{"id":11739,"date":"2006-09-04T09:54:42","date_gmt":"2006-09-04T09:54:42","guid":{"rendered":".\/?p=11739"},"modified":"2006-09-04T09:54:42","modified_gmt":"2006-09-04T09:54:42","slug":"11739","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/09\/11739\/","title":{"rendered":"Kasachstan: K&#228;mpfe gegen Zerst&#246;rung von Barackenvierteln und die Rolle \r\n      von SozialistInnen"},"content":{"rendered":"<p>  Kasachstan wird ersch&#252;ttert von massiven sozialen K&#228;mpfen der &#228;rmsten   Schichten der Bev&#246;lkerung. Das Komittee f&#252;r eine Arbeiterinternationale   (CWI), dem die SAV als deutsche Sektion angeh&#246;rt, spielt dabei eine   wichtige Rolle. Wir dokumentieren Analysen, Perspektiven und   programmatische Forderungen des Sozialistischen Widerstands Kasachstans   (SWK, kasachische CWI-Sektion).&#160;<!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <img align=\"left\" src=\"\/media\/2006\/kasach2.jpg\">  Am 10. August wehte das Banner der Internationale auf dem Gipfel der   6.440 Meter hohen Mamorwand, dem zweith&#246;chsten Berg Kasachstans, an der   Grenze zu China und Kirgisien. Ivan Almazov, SWK-Mitglied, hielt auf dem   Gipfel nach allen Seiten der Welt eine feierliche Rede f&#252;r den Sieg des   Sozialismus. Damit brachte er symbolisch zum Ausdruck, dass die einzige   Perspektive der erbitterten K&#228;mpfe der verarmten Massen Kasachstans im   Aufbau einer revolution&#228;ren Organisation mit internationaler und   sozialistischer Perspektive besteht. Und diese Organisation w&#228;chst,   nicht nur auf den Stra&#223;en der Barackenviertel am Rande der Metropole   Almaty (Alma-Ata).<\/p>\n<p>  In den letzten Monaten kam es immer wieder zu massenhaftem Widerstand   der BewohnerInnen besonders des Barackenviertels Schanyrak gegen eine   Zerst&#246;rung ihrer &#8220;illegalen&#8221; Siedlungen.<\/p>\n<p>  Nach der Widerherstellung des Kapitalismus waren verarmte ArbeiterInnen,   B&#228;uerinnen und Bauern aus dem ganzen Land, deren Fabriken und   Landwirtschaftsbetriebe geschlossen wurden, gezwungen, sich am Rande der   Metropolen in &#228;rmlichen Behausungen niederzulassen. Diese Viertel sollen   jetzt zerst&#246;rt werden! Stadtverwaltung und Baukonzerne wollen sie   abrei&#223;en, um dort Wohnanlagen und Vergn&#252;gungszentren f&#252;r die winzige   reiche &#8220;Elite&#8221; des Landes zu bauen. Die BewohnerInnen von Schanyrak und   anderer Viertel haben keine andere Perspektive: Mehrfach verteidigten   sie ihr Viertel erfolgreich gegen anr&#252;ckende Bulldozer und   Spezialtruppen der Polizei. Seitdem kommt es zu Racheaktionen des   autorit&#228;ren Regimes, indem der Geheimdienst Dutzende von BewohnerInnen   einzeln aufsucht und krankenhausreif schl&#228;gt. Der Sozialistische   Widerstand Kasachstans (SWK) spielt eine bedeutende Rolle im Kampf der   Menschen. Anl&#228;sslich der st&#252;rmischen Entwicklungen in Kasachstan   dokumentieren wir einen Artikel von Ajnur Kurmanov, dem Vorsitzenden des   SWK.<\/p>\n<p>  <b>SozialistInnen treten f&#252;r die Organisierung der Menschen gegen die   Baukonzerne und Monopolisten ein<\/b><\/p>\n<p>  <i>von Ajnur Kurmanov, Almaty, 25. August 2006<\/i><\/p>\n<p>  Am 20. August sollte eine Kundgebung durchgef&#252;hrt werden, organisiert   vom &#8220;Unterst&#252;tzungskomitee Schanyrak&#8221;, gegen Versuche der   Gerichtsvollzieher, eine erneute Zerst&#246;rung der H&#228;user in Schanyrak am   2. August durchzuf&#252;hren. Das Komitee hat die Kundgebung jedoch abgesagt,   in Verbindung mit der Anordnung des Generalstaatsanwalts Tusupbekov, die   Ausf&#252;hrung der Gerichtsbeschl&#252;sse zur H&#228;userzerst&#246;rung in Schanyrak   auszusetzen.<\/p>\n<p>  <b>Die Krise von Schanyrak wird nicht gel&#246;st werden<\/b><\/p>\n<p>  Tats&#228;chlich hat der Generalstaatsanwalt die Entscheidung zu einer   erneuten R&#228;umung jetzt zeitweise aufgeschoben. Das war jedoch eine Folge   massenhafter Proteste von Menschenrechtsorganisationen, der Bewegung von   B&#252;rgerInnen und des Widerstands der BewohnerInnen selber und zuletzt der   breiten &#246;ffentlichen Resonanz im Land selber und im Ausland nach den   Ereignissen des 14. Julis, die noch nicht abgeklungen ist und sich   weiter fortsetzt. [Am 14. Juli kam es zur bislang letzten und gr&#246;&#223;ten   Schlacht um Schanyrak; Anmerkung des &#220;bersetzers]<\/p>\n<p>  Und das ist aus unserer Sicht nur ein Aufschieben der Entscheidung der   Gerichtsvollzieher &#252;ber die Fortsetzung des Abrisses, also ein n&#228;chster   Schritt der Herrschenden, die den Herd des Kampfes l&#246;schen und die   &#246;ffentliche Meinung beruhigen wollen, um so Zeit zu gewinnen. Nur um   dann, wenn sich die Situation ver&#228;ndert hat und der Informations-Boom   zur&#252;ckgegangen ist, die Bewegung der EinwohnerInnen aus den Wohnvierteln   zu zerschmettern. Bis Dezember entscheidet sich au&#223;erdem die Frage &#252;ber   den Vorsitz Kasachstans in der OSZE, weshalb eine Eskalation neuer   Zusammenst&#246;&#223;e einen negativen Eindruck des Landes in Europa schaffen   w&#252;rde.<\/p>\n<p>  Die H&#228;user der BewohnerInnen von Schanyrak und Bakaj werden auch deshalb   nicht legalisiert werden, weil die Kommissionen zu dieser Frage von   Stadtr&#228;ten besetzt werden, die zur Sicherung des B&#252;rgermeisterpostens   Almatys f&#252;r Imangali Tasmagambetov die gleiche negative Haltung   einnehmen werden. Ein gro&#223;er Teil von Bauten wurde durch Entscheidungen   der Gerichte f&#252;r ung&#252;ltig erkl&#228;rt und ein gro&#223;er Teil der EinwohnerInnen   hat keine ausreichenden finanziellen Mittel, um die n&#246;tige   zehnprozentige Zahlung zu leisten. Das hei&#223;t, dass das   Legalisierungs-Gesetz, das zum Wohl der Reichen zur Legalisierung ihrer   Villen erlassen wurde, auf die Armen nicht ausgedehnt wird. Deshalb   werden wir in einem halben Jahr eine neue Welle von Abrissen unter der   Flagge der &#8220;heiligen Gesetzlichkeit&#8221; sehen, wenn dieselben B&#252;rokraten   ihre H&#228;nde in Unschuld waschen und erkl&#228;ren werden, dass die   EinwohnerInnen von ihrem Recht auf Legalisierung nicht Gebrauch gemacht   haben.<\/p>\n<p>  Die Verhaftungen und das Verpr&#252;geln von EinwohnerInnen Schanyraks wird   zu diesem Zweck fortgesetzt. Seit dem 14. Juli sind mehr als 150   Menschen durch das Sieb der Polizei gegangen, 17 SchanyrakerInnen wurden   angezeigt nach dem Strafrechtparagrafen der &#8220;Organisierung von   Massenunruhen&#8221; und gegen mindestens zehn wird ermittelt. Es gibt   Hinweise auf eine Anwendung von Folter gegen die Verhafteten und   unerlaubte Methoden der Einwirkung. Mehr als einen Monat sitzt Aron   Atabek, der Aktivist und F&#252;hrer der Organisation &#8220;Kasak Memleketi&#8221;, im   Gef&#228;ngnis. Au&#223;erdem wird die Einsch&#252;chterung friedlicher EinwohnerInnen   fortgesetzt und eine aktive Bespitzelung von AktivistInnen wird   durchgef&#252;hrt. Auch deshalb halten wir die Absage der Kundgebung des 20.   August f&#252;r einen Fehler. Denn es ist unm&#246;glich, die Rechte der   SchanyrakerInnen mit Kompromisslertum zu verteidigen.<\/p>\n<p>  Wir SozialistInnen unterst&#252;tzen entschieden und aktiv die direkten und   unmittelbaren Forderungen, n&#228;mlich:<\/p>\n<p>  1)Legalisierung der Geb&#228;ude in den Vorortbezirken<\/p>\n<p>  2)Zahlung einer Entsch&#228;digung an die BewohnerInnen der abgerissenen   H&#228;user in Bakaj<\/p>\n<p>  3)Entwicklung der Infrastruktur und L&#246;sung der sozialen Probleme (Bau   von Schulen, Krankenh&#228;usern, Stra&#223;en, Wasserleitungen usw.)<\/p>\n<p>  4)Freilassung aller Gefangenen und Erlass einer Amnestie bez&#252;glich der   Ereignisse vom 14. Juli<\/p>\n<p>  5)Aufkl&#228;rung bez&#252;glich der B&#252;rokraten, die an den korrupten   Spekulationsgesch&#228;ften und am illegalen Verkauf von Landabschnitten   teilgenommen haben; Bestrafung dieser Schurken. Ebenso Aufkl&#228;rung und   Bestrafung der Personen, die die Befehle zum massenhaften Verpr&#252;geln   friedlicher B&#252;rgerInnen gegeben haben.<\/p>\n<p>  Der Sozialistische Widerstand Kasachstans nimmt teil und tritt ein f&#252;r   eine noch ernstere Organisierung einer Massenbewegung, sowohl innerhalb   des Landes wie auch auf internationaler Ebene, zur Verteidigung der   EinwohnerInnen gegen die Willk&#252;r der Gerichtsvollzieher und die Gewalt   des Geheimdienstes. Die Anstrengungen aller ehrlichen oppositionellen   Kr&#228;fte m&#252;ssen eingesetzt werden f&#252;r die Freilassung aller verhafteten   EinwohnerInnen von Schanyrak und Bakaj und von Aron Atabek, die als   Anstifter und OrganisatorInnen von Blutvergie&#223;en hingestellt werden   sollen. Wobei eine Kampagne f&#252;r ihre Freilassung schon vor dem   Gerichtsprozess beginnen muss, um von Anfang an Druck auf die Gerichte   zu machen.<\/p>\n<p>  In dieser Situation hat sich der SWK entschieden, um nicht eine   Zersplitterung der Kr&#228;fte zuzulassen, die T&#228;tigkeit des   Unterst&#252;tzungskomitees f&#252;r Schanyrak kritisch zu unterst&#252;tzen, sowohl   beim Rechtsschutz wie auch bei der Formulierung von Vorschl&#228;gen und   Schritten zur L&#246;sung des Konflikts im Sinne der Protestierenden. Schon   die Erfahrung der ersten Versuche und Schritte zum Aufbau einer   politischen Einheitsfront zur Unterst&#252;tzung dieser sozialen   Volksbewegung ist n&#252;tzlich.<\/p>\n<p>  Wir sehen, dass der Zeitrahmen in den Aufgaben und Zielen des Komitees,   das grunds&#228;tzlich nicht die Ursache l&#246;sen oder den Prozess der   Massenmigration nach Almaty und in die Provinzzentren ab&#228;ndern kann,   unzureichend ist. Das Komitee repr&#228;sentiert nicht die BewohnerInnen   selber und ist aus verschiedenen Gruppen der liberalen Opposition und   nationalpatriotischer Organisationen zusammengesetzt, ohne eine klare   politische Plattform und ohne Perspektive. So wird das Komitee fr&#252;her   oder sp&#228;ter in eine Sackgasse laufen.<\/p>\n<p>  Es ist zweifelhaft, dass es gelingen k&#246;nnte, sowohl den Hei&#223;hunger der   interessierten Baukonzerne als auch die Forderungen der BewohnerInnen zu   erf&#252;llen. Die Stadtregierung nimmt das Komitee bisher nicht ernst und   sieht in ihm keine Kraft. Die Repressionen gegen die SchanyrakerInnen   werden unver&#228;ndert weitergehen. Und selbst im Falle eines gl&#252;cklichen   Ausgangs, wenn es erreicht werden sollte, die H&#228;user in den Vororten   Almatys zu legalisieren, so werden nach Schanyrak doch noch weitere   Tausende von MigrantInnen aus zerst&#246;rten D&#246;rfern und St&#228;dten in die   Metropole kommen, und die EinwohnerInnen der Stadtviertel werden   weiterhin aufgrund eines &#8220;staatlichen Bedarfs&#8221; f&#252;r eine &#228;rmliche   Abfindung ihre Hochhausviertel verlassen, wo an ihrer Stelle Bauten f&#252;r   die reiche Elite hochgezogen werden.<\/p>\n<p>  Eine Alternative kann unserer Meinung nach nur durch die Organisierung   und eine h&#246;here Stufe des Drucks der Massen von unten erreicht werden,   welcher allein in der Lage ist, das Kr&#228;fteverh&#228;ltnis zu ver&#228;ndern und   eine Kehrtwendung der sozial-&#246;konomischen Politik und eine Ver&#228;nderung   des Charakters der gesamten Staatsgewalt zu erreichen.<\/p>\n<p>  <b>Eine neue organisatorische Etappe in der Entwicklung der   Protestbewegung<\/b><\/p>\n<p>  Vor dem Hintergrund der Reaktion und der Repressionen m&#252;ssen wir   unersch&#252;tterlich den Prozess der Konsolidierung der Kr&#228;fte der   Protestierenden unterst&#252;tzen. Unsere Losung ist auf der gegenw&#228;rtigen   Etappe die Forderung nach der Durchf&#252;hrung von Versammlungen und der   Wahl von Delegierten f&#252;r eine stadtweite Konferenz der EinwohnerInnen   der Vorstadtbezirke, Wohnheime, Hochh&#228;user und Geb&#228;ude des   &#8220;Privatsektors&#8221; in unserer Stadt, die zum Abriss bestimmt sind. <\/p>\n<p>  Diese Konferenz sollte ein Komitee aus den Reihen der Delegierten w&#228;hlen   zur Koordinierung der gemeinsamen Aktionen und ebenso zur Ausarbeitung   von Forderungen und zum F&#252;hren von Verhandlungen mit den Gerichten und   dem B&#252;rgermeister. Mit der Zeit werden sich alle Protestgruppen der   Stadt, die sich in der gleichen Lage befinden, diesem Komitee   anschlie&#223;en. Um so mehr, da diese Programmlosung auf die Perspektive hin   ausgerichtet ist, dass im Verlaufe der n&#228;chsten Jahre der Konflikt neue   Tausende von EinwohnerInnen Almatys erfassen wird.<\/p>\n<p>  Au&#223;erdem w&#252;rde solch ein Schritt eine Isolierung der Bewegung der   Vorst&#228;dte verhindern und Versuche einer Spaltung der Protestierenden   nach nationalen oder innernationalen Kriterien verhindern, was auf   Anweisung des Regimes die regimetreuen Journalisten, die anschmiegsamen   Pseudoanalytiker und die Hofideologen des Pr&#228;sidenten gerade versuchen. <\/p>\n<p>  [Die Gefahr einer Spaltung ist in Kasachstan gegeben, weil das Land &#252;ber   100 Nationalit&#228;ten umfasst. Diese sind wiederum in Clans geteilt. Solche   Spaltungen sind seit der Wiederherstellung des Kapitalismus verst&#228;rkt   aufgebrochen. Anmerkung des &#220;bersetzers]<\/p>\n<p>  Die Hauptaufgabe von SozialistInnen ist es, den &#228;rmsten Klassen zu   helfen, sich selbst zu organisieren f&#252;r den Widerstand gegen die   Angriffe der Handvoll Superreichen aus dem Kreis der obersten   korrumpierten B&#252;rokraten der Stadt, die mit den Bossen der Baukonzerne,   die die &#214;lgelder und das Schwargeld ihrer h&#246;chsten G&#246;nner aus [der   Hauptstadt] Astana waschen, wie in einem Kn&#228;uel zusammenh&#228;ngen. Die   Agitation f&#252;r solch eine Form der Selbstorganisation ist gegenw&#228;rtig die   Priorit&#228;t f&#252;r den SWK, welcher bereit ist, f&#252;r die Verwirklichung dessen   zusammen mit anderen Vereinigungen und AktivistInnen Almatys zu k&#228;mpfen. <\/p>\n<p>  <b>Kampf auf der stadtweiten Ebene<\/b><\/p>\n<p>  Die Regierung des Landes hat auf der h&#246;chsten Ebene alles getan, um zu   verhindern, dass sich Keime der Selbstorganisation entwickeln. Sie haben   im Laufe der 90er Jahre wie in Almaty so auch im ganzen Land jegliche   Aktivit&#228;t von Gewerkschaften und selbstst&#228;ndiger gesellschaftlicher   Organisationen unterdr&#252;ckt, so wie die Arbeiterbewegung &#8220;Solidarit&#228;t&#8221;   und die Bewegung &#8220;Generation&#8221;. Das war in der Zeit der massenhaften   Privatisierungen und der Abschaffung von Sozialleistungen.<\/p>\n<p>  Jetzt hat eine neue Periode des Angriffes auf die Rechte und das Leben   breiter Schichten der Werkt&#228;tigen und der Arbeiterklasse begonnen, und   sie ruft eine allgemeine Widerstandsbewegung hervor. Wenn es gelingen   sollte, solch ein alternatives Organ aus den BewohnerInnen der   verschiedenen Stadtbezirke zu bilden, dann wird das in Zusammenarbeit   mit selbstst&#228;ndigen lokalen Komitees und mangels eines g&#252;ltigen Gesetzes   &#252;ber die lokale Selbstverwaltnug eine hervorragende Form sein f&#252;r   aktiven Druck und eine Einmischung in die Sozialpolitik der   Stadtverwaltung, konkret:<\/p>\n<p>  &#8211; Ver&#246;ffentlichung und Revision des Bebauungsplans<\/p>\n<p>  &#8211; Bau von g&#252;nstigen Wohnungen<\/p>\n<p>  &#8211; Revision der Preispolitik des kommunalen Energiemonopolisten APK;   Preissenkungen<\/p>\n<p>  &#8211; gerechte Entsch&#228;digung f&#252;r die EinwohnerInnen der zerst&#246;rten H&#228;user   und Bewilligung gleichwertigen Wohnraums; Kontrolle &#252;ber die T&#228;tigkeit   der Institution &#8220;Almaty Zher&#8221;, die ein Instrument in den H&#228;nden der   Baukonzerne geworden ist.<\/p>\n<p>  &#8211; Bewilligung kostenloser St&#252;cke Land zur Bebauung f&#252;r alle Bed&#252;rftigen;   Ausarbeitung einer Politik zur sozialen Unterst&#252;tzung von MigrantInnen <\/p>\n<p>  &#8211; Kontrolle &#252;ber die T&#228;tigkeit der Delegierten des Stadtrates und   Durchf&#252;hrung von Kampagnen zu ihrer Absetzung im Falle ihrer   Unterst&#252;tzung f&#252;r Monopolisten und Gro&#223;konzerne des Bausektors. <\/p>\n<p>  Ein derartiges Organ w&#228;re eine Konzentration der Aktivit&#228;t und der   Durchf&#252;hrung von Massenboykotten als auch der Organisierung friedlicher   Protestformen. Als ein Beispiel k&#246;nnte solch eine Organisationsform sich   ausdehnen auf andere St&#228;dte und Regionen des Landes, wo dieselben Fragen   einer Zersplitterung der Kr&#228;fte und der Organisierung von Widerstand   sich ebenso scharf stellen, wie zum Beispiel in Aktobe, Astana,   Karaganda und Schymkent.<\/p>\n<p>  <b>Umschwung im Bewusstsein der Massen <\/b><\/p>\n<p>  Die neuen Angriffe auf den Lebensstandard von Millionen ArbeiterInnen   und der sozial unterdr&#252;ckten Schichten, die die ganze Sch&#228;rfe der   Inflation erleiden, also eine Verteuerung von Produkten und Waren, die   zum Lebensunterhalt unbedingt notwendig sind, und f&#252;r kommunale   Dienstleistungen und &#246;ffentlichen Verkehr; der Raub von Land aufgrund   &#8220;staatlichen Bedarfs&#8221; f&#252;r Bauvorhaben f&#252;r die Elite; all das zwingt den   aktiven Teil, mit ihren konkreten &#246;konomischen Forderungen, die sie zu   Schlussfolgerungen &#252;ber die Unzul&#228;nglichkeit des Systems f&#252;hren, zu   protestieren. Die offenen Zusammenst&#246;&#223;e und massenhaften Zerst&#246;rungen   von Hausbauten in Bakaj am 7. Juli und der erfolgreiche Widerstand der   EinwohnerInnen von Schanyrak gegen die Polizeikr&#228;fte am 14. Juli haben   zu einem ernsthaften Umschwung im Bewusstsein des armen Teils der   Gesellschaft gef&#252;hrt.<\/p>\n<p>  Es ist zu einer Belebung des Kampfes auch von BewohnerInnen der Viertel   innerhalb der Stadt gekommen. &#196;hnliche K&#228;mpfe und eine Zuspitzung von   Konflikten haben wir in Astana gesehen, die Kohlen der Unzufriedenheit   gl&#252;hen in Aktobe, Schymkent, Karaganda und anderen St&#228;dten des Landes.   Neue Wellen von betrieblichen K&#228;mpfen im Rohstoffabbau und im   Agrarsektor sind wahrscheinlich.<\/p>\n<p>  Neue AktivistInnen aus breiten Schichten der Gesellschaft, die   unzufrieden sind mit ihrer Lage, werden in den sozial-&#246;konomischen Kampf   hineingezogen. Das ist eine wichtige Etappe der Entstehung von   politischem Bewusstsein, das es erm&#246;glicht, seine wirkliche Lage und das   Fehlen von Perspektiven im heutigen System zu verstehen. Der Populismus   der PolitikerInnen der b&#252;rgerlichen Parteien kann nicht ernsthaft auf   diesen Prozess einwirken oder ihn zur Seite dr&#228;ngen. Die Massen m&#252;ssen   selber durch den Kampf gehen, durch eine Reihe von Erfolgen und   Niederlagen, um praktische Erfahrung zu bekommen und um die Erkenntnis   ihrer eigenen Interessen und Ziele zu schmieden. Nur dadurch entstehen   Klassenorganisationen.<\/p>\n<p>  Die letzten K&#228;mpfe der ArbeiterInnen von Mangustaumunajgaza in Aktau   sind ein Beweis f&#252;r den Anfang einer neuen sozialen Bewegung von unten   und deshalb ist es f&#252;r SozialistInnen jetzt so wichtig, der Bewegung   eine effektive alternative Organisationsform zu geben, welche die   heutigen Parteien und die offiziellen Gewerkschaften, die f&#252;r die Bosse   arbeiten, nicht anbieten k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  <b>Das komplexe Problem des kasachischen Kapitalismus<\/b><\/p>\n<p>  Keine Zugest&#228;ndnisse des Regimes k&#246;nnen etwas an der Lage &#228;ndern,   solange die bisherige neoliberale Politik, die den produktiven Sektor   zerst&#246;rt und zur Verelendung breiter Schichten der Gesellschaft f&#252;hrt,   beibehalten wird. Eben diese Politik und die r&#228;uberischen Interessen der   zwanzig Mega-Holdings f&#252;hrten das Land zu einem Kahlschlag an   Rohstoffen, zur Zerst&#246;rung der eigenen verarbeitenden Industrie, zur   Abh&#228;ngigkeit von den L&#228;ndern des Westens, zu riesigen Migrationsstr&#246;men   und letztlich einer gigantischen Preissteigerung auf st&#228;dtische   Immobilien, was Wohnungen f&#252;r die jungen Generation von KasachInnen   unzug&#228;nglich macht.<\/p>\n<p>  Unter diesem System ist es unm&#246;glich, die permanente Krise zu   &#252;berwinden, die sich nur noch vertiefen und verbreitern wird. Die   Preisabsprache zwischen den &#214;lkonzernen und der Regierung zur   Abschaffung der Z&#246;lle f&#252;r Gasimporte und die Aufhebung von   Beschr&#228;nkungen f&#252;r Preisanstiege innerhalb des Landes f&#252;hrten bereits zu   einem Preissprung f&#252;r Heizmaterial, was ein Schlag gegen die noch   bestehenden Betriebe der verarbeitenden Industrie ist und was   unzweifelhaft zum n&#228;chsten Teuerungsschub bei all den Waren und   Dienstleistungen f&#252;hren wird, die unbedingt n&#246;tig sind zum Leben. <\/p>\n<p>  Das sind unzweifelhaft Vorbereitungsma&#223;nahmen zum Eintritt des Landes in   die Welthandelsorganisation (WTO), was das Hauptziel der momentanen   Regierung zum Nutzen der transnationalen &#214;lkonzerne und der   Rohstoff-Mega-Holdings ist. Was mit den kleinen   Landwirtschafts-ProduzentInnen zur n&#228;chsten Aussaat passiert, beunruhigt   schon keinen mehr. Man kann nur die n&#228;chsten Bankrotte und eine   Reduzierung der Produktion auf dem Land und in der   Nahrungsmittelindustrie erwarten. Wird das etwa nicht zu einer neuen   Welle von Migration des enteigneten Landproletariats in die St&#228;dte und   besonders nach Almaty f&#252;hren?<\/p>\n<p>  Die momentanen scharfen Gegens&#228;tze, die mit der neoliberalen   Wirtschaftpolitik und dem kasachischen Modell des Kapitalismus verbunden   sind, f&#252;hren die Entwicklung unserer gesamten Gesellschaft in die   Sackgasse und f&#252;hren einen Kollaps der Wirtschaft des Landes herbei. Dem   kann man nur entgehen durch eine scharfe und grunds&#228;tzliche Ver&#228;nderung   der Entwicklungsrichtung Kasachstans, was gegenw&#228;rtig einige L&#228;nder   Lateinamerikas realisieren, die so wie wir reich an Bodensch&#228;tzen sind   und Dutzende von Jahren von den L&#228;ndern mit &#8220;entwickelten Demokratien&#8221;   ausgepl&#252;ndert wurden.<\/p>\n<p>  Solche alternativen Ma&#223;nahmen f&#252;r eine Abkehr von der   Rohstoff-Abh&#228;ngigkeit sind:<\/p>\n<p>  &#8211; Ablehnung des Eintritts in die WTO<\/p>\n<p>  &#8211; Abschaffung der Gesetze &#252;ber das Land und Revision der &#220;bergabe der   landwirtschaftlichen Produktion in private H&#228;nde<\/p>\n<p>  &#8211; Verstaatlichung aller Rohstoff-Monopole und -Fundst&#228;tten und der   Gro&#223;industrie; staatliche Regulierung der Preisbildung auf Energietr&#228;ger <\/p>\n<p>  &#8211; staatlicher Investitionsplan in der Industrie, der Landwirtschaft und   im produktiven Sektor<\/p>\n<p>  &#8211; Neue Programme des sozialen Wohnungsbaus bei staatlicher Unterst&#252;tzung <\/p>\n<p>  &#8211; Beendigung der Ausfuhr von Kapital aus dem Land und Errichtung einer   scharfen staatlichen Kontrolle &#252;ber das Finanzsystem<\/p>\n<p>  &#8211; Paket von Sofortma&#223;nahmen zur Wiederherstellung eines solidarischen   Rentensystems, kostenloser Bildung und zur Beendigung der   Kommerzialisierung des Gesundheitswesens<\/p>\n<p>  Zweifellos bedeutet das einen radikalen Eingriff in das Recht des   Privateigentums und eine scharfe Begrenzung der Interessen des   Gro&#223;kapitals, was als Basis f&#252;r die Vergesellschaftung der Wirtschaft   des Landes dient. Das ist nat&#252;rlich unm&#246;glich ohne eine Massenbewegung   von unten.<\/p>\n<p>  <b>Utopische Losungen?<\/b><\/p>\n<p>  Wie utopisch erscheinen diese Forderungen und Losungen doch f&#252;r einige   Kabinettspolitiker. Sie bleiben deshalb nicht weniger die einzigen   richtigen, fortschrittlichen, durchf&#252;hrbaren und realen Ma&#223;nahmen zum   Zusammenschluss der Kr&#228;fte der Protestierenden und zur Organisierung   ernsthafter Aktionen der Gegenwehr. Und nur sie sind die vollste   demokratische Verk&#246;rperung der Idee der Selbstverwaltung und der   Konsolidierung der Massen zur L&#246;sung einer klaren und praktischen   Aufgabe:<\/p>\n<p>  ihre H&#228;user zu verteidigen als Gegengewicht zu den r&#228;uberischen   Bestrebungen der Baukonzerne,<\/p>\n<p>  das Verh&#228;ltnis der Klassenkr&#228;fte zu ver&#228;ndern,<\/p>\n<p>  durch einen gemeinsamen allgemeinen Ansturm die Supermonopolisten und   die Staatsgewalt unter die Kontrolle der Massen zu stellen,<\/p>\n<p>  und letztlich die sozial-&#246;konomische Entwicklungsrichtung des Landes   grundlegend zu &#228;ndern.<\/p>\n<p>  Die Anh&#228;ngerInnen des Kompromisses &#8211; so hat diesen Gedanken Karl   Liebknecht entwickelt &#8211; nennen ihre Politik h&#228;ufig die &#8220;Kunst des   M&#246;glichen&#8221;. Aber in Wirklichkeit, obwohl sie selbst meinen, dass sie   &#8220;leiten&#8221; oder &#8220;regieren&#8221;, sind sie &#8220;nur Schw&#228;tzer, sie sind Luftblasen   an der Oberfl&#228;che, sie sind M&#252;tzen von Schaum im wilden Strom&#8221;. Nur eine   radikal linke Politik erm&#246;glicht eine Entfaltung der gesellschaftlichen   Kr&#228;fte, und deshalb orientiert sich ein wirklicher Revolution&#228;r an dem   Ziel, das dem voraus liegt, was unter heutigen kapitalistischen   Bedingungen praktisch m&#246;glich ist. Das maximal M&#246;gliche wird nur   erreicht durch das Streben zu dem heute noch Unm&#246;glichen im Verlaufe des   politischen Kampfes. Dies zu w&#252;nschen &#8220;ist nicht Narrheit oder   Fanatismus, Phantasterei oder Verblendung&#8221;. Im Gegenteil, die &#8220;Kunst des   Unm&#246;glichen&#8221; ist die &#8220;wahrste und st&#228;rkste Politik&#8221;. In der Aufdeckung   dieser Politik besteht &#8220;die Aufgabe der praktischen T&#228;tigkeit des   Revolution&#228;rs&#8221;. Deshalb ist die aktive Teilnahme am Aufbau von Organen   der Selbstverwaltung und der Selbstorganisation der Massen wie auch am   Aufbau einer revolution&#228;ren Kaderpartei aus der Jugend heraus das   Erfordernis des Moments!<\/p>\n<p>  <img align=\"left\" src=\"\/media\/2006\/kasach.jpg\">  <\/p>\n<p>  <i>Protestaktion der SAV vor der kasachischen Botschaft.<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>      Kasachstan wird ersch&#252;ttert von massiven sozialen K&#228;mpfen der &#228;rmsten<br \/>\n      Schichten der Bev&#246;lkerung. Das Komittee f&#252;r eine Arbeiterinternationale<br \/>\n      (CWI), dem die SAV als deutsche Sektion angeh&#246;rt, spielt dabei eine<br \/>\n      wichtige Rolle. Wir dokumentieren Analysen, Perspektiven und<br \/>\n      programmatische Forderungen des Sozialistischen Widerstands Kasachstans<br \/>\n      (SWK, kasachische CWI-Sektion).&#160;<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[38],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11739"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11739"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11739\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11739"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11739"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11739"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}