{"id":11743,"date":"2006-09-10T11:56:46","date_gmt":"2006-09-10T11:56:46","guid":{"rendered":".\/?p=11743"},"modified":"2006-09-10T11:56:46","modified_gmt":"2006-09-10T11:56:46","slug":"11743","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/09\/11743\/","title":{"rendered":"&#8222;Der Kongo ist eine R&#228;uberh&#246;hle&#8220;&#8230;"},"content":{"rendered":"<p>  So beschreibt Rupert Neudeck, ehemaliger Vorsitzender der   Fl&#252;chtlings-Hilfsorganisation &#8222;Cap Anamur&#8220; die Lage in dem   zentralafrikanischen Land. <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Wir haben das Zitat zum Titel dieses Artikels erhoben, um ihm einen   etwas anderen Gehalt beizumessen. Zwar herrschen in der Demokratischen   Republik Kongo unmenschliche Zust&#228;nde, allerdings werden diese sich   langfristig weiter versch&#228;rfen, wenn noch mehr europ&#228;ische R&#228;uber hinzu   kommen.<\/p>\n<p>  <i>Von Max H&#246;he, K&#246;ln<\/i><\/p>\n<p>  Am 1. Juli 2006 beschloss eine Bundestags-Mehrheit den Einsatz im Kongo.   Die als &#8222;EUFOR RD CONGO&#8220; betitelte Mission umfasst bis zu 780 deutsche   Soldaten, die unter anderem &#8222;F&#252;hrung und F&#252;hrungsunterst&#252;tzung,   Nachrichtengewinnung und Aufkl&#228;rung&#8220; als Aufgaben haben. Informationen,   die momentan m&#246;glicherweise tats&#228;chlich aus strategischem Interesse   gewonnen, sich aber in naher Zukunft im Wortsinn bezahlt machen werden.<\/p>\n<p>  <b>Der Bundeswehr-Auftrag &#8211; offiziell und aus milit&#228;rischer Sicht<\/b> <\/p>\n<p>  Schlie&#223;lich k&#246;nnte mensch fragen, warum sich die Bundesregierung den   Einsatz, der mit der Option auf Verl&#228;ngerung zun&#228;chst bis Ende November   06 datiert ist, 56 Millionen Euro kosten l&#228;sst. In etlichen Gebieten   dieser Welt leiden die Menschen in vergleichbarer Weise wie die   KongolesInnen unter undemokratischen Verh&#228;ltnissen, Frauenunterdr&#252;ckung,   Kriminalit&#228;t, Nahrungsmangel etc. Warum also gerade der Kongo? Und warum   gar unter dem Vorbehalt &#8222;Gewalt, wenn n&#246;tig sogar t&#246;dliche Gewalt   einsetzen&#8220;, wie es Bundeswehrgeneral Karlheinz Viereck, Kommandant der   Truppe, am 13. Juni 06 androhte?<\/p>\n<p>  Besser klingt da schon der offizielle Wortlaut, nach dem das   &#8222;EU-Engagement [&#8230;] die Internationale Gemeinschaft bei den politischen   Bem&#252;hungen zur Schaffung einer stabilen und friedlichen Demokratischen   Republik Kongo&#8220; unterst&#252;tzt. Politische Bem&#252;hungen also mit   milit&#228;rischen Mitteln und wenn n&#246;tig mit t&#246;dlicher Gewalt!<\/p>\n<p>  <b>Kolonialismus hat niemals aufgeh&#246;rt zu existieren<\/b><\/p>\n<p>  Auf die Frage, was er vom Einsatz der &#8222;europ&#228;ischen Friedenstruppe&#8220;   halte und ob es dabei nicht um einen R&#252;ckfall in den Kolonialismus gehe,   antwortete der in Kinshasa lebende und arbeitende Regisseur Faustin   Linyekula, dass die Gr&#246;&#223;e der Truppe angesichts der Gr&#246;&#223;e des Kongo eher   l&#228;cherlich sei und: &#8222;Ein R&#252;ckfall in den Kolonialismus ist schon deshalb   unm&#246;glich, weil der Kolonialismus bei uns niemals aufgeh&#246;rt hat zu   existieren.&#8220; (SZ, 17-7-06)<\/p>\n<p>  <b>Wem nutzt der Bundeswehr-Einsatz?<\/b><\/p>\n<p>  Dass die Bundeswehr eine weiche Mentalit&#228;t hat, das mag glauben oder   &#252;berhaupt f&#252;r wichtig erachten, wer will. Das Gegenteil von weich ist   robust und so geben sich in Deutschland andere. Die n&#228;mlich, die schon   seit langem im Kongo sind &#8211; wenn auch nicht pers&#246;nlich, so zumindest mit   Unternehmens-Niederlassungen, Subunternehmen und Handlangern.<\/p>\n<p>  &#8222;Sobald es im Kongo eine aus Wahlen hervorgegangene Regierung gibt,   flie&#223;en die Milliarden, und der Minensektor wird boomen,&#8220; brachte es ein   nicht namentlich genannt werden wollender Manager eines deutschen   Bergbauunternehmens im K&#246;lner Stadtanzeiger (22.\/23. Juli 06) auf den   Punkt. Allein die Kupferreserven des Kongo werden auf 400 Milliarden   Dollar gesch&#228;tzt und Kupfer ist nur einer von Dutzenden Rohstoffen, auf   die die kapitalistischen Unternehmen und ihre Regierungen schielen. Da   erscheinen die 56 Millionen Euro Milit&#228;rausgaben eher als &#8222;geringf&#252;gige   Investition&#8220;! Auf den Sinn der Wahlen angesprochen f&#252;hrt der namenlose   Manager weiter aus, dass der Kongo viel zu reich sei, als dass das   herrschende Regime &#8222;mit zu westlichen Ma&#223;st&#228;ben&#8220; bewertet werden sollte. <\/p>\n<p>  Angesichts der immensen Gewinne, auf die (deutsche) Unternehmen   spekulieren, ist beispielsweise die Gesellschaft f&#252;r Elektrometallurgie   (GFE) aus N&#252;rnberg da schon konsequenter: Laut Report Mainz vom 3. Juli   06 unterst&#252;tzt deren Tochterfirma nahe der ostkongolesischen Ortschaft   Bukavu seit langem schon Kriegsverbrecher, die Massaker an der   Zivilbev&#246;lkerung anrichten und dem Unternehmen gleichzeitig ihre   &#8222;Sicherheitsdienste&#8220; f&#252;r die deutschen Profitinteressen anbieten. <\/p>\n<p>  <b>Im Namen der &#8222;Humanit&#228;t&#8220;: tarnen, t&#228;uschen, ausbeuten<\/b> <\/p>\n<p>  Viele unterliegen dem Irrtum, den uns die Politiker mit allen Mitteln   und ihrer ganzen heuchlerischen Kompetenz als Wahrheit verkaufen wollen.   Demnach setze Deutschland die Bundeswehr ein, um weiteres Blutvergie&#223;en   zu verhindern.<\/p>\n<p>  Die Konkurrenz auf dem kapitalistischen Weltmarkt steigt, China und   Indien bringen kapitalistische Wettbewerber hervor, die den westlichen   Konzernen gef&#228;hrlich werden und so sieht man sich gezwungen mit allen   erdenklichen Mitteln den Kampf um die Vormachtstellung aufzunehmen. Das   Problem ist jedoch, dass die eigene Bev&#246;lkerung da nicht mitmacht, wenn,   ja wenn nicht alles getan w&#252;rde, um &#8211; wie beschrieben &#8211; falsche   Tatsachen vorzut&#228;uschen.<\/p>\n<p>  Es geht allerdings l&#228;ngst nicht mehr nur um rein wirtschaftliche   Interessen. So, wie bei der Nahost-Debatte vorgegaukelt wird,   Deutschland habe &#8222;besondere Verpflichtungen gegen&#252;ber den Menschen in   der Region&#8220; und m&#252;sse sich daher an der &#8222;Friedensmission&#8220; beteiligen, so   geht es bei jedem Auslandseinsatz der Bundeswehr um &#214;konomie und um die   Erweiterung politischen Einflusses.<\/p>\n<p>  Die Arbeiterklasse, die Eltern, M&#252;tter und V&#228;ter der entsandten   SoldatInnen und die SoldatInnen selbst sollten rasch damit aufh&#246;ren,   sich auf Beschwerden &#252;ber mangelhafte milit&#228;rische Ausr&#252;stung,   fehlerhaftes Schuhwerk etc. zu beschr&#228;nken. Wir m&#252;ssen uns schleunigst   dagegen zur Wehr setzen, uns im Namen der Menschlichkeit f&#252;r nichts   anderes verheizen zu lassen als f&#252;r den Profit der deutschen Banken und   Konzerne!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>      So beschreibt Rupert Neudeck, ehemaliger Vorsitzender der<br \/>\n      Fl&#252;chtlings-Hilfsorganisation &#8222;Cap Anamur&#8220; die Lage in dem<br \/>\n      zentralafrikanischen Land.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[36],"tags":[185],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11743"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11743"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11743\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11743"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11743"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11743"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}