{"id":11730,"date":"2006-08-21T12:13:21","date_gmt":"2006-08-21T10:13:21","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=11730"},"modified":"2016-02-12T10:39:14","modified_gmt":"2016-02-12T09:39:14","slug":"11730","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/08\/11730\/","title":{"rendered":"Von der Republik zum B&#252;rgerkrieg"},"content":{"rendered":"<p>  Vor 60 Jahren begann der Spanische B&#252;rgerkrieg <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Am 17. Juli 1936 um 22 Uhr erh&#228;lt Benjamin Balboa, Unteroffizier der   spanischen Kriegsmarine, den Aufruf zum faschistischen Aufstand. Er soll   den Text Francos an s&#228;mtliche Kommandanten des Heeres und der Marine   weiterleiten. Anstatt das zu tun, setzt sich Balboa um 1 Uhr Nachts mit   den spanischen Kriegsschiffen im Mittelmeer in Verbindung. Er fordert   die Matrosen auf, unverz&#252;glich die Offiziere zu &#252;berw&#228;ltigen und sich   der Schiffe zu bem&#228;chtigen. Und tats&#228;chlich &#252;bernehmen die Matrosen die   meisten Schiffe der spanischen Flotte. Der Anf&#252;hrer des faschistischen   Aufstandes, General Franco, kann deshalb nicht mehr ungehindert mit   seinen Truppen von Marokko auf das spanische Festland &#252;bersetzen. Der   offene Kampf der ArbeiterInnen, B&#228;uerinnen und Bauern gegen den   Faschismus war damit entflammt. Der eigentliche Startschuss zum Krieg   zwischen Fortschritt und Reaktion war aber bereits viel fr&#252;her gefallen. <\/p>\n<p>  <i>von Albert Kropf<\/i><\/p>\n<p>  Am Beginn des 20. Jahrhunderts war Spanien noch eine industriell   unterentwickelte Nation. Trotz der R&#252;ckst&#228;ndigkeit entwickelte sich eine   starke Arbeiterbewegung, die sich in eine anarchistische und eine   sozialistische Str&#246;mung teilte. Die AnarchistInnen riefen zum   Wahlboykott auf und lehnten es ab, sich in Form einer Partei zu   organisieren. Ihre St&#228;rke war ihre gro&#223;e Verankerung in den regionalen   Basisgewerkschaften. So entwickelte sich eine spezifische   Gewerkschaftsbewegung, der &quot;Anarcho-Syndikalismus&quot;. Die Eckpfeiler   dieser Mixtur aus der anarchistischen Theorie und dem franz&#246;sischen   Gewerkschaftssyndikalismus sind: Wahlboykott, Kampf f&#252;r den Sturz des   Staates (jedoch nicht f&#252;r laufende Reformen), sowie die unantastbare   Unabh&#228;ngigkeit und Neutralit&#228;t der Gewerkschaften von Parteien.<\/p>\n<p>  Im Gegensatz zu den AnarchistInnen beteiligte sich die Sozialistische   Partei &#8211; PSOE &#8211; an den Wahlen. In Spanien stand Wahlbetrug auf der   Tagesordnung. Das n&#252;tzte nat&#252;rlich den AnarchistInnen in ihrer   Argumentation f&#252;r einen Wahlboykott. Noch immer gab es keine   &#252;berregionalen Gewerkschaften. Darum gr&#252;ndete die PSOE gegen Ende des   19. Jahrhunderts den sozialistischen Gewerkschaftsdachverband UGT. Mit   dem Metallarbeiterstreik in Bilbao erlangte die UGT ein festes Standbein   im Baskenland. Nach der gro&#223;en Streikwelle von 1917 und 1918 hatte die   UGT schlie&#223;lich 200.000 Mitglieder. Bald darauf wurde von den   katalanischen AnarchistInnen die CNT gegr&#252;ndet. In der CNT verbanden   sich die einzelnen regionalen anarchistischen Gewerkschaften zu einem   nationalen Verband.<\/p>\n<p>  Nach der erfolgreichen Revolution in Russland und der Gr&#252;ndung der III.   Internationale, stellte sich auch f&#252;r die spanischen Organisationen die   Frage, der III. Internationale bzw. der &quot;Roten   Gewerkschaftsinternationale&quot; (RGI) beizutreten. Auf dem dritten   au&#223;erordentlichen Parteitag der PSOE wurde nur mit knapper Mehrheit ein   Beitritt abgelehnt. Die Bef&#252;rworter gr&#252;ndeten die Kommunistische Partei   Spaniens, PCE, und nahmen fast die H&#228;lfte der Funktion&#228;re mit. Bald   sollte die Kommunistische Partei Verst&#228;rkung aus den Reihen der CNT   bekommen. Die CNT entschied sich vorerst f&#252;r einen Beitritt zur RGI.   Aber nach den Ereignissen von Kronstadt zog sie ihre Entscheidung zur&#252;ck   und trat der RGI nicht bei. Nur ein kleiner Teil, darunter befanden sich   auch Andres Nin und Joaquin Maurin, trat daraufhin in die neu gegr&#252;ndete   PCE &#252;ber. Von einer Massenpartei war die PCE noch weit entfernt.<\/p>\n<p>  <b>Der Putsch des Generals Primo de Rivera und die 2. Republik<\/b><\/p>\n<p>  Aus Angst, die Kontrolle &#252;ber das Land zu verlieren, unterst&#252;tzten die   B&#252;rgerlichen 1923 einen Putsch des Generals Primo de Rivera. Das   Parlament wurde aufgel&#246;st und Rivera regierte mit der Unterst&#252;tzung des   K&#246;nigs. Die Arbeiterorganisationen wurden verboten und ihre Mitglieder   verfolgt. Die UGT &quot;tolerierte&quot; den Putsch und entzog sich so der   Verfolgung w&#228;hrend die AnarchistInnen und KommunistInnen im Untergrund   arbeiteten. 1930 hatte Primo de Rivera ausgedient &#8211; seine Diktatur war   nicht mehr haltbar. Nach den Wahlen musste auch der K&#246;nig seinen Hut   nehmen und abdanken. Am 14. April 1931, nach einem &#252;berw&#228;ltigenden   Wahlsieg der republikanischen Parteien, wurde die Republik ausgerufen.   Es kam zu einer Koalition zwischen den Liberalen und der   Sozialdemokratie. Aber die B&#252;rgerlichen besetzten die wichtigsten &#196;mter;   so wurde Zamora Pr&#228;sident der Republik.<\/p>\n<p>  Zu diesem Zeitpunkt war die III. Internationale bereits von Stalin ihrer   revolution&#228;ren Funktion beraubt. 1931 verbreitete Moskau die Theorie des   &quot;Sozialfaschismus&quot;. Kurz gefasst besagt diese, dass auch die   Sozialdemokraten Faschisten sind. Daher sind die Sozialdemokraten Feinde   der ArbeiterInnen und jedes B&#252;ndnis mit der Sozialdemokratie ist   abzulehnen. Aus diesem Grund wurde in Spanien ganz im Sinne der Moskauer   B&#252;rokratie die neue Regierung als eine &quot;faschistische&quot; bezeichnet.   Interessant ist dabei nur, dass sowohl die Sozialdemokratie wie auch die   b&#252;rgerlichen Republikaner f&#252;nf Jahre sp&#228;ter zu den engsten Verb&#252;ndeten   von Stalins Lakaien im Kampf gegen die revolution&#228;ren ArbeiterInnen   wurden. Inzwischen war aber eine Gruppe aus der Kommunistischen Partei   ausgeschlossen worden. Es waren dies die Anh&#228;nger der &quot;Linken   Opposition&quot;. Sie verteidigten das Erbe der Bolschewiki gegen Stalins   Politik. Unter den Ausgeschlossenen befand sich auch Andres Nin, ein   Mitbegr&#252;nder der Kommunistischen Partei und langj&#228;hriger Sekret&#228;r der   Roten Gewerkschaftsinternationale.<\/p>\n<p>  Aber auch Juan Andrade, einer der wichtigsten Jugendfunktion&#228;re Spaniens   wurde aus den Reihen der Kommunistischen Partei verbannt. Sie gr&#252;ndeten   daraufhin die &#8222;Izquierda Comunista&#8220; (Kommunistische Linke) in Spanien. <\/p>\n<p>  <b>Die Revolution geht weiter<\/b><\/p>\n<p>  Die ArbeiterInnen hatten sich nach dem Ende der Diktatur mehr von der   Republik erwartet. Die verlangten Land- und Sozialreformen blieben fast   g&#228;nzlich aus. Die Monarchie als Staatsform wich zugunsten der Republik,   ohne dass die bestehende Gesellschaftsordnung angetastet worden w&#228;re.   Das war der &quot;Erfolg&quot; der Republik. Rund zwei Millionen LandarbeiterInnen   blieben weiterhin besitzlos w&#228;hrend sich zirka 50.000 Gro&#223;grundbesitzer   den Boden Spaniens untereinander aufteilten. Kaum Ver&#228;nderungen brachte   die Republik f&#252;r die Bev&#246;lkerung der Kolonie Marokko. F&#252;r sie gab es   nach wie vor keinerlei demokratische Rechte, sie wurde weiterhin mit der   gleichen grausamen H&#228;rte der Fremdenlegion unterjocht.<\/p>\n<p>  Noch im April verk&#252;ndete der neue Pr&#228;sident Alcala Zamora, selbst ein   Gro&#223;grundbesitzer, die Republik als Folge einer &quot;friedlichen   Revolution&quot;. Bereits im August trieb die Regierung tausende streikende   ArbeiterInnen unter Artilleriebeschuss zur&#252;ck an ihre Arbeitspl&#228;tze. F&#252;r   wen die Republik stand und f&#252;r wen nicht, zeigte sich somit fr&#252;her als   gedacht. Im Mai 1931 kam es zu blutigen Zusammenst&#246;&#223;en zwischen   Monarchisten und ArbeiterInnen in Madrid. Im Juli und August legte eine   Streikwelle einen Teil des Landes lahm. Der Generalstreik in Sevilla   wurde gewaltsam durch Regierungstruppen niedergeschlagen. Aus den Wahlen   im Juni ging die PSOE als st&#228;rkste Partei hervor. Trotzdem wurde wieder   ein B&#252;rgerlicher, Manuel Azana, Ministerpr&#228;sident. 1932 spitzte sich die   Lage weiter zu: Streiks und Aufst&#228;nde, die in Katalonien bis zur   Unabh&#228;ngigkeitserkl&#228;rung gingen.<\/p>\n<p>  Innerhalb der Armee sammelten sich die konservativen Kr&#228;fte. Die   Mehrheit der Offiziere und Armeef&#252;hrung waren Monarchisten. Sie stammten   oft aus den Familien der Gro&#223;grundbesitzer und geh&#246;rten zur   privilegierten Oberschicht. Als Reaktion erhob sich ein Teil der Armee   unter General Sanjuro gegen die Republik im August 1932. Der Putsch   misslang. Innerhalb der Kommunistischen Partei l&#246;ste dieser   Putschversuch aber einen heftigen Streit aus.<\/p>\n<p>  <b>Politisches Zick-Zack in Moskau<\/b><\/p>\n<p>  Ein Teil der PCE hatte zur Verteidigung der b&#252;rgerlichen Republik   aufgerufen. Das entsprach aber damals noch nicht der offiziellen Linie   Moskaus, die ohnehin alles au&#223;er der PCE selbst als faschistisch   bezeichnete. Erst drei Jahre sp&#228;ter auf dem VII. Kongress der III.   Internationale kam die Kehrtwendung Stalins, die die PCE dann rechts von   der Sozialdemokratie positionierte &#8211; zur Volksfront. Alles au&#223;er den   Faschisten selbst wurde dann pl&#246;tzlich zum &quot;antifaschistischen&quot;   B&#252;ndnispartner. Die Direktiven, welche die Kommunistische Partei aus   Moskau erhielt, waren eindeutig: Die Gruppe, die zur Verteidigung der   Republik aufrief, hatte sich des Opportunismus schuldig gemacht. Auf dem   Parteitag 1932 wurden sie aus der Partei ausgeschlossen. Die meisten   Ausgeschlossenen waren hohe Funktion&#228;re, darunter Jose Bullejos,   Generalsekret&#228;r der Partei. Nun war es die Gruppe um Jose Bullejos, die   noch ein paar Jahre zuvor am heftigsten gegen die Linke Opposition   gek&#228;mpft und ihre Ausschl&#252;sse gefordert hatte . Zum Zeitpunkt des   Putschversuchs durch das konservative Milit&#228;r wurden die b&#252;rgerlichen   Republikaner noch alle als &quot;Faschisten&quot; bezeichnet. Ein paar Jahre   sp&#228;ter pr&#228;sentierte sie die Moskauer B&#252;rokratie als die Verb&#252;ndeten der   ArbeiterInnen und B&#228;uerinnen und Bauern. 1932 f&#252;hrte die Unterst&#252;tzung   der Republik noch zum Ausschluss hoher Parteifunktion&#228;re. 1935, nach der   180 Grad Wendung zur bedingungslosen Unterst&#252;tzung der b&#252;rgerlichen   Republik, war keine Kritik am neuen Kurs Moskaus mehr zu h&#246;ren.<\/p>\n<p>  <b>Der Aufstand vom Oktober 1934<\/b><\/p>\n<p>  Die Wahlen im April 1933 brachten gro&#223;e Gewinne f&#252;r die rechten   Parteien. Alejandro Lerroux, F&#252;hrer der rechten &quot;Radikalen Partei&quot;,   l&#246;ste Azana als Ministerpr&#228;sidenten im September ab. Die AnarchistInnen   hatten wieder ihre Parole von der Wahlenthaltung ausgegeben und die   zahlenm&#228;&#223;ig gro&#223;e Mitgliedschaft der CNT ging nicht zur Wahl. Das   Resultat dieser Politik lies nicht lange auf sie warten: Kaum im Amt,   begann Lerroux bereits Reformen zu widerrufen. Im Oktober 1934 bildete   Lerroux gemeinsam mit den Mitgliedern der offen rechtsextremen Partei   CEDA von Gil Robles eine neue Regierung. Die Rechte ging in die   Offensive.<\/p>\n<p>  Die spanischen ArbeiterInnen und ihre Organisationen waren fest   entschlossen, dieser Gefahr auch mit Waffengewalt entgegenzutreten. Eine   Niederlage wie in Italien, Deutschland oder &#214;sterreich sollte auf jeden   Fall verhindert werden. Die Aufnahme der CEDA in die Regierung wurde von   vielen als Anzeichen einer kommenden faschistischen Diktatur gesehen. Um   diese Regierung zu st&#252;rzten, riefen die gro&#223;en Gewerkschaften in der   Provinz Asturien zu einem Aufstand auf. Am 4. Oktober begann der   Aufstand und es bildete sich die sogenannte &quot;Asturische Kommune&quot;. Die   Fabriken und die Felder wurden enteignet und gemeinschaftlich gef&#252;hrt   und bestellt. Zur Verwaltung wurden Komitees gew&#228;hlt und alles stand   unter dem Zeichen &quot;Unios Hermanos Proletarios!&quot;, was soviel hei&#223;t wie:   Vereinigt Euch proletarische Br&#252;der! Geleitet wurde der Aufstand   haupts&#228;chlich von den Gewerkschaften, den Sozialdemokraten und den   AnarchistInnen. Die KommunistInnen unterst&#252;tzten den Aufstand erst in   letzter Sekunde. Der Grund daf&#252;r liegt auf der Hand: die Beteiligung der   PSOE an der Asturischen Kommune. Die Weisungen der Moskauer B&#252;rokratie   &#252;ber die Komintern waren unmissverst&#228;ndlich gegen jegliche   Zusammenarbeit zwischen PCE und PSOE. Sie waren ja laut Stalin   &quot;Sozialfaschisten&quot;.<\/p>\n<p>  Begleitet wurde der Aufstand in Asturien von einem Aufruhr in   Katalonien, den die b&#252;rgerlichen Nationalisten unter Louis Companys   anf&#252;hrten. Sie riefen in Katalonien eine unabh&#228;ngige Republik aus und   bildeten in Barcelona eine provisorische Zentralregierung f&#252;r die neue   F&#246;derative Republik Spanien. Die Regierung unter Lerroux setzte nun das   Milit&#228;r ein und rief Francos Fremdenlegion gegen die ArbeiterInnen und   Bauern in Asturien zu Hilfe. Franco metzelte den Aufstand blutig nieder.   Nach einigen Wochen endete alles mit der Einnahme Oviedos durch   Regierungstruppen &#8211; geleitet von Franco. Die schreckliche Bilanz: Bei   Vergeltungsma&#223;nahmen wurden 5.000 Menschen ermordet, 30.000 verhaftet,   sowie alle Volksh&#228;user, egal ob sie der UGT oder CNT geh&#246;rten,   geschlossen.<\/p>\n<p>  <b>Die Volksfront und der Kriegsausbruch<\/b><\/p>\n<p>  Lerroux hielt sich aber noch bis zum Januar 1936 an der Spitze des   Staates, bevor er nach einem Finanzskandal und etlichen   Korruptionsaffairen zur&#252;cktreten musste. Die f&#252;r Februar   ausgeschriebenen Neuwahlen brachten gro&#223;e Gewinne und den Wahlsieg eines   B&#252;ndnisses (Volksfront) der republikanischen Parteien, darunter auch   b&#252;rgerliche Republikaner.<\/p>\n<p>  Obwohl die Arbeiterparteien den gr&#246;&#223;ten Anteil der Stimmen errangen,   &#252;berlie&#223;en sie die f&#252;hrenden &#196;mter wieder einmal den B&#252;rgerlichen und so   wurde Azana erneut Ministerpr&#228;sident. Innerhalb der   Volksfrontregierungen kam es st&#228;ndig zu personellen &#196;nderungen. Sp&#228;ter   traten auch PCE und CNT VertreterInnen in die Regierung ein. Diese   Regierungsbeteiligung markierte den Wendepunkt der bisherigen Politik   beider Parteien. Vor allem bei den AnarchistInnen: Sie hatten sich eben   noch geweigert an Wahlen teilzunehmen. Jetzt koalierten sie sogar mit   den B&#252;rgerlichen. Eines hatten alle kommenden Volksfrontregierungen   gemeinsam: Sie weigerten sich mit H&#228;nden und F&#252;&#223;en den Bauern Land,   Marokko die Unabh&#228;ngigkeit und den ArbeiterInnen die politische Macht zu   geben. Aber genau das war es, wof&#252;r die spanischen ArbeiterInnen und   B&#228;uerinnen und Bauern letztendlich dann auch k&#228;mpften und um was sie   betrogen wurden. Von nun an ging es Schlag auf Schlag. Kurz nach der   Wahl rief der faschistische General Mola zum Milit&#228;rputsch gegen die   Regierung auf. Vorerst schien es, als blieb dieser Aufruf ungeh&#246;rt. Aber   Franco, der nach dem Wahlerfolg der Republikaner auf die Kanarischen   Inseln versetzt wurde, wartete nurmehr auf einen Anlass, um losschlagen   zu k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  Der Tot des Monarchistenf&#252;hrers Jose Calio Sotelo wurde von den   Faschisten als Vorwand f&#252;r den Putsch genutzt. Am 17. Juli war es   soweit, gro&#223;e Teile der spanischen Armeef&#252;hrung erhoben sich unter der   F&#252;hrung Francos. Es ist nicht verwunderlich, dass der Putsch in Marokko   begann. Denn dort war die marokkanische Fremdenlegion stationiert, die   bereits im Oktober 1934 zur Niederschlagung der &quot;Asturischen Kommune&quot;   herangezogen wurde.<\/p>\n<p>  Die Volksfront stand den Ereignissen v&#246;llig machtlos gegen&#252;ber.   Ministerpr&#228;sident Quiroga verweigerte die Volksbewaffnung. So konnten   die Faschisten schnell gro&#223;e Gebiete Spaniens unterwerfen und bildeten   bereits am 23. Juli eine &quot;nationale&quot; Gegenregierung in Burgos n&#246;rdlich   von Madrid. Zuvor hatte der mittlerweile neue Ministerpr&#228;sident Martinez   Barrio den Gener&#228;len Franco und Mola die Posten als Innen- und   Verteidigungsminister angeboten. Sie lehnten jedoch ab. All das geschah   im Namen der Volksfront, die ab Juli auch offiziell von der PCE und der   CNT unterst&#252;tzt wurde.<\/p>\n<p>  Bevor Waffen an das Volk verteilt wurden, musste die Volksfrontregierung   sicher gehen, dass die ArbeiterInnen die Waffen nicht f&#252;r eine   sozialistische spanische Republik einsetzen w&#252;rden. Das war die Rolle,   die den etablierten &#8222;Arbeiterparteien&#8220; und im speziellen der PCE zukam. <\/p>\n<p>  <b>Milizen, Volksarmee und Interbrigaden<\/b><\/p>\n<p>  Der &quot;Aufstand&quot; der Gener&#228;le f&#252;hrte zun&#228;chst zu einer extremen   Polarisierung von links. Eines der revolution&#228;ren Zentren war die   Provinz Katalonien und ihre Hauptstadt Barcelona. Um den Faschisten   schnell Widerstand leisten zu k&#246;nnen, bildeten die politischen   Organisationen eigene Milizen. Die Milizen waren demokratisch   organisiert. Frauen und M&#228;nner k&#228;mpften gleichberechtigt nicht nur gegen   den Faschismus, sondern f&#252;r eine gerechtere, sozialistische Welt.   Unterst&#252;tzung bekamen die spanischen AntifaschistInnen von K&#228;mpferInnen   aus der ganzen Welt. Ein Teil von ihnen befand sich zum Zeitpunkt des   Ausbruchs des Krieges in Barcelona bei der Arbeiterolympiade. Andere   kamen direkt nach Spanien um gegen die Faschisten zu k&#228;mpfen. Oft   gr&#252;ndeten sie eigene Abteilungen, die Vorform der sp&#228;teren Interbrigaden. <\/p>\n<p>  Hatten die Milizen einen Landstrich von den Faschisten befreit, wurde   ein Dorfkomitee gebildet. Darin wurden alle weiteren Entscheidungen   demokratisch getroffen. Das Land wurde gerecht aufgeteilt und wie die   Betriebe gemeinschaftlich bewirtschaftet. Das war das R&#252;ckgrat der   Revolution und des Kampfes gegen den Faschismus! Die Hauptstadt der   Revolution wurde Barcelona. Die Stadt war vollst&#228;ndig in die H&#228;nde der   Arbeiterorganisationen &#252;bergegangen. Angestellte oder Titel gab es nicht   mehr, jeder zollte dem anderen Respekt. Die Kapitalisten flohen entweder   oder hielten sich versteckt. Aber es sollte nicht allzu lange dauern,   bis die Reaktion mit weitgehender Hilfe der PCE zur&#252;ckschlagen w&#252;rde.   Sehr bald erkannte die Zentralregierung die Gefahren, die von den   Milizen f&#252;r die b&#252;rgerliche Gesellschaftsordnung ausging. Also mussten   sie untergraben werden. Auch das wieder eine Aufgabe f&#252;r Stalins   Gehilfen in Spanien.<\/p>\n<p>  Schon im Oktober 1936 beginnt die Unterdr&#252;ckung der Milizen durch die   Gr&#252;ndung der Volksarmee. Die Milizen sollten in die Volksarmee   integriert werden. Aber schon bald werden die Milizen ausgehungert,   schlie&#223;lich teilweise verboten und verfolgt. Einmal in die Volksarmee   eingliedert, war auch das R&#252;ckgrat der AntifaschistInnen gebrochen. Die   Frauen wurden ausgesondert und durften sich nur noch um &#8222;klassische&#8220;   Bereiche wie K&#252;che, Putzen oder Krankenpflege k&#252;mmern. Die k&#228;mpfende   Frau war nicht im Interesse Moskaus und der spanischen Volksfront!<\/p>\n<p>  Die Ausl&#228;nderInnen wurden ebenfalls in die regul&#228;re Volksarmee   eingegliedert. Dazu wurden die Internationalen Brigaden in der Armee   geschaffen. Tausende Arbeiter (Frauen durften ja nicht mehr k&#228;mpfen)   waren nach Spanien gekommen. Sehr schnell umgab die Interbrigaden ein   bis heute andauernder Mythos. An allen wichtigen Fronten des Krieges   kamen sie zum Einsatz. Als Ende 1938 der Krieg so gut wie verloren war,   begann der R&#252;ckzug der noch lebenden Interbrigadisten nach Frankreich.   Dort wurden sie in Lager gepfercht und schlie&#223;lich von Vichy-Frankreich   an die Nazis ausgeliefert. Die meisten von ihnen haben ihren Kampf auch   in den Konzentrationslagern und im Widerstand fortgesetzt.<\/p>\n<p>  Der heldenhafte Einsatz und die gelebte internationale Solidarit&#228;t sind   bis heute Vorbild f&#252;r die Arbeiterbewegung geblieben.<\/p>\n<p>  <b>Die POUM<\/b><\/p>\n<p>  Die POUM, die &quot;Arbeiterpartei der Marxistischen Einheit&quot;, entstand im   September 1935 aus einer Vereinigung des &quot;Arbeiter- und Bauernblocks&quot;   und der &quot;Izquierda Comunista&quot;, der ehemaligen Sektion der Liga der   Kommunisten-Internationalisten (Trotzkisten). Aber bereits vor der   Gr&#252;ndung der POUM war es zwischen dem Anf&#252;hrer der &quot;Izquierda   Comunista&quot;, Andres Nin, und Trotzki zu Meinungsverschiedenheiten   gekommen. Nin weigerte sich in die nach links treibende Sozialdemokratie   einzutreten. Das taten allerdings zehntausende ArbeiterInnen, die offen   waren f&#252;r revolution&#228;re Ideen. Statt zeitweiliger Kompromisse auf der   organisatorischen Ebene machte man\/frau daf&#252;r welche auf der   politischen. Entgegen allen Behauptungen der Stalinisten war die POUM   nie &quot;trotzkistisch&quot;. Trotzki bezeichnete sie sp&#228;ter, nach ihrem Eintritt   in die Volksfrontregierung endg&#252;ltig als &quot;zentristisch&quot;, also zwischen   Reform und Revolution schwankend.<\/p>\n<p>  <b>Die stalinistische Reaktion<\/b><\/p>\n<p>  Nat&#252;rlich hatte das Erstarken der Arbeiterklasse die paar b&#252;rgerlichen   Republikaner, die auf Seiten der Volksfront standen, erschreckt. Sie   besa&#223;en keine Mittel, um sie zur&#252;ckzuschlagen und gegen die Revolution   zu mobilisieren; das war die Aufgabe von Stalin, dem Totengr&#228;ber der   russischen und jetzt auch der spanischen Revolution. Stalin warb gerade   um die Gunst der franz&#246;sischen und britischen B&#252;rgerlichen und da konnte   er eine sozialistische Revolution in Spanien &#252;berhaupt nicht brauchen.   Er musste den westlichen B&#252;rgerlichen seine &quot;B&#252;ndnisf&#228;higkeit&quot; beweisen,   und das tat er auf Kosten der spanischen ArbeiterInnen und B&#228;uerinnen   und Bauern. Au&#223;erdem h&#228;tte eine gegl&#252;ckte spanische Revolution auch   Auswirkungen auf die Herrschaft der B&#252;rokratie in der UdSSR gehabt. Denn   das w&#228;re unweigerlich ein Signal f&#252;r die sowjetischen ArbeiterInnen   gewesen.<\/p>\n<p>  Als erstes musste die PCE Einfluss auf die Regierung bekommen. Das   gelang dadurch, dass die UdSSR, neben Mexiko, die einzige Nation war,   die das republikanische Spanien mit Waffen belieferte. F&#252;r die Waffen   bekam Stalin das spanische Gold und die PCE-Beteiligung an der   Regierung. Und es sollte nicht lange dauern, bis Stalin Spezialeinheiten   seines Geheimdienstes, der GPU, nach Spanien schickte. Die Stalinisten   begannen sofort mit der Liquidierung ihrer Feinde; revolution&#228;re   ArbeiterInnen, vermeintliche und wirkliche TrotzkistInnen,   AnarchistInnen, SozialistInnen. Anstatt die katalanischen Milizen &#8211; die   &quot;Hausmacht der Regierung&quot; &#8211; mit Waffen zu beliefern, wurden die Waffen   verwendet, um in Barcelona die Polizei wiederaufzubauen. St&#252;ck f&#252;r St&#252;ck   wurden die Erfolge der Revolution wieder zur&#252;ckgenommen. In der Provinz   Aragon war nach der Befreiung durch die katalanischen Milizen rund 3\/4   des Landes im Besitz der ArbeiterInnen und B&#228;uerinnen und Bauern   &#252;bergegangen. Was tat die Volksfront mit ihrem   PCE-Landwirtschaftsminister Uribe? Sie sandten Regierungstruppen unter   dem PCE-General Lister, der das Land an die Ausbeuter zur&#252;ckgab. In   Spanien bek&#228;mpften Volksfront und PCE die vom Volk ausgehende   freiwillige Kollektivierung, w&#228;hrend kurz darauf in der UdSSR die   Zwangskollektivierung von ein paar B&#252;rokraten beschlossen wurde.<\/p>\n<p>  Anfang 1937 gingen die Stalinisten nun daran die Macht in Barcelona aus   den H&#228;nden der ArbeiterInnen zu nehmen und sie wieder an die   Kapitalisten zur&#252;ckzugeben. Und als nun schlie&#223;lich die Regierung die   von den AnarchistInnen besetzte, strategisch und logistisch wichtige,   Telefonzentrale annektierte, brach der Konflikt offen aus. Stra&#223;en- und   Barrikadenk&#228;mpfe &#252;berzogen ganz Barcelona. Schlie&#223;lich aber   kapitulierten die AnarchistenInnenf&#252;hrer und nahmen den Verlust der   Telefonzentrale hin. Symbolisch f&#252;r den Wandel, der sich nun in Spanien   und vor allem auch in Barcelona vollzog, wurde die rot-schwarze Fahne   der AnarchistInnen von der Telefonzentrale entfernt und durch die   Nationalflagge ersetzt; Nationalismus statt Sozialismus war die neue   Losung! Nach den Maik&#228;mpfen wurde auf Dr&#228;ngen der PCE die POUM endg&#252;ltig   aus der Volksfront gedr&#228;ngt, dann verboten und schlie&#223;lich verfolgt. <\/p>\n<p>  <b>Rolle der Westm&#228;chte nach Kriegsausbruch<\/b><\/p>\n<p>  Sofort nach Ausbruch des Krieges verk&#252;ndeten die Westm&#228;chte, vorrangig   Frankreich und England, &quot;neutral&quot; zu bleiben. Am 2. August startete die   franz&#246;sische Regierung eine Offensive, um die Nichteinmischung zu   dokumentieren. Offiziell stimmten alle zu, einschlie&#223;lich der Deutschen   und Italiener. Die Italiener bezeichneten ihre Spanienk&#228;mpfer als   Freiwillige und erreichten so die Akzeptanz der Westm&#228;chte. Bereits im   Juli begannen die Deutschen mit dem Aufstellen und Eingreifen der   &quot;Legion Condor&quot;. Condor unterstand dem Befehl der deutschen Luftwaffe   und kam dem Wunsch der spanischen Faschisten nach Luftunterst&#252;tzung   durch den Einsatz von Stukas, Aufkl&#228;rern, J&#228;gern und Bombern nach. Die   Deutschen bildeten nebenbei noch die faschistischen Heere aus.<\/p>\n<p>  Am 28. M&#228;rz 1939 marschierten die Faschisten in Madrid und Valencia ein,   das bedeutete das Ende des B&#252;rgerkrieges. Zuvor schon im Januar 1939,   noch zu einem Zeitpunkt, als die republikanischen Truppen ein Drittel   Spaniens kontrollierten, erkannten die franz&#246;sischen und britischen   Regierungen Franco an. Kurz nach Beendigung der Kriegshandlungen trat   der neue &quot;Caudillo&quot; (=F&#252;hrer), wie er sich pflegte anreden zu lassen,   sofort dem Anti-Komintern Pakt bei. Am 6. April 1939 kam es zu einem   Siegesappell f&#252;r die Legion Condor durch Hitler in Berlin. 20.000   Soldaten wurden geehrt im Kampf gegen den Bolschewismus aktiv gewesen zu   sein. Aber all das hinderte Stalin nicht daran im August mit Hitler   einen Nichtangriffspakt zu unterzeichnen.<\/p>\n<p>  Offiziell beteiligte Spanien sich nicht am 2. Weltkrieg, jedoch schickte   Franco als Gegenleistung f&#252;r die Unterst&#252;tzung der Deutschen im   spanischen B&#252;rgerkrieg die &quot;blaue Division&quot; zur Unterst&#252;tzung beim   &#220;berfall Hitlers auf die ArbeiterInnen und B&#228;uerinnen und Bauern der   Sowjetunion.<\/p>\n<p>  <i>Albert Kropf ist Mitglied der Bundesleitung der Sozialistischen   LinksPartei (SLP) in &#214;sterreich. Er lebt in Wien und hat gerade die   Textsammlung &#8222;Der Spanische B&#252;rgerkrieg&#8220; als Buch f&#252;r die SLP und die   SAV herausgegeben.<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>      Vor 60 Jahren begann der Spanische B&#252;rgerkrieg<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[90,97],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11730"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11730"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11730\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":32251,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11730\/revisions\/32251"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11730"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11730"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11730"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}