{"id":11745,"date":"2006-09-07T14:57:36","date_gmt":"2006-09-07T14:57:36","guid":{"rendered":".\/?p=11745"},"modified":"2006-09-07T14:57:36","modified_gmt":"2006-09-07T14:57:36","slug":"11745","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/09\/11745\/","title":{"rendered":"&#8222;Im Kern immer noch K&#228;mpfer&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>  Die Militarisierung deutscher Au&#223;en(wirt-schafts)politik <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  &#8222;Die Eins&#228;tze der Bundeswehr sind ein zentrales Kennzeichen der   Transforma-tion der deutschen Streitkr&#228;fte. Dieser Prozess findet seinen   Ausdruck vor allem in den derzeitigen Auslandseins&#228;tzen.&#8220; W&#228;hrend die   hier zitierte Brosch&#252;re des Einsatzf&#252;hrungskommandos der Bundeswehr als   Ziele Frieden und Sicherheit angibt, wird Verteidigungsminister   Franz-Josef Jung (CDU) im &#8222;Entwurf aus dem Verteidigungsministerium f&#252;r   ein Wei&#223;buch 2006&#8220; deutlicher: &#8222;Hier-bei gilt es wegen der Export- und   Rohstoffabh&#228;ngigkeit Deutschlands sich be-sonders den Regionen, in denen   kritische Rohstoffe und Energietr&#228;ger gef&#246;rdert werden, zuzuwenden.&#8220; <\/p>\n<p>  <i>von Frank Nitzsche, Siegen<\/i><\/p>\n<p>  Allerdings lassen sich die Auslandseins&#228;tze der Bundeswehr nicht nur auf   den Zugriff der deutschen &#8222;Wirtschaft&#8220; auf Rohstoffe reduzieren, sondern   m&#252;ssen vor allem vor dem Hintergrund einer langfristigen   geostrategischen Interventionsf&#228;higkeit gesehen werden. Diese ist aus   Sicht deutscher Unternehmer und Politiker eine Notwendigkeit ist, um   sich bei zu erwartenden verst&#228;rkten innerimperialistischen Spannungen &#8211;   aufgrund der Krisenpotenziale in der Weltwirtschaft und der Instabilit&#228;t   afrikanischer und asiatischer Staaten &#8211; zu behaupten.<\/p>\n<p>  Auf dem 32. Internationalen Milit&#228;rhistorikerkongress in Potsdam   erkl&#228;rte Jung, bei der Vermittlung von milit&#228;rischen Werten gelte es,   das Selbstverst&#228;ndnis des modernen Soldaten zu ber&#252;cksichtigen: &#8222;Denn   dieser ist, trotz aller Ausweitung seiner Rolle als Helfer, Vermittler   und Retter im Kern immer noch K&#228;mpfer.&#8220; Die konservative FAZ   kommentierte dies am 25. August folgenderma&#223;en: &#8222;Solche Worte waren in   der deutschen &#214;ffentlichkeit &#252;ber Jahrzehnte verp&#246;nt. (&#8230;) Allerdings   war bis zum Ende des Kalten Krieges der Friede der Ernstfall &#8211; was sich   heutzutage f&#252;r die achttausend deutschen Soldaten im weltweiten Einsatz   wegen damit verbundener Gefahren f&#252;r Leib und Leben so bestimmt nicht   mehr sagen l&#228;sst.&#8220;<\/p>\n<p>  <b>Libanon<\/b><\/p>\n<p>  Bislang sollen deutsche Grenzbeamte bei der &#220;berwachung der   libanesisch-syrischen Grenze beraten und eine &#8222;maritime Task-Force&#8220; soll   dabei helfen, die Waffenversorgung der Hisbollah im Libanon zu   unterbinden. Der Einsatz der deutschen Marine ist kein Zufall, wie   folgende Ausf&#252;hrungen aus dem &#8222;Wei&#223;buchentwurf 2006&#8220; verdeutlichen:   Diese soll zu einer &#8222;Expeditionary Navy&#8220; ausgebaut werden, um &#8222;vor   fremden K&#252;sten operieren zu k&#246;nnen. (&#8230;) Neben ihrer Bef&#228;higung zum   bewaffneten Einsatz auf See k&#246;nnen sie [f&#252;nf neuartige 130-Korvetten mit   Marschflugk&#246;rpern mit 200 km Reichweite] wirkungsvoll zu Operationen an   Land beitragen.&#8220;<\/p>\n<p>  W&#228;hrend der Libanon-Einsatz die Akzeptanz deutscher   Auslandsinterventionen innerhalb der Bev&#246;lkerung erh&#246;hen und den   Anspruch auf einen Sitz im Weltsicherheitsrat unterstreichen soll, sind   die Interessen im Kongo deutlich wirtschaftsstrategisch motiviert.<\/p>\n<p>  <b>Kongo<\/b><\/p>\n<p>  Bereits 2003 beendeten unter der Federf&#252;hrung Frankreichs EU-Truppen   einen Konflikt im Distrikt Ituri, wobei deutsche Truppen logistische und   medizinische Hilfe von Uganda aus organisierten. Aktuell dient die   Sicherung der Pr&#228;sidentschaftswahlen vor allem der Legitimierung   Kabilas, der den Nachschub f&#252;r die europ&#228;ischen Konzerne an Gold,   Diamanten, Kupfer, Kobalt, Tantal (&#8222;Coltan&#8220;), Zink, Zinn, Kadmium,   Germanium und Wolfram sichern kann. Der Einsatz der rund 2.000   EU-Soldaten (davon 800 Deutsche) unter UN-Kommando wird vom   Einsatzf&#252;hrungskommando bei Potsdam geleitet.<\/p>\n<p>  <b>Afrika<\/b><\/p>\n<p>  Bundespr&#228;sident K&#246;hler antwortete in einem Interview vom 1. April auf   die Frage der Zeitschrift Internationale Politik, ob Deutschland auch   eigene nationale Interessen in Afrika verfolge, folgendes: &#8222;Dass wir   auch deutsche Interessen identifizieren und einbringen, m&#246;chte ich doch   sehr hoffen.&#8220; Folgerichtig unterst&#252;tzt die BRD beispielsweise im Sudan   die Rebellen des S&#252;dens, denen nach einem (nicht zuletzt auf deutschen   Druck) geschlossenen Friedensvertrag mit der Zentralregierung der   Anspruch auf die H&#228;lfte der Einnahmen aus dem &#214;lgesch&#228;ft zugestanden   wurden. Deutsche Unternehmen wollen nun eine neue Eisenbahnlinie von den   &#214;lfeldern des S&#252;dsudan in das westlich orientierte Kenia bauen.<\/p>\n<p>  In der &#8222;Au&#223;enpolitischen Strategie zu Zentralafrika&#8220; weist das   Ausw&#228;rtige Amt auf die &#214;lvorkommen in Gabun, Kamerun, Republik Kongo,   &#196;quatorialguinea und den Tschad hin &#8211; auch der Verweis auf den &#8222;Krieg   der Rohstoffe&#8220; im Kongo fehlt nicht.<\/p>\n<p>  <b>USA und die EU<\/b><\/p>\n<p>  Um der Europ&#228;ischen Union auch au&#223;enpolitisch Geltung zu verschaffen,   und als Reaktion der einseitigen Aufk&#252;ndigung des &#8222;multilateralen   Interventionismus&#8220; durch die USA nach dem Ende der Blockkonfrontation,   trieben vor allem die franz&#246;sische und die deutsche Regierung die   Militarisierung der EU-Politik voran. Ziel war und ist es, bis Ende 2010   eine schnelle Eingreiftruppe der EU mit rund 80.000 Mann (davon 18.000   Deutsche) aufzubauen und zw&#246;lf so genannte &#8222;Battlegroups&#8220; (1.500 bis   2.000 Mann) aufzustellen. Die Battlegroups unterliegen dabei   &#8222;grunds&#228;tzlich keinen geografischen Einschr&#228;nkungen&#8220; (Wei&#223;buchentwurf   2006).<\/p>\n<p>  Die von Schr&#246;der verfolgte Militarisierung der Au&#223;enpolitik wird unter   Merkel fortgesetzt &#8211; mit dem Unterschied, dass sie Fortschritte auf   diesem Weg in der n&#228;chsten Zeit gerade &#252;ber eine erneute Ann&#228;herung an   Washington erhofft.<\/p>\n<p>  Neben der Beteiligung an den EU-Streitkr&#228;ften und der Kooperation mit   den USA wird auch die unilaterale Einsatzf&#228;higkeit der Bundeswehr   angestrebt. So forderte Verteidigungsminister Jung, dass   Auslandseins&#228;tze zuk&#252;nftig als Verteidigungsfall im Grundgesetz   verankert werden sollen (FAZ vom 2. Mai), um m&#246;gliche &#8222;Pr&#228;ventivkriege&#8220;   legitimieren zu k&#246;nnen. Bundesau&#223;enminister Frank-Walter Steinmeier   (SPD) brachte es auf der M&#252;nchner Sicherheitskonferenz am 5. Februar auf   den Punkt: &#8222;F&#252;r mich ist deshalb klar: Globale Sicherheit im 21.   Jahrhundert wird untrennbar auch mit Energiesicherheit verbunden sein.   (&#8230;) Und die deutsche Au&#223;en- und Sicherheitspolitik, das verstehen Sie,   muss sich dieser strategischen Herausforderung stellen. Wir sind ein   rohstoffarmes Land.&#8220; <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>      Die Militarisierung deutscher Au&#223;en(wirt-schafts)politik<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[78],"tags":[185],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11745"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11745"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11745\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11745"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11745"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11745"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}