische Unterdr&#252;ckung. Viele ArbeiterInnen und Bauern in   &#196;gypten orientierten sich an der nicht-kapitalistischen Sowjetunion. Der   Imperialismus sah den eigenen Einfluss schwinden und seine &#214;lprofite   bedroht. Der Kampf aller gegen Israel wendete das Blatt schlie&#223;lich:   Statt Revolutionen der Massen gegen die Eliten der Region und den   westlichen Imperialismus wurden 1967 Syrer, &#196;gypter, Jordanier und   Iraker im Krieg gegen Israel zusammen geschwei&#223;t. Israel besetzte die   Westbank, den Gaza-Streifen, die Sinai-Halbinsel und die syrischen   Golan-H&#246;hen. S&#228;mtliche Kriege und Milit&#228;raktionen haben f&#252;r keine Seite   Sicherheit gebracht, sondern im Gegenteil neuen Hass geschaffen.<\/p>\n<p>  Der russische Revolution&#228;r und Sozialist, Leo Trotzki, warnte 1940, dass   eine systematische Ansiedlung der Juden auf pal&#228;stinensischem   Territorium wahrscheinlich zu einer &#8222;blutigen Falle f&#252;r die Juden&#8220;   werden w&#252;rde, dass es auf kapitalistischer Grundlage niemals eine L&#246;sung   f&#252;r die verfolgten Juden g&#228;be, und er schrieb weiter, &#8222;die Rettung des   j&#252;dischen Volkes ist untrennbar verbunden mit dem Sturz des   kapitalistischen Systems&#8220; (&#8222;&#220;ber die j&#252;dische Frage&#8220;). <\/p>\n<p>  <b>Erstarken religi&#246;s-fundamentalistischer Kr&#228;fte<\/b><\/p>\n<p>  Da es keine starke Kraft gab, die aufzeigte, dass die eigentlichen   Grenzen zwischen den Klassen und nicht zwischen den V&#246;lkern verlaufen,   und einen Befreiungskampf aller f&#252;r eine sozialistische Ver&#228;nderung   organisierte, gewannen insbesondere in den letzten Jahren   religi&#246;s-fundamentalistische Organisationen an Boden. Auch das Scheitern   der 1964 gegr&#252;ndeten Pal&#228;stinensischen Befreiungsorganisation (PLO) war   vorprogrammiert, weil sie eine L&#246;sung im Rahmen des Kapitalismus und mit   den Mitteln des Guerillakampfes suchte. Seit Anfang der neunziger Jahre   setzte sie sich, f&#252;r alle sichtbar vom Westen korrumpiert, mit den   Besatzern an Runde Tische und lie&#223; sich die Bedingungen von ihnen   diktieren. Sozialen Fortschritt erreichte sie &#8211; auch nach der Bildung   der Pal&#228;stinensischen Autonomiebeh&#246;rde &#8211; nur f&#252;r eine kleine Schicht von   PLO-Funktion&#228;ren und anderen Karrieristen, w&#228;hrend es der Masse der   Bev&#246;lkerung sogar noch schlechter ging.<\/p>\n<p>  Die &#8222;israelische Karte&#8220; wird heute wieder von Machthabern wie Assad in   Syrien und Ahmadinedschad in Iran gespielt, deren anti-israelische   Verbalattacken die Arbeiterklasse von der Unterdr&#252;ckung und den sozialen   Spannungen im eigenen Land ablenken sollen. So versuchte Ahmadinedschad   mit der Atomfrage den Nationalismus hochzutreiben. Das Haus der   Arbeiter, die von den Machthabern im Iran kontrollierte Gewerkschaft,   rief am 1. Mai die Parole &#8222;Atomkraft ist ein unver&#228;u&#223;erliches Recht&#8220;   aus. Viele ArbeiterInnen lie&#223;en sich davon jedoch nicht beeindrucken und   trugen auf den Demonstrationen Transparente mit Slogans wie &#8222;Streikrecht   ist ein unver&#228;u&#223;erliches Recht&#8220; oder &#8222;Mindestlohn ist ein   unver&#228;u&#223;erliches Recht&#8220;. Auch die Hisbollah lenkt mit ihrem Vorgehen   gegen Israel, dem sie alles andere unterordnet, von sozialen Fragen wie   L&#246;hnen, Wohnungen, Arbeit und Bildung ab. Sie sabotierte die   aufkommenden Massenbewegungen im Libanon gegen den Sozialabbau der   libanesischen Regierung, wie zum Beispiel einen Massenboykott gegen die   Erh&#246;hung der Strompreise im S&#252;dlibanon.<\/p>\n<p>  <b>Boomerang &#8211; israelische Milit&#228;raktionen im Libanon<\/b><\/p>\n<p>  In den Libanon war Israel bereits 1978 und 1982 einmarschiert, um Basen   der PLO zu zerst&#246;ren. Diese so genannte &#8222;Invasion f&#252;r Frieden&#8220; erfreute   sich jedoch nicht lange der anf&#228;nglich breiten Unterst&#252;tzung in der   israelischen Bev&#246;lkerung. Auf das brutale Massaker an bis zu 3.000   pal&#228;stinensischen Fl&#252;chtlingen in Sabra und Schatila 1982, unter   Mitt&#228;terschaft der israelischen Armee und deren General Ariel Scharon,   reagierten nicht nur die ArbeiterInnen in den arabischen L&#228;ndern mit   Protestdemonstrationen und Streiks, auch in Tel Aviv gingen bis zu einer   halben Million Menschen auf die Stra&#223;e. Innerhalb der israelischen   Streitkr&#228;fte entwickelte sich zum ersten Mal eine Opposition. Im Jahr   2000 musste die israelische Armee schlie&#223;lich den K&#228;mpfern der Hisbollah   weichen und den Libanon aus Mangel an &#246;ffentlicher Unterst&#252;tzung und   einsatzwilligen SoldatInnen verlassen.<\/p>\n<p>  <b>Israel geschw&#228;cht<\/b><\/p>\n<p>  Auch im j&#252;ngsten Krieg hat sich die israelische Elite schwer   verkalkuliert. Sicherlich war der israelische Ministerpr&#228;sident Olmert   bestrebt, nach der Entf&#252;hrung der beiden Soldaten im Libanon das   Prestige der Armee wieder herzustellen und St&#228;rke zu demonstrieren.   Allerdings war die Entf&#252;hrung im Grunde nur ein Vorwand, zuvor hatten   Israel und Hisbollah schlie&#223;lich solche Konflikte mit einem   Gefangenenaustausch geregelt. Die Tatsache, dass &#252;ber Nacht eine   gigantische Kriegsmaschinerie mobilisiert werden konnte, l&#228;sst darauf   schlie&#223;en, dass die Kriegsvorbereitungen bereits vor der Entf&#252;hrung der   beiden israelischen Soldaten stattgefunden haben. Das Wei&#223;e Haus, das   diesen Krieg unterst&#252;tzte, hatte ebenfalls ein Interesse an der   Schw&#228;chung der Hisbollah. Eine Entwaffnung der von Iran unterst&#252;tzen   Hisbollah h&#228;tte Ahmadinedschads Position im Konflikt mit dem Westen   geschw&#228;cht. Letzten Endes erreichte Israel kein einziges Kriegsziel. Die   Hisbollah konnte ihre Basis unter der libanesischen Bev&#246;lkerung &#8211; und   zwar nicht nur unter den knapp 50 Prozent SchiitInnen &#8211; massiv ausbauen.   In der arabischen Welt werden nun die Hisbollah und deren Chef Nasrallah   als Helden gefeiert.<\/p>\n<p>  Die israelische Regierung hatte vor dem Krieg nur 35 Prozent   Unterst&#252;tzung in der Bev&#246;lkerung. W&#228;hrend des Krieges bekamen Olmert und   Co. R&#252;ckenwind. Kriegsverlauf und Ergebnis haben nun jedoch f&#252;r viel   Unmut gesorgt. Gro&#223;e Teile der Bev&#246;lkerung waren daf&#252;r, den Krieg   fortzusetzen. Ein Gef&#252;hl, das in n&#228;chster Zeit aber st&#228;rker werden wird,   ist, dass die etablierten Politiker und Parteien keine Sicherheit   garantieren k&#246;nnen. In Folge dessen wird die aufgestaute Unzufriedenheit   gegen die reiche und korrupte Elite ihren Ausdruck finden.<\/p>\n<p>  <b>Besetzte Pal&#228;stinensergebiete<\/b><\/p>\n<p>  Auch im Gaza-Streifen punktet die Hamas politisch durch die israelischen   Bombenangriffe auf die Zivilbev&#246;lkerung. Nach Israels Abzug ist Gaza   heute weiterhin ein gro&#223;es Gef&#228;ngnis f&#252;r die dort lebenden   Pal&#228;stinenserInnen, umzingelt von St&#252;tzpunkten der israelischen Armee.   Der Sieg der Hamas bei den Wahlen der Pal&#228;stinensischen Autonomiebeh&#246;rde   im Dezember 2005 war ein schwerer Schlag f&#252;r die Herrschenden in Israel   und in den USA, da mit der Hamas keine so reibungslose Kollaboration wie   mit der Fatah (dem Arafat-Fl&#252;gel der PLO) m&#246;glich ist. Es ist ihnen   nicht gelungen, beide Kr&#228;fte in eine Gro&#223;e Koalition zu ziehen und die   Hamas in die Rolle einer Marionette &#8211; vergleichbar mit der PLO &#8211; zu   zwingen. Die Hamas hat sich in den besetzten Pal&#228;stinensergebieten,   &#228;hnlich wie die Hisbollah im Libanon, in der Bev&#246;lkerung verankern   k&#246;nnen. W&#228;hrend die korrupte PLO-F&#252;hrung damit besch&#228;ftigt war, sich an   Hilfsgeldern zu bereichern, ging der Lebensstandard f&#252;r die Masse der   Pal&#228;stinenserInnen in den letzten Jahren weiter zur&#252;ck. Die Hamas   hingegen finanzierte Sozialprogramme und pr&#228;sentierte sich als   Fundamentalopposition gegen die Scheinl&#246;sungen, die mit der israelischen   Regierung und dem Westen ausgehandelt worden waren.<\/p>\n<p>  Eine L&#246;sung hat die Hamas ebensowenig wie die Hisbollah anzubieten. Die   kapitalistischen Macht- und Eigentumsverh&#228;ltnisse in den   Pal&#228;stinensergebieten werden von ihr nicht in Frage gestellt. Mit ihrem   religi&#246;sem Fanatismus und Selbstmordattentaten liefert sie der   israelischen und der US-amerikanischen Regierung nur neue Vorw&#228;nde f&#252;r   die Unterdr&#252;ckung der Pal&#228;stinenserInnen.<\/p>\n<p>  <b>USA &#8211; Verlierer des Krieges<\/b><\/p>\n<p>  Das Ergebnis des Libanon-Krieges ist eine weitere schallende Ohrfeige   f&#252;r die Bush-Regierung. Der US-Imperialismus wirkt wirtschaftlich und   milit&#228;risch nicht mehr so unbezwingbar wie in den Neunzigern und ist mit   erbitterter Feindschaft der Massen im Nahen Osten und anderen   neokolonialen L&#228;ndern konfrontiert.<\/p>\n<p>  Das Ziel, die muslimische Welt nach US-Interessen neu zu ordnen, r&#252;ckt   in weite Ferne. In Teilen Afghanistans regiert nicht Pr&#228;sident Karsai,   sondern wieder die Taliban. Im Irak beginnt ein B&#252;rgerkrieg zwischen   SchiitInnen und SunnitInnen. Die irakische &#214;lf&#246;rderung ist nach wie vor   weit weg vom Vorkriegsniveau.<\/p>\n<p>  Die pro-imperialistischen Marionettenregierungen in den Nachbarl&#228;ndern   Israels, in Jordanien und &#196;gypten, geraten unter den Druck der   anti-imperialistischen Stimmung in der dortigen Bev&#246;lkerung. Pr&#228;sident   Hosni Mubarak unterst&#252;tzt Israel, um politische und milit&#228;rische Erfolge   der Hamas im benachbarten Gaza und der Hisbollah im Libanon zu   verhindern, weil er neuen Zulauf f&#252;r die Moslembr&#252;derschaft in &#196;gypten   bef&#252;rchtet. Die neoliberalen Angriffe auf den Lebensstandard, dazu ein   &#214;lpreisanstieg um 30 Prozent, haben in der arbeitenden Bev&#246;lkerung   &#196;gyptens zu einer Radikalisierung gef&#252;hrt &#8211; die auch dort von den   Kr&#228;ften des politischen Islam aus Mangel an linken Alternativen genutzt   werden k&#246;nnen. Auch das pro-westliche Regime in Saudi-Arabien sah sich   gezwungen, aufgrund des Drucks von unten gegen Israels Vorgehen   &#246;ffentlich zu protestieren.<\/p>\n<p>  <b>Bomben auf Iran?<\/b><\/p>\n<p>  Durch den Ausgang des Libanon-Krieges und die bisherige Politik hat der   US-Imperialismus das iranische Regime weiter gest&#228;rkt. Ahmadinedschad,   aber auch Assad in Syrien sonnen sich jetzt im Erfolg der Hisbollah.   Beide M&#228;chte haben seit jeher Hamas und Hisbollah finanziert.<\/p>\n<p>  Syrien erhebt nach wie vor einen historischen Anspruch auf den Libanon,   der nach dem Ersten Weltkrieg von Syrien abgetrennt wurde und den die   syrischen Truppen im Zuge der &#8222;Zedernrevolution&#8220; 2005 verlassen mussten.   Ein weiterer Streitpunkt sind die israelisch besetzten Golanh&#246;hen   Syriens.<\/p>\n<p>  Nach wie vor wird im Wei&#223;en Haus &#252;ber Milit&#228;rschl&#228;ge gegen den Iran   diskutiert. Das Ziel, das Bush, Cheney und Rumsfeld verfolgen, ist eine   v&#246;llige Neuordnung der gesamten Region. Ein iranisches Regime unter   Ahmadinedschad, das sich &#8211; als viertgr&#246;&#223;ter &#214;lproduzent weltweit &#8211; eine   Provokation nach der anderen leistet, wollen die &#8222;Falken&#8220; in Washington   nicht hinnehmen. Die Katastrophe im Irak gibt nur eine Ahnung von dem   Chaos, das ein Angriff auf den Iran ausl&#246;sen w&#252;rde. Eine Bodeninvasion   ist derzeit kaum vorstellbar. Sie m&#252;sste um ein Vielfaches intensiver   sein als im Irak, da die US-Streitkr&#228;fte immerhin 70 Millionen w&#252;tender   IranerInnen in Schach halten m&#252;ssten. Ahmadinedschad verf&#252;gt, anders als   Saddam Hussein damals, derzeit &#252;ber 70 Prozent Unterst&#252;tzung in der   Bev&#246;lkerung. Zudem gelingt es der US-Armee nicht, ihre &#252;ber 130.000   Soldaten aus dem Irak abzuziehen.<\/p>\n<p>  Auch bei Bombardierungen aus der Luft w&#252;rden die Massen des Iran, die   SchiitInnen im Irak, in Saudi-Arabien und anderswo im Widerstand   zusammengeschwei&#223;t. Aber auch die SunnitInnen w&#252;rden das als eine   imperialistische Handlung, die sie ebenfalls trifft, empfinden. Die   US-treuen Regime w&#228;ren massiv gef&#228;hrdet. Eine weltweite Wirtschaftskrise   k&#246;nnte ausgel&#246;st werden, sollte das iranische &#214;l ausfallen, zudem k&#246;nnte   der Iran jede &#214;linstallation am Golf mit Raketen beschie&#223;en. Weil selbst   die gr&#246;&#223;ten Ignoranten in der US-Regierung diese Risiken nicht einfach   wegwischen k&#246;nnen, hofften sie, durch einen Sieg &#252;ber die pro-iranische   Hisbollah ihr ramponiertes Ansehen aufzupolieren. Mehr noch: Wie der   US-amerikanische Journalist Seymour Hersh unter Berufung auf   Geheimdienst- und Milit&#228;rkreise k&#252;rzlich im New Yorker berichtete,   dienten die Luftschl&#228;ge auch als Test f&#252;r die Effektivit&#228;t von   Luftangriffen auf Iran. Das ging zwar in die Hose, zeigt jedoch zugleich   auf, dass ma&#223;gebliche Kr&#228;fte in Washington die Beseitigung des Regimes   von Ahmadinedschad keineswegs aufgegeben haben.<\/p>\n<p>  <b>Interessen der Gro&#223;m&#228;chte<\/b><\/p>\n<p>  Der Boden in der Region ist mit Blut getr&#228;nkt, weil aus diesem Boden der   Lebenssaft der kapitalistischen Wirtschaft gef&#246;rdert wird. Das   gemeinsame Interesse, die &#214;l- und Gasreserven auch in Zukunft ausbeuten   zu k&#246;nnen, verbindet die westlichen Staaten, Russland und China   miteinander. Die Gier, jeweils den gr&#246;&#223;ten Anteil zu bekommen, setzt sie   in Konkurrenz zu-einander, denn die Ressourcen sind begrenzt aber der   Verbrauch w&#228;cht. Der &#214;lbedarf Chinas stieg von 1993 bis 2002 um fast 90   Prozent.<\/p>\n<p>  <b>Die EU und die Bundeswehr<\/b><\/p>\n<p>  Die EU-Staaten wollen dem US-Imperialismus den Nahen Osten und seine   &#214;lfelder nicht allein &#252;berlassen. Au&#223;erdem sind Frankreich und andere   EU-Staaten &#252;ber milit&#228;rische Handlungen seitens Israel und den USA   besorgt, weil das die Destabilisierung (gerade in Frankreich auch mit   Auswirkungen im eigenen Land) f&#246;rdern und ihre Gesch&#228;fte beeintr&#228;chtigen   kann. Allerdings handelt es sich auch bei den europ&#228;ischen M&#228;chten um   miteinander konkurrierende kapitalistische Staaten. Deshalb haben sie   keine einheitliche Strategie.<\/p>\n<p>  <b>Deutsche Waffen, deutsches Geld&#8230;<\/b><\/p>\n<p>  Innerhalb Europas ist Deutschland der gr&#246;&#223;te Geldgeber Israels.   Deutschland ist auch zweitgr&#246;&#223;ter Waffenlieferant nach den Vereinigten   Staaten. So erhielt Israel U-Boote, die atomwaffenf&#228;hig umger&#252;stet   wurden. Nach der Unterzeichnung des Osloer Abkommens 1993 begannen viele   deutsche Unternehmen wie Daimler, Siemens, Volkswagen und Henkel in   Israel zu investieren. Nun will die Bundesregierung auch Marinesoldaten   in den Libanon schicken. Deutsche Interessen, das hei&#223;t die Interessen   von Daimler, Deutsche Bank und Co., werden dann nicht mehr nur am   Hindukusch (2.770 Bundeswehrsoldaten), im Kosova (2.855 Soldaten) und im   Kongo (760 Soldaten), sondern auch am Litani verteidigt. Der Anspruch   des deutschen Imperialismus wird weiter untermauert, auch milit&#228;risch   wieder ohne &#8222;historische Bedenken&#8220; in der ersten Liga mitzumischen. <\/p>\n<p>  Die meisten europ&#228;ischen M&#228;chte reagierten in der Frage der Beteiligung   an einer Uno-Eingreiftruppe mit robustem Mandat (also der Lizenz zum   T&#246;ten) nicht ohne Grund zun&#228;chst zur&#252;ckhaltend. Denn die Zustimmung der   israelischen Regierung zur Stationierung einer solchen Truppe war das   klare Eingest&#228;ndnis, die Hisbollah durch die israelische Armee nicht   entwaffnen zu k&#246;nnen. Also wird es auch keine UNO-Truppe k&#246;nnen, sie   wird vielmehr auf den Widerstand der libanesischen Bev&#246;lkerung sto&#223;en,   welche die UNO-Soldaten als Besatzungstruppen und Stellvertreter Israels   und der USA wahrnehmen wird. Das ist der Hintergrund f&#252;r die   Schwierigkeiten, eine entsprechende UNO-Truppe zusammen zu stellen.<\/p>\n<p>  <b>Gefahr eines Fl&#228;chenbrandes<\/b><\/p>\n<p>  Weder die USA, noch die EU oder die UNO k&#246;nnen Sicherheit und Stabilit&#228;t   schaffen, der Libanon-Krieg hat es erneut bewiesen. Die f&#252;hrenden   kapitalistischen Staaten haben die Welt im Gegenteil viel gef&#228;hrlicher   gemacht. Die Logik ihres Systems, die Logik von Konkurrenzkampf um   M&#228;rkte und der Notwendigkeit, immer h&#246;here Profite zu erzielen, haben   den Nahen Osten zu dem Inferno gemacht, das er heute ist.<\/p>\n<p>  Unter US-Politikern werden die Stimmen lauter, die ein d&#252;steres Bild   malen. &#8222;Die Welt steuert auf eine gro&#223;e Krise zu&#8220;, schrieb Richard   Holbrooke, ehemaliger US-Botschafter bei der UNO am 12. August in der   S&#252;ddeutschen Zeitung. Der ehemalige Sprecher der Republikaner im   US-Repr&#228;sentantenhaus, Newt Gingrich, sagte in einem Interview mit der   selben Zeitung am 14. August: &#8222;Wir m&#252;ssen unsere Feldz&#252;ge in   Af-ghanistan, im Irak und auch im S&#252;dlibanon begreifen als einen   heraufziehenden Dritten Weltkrieg.&#8220;<\/p>\n<p>  So unsicher das Ende des Libanon-Krieges ist, so sicher sind weitere   blutige Konflikte im Nahen Osten. Deren Auswirkungen werden, so steht zu   bef&#252;rchten, unmittelbar die St&#228;rkung des politischen Islam und weitere   terroristische Angriffe sein. Die Ausweglosigkeit und eine weitere   Verschlechterung der sozialen Lage werden zu einer Radikalisierung der   arabischen Massen f&#252;hren. Das allgemeine Gef&#252;hl der Genugtuung   angesichts der Standhaftigkeit der Hisbollah-K&#228;mpfer gegen die   israelische Armee hei&#223;t dabei aber nicht, dass es auch breite Zustimmung   zu den reaktion&#228;ren politischen Zielen der Hisbollah-F&#252;hrung gibt. <\/p>\n<p>  Die Proteste Hunderttausender gegen den Libanon-Krieg, zum Beispiel im   Jemen und in Bagdad, geben eine Vorahnung m&#246;glicher Massenbewegungen.   Wie instabil die Regierungen &#196;gyptens, Jordaniens und Saudi-Arabiens   mittlerweile sind, beschrieb der Beiruter Journalist Robert Fisk vor   kurzem: &#8222;Unsere &#8216;moderaten&#8217; pro-westlichen arabischen F&#252;hrer wie K&#246;nig   Abdullah von Jordanien und Pr&#228;sident Mubarak von &#196;gypten m&#246;gen Angst   haben. Aber ihre V&#246;lker nicht. Und wenn die Leute einmal ihren Schrecken   verloren haben, k&#246;nnen sie nicht wieder in Angst versetzt werden.&#8220; <\/p>\n<p>  <b>Die einzige Friedenstruppe der Welt<\/b><\/p>\n<p>  Die zunehmende Klassenpolarisierung st&#228;rkt auch wieder die   Arbeiterbewegung. So hatte der US-Imperialismus alle M&#252;he, die Streiks   der &#214;larbeiter im Irak unter Kontrolle zu bekommen. Im Iran gibt es etwa   hundert Arbeitsk&#228;mpfe im Monat, vor allem im &#214;lsektor und der   produzierenden Industrie; im Dezember streikte wochenlang die   Busfahrergewerkschaft trotz schwerer Repressionen seitens des iranischen   Regimes. Im Libanon verhinderten Anfang Juni Massendemonstrationen die   Erh&#246;hung der Brotpreise. Geplante Streiks der Feuerwehrleute in Israel   und Streiks der Besch&#228;ftigten im Libanon gegen die Privatisierung des   Energiesektors wurden durch den Krieg erst einmal aufgeschoben.<\/p>\n<p>  Die einzige Kraft, die wirklich Frieden im Nahen Osten erreichen kann,   sind die ArbeiterInnen und die arme Bauernschaft, die die   Bev&#246;lkerungsmehrheit stellen und am meisten unter bewaffneten   Auseinandersetzungen leiden. Sie k&#246;nnen soziale und nationale Befreiung   der Pal&#228;stinenserInnen genauso erm&#246;glichen wie ein sicheres Leben f&#252;r   die j&#252;dische Bev&#246;lkerung in Israel, wenn sie die korrupten Eliten auf   beiden Seiten st&#252;rzen und die Ausbeutung und Unterdr&#252;ckung abschaffen. <\/p>\n<p>  Aufgrund des Versagens der so genannten Kommunistischen Parteien in der   Vergangenheit und dem Fehlen von Arbeiterparteien mit einem   sozialistischen Programm konnten im Libanon und anderswo religi&#246;se und   sektiererische Kr&#228;fte wie Hamas und Hisbollah Masseneinfluss gewinnen   und die Wut der Arbeiterklasse in religi&#246;s-sektiererische Bahnen lenken.   Das Potenzial f&#252;r neue Arbeiterorganisationen ist jedoch vorhanden, die   den Kampf f&#252;r soziale Verbesserungen &#252;ber ethnische und religi&#246;se   Grenzen hinweg f&#252;hren und mit der Perspektive des Sturzes von   Kapitalismus und Feudalismus in der gesamten Region verbinden. Um die   demokratischen Rechte aller nationalen, ethnischen und religi&#246;sen   Minderheiten zu garantieren und die nat&#252;rlichen Ressourcen der Region   sinnvoll unter allen EinwohnerInnen zu verteilen, ist eine demokratische   Planung und Kontrolle der Besch&#228;ftigten &#252;ber die Wirtschaft notwendig.   Ein pal&#228;stinensischer und ein israelischer Staat, die friedlich   nebeneinander existieren, ist auf sozialistischer Basis durchaus   m&#246;glich. Das Ziel ist eine freiwillige sozialistische F&#246;deration, die   alle Staaten des Nahen Ostens miteinander verbindet. &#9632;<\/p>\n<p>  &#9679; Imperialistische Kr&#228;fte raus aus dem Nahen Osten<\/p>\n<p>  &#9679; Keine Bundeswehreins&#228;tze in der Region<\/p>\n<p>  &#9679; Stopp der deutschen Waffenlieferungen an Israel<\/p>\n<p>  &#9679; F&#252;r das Recht der libanesischen und der pal&#228;stinensischen   Besch&#228;ftigten, Erwerbslosen und armen Bauern auf Selbstverteidigung   gegen die staatliche Aggression Israels. Bildung von demokratischen   Aktions- und Verteidigungskomitees<\/p>\n<p>  &#9679; Nein zu Angriffen und Anschl&#228;gen auf ZivilistInnen<\/p>\n<p>  &#9679; Freilassung aller politischen Gefangenen und Geiseln<\/p>\n<p>  &#9679; R&#252;ckzug der israelischen Armee aus den besetzten Gebieten<\/p>\n<p>  &#9679; F&#252;r den Aufbau von Arbeiterparteien mit sozialistischem Programm, die   ArbeiterInnen und Jugendliche der verschiedenen ethnischen und   religi&#246;sen Gruppen im Kampf gegen Sozialabbau, Krieg und Unterdr&#252;ckung   organisieren<\/p>\n<p>  &#9679; F&#252;r Massenproteste von arabischen, pal&#228;stinensischen und israelischen   ArbeiterInnen und der armen Bauernschaft gegen die kapitalistische   Herrschaft<\/p>\n<p>  &#9679; F&#252;r ein sozialistisches Pal&#228;stina und ein sozialistisches Israel als   Teil einer sozialistischen F&#246;deration des Nahen Ostens, in der die   nationalen und religi&#246;sen Rechte aller Minderheiten garantiert sind<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>      &#8222;Die Geburtswehen eines neuen Nahen Osten&#8220;, so nannte US-Au&#223;enministerin<br \/>\n      Rice den Krieg gegen den Libanon (Washington Post online vom 21. 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