{"id":11727,"date":"2006-08-18T10:22:19","date_gmt":"2006-08-18T10:22:19","guid":{"rendered":".\/?p=11727"},"modified":"2006-08-18T10:22:19","modified_gmt":"2006-08-18T10:22:19","slug":"11727","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/08\/11727\/","title":{"rendered":"&#8222;K&#246;nnen Sie mir das erkl&#228;ren?&#8220; &#160;"},"content":{"rendered":"<p>  W&#228;hlerinitiative Neue Linke und Linkspartei.PDS starten Berlin-Wahlkampf&#160;<!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Das Interesse an den Auftritten derjenigen Berliner WASG-Mitglieder, die   einen gemeinsamen Wahlantritt mit der Linkspartei.PDS bef&#252;rwortet   hatten, ist merklich zur&#252;ck gegangen. Gerade mal zwanzig Personen   verirrten sich ins IG Metall-Haus zur Pressekonferenz anl&#228;sslich der   Vorstellung der W&#228;hlerinitiative Neue Linke, einer Gruppe von Berliner   WASG-Mitgliedern, die Wahlkampf f&#252;r die Linkspartei.PDS machen werden &#8211;   und davon waren knapp die H&#228;lfte die eigenen Leute. Und das, obwohl mit   Oskar Lafontaine die Parteiprominenz aufgefahren wurde.<\/p>\n<p>  Die Journalisten verlie&#223;en die Veranstaltung kopfsch&#252;tttelnd. Einer   fragte die anwesenden VertreterInnen des WASG-Landesverbandes und der   SAV nach der Pressekonferenz: &#8222;K&#246;nnen sie mir das erkl&#228;ren? Ihre Politik   verstehe ich, aber das was Lafontaine da gerade gemacht hat, verstehe   ich nicht.&#8220;<\/p>\n<p>  Denn Oskar Lafontaine hatte eine Position eingenommen, die   widerspr&#252;chlicher kaum h&#228;tte sein k&#246;nnen. Er wetterte gegen   Privatisierungen, Bildungsabbau und Ein-Euro-Jobs, um dann f&#252;r eine der   Parteien zur Wahl aufzurufen, die genau solche Ma&#223;nahmen in den letzten   f&#252;nf Jahren als Teil des Berliner Senats zu verantworten hatte. Auf die   Frage, wie er denn angesichts der inhaltlichen &#220;bereinstimmung mit der   Berliner WASG dies den W&#228;hlerinnen und W&#228;hlern erkl&#228;ren wolle,   best&#228;tigte Lafontaine &#8222;gro&#223;e inhaltliche Gemeinsamkeiten&#8220;, aber   Differenzen bei der Strategie und Taktik. Schlie&#223;lich f&#252;hre ein   Wahlerfolg der WASG zu versch&#228;rftem Sozialabbau, da dann die Gefahr   bestehe, dass CDU, FDP oder Gr&#252;ne an der Regierung beteiligt w&#252;rden.   Offener h&#228;tte er eine Politik des (vermeintlich) kleineren &#220;bels nicht   vertreten k&#246;nnen. Dementsprechend sei f&#252;r ihn eine Fortsetzung der   rot-roten Senatskoalition auch die beste L&#246;sung.<\/p>\n<p>  Doch er rechtfertigte auch die Senats-Politik der letzten f&#252;nf Jahre und   konnte nur &#8222;die eine oder andere&#8220; kritikw&#252;rdige Entscheidung benennen.   Der WASG Berlin warf er Unglaubw&#252;rdigkeit vor, da sie die positiven   Aspekte der rot-roten Koaltion nicht benenne. In einem ausliegenden   Zeitungsartikel bescheinigte er der Linkspartei.PDS eine &#8222;Politik mit   sozialem Augenma&#223;&#8220;. Ohne die Regierungsbeteiligung der L.PDS w&#228;re   mittlerweile sicher auch die BVG privatisiert. Und &#252;berhaupt: die   Deutschen seien nun einmal nicht so wie die Franzosen, wie die   unterschiedliche Reaktion auf die Verschlechterungen beim   K&#252;ndigungsschutz gezeigt habe. Er w&#252;rde sich ja st&#228;rkere Proteste   w&#252;nschen, da es diese aber nicht gebe, m&#252;sse die Linke mitregieren. <\/p>\n<p>  Auf die Frage, ob es gemeinsame Veranstaltungen mit Lucy Redler, der   Spitzenkandidatin der WASG gebe, sagte Lafontaine, er habe kein   Interesse an einer &#8222;weiteren Auseinandersetzung mit Frau Redler&#8220;. <\/p>\n<p>  Was also verspricht Oskar Lafontaine den Berliner W&#228;hlerinnen und   W&#228;hlern? Dass die Linkspartei.PDS weiter macht mit ihrer f&#252;nf Jahre lang   betriebenen Politik von Sozialk&#252;rzungen, Privatisierungen etc. &#8211; weil   andere Parteien es m&#246;glicherweise schlimmer machen w&#252;rden. Und   gleichzeitig sagt er: nur eine starke Linke kann Privatisierungen   verhindern. Das verstehe, wer will. Offensichtlicher kann man kaum um   den hei&#223;en Brei herum reden. Die Journalisten nahmen es verwundert hin   und fragten sich, wie sie diesen Eiertanz ihren LeserInnen erkl&#228;ren   sollen.<\/p>\n<p>  Neben Lafontaine sa&#223; Christine Buchholtz. Mitglied des   WASG-Bundesvorstands und der sich selbst als marxistisch und   revolution&#228;r bezeichnenden Organisation Linksruck. Eine bravere   Adjutantin k&#246;nnte sich Oskar Lafontaine kaum w&#252;nschen. Selbst als er   offensiv eine Politik der Beteiligung an kapitalistischen Regierungen   vertrat, kam kein Wort des Widerspruchs &#252;ber ihre Lippen. Ihre Rolle war   es zu erkl&#228;ren, dass die W&#228;hlerinitiative die R&#252;ckendeckung des   Bundesvorstands habe. Auch an Dialektik mangelte es der &#8222;Marxistin&#8220;   nicht: man solle die Linke w&#228;hlen, gerade weil man sich in bestimmten   Punkten nicht einig ist.<\/p>\n<p>  &#220;ber positive Signal aus der L.PDS hatte sich vorher schon Klaus-Dieter   Heiser gefreut. Er nannte die Aufstellung der KandidatInnen durch die   L.PDS als ein solches. Nur bl&#246;d, dass da noch mal nachgefragt wurde, wie   viele aus dem WASG-Bereich es denn seien. Heisers Antwort: Ganze zwei   und sicher h&#228;tte man sich da auch eine andere Entwicklung vorstellen   k&#246;nnen, aber es sei trotzdem ein Zeichen der &#214;ffnung. Einer dieser   Kandidaten, Wolfgang Albers, vertritt unter anderem die Ansicht, dass   die Besch&#228;ftigten der Charit&#233; auf Lohn verzichten sollen, da sie ja mehr   verdienen als die Besch&#228;ftigten beim Krankenhauskonzern Vivantes. Dass   die L.PDS keine der auch nur ansatzweise kritischen Personen auf ihre   Kandidatenliste gew&#228;hlt hat, blieb unerw&#228;hnt.<\/p>\n<p>  Das einzige Mitglied der W&#228;hlerinitiative, das sich traute dem gro&#223;en   Vorsitzenden zu widersprechen, war der &#214;konom Joachim Kreimer &#8211; de   Fries. Er konnte es nicht unkommentiert stehen lassen, dass Lafontaine   von gro&#223;en inhaltlichen Gemeinsamkeiten zwischen WASG Berlin und ihm   sprach. Kreimer &#8211; de Fries betonte, dass er diese nicht habe,   schlie&#223;lich sei die WASG-Politik abenteuerlich.<\/p>\n<p>  Weniger abenteurlich, daf&#252;r aber dreist, sind einige der von der   W&#228;hlerinitiative und Lafontaine vorgetragenen Positionen. So wird in   einer Stellungnahme die &#8222;Sicherung der Tarifvertr&#228;ge in Berlin&#8220;   gefordert. Klingt erst einmal gut, bedeutet aber die Festschreibung der   Absenkungs- und Notlagentarifvertr&#228;ge f&#252;r die Besch&#228;ftigten beim Land   Berlin und verschiedenen landeseigenen Unternehmen, sprich: Best&#228;tigung   des Lohnverzichts von acht bis zw&#246;lf Prozent.<\/p>\n<p>  Der Gipfel ist aber die Behauptung, die Linkspartei.PDS k&#228;mpfe gegen die   Privatisierung der Berliner Sparkasse. Besser als J&#246;rn Boewe es in der   heutigen Ausgabe der jungen Welt gemacht hat, kann man dies nicht   kommentieren: &#8222;Man reibt sich die Augen: Die Novelle zum Berliner   Sparkassengesetz von 2005 hatten sich Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD)   und Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linkspartei.PDS) von der   Wirtschaftskanzlei Freshfields formulieren lassen, einer Agentur, die   seit Jahren im Auftrag privater Gro&#223;banken Expertisen f&#252;r die   Privatisierung &#246;ffentlicher Sparkassen erarbeitet.<\/p>\n<p>  Der Pr&#228;sident des Bundesverbandes der deutschen Banken, Klaus-Peter   M&#252;ller, lobte das &#187;rot-rote&#171; Gesetz &#246;ffentlich als &#187;Meilenstein&#171; bei der   Zerschlagung des &#246;ffentlichen Bankensektors. Doch diese Niederungen   konkreter Politik fechten Lafontaine nicht an: Man werde &#187;alle   M&#246;glichkeiten aussch&#246;pfen&#171;, um den Verkauf der Sparkasse an den privaten   Bankensektor zu verhindern. Welche M&#246;glichkeiten? Na, &#187;alle&#171; eben. Noch   Fragen?&#8220;<\/p>\n<p>  <img src=\"\/media\/2006\/060817lpds_c.jpg\" align=\"left\">  Am Nachmittag sprach Lafontaine dann auf der offiziellen   Auftaktkundgebung der L.PDS in Berlin-Pankow, einer ihrer Hochburgen.   Ein trauriger Anblick. Etwa 200 Parteianh&#228;ngerInnen hatten sich   eingefunden und lauschten Harald Wolf, Oskar Lafontaine, Heidi   Knake-Werner und Klaus Lederer. W&#228;hrend Wolf die WASG mit Ignoranz   strafte, konnte Lafontaine sich einen l&#228;ngeren Kommentar nicht   verkneifen &#8211; angesichts der gut 15 WASG-Mitglieder, die ein Transparent   mit der Aufschrift &#8222;Kein Verkauf von WBM-Wohnungen &#8211; Haltelinien   einhalten!&#8220; ausgerollt hatten.<\/p>\n<p>  <img src=\"\/media\/2006\/060817lpds_a.jpg\" align=\"left\">  Die Argumentation blieb dieselbe: es gebe ja kritikw&#252;rdige   Entscheidungen des SPD\/L.PDS-Senats, aber die WASG-Kandidatur st&#228;rke nur   die b&#252;rgerlichen Parteien und f&#252;hre zu &#8222;noch sch&#228;rferem&#8220; Sozialabbau &#8211;   noch schlimmer als das Schlimme, was von der L.PDS zu erwarten ist. Mit   den Argumenten der WASG setzte er sich nicht auseinander. Daf&#252;r war er   aber voll des Lobes f&#252;r den L.PDS-Spitzenkandidaten Harald Wolf &#8211; genau   der Harald Wolf, der sich des Vorsatzes bei der unsozialen Politik der   letzten f&#252;nf Jahre r&#252;hmt.<\/p>\n<p>  Der WASG wurde verboten auf dem Kundgebungsplatz Flugbl&#228;tter zu   verteilen. Das mag den einen oder anderen an vergangene Zeiten erinnern,   hielt die WASG-Mitglieder aber nicht davon ab, auf dem B&#252;rgersteig vor   der Kundgebung einen Info-Tisch aufzubauen und das Gespr&#228;ch mit   Passanten und Kundgebungs-Besuchern zu suchen. Die Resonanz war oftmals   sehr positiv. Abgesehen von der einen oder anderen Provokation durch   L.PDS-Mitglieder dr&#252;ckten Menschen ihr Unverst&#228;ndnis daf&#252;r aus, dass   Lafontaine Wahlkampf f&#252;r die L.PDS macht, nahmen sich Wahlkampfmaterial   zum weiter verteilen mit und w&#252;nschten der WASG viel Gl&#252;ck.<\/p>\n<p>  <img src=\"\/media\/2006\/060817lpds_b.jpg\" align=\"left\">  Nach den ersten drei Wahlkampf-Wochen gibt es allen Grund optimistisch   zu sein und keinen Grund auf Gl&#252;ck zu hoffen. Die Resonanz auf der   Stra&#223;e, in Betrieben und sozialen und gewerkschaftlichen Gruppen ist   sehr positiv. Die 9.000 WASG-Plakate sorgen f&#252;r eine fl&#228;chendeckende   Pr&#228;senz im Stadtbild. Die letzte Meinungsumfrage von Emnid gab der WASG   wieder f&#252;nf Prozent. Und in der L.PDS gibt es erste Stimmen, die dazu   auffordern WASG zu w&#228;hlen. Die Sensation ist greifbar nahe. Jetzt   sollten alle Berliner WASG-Mitglieder und die vielen Unterst&#252;tzerInnen   aus dem Bundesgebiet noch eine Schippe drauf legen, um den Einzug ins   Abgeordnetenhaus zu sichern.<\/p>\n<p>  Sascha Stanicic, 17.8.2006<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>      W&#228;hlerinitiative Neue Linke und Linkspartei.PDS starten Berlin-Wahlkampf&#160;<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[30],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11727"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11727"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11727\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11727"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11727"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11727"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}