{"id":11740,"date":"2006-09-05T10:00:37","date_gmt":"2006-09-05T10:00:37","guid":{"rendered":".\/?p=11740"},"modified":"2006-09-05T10:00:37","modified_gmt":"2006-09-05T10:00:37","slug":"11740","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/09\/11740\/","title":{"rendered":"Du bist&#8230; arbeitslos!"},"content":{"rendered":"<p>  Ist es nicht seltsam? In den Medien h&#246;ren wir regelm&#228;&#223;ig, dass es zu   wenig Nachwuchs gibt, sogar, dass Deutschland ausstirbt. Deutschland   braucht mehr junge Leute? Aber offenbar auf am Ausbildungsmarkt. <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>von Andreas Schmidtke aus Hamburg<\/i><\/p>\n<p>  Im Juni 2006 gab es 279.313 mehr BewerberInnen als Ausbildungspl&#228;tze und   Lehrstellen. Das sind 25.100 mehr als im letzten Jahr. Fast die H&#228;lfte   der Jugendlichen davon sucht ein Jahr und l&#228;nger nach einer M&#246;glichkeit.   Ganz zu schweigen von Tausenden Jugendlichen in Warteschleifen, zum   Beispiel 98.800 bei den Ma&#223;nahmen der Bundesagentur.<\/p>\n<p>  <b>Tausende ohne Chance<\/b><\/p>\n<p>  An vielen Realschulen &#252;berlegen die Sch&#252;lerInnen nicht mehr, welcher   Beruf sie interessiert. Sie d&#252;rfen dankbar sein, wenn sie &#252;berhaupt   irgendeine Stelle bekommen. Abschlussklassen schreiben Unmengen von   Bewerbungen, doch f&#252;r viele kommt nichts rum au&#223;er trockenen Absagen.   Deutlicher kann einem nicht gezeigt werden, dass man &#252;berfl&#252;ssig und   nutzlos ist.<\/p>\n<p>  <b>Ausbildungspakt gescheitert<\/b><\/p>\n<p>  Trotz des Ausbildungspaktes wurden im Jahre 2005 22.900 weniger   Ausbildungsvertr&#228;ge geschlossen. Die gro&#223;en Versprechungen sind l&#228;ngst   vergessen.<\/p>\n<p>  Einige Politiker und Wirtschaftsbosse haben schon einen S&#252;ndenbock f&#252;r   ihr eignes Versagen: Wir Jugendlichen sollen zu faul oder zu unf&#228;hig   sein. Diese Behauptungen haben nichts mit den Tatsachen zu tun. Nur 24   Prozent der gesamten Betriebe bilden noch aus. Wenn gerade mal ein   Viertel der Betriebe ausbildet, ist es doch kein Wunder, dass Tausende   Jugendliche ohne Chance da stehen. Und wer eine Ausbildung hat, wird   noch lange nicht &#252;bernommen&#8230; .<\/p>\n<p>  <b>Arbeitslose Jugendliche werden ausgenutzt<\/b><\/p>\n<p>  Jugendliche ohne Ausbildung oder Arbeit sind oft gezwungen, Minijobs   oder Ein-Euro-Jobs anzunehmen. Durch diese Schmalspurjobs werden aber   vollwertige Stellen vernichtet, wie Studien der Gewerkschaften belegen.   Das hei&#223;t, dass wir gezwungen werden, unsere zuk&#252;nftigen Arbeitspl&#228;tze   durch Schmalspurjobs selbst zu vernichten. Das ist wirklich pervers!<\/p>\n<p>  Wer sich weigert, diesem Irrsinn zu gehorchen, wird mit Sanktionen wie   der Sperrung der Bez&#252;ge gedem&#252;tigt, und als &#8222;arbeitsunwillig&#8220; abgetan.   Die &#8222;Arbeitsunwilligen&#8220; sind bereit zu arbeiten. Aber sie wollen   vollwertige, sinnvolle Arbeit und nicht als Lohndr&#252;cker oder   Kaugummikratzer missbraucht werden!<\/p>\n<p>  <b>Ausbildung statt Ausbeutung<\/b><\/p>\n<p>  Es ist ein Verbrechen, dass Tausende junge Menschen nicht die   M&#246;glichkeit haben, sich produktiv in die Gesellschaft einzubringen.   Vielen Jugendlichen wird zu verstehen gegeben: Ihr seid &#252;berfl&#252;ssig, die   Wirtschaft braucht Euch nicht. Aber es gibt keine &#252;berfl&#252;ssigen   Menschen. Jeder und jede haben ein Recht auf eine vollwertige Ausbildung   und eine vollwertige Arbeit. Warum sollen einige Menschen immer l&#228;nger   arbeiten, w&#228;hrend andere zum Nichtstun verdammt werden? Anstatt zum   Beispiel im &#252;beralterten &#246;ffentlichen Dienst die freie Stellen nach zu   besetzen, werden die Besch&#228;ftigten lieber erpresst, l&#228;nger zu arbeiten.   Der kapitalistische Staat macht im gro&#223;en Stil vor, was auch die   Unternehmer durchziehen: Die Arbeitslosigkeit wird benutzt, um von den   Besch&#228;ftigten Lohnk&#252;rzungen und Arbeitszeitverl&#228;ngerungen zu erpressen.   Die arbeitslosen Jugendlichen sind nur Spielsteine bei diesem   kaltbl&#252;tigem Spiel um Geld.<\/p>\n<p>  <b>Im Herbst gemeinsam auf die Stra&#223;e!<\/b><\/p>\n<p>  Wir brauchen gen&#252;gend Ausbildungspl&#228;tze und die unbefristete &#220;bernahme   im erlernten Beruf. Online-Demos oder die Job-Parade von der DGB-Jugend   machen auf das Problem aufmerksam. Wir m&#252;ssen jedoch Unternehmer und   b&#252;rgerliche Politiker nicht auf dies Problem aufmerksam machen, denn sie   kennen es bereits. Vielmehr m&#252;ssen wir sie zwingen &#8211; wie in Frankreich &#8211;   auf unsere Forderungen einzugehen. Wir m&#252;ssen die KollegInnen in den   Betrieben bei ihrem Kampf gegen Entlassungen und   Arbeitszeitverl&#228;ngerungen unterst&#252;tzen. Jeder verlorene Arbeitsplatz ist   auch f&#252;r uns verloren. Stattdessen m&#252;ssen wir mit den KollegInnen f&#252;r   eine Arbeitszeitverk&#252;rzung k&#228;mpfen, um die Arbeit auf alle zu verteilen. <\/p>\n<p>  <b>21. Oktober<\/b><\/p>\n<p>  Die Gewerkschaftsdemonstrationen am 21. Oktober sind ein guter   Ansatzpunkt f&#252;r uns. Wir sollten uns als Jugendliche mit unseren eigenen   Forderungen an diesen Protesten beteiligen. Bewegungen aus anderen   L&#228;ndern wie Frankreich oder Griechenland zeigen: ArbeiterInen,   Erwerbslose und Jugendliche k&#246;nnen sich nur gemeinsam gegen die Angriffe   der Konzerne und ihrer Handlanger in der Regierung wehren. Nicht wir   sind &#252;berfl&#252;ssig, sondern das kapitalistische System, denn es ist nicht   in der Lage, Tausenden von Jugendlichen eine annehmbare Perspektive   anzubieten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>      Ist es nicht seltsam? 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