{"id":11717,"date":"2006-09-06T14:21:52","date_gmt":"2006-09-06T12:21:52","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=11717"},"modified":"2012-07-18T15:51:16","modified_gmt":"2012-07-18T13:51:16","slug":"11717","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/09\/11717\/","title":{"rendered":"Gesundheit nur f&#252;r die, die sich&#180;s noch leisten k&#246;nnen &#160;"},"content":{"rendered":"<p>  Mit dem &#8222;Fondsmodell&#8220; weiter in die 2-Klassen-Medizin &#8211; sozialistische   Perspektive n&#246;tig&#160;<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Die gro&#223;e Koalition steht in den Startl&#246;chern f&#252;r eine Ver&#228;nderung   unseres Gesundheitssystems. Das Fondsmodell zeichnet sich dadurch aus,   dass es erneut die Arbeiterklasse belastet und Unternehmer entlastet.   Insgesamt wird hier ein Modell als Reform verkauft, das den Weg in die   Zwei-Klassen-Medizin verst&#228;rkt. Viele Menschen werden aus finanziellen   Gr&#252;nden notwendige medizinische Leistungen nicht mehr in Anspruch nehmen   k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  <i>von Holger Dr&#246;ge<\/i><\/p>\n<p>  Die geringe Anhebung der Beitragsbemessungsgrenzen sowie ein Einbeziehen   von Zinsertr&#228;gen in die Berechnung &#228;ndern nichts daran. Es bleibt   weiterhin eine Reform zugunsten von Unternehmen und Reichen. Wie bei den   letzten Reformen, wird nur an den Symptomen herumgedoktert und nicht an   den Ursachen. Weiterhin sind viele Besch&#228;ftigte im Gesundheitswesen   &#252;berlastet. &#220;ber-, Unter- und Fehlversorgung bei verschiedenen   Krankheiten sind weit verbreitet. Verschiedene Leistungserbringer   arbeiten mit Blick auf ihre Einkommen aneinander vorbei statt zusammen.   Die im 1. Quartal 2006 um 15 Prozent angestiegenen Kosten f&#252;r   Arzneimittel zeigen, wohin ein Gro&#223;teil der Gelder im Gesundheitssystem   flie&#223;en. Auf rund 120.000 niedergelassene &#196;rzte kommen in Deutschland   16.000 Pharmareferenten. T&#228;glich erh&#228;lt die einzelne Arztpraxis also   Besuch von einem Pharmareferenten &#8211; der in der Regel nichts anderes im   Sinn hat, als seine Produkte in den h&#246;chsten T&#246;nen anzupreisen.   Pharmakonzerne verdienen sich dumm und d&#228;mlich. An all diesen M&#228;ngeln   &#228;ndern die Pl&#228;ne der gro&#223;en Koalition gar nichts, nein &#8211; sie f&#246;rdern sie   sogar.<\/p>\n<p>  Doch das darf nicht dar&#252;ber hinwegt&#228;uschen, dass hinter all dem ein   Masterplan steht: Nach der Abschaffung der Arbeitslosenhilfe, soll nun   auf dem Gebiet der Gesundheitsversorgung das Rad der Geschichte   zur&#252;ckgedreht werden. Es geht um nicht weniger als die Abschaffung   elementarer Errungenschaften der Arbeiterbewegung.<\/p>\n<p>  <b>Sozialversicherung wurde erk&#228;mpft<\/b><\/p>\n<p>  Die Sozialversicherung bildet in Deutschland die wichtigste Institution   der sozialen Sicherung. Sie ist eine staatlich eng geregelte F&#252;rsorge   f&#252;r wichtige Risiken des Daseins, die von selbstverwalteten   Versicherungstr&#228;gern organisiert wird. Zur Sicherung des   Beitragsaufkommens besteht &#252;berwiegend Versicherungspflicht f&#252;r Personen   und Organisationen. Der Leistungsbedarf eines Jahres wird nahezu   vollst&#228;ndig aus dem Beitragsaufkommen des gleichen Jahres bestritten,   das hei&#223;t angesammeltes Kapital dient im wesentlichen nur als   kurzzeitige Schwankungsreserve (Nachhaltigkeitsr&#252;cklage,   Generationenvertrag). Die Leistungen werden vorwiegend als f&#252;r alle   Versicherten gleiche Sachleistungen (Solidarit&#228;tsprinzip) oder als   beitragsabh&#228;ngige Geldleistungen (zum Beispiel Renten, Krankengeld)   erbracht. Zu den Aufgaben der Sozialversicherung geh&#246;ren neben den   Versicherungsleistungen im engeren Sinn auch Pr&#228;vention und   Rehabilitation.<\/p>\n<p>  Die Sozialversicherungen wurden zumeist in der zweiten H&#228;lfte des 19.   bzw. Anfang des 20. Jahrhunderts ins Leben gerufen (1883:   Krankenversicherung, 1884: Unfallversicherung, 1889: Invalidit&#228;ts- und   Rentenversicherung, 1927: Arbeitslosenversicherung). Die sozialen   Verh&#228;ltnisse der Arbeiterklasse waren verheerend: Arbeitszeiten von mehr   als 60 bis 70 Stunden pro Woche, hohe Unfallraten und niedrige L&#246;hne.   Seit ihrer Gr&#252;ndung war es daher immer ein zentrales Anliegen der   organisierten Arbeiterbewegung auf diesem Gebiet Verbesserungen zu   erreichen. Die Sozialversicherung ist in ihrer bisherigen Form also ein   Resultat massiver K&#228;mpfe der Arbeiterklasse. Diese hat sich damit in   Deutschland eine Versorgung erk&#228;mpft, die es international so kaum gibt.<\/p>\n<p>  Was wir jetzt mit Hartz IV und der geplanten &#8222;Gesundheitsreform&#8220; erleben   ist Bestandteil des Plans zur Abschaffung der bisherigen   Sozialversicherung. Es geht nicht mehr nur um &#196;nderungen an der   bestehenden Sozialversicherung, sondern darum, das Prinzip der   Lebensstandardssicherung f&#252;r die Arbeiterklasse aufzuheben. Wer krank,   alt oder arbeitslos wird, soll in Zukunft selber schauen, wie er klar   kommt.<\/p>\n<p>  Letztlich soll die staatliche Gesundheitsversorgungs erst eingeschr&#228;nkt   und dann letztlich zerschlagen werden. Ein Prozess, den wir nicht nur in   Deutschland, sondern international beobachten k&#246;nnen. In den USA, wo der   Prozess weiter fortgeschritten ist als hier, sinkt die Lebenserwartung   in den &#228;rmeren Bev&#246;lkerungsschichten.<\/p>\n<p>  Die Angriffe auf uns sind Teil der Auslieferung des Gesundheitswesens an   das Profitsystem. Die Unternehmer wollen die sogenannten Lohnnebenkosten   senken, die Krankenhauskonzerne und privaten Versicherungen wollen neue   Gesch&#228;ftsfelder, die Pharma- und Ger&#228;teindustrie verlangt h&#246;here   Kapitalrenditen. Es geht nicht mehr darum, Kranken und Hilfsbed&#252;rftigen   zu helfen. Es geht um Geld, Profit und Macht. Der Patient wird zum   Kunden. Nicht seine Gesundheit interessiert, sondern die Ausbeutung   seiner Krankheit f&#252;r den Profit. Wenn er kein Geld bringt, nimmt man ihn   m&#246;glichst gar nicht auf &#8211; beziehungsweise versucht ihn so schnell wie   m&#246;glich wieder loszuwerden.<\/p>\n<p>  Die Folge dieser Politik in Deutschland? Bereits mehr als 60 Prozent der   Kosten werden von ArbeitnehmerInnen getragen. Ein armer Mensch in   Deutschland stirbt sieben Jahre fr&#252;her als der Durchschnitt, ein Reicher   lebt daf&#252;r zw&#246;lf Jahre l&#228;nger als der Durchschnitt. Deutschland ist ein   Land geworden, in dem der Geldbeutel &#252;ber Leben und Tod entscheidet.   Weiter sollen die Arbeitsgeber nach und nach aus der Finanzierung der   Sozialversicherung genommen werden. Damit geht es um Lohnsenkungen, denn   die Kosten der Sozialversicherung sind nichts anderes als Teile des   Lohns.<\/p>\n<p>  <b>Sanierung der Unternehmerprofite statt der Sozialkassen<\/b><\/p>\n<p>  Die &#8222;Gesundheitsreform&#8220; dient nicht dazu, die Defizite der Sozialkassen   zu sanieren. Die Sozialkassen sind nicht zuf&#228;llig leer. Sie sind nicht   leer, weil die Menschen zu alt werden oder weil wir alle eingebildete   Kranke sind und so viel Medikamente wie m&#246;glich verschrieben bekommen   m&#246;chten.<\/p>\n<p>  Die Kassen sind leer, weil es immer mehr Arbeitslose, Niedrigl&#246;hne und   miese Lohnabschl&#252;sse gibt, wodurch die Finanzierungsbasis der   Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) einbricht.<\/p>\n<p>  Verantwortlich daf&#252;r sind allein die Unternehmer, die Massenentlassungen   durchf&#252;hren, Billiglohnjobs schaffen und immer weniger bereit sind, den   Besch&#228;ftigten akzeptable L&#246;hne und Geh&#228;lter zu zahlen. Als Belohnung   daf&#252;r werden diese jetzt noch st&#228;rker aus der parit&#228;tischen Finanzierung   der Gesundheitskosten entlassen.<\/p>\n<p>  Damit nicht genug, forderte Rogowski, der ehemalige Pr&#228;sident des   Bundesverbands der Deutschen Industrie, nach Bekanntwerden der   Reformpl&#228;ne eine noch st&#228;rkere &#8222;Deregulierung der Gesundheitsm&#228;rkte&#8220;.<\/p>\n<p>  Alle etablierten Parteien argumentieren, dass sie die Kostenexplosion im   Gesundheitswesen zwinge, weitere Leistungsk&#252;rzungen vorzunehmen. Dabei   beweisen statistische Berechnungen, dass der Anteil der Kosten der   Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) am Bruttoinlandsprodukt seit   den achtiger Jahren nahezu konstant bei sechs Prozent liegt.<\/p>\n<p>  Trotzdem ist der durchschnittliche Beitragssatz von 1970 (8,2 Prozent)   bis heute (14,3 Prozent) stark angestiegen. Die tats&#228;chliche Ursache f&#252;r   das Defizit der GKV und steigende Beitragss&#228;tze ist die Implosion der   GKV-Einnahmen durch Arbeitsplatzabbau, Ausweitung des Niedriglohnsektors   und Lohnraub. Dies dr&#252;ckt sich zum Beispiel darin aus, dass die   Lohnquote im selben Zeitraum von 74 auf 67 Prozent gesunken ist.<\/p>\n<p>  <b>Was hat die Koalition vor?<\/b><\/p>\n<p>  Um das neue System zu finanzieren, gibt es mehrere M&#246;glichkeiten, die   diesen Kern der Sache verschieden gut kaschieren und die Belastung auf   die &#252;brige Bev&#246;lkerung verschieden verteilen. Darum dreht sich der ganze   Streit in der Koalition.<\/p>\n<p>  Vom Tisch ist wohl die Idee, den Arbeitgeberanteil zu senken und den   Arbeitnehmeranteil zu erh&#246;hen. Das w&#228;re zu offensichtlich.   Wahrscheinlich werden die Beitr&#228;ge f&#252;r beide gesenkt und daf&#252;r ein Teil   der Kosten (zum Beispiel die Mitversicherung von Kindern) &#252;ber Steuern   finanziert. SPD-Chef Beck spricht von drei Prozentpunkten   Beitragssenkung und 30 bis 45 Milliarden Euro Steuern. Wenn das durch   einen Zuschlag auf die Lohn- und Einkommenssteuer finanziert wird, wird   den Besch&#228;ftigten die Beitragssenkung durch die Steuererh&#246;hung wieder   weggenommen &#8211; plus dem Betrag, mit dem die Beitragssenkung f&#252;r die   Arbeitgeber finanziert wird.<\/p>\n<p>  Au&#223;erdem werden Handwerker oder Freiberufler belastet, die zwar   Einkommenssteuern, aber f&#252;r sich keine Krankenversicherungsbeitr&#228;ge   zahlen. Durch die vielen Steuerschlupfl&#246;cher f&#252;r hohe Einkommen werden   die Lohnabh&#228;ngigen den L&#246;wenanteil der Steuern zahlen. Wenn auch   Verbrauchssteuern zur Finanzierung verwendet werden, werden auch   RentnerInnen, Erwerbslose und andere zur Kasse gebeten, wenn sie die   entsprechenden Konsumg&#252;ter kaufen. Eine Steuerfinanzierung ist nur dann   gut, wenn sie stark progressiv gestaltet ist und dementsprechend hohe   Einkommen und Verm&#246;gen besteuert und Profite abkassiert.<\/p>\n<p>  Im Gesundheitsministerium gab es den Vorschlag, die   Beitragsbemessungsgrenze zu erh&#246;hen. Wenn das gemacht w&#252;rde, w&#252;rde es   den Reichen einen Teil von dem wegnehmen, was sie in den letzten Jahren   an Steuergeschenken bekommen haben (von maximal 127 Euro im Monat ist   die Rede) und die Senkung des Arbeitgeberanteils w&#228;re auch geringer. Das   ist ebenso eine Mogelpackung wie die famose Reichensteuer. Aber da   selbst die Reichensteuer noch v&#246;llig verw&#228;ssert wurde, wird sich die   Koalition wohl nicht mal zu dieser Mogelpackung durchringen.<\/p>\n<p>  <b>Fondsmodell: Einstieg in Kopfpauschalen <\/b><\/p>\n<p>  Zur langfristigen Finanzierung der Krankenversicherung ist unter anderem   ein Fondsmodell im Gespr&#228;ch, das eine Mischform aus lohnbezogenen   Beitr&#228;gen, Steuermitteln und Pauschalpr&#228;mien der Krankenkassen   beinhaltet.<\/p>\n<p>  Der Fonds soll die Krankenversicherungsbeitr&#228;ge von Arbeitgebern und   Arbeitnehmern sammeln. Jede Kasse erhielte pro VersicherteN eine   einheitliche Pr&#228;mie aus dem Fonds. Jede einzelne Kasse soll dann je nach   Notwendigkeit eigene Zusatzbeitr&#228;ge erheben, die nicht mehr   einkommensabh&#228;ngig sind. Sollte die Kasse einen &#220;berschuss   erwirtschaften, kann sie auch etwas auszahlen. Mit dem Fondsmodell   werden allerdings die Einnahmenprobleme nicht gel&#246;st, sondern nur der   Wettbewerb zwischen den Kassen erh&#246;ht. Die privaten Krankenkassen   bleiben au&#223;en vor (obwohl Privatversicherte von der steuerfinanzierten   Kinderkrankenversicherung profitieren).<\/p>\n<p>  Der Sozialverband Deutschland bezeichnete das Fondsmodell in einer   Erkl&#228;rung als &#8222;v&#246;llig untauglich und unsozial&#8220;. K&#252;nftige Kostenrisiken   w&#252;rden einseitig auf die Besch&#228;ftigten abgew&#228;lzt, strukturelle Probleme   nicht gel&#246;st und ein hoher b&#252;rokratischer Aufwand betrieben. Mit einem   Gesundheitsfonds r&#252;cke die Koalition von dem Grundsatz ab, da&#223; jedeR   seinem und ihrem Einkommen entsprechend zur Krankenversicherung beitrage.<\/p>\n<p>  Das ist auch der Kern der Sache: Ist das Fondsmodell erst einmal   eingef&#252;hrt, wird es noch leichter, die Steuerzusch&#252;sse zu senken (was   bereits jetzt geschieht), die prozentualen Beitr&#228;ge zu senken und im   Gegenzug die Kopfpauschalen zu erh&#246;hen.<\/p>\n<p>  <b>Gesundheit darf keine Ware sein<\/b><\/p>\n<p>  Wer daf&#252;r k&#228;mpfen will, dass Gesundheit keine Ware ist und Menschen   nicht die Krankheitsopfer von Arbeitsbedingungen und gesellschaftlichen   Verh&#228;ltnissen sind, muss f&#252;r eine sozialistische Ver&#228;nderung der   Gesellschaft eintreten. Auch in allen reichen kapitalistischen Staaten   sterben Arme fr&#252;her und werden eher krank. Arbeitslosigkeit und Armut   sind das gr&#246;&#223;te Krankheitsrisiko.<\/p>\n<p>  <b>Kann das Gesundheitssystem finanziert werden?<\/b><\/p>\n<p>  Sicherlich empfinden es viele als ungerecht, dass einerseits die   Beitragss&#228;tze und Eigenanteile st&#228;ndig ansteigen, andererseits weiter   Leistungen aus dem Leistungskatalog der GKV ausgeschlossen werden. Eine   echte Reform in unserem Interesse w&#252;rde bedeuten, einen kostenlosen   Zugang f&#252;r alle zu allen Gesundheitsleistungen zu gew&#228;hrleisten. Was wir   brauchen ist kein &#8222;Gesundheitsmarkt&#8220; mit Gesundheitsleistungen als   Waren, sondern ein umfassendes System der optimalen   Gesundheitsversorgung als Bestandteil der sozialen Sicherung f&#252;r Jede   und Jeden.<\/p>\n<p>  Den Herrschenden geht es aber um eine ganz andere Art von Reform. W&#252;rde   es den Politikern wirklich um mehr Gerechtigkeit gehen, w&#252;rden sie   sofort die Pflichtversichertengrenze und damit auch die   Privatversicherungen abschaffen, um auch die Reichen zahlen zu lassen.   In den letzten 25 Jahren hat eine massive Umverteilung zu Gunsten der   Reichen und Superreichen stattgefunden. Die Krankenkassenbeitr&#228;ge   sollten deshalb einseitig f&#252;r die Unternehmer und nicht f&#252;r die   Versicherten erh&#246;ht werden.<\/p>\n<p>  Ginge es wirklich darum, Kosten zu senken, k&#246;nnte man an die horrenden   Gewinne der Pharmaindustrie und an die Geh&#228;lter der &#252;berbezahlten   Manager in Krankenh&#228;usern und Krankenkassen gehen. W&#252;rden zudem alle   Krankenkassen zu einer &#246;ffentlichen Krankenkasse f&#252;r alle Besch&#228;ftigten   zusammengefasst werden, k&#246;nnte der unsinnige Kassenwettbewerb beendet   und ein Gro&#223;teil von Kosten eingespart werden.<\/p>\n<p>  <b>Das SAV-Programm zum Gesundheitswesen<\/b><\/p>\n<p>  Schon in den letzten Jahren wurden Besch&#228;ftigte und Erwerbslose zur   Kasse gebeten: zehn Euro Eintrittsgeld beim Arzt, wachsender Eigenanteil   bei der Medizin. Zahnersatz und Krankengeld m&#252;ssen auf eigene Kosten   versichert werden. Viele Kranke, Alte und Menschen mit geringem   Einkommen k&#246;nnen sich das kaum leisten. Wer arm ist oder besonders hart   arbeiten muss, stirbt fr&#252;her.<\/p>\n<p>  SozialistInnen treten daf&#252;r ein, dass alle medizinisch notwendigen   Leistungen f&#252;r alle Menschen zur Vef&#252;gung stehen, unabh&#228;ngig von ihrem   Einkommen. Wir bek&#228;mpfen die Verschwendung und Profitsucht der   Pharmakonzerne. An diese Ressourcen wollen wir ran, um ein kostenloses   Gesundheitswesen f&#252;r ArbeitnehmerInnen, Erwerbslose und RentnerInnen zu   finanzieren.<\/p>\n<p>  Die letzten 25 Jahre wurde massiv von unten nach oben umverteilt, daher   brauchen wir als ersten Schritt zur L&#246;sung der Einnahmeprobleme der   Krankenkassen unmittelbar einseitige Erh&#246;hungen der   Krankenkassenbeitr&#228;ge, die nur von den Arbeitgebern bezahlt werden   m&#252;ssen. Im Gegenzug setzen wir uns daf&#252;r ein, dass alle   Eigenbeteiligungen, Zuzahlungen usw. gestrichen werden.<\/p>\n<p>  Privatisierung, Fallpauschalen und Outsourcing bedrohen die Qualit&#228;t der   Gesundheitsversorgung. Die bereits eingef&#252;hrten Mittelk&#252;rzungen in den   Krankenh&#228;usern m&#252;ssen zur&#252;ckgenommen werden. Dringend notwendig ist ein   Ausbau der Personalversorgung, statt Abbau desselben.<\/p>\n<p>  Wir treten ein f&#252;r eine Gesundheitsreform im Interesse der Mehrheit.   Dass hei&#223;t: Optimale und ganzheitliche Behandlung aller PatientInnen   entsprechend den medizinischen M&#246;glichkeiten.<\/p>\n<p>  Solange an Krankheit Geld verdient werden kann, gibt es beim Kapital   kein wirkliches Interesse an der Vermeidung von Krankheiten. Eine   Forschungsarbeit der Bundesanstalt f&#252;r Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin   ermittelte ein Kostenvolumen f&#252;r die direkte Behandlung von Krankheiten,   bedingt durch k&#246;rperliche Belastungen bei der Arbeit in H&#246;he von 29   Milliarden Euro und in Folge von psychischen Belastungen bei der Arbeit   in H&#246;he von 27 Milliarden Euro j&#228;hrlich allein in Deutschland. Dies   zeigt die M&#246;glichkeiten von echter Pr&#228;vention auf. Allerdings haben die   Unternehmer kein Interesse daran. Deshalb ist ein massiver Ausbau von   pr&#228;ventiver Gesundheitsversorgung in allen Bereichen der Gesellschaft   n&#246;tig.<\/p>\n<p>  Aber wir brauchen auch eine bessere Verzahnung der &#228;rtzlichen   Versorgung. Die k&#252;nstliche Trennung in ambulante und station&#228;re   Versorgung oder Fach&#228;rzte und Haus&#228;rzte hilft nicht weiter. Daher ist   die Schaffung von integrierten staatlichen Gesundheitszentren   (Polikliniken) als Angebot f&#252;r die PatientInnen n&#246;tig, um so eine   bessere Zusammenarbeit von &#196;rztInnen, Pflege und TherapeutInnen zu   erreichen.<\/p>\n<p>  Dies alles kann nur durch ein massives staatliches Investitionsprogramm   zur Sanierung von Krankenh&#228;usern, dem Aufbau eines Netzes von   Polikliniken, zur Verbesserung und F&#246;rderung der Gesundheitsvorsorge und   Forschung erreicht werden. Ein solches Programm muss durch Steuern auf   die Profite von Pharmakonzernen, Banken und Versicherungen und die   Reichen finanziert werden.<\/p>\n<p>  <b>Weg mit dem Wettbewerb<\/b><\/p>\n<p>  Gesundheit ist ein grundlegendes Menschenrecht, das f&#252;r jeden Menschen   unabh&#228;ngig vom Einkommen zur Verf&#252;gung stehen muss. Wettbewerb zwischen   Kassen, Pharmaunternehmen und privaten Versicherungen geht immer zu   Lasten der Versicherten. Daher setzen wir uns f&#252;r die Zusammenf&#252;hrung   aller Krankenkassen (auch der Privatversicherungen) zu einer einzigen   &#246;ffentlichen Krankenkasse bei Arbeitsplatzgarantie f&#252;r alle   Besch&#228;ftigten ein. Die Pflichtversicherungsgrenze soll aufgehoben   werden, so dass jedeR in die Krankenkasse einzahlen muss. Als ersten   Schritt setzen wir uns daf&#252;r ein, dass die Unternehmervertreter aus den   Verwaltungsr&#228;ten der Krankenkassen entfernt werden, denn die Beitr&#228;ge   f&#252;r die Sozialversicherung werden allein von den ArbeitnehmerInnen   erwirtschaftet. Wir brauchen keine &#252;berbezahlten und korrupten Manager   in Krankenh&#228;usern, Gesundheits&#228;mtern, Krankenkassen und sonstigen   Gesundheitseinrichtungen. Daher setzen wir uns f&#252;r die demokratische   Wahl aller Personen mit Leitungsfunktionen durch die arbeitende   Bev&#246;lkerung ein. Ein Kontrollrecht und das Recht zur jederzeitigen   Abwahl muss vorhanden sein.<\/p>\n<p>  Zur Abschaffung des Wettbewerbs und des Profitemachens mit der   Gesundheit von Menschen geh&#246;rt auch, dass die Pharma-, Bio-, und   Gentechnikkonzerne sowie die Medizinger&#228;teindustrie in Gemeineigentum &#8211;   unter demokratischer Kontrolle und Verwaltung durch gew&#228;hlte   VertreterInnen der arbeitenden Bev&#246;lkerung &#8211; &#252;berf&#252;hrt werden.<\/p>\n<p>  Letztlich lehnen wir aber ab, dass Besch&#228;ftigte einen Teil ihres Lohnes   daf&#252;r bezahlen m&#252;ssen, ihre Gesundheit zu erhalten. Menschen werden   krank, da sie arbeiten oder keine Arbeit haben, weil sie in   krankmachenden Wohnungen leben oder Opfer von Umweltzerst&#246;rung werden.   Alles Ursachen, die sich auf den Kapitalismus zur&#252;ckf&#252;hren lassen. Daher   wollen wir, dass die bezahlen, die von diesen Umst&#228;nden profitieren: Die   gro&#223;en Banken und Konzerne.<\/p>\n<p>  Unser Ziel ist ein f&#252;r alle PatientInnen kostenloses staatliches   Gesundheitswesen mit gleichem Zugang f&#252;r alle Menschen. Finanziert   werden kann das durch die Gewinne der Banken und Konzerne.<\/p>\n<p>  Aber es geht nicht nur um bessere Gesundheitsversorgung, sondern auch um   die Bek&#228;mpfung von krank machenden Arbeits-, Lebens- und   Umweltbedingungen, von Arbeitslosigkeit und Armut. Der Kampf um eine   optimale Gesundheitsversorgung ist gleichzeitig ein Kampf um Arbeit,   vern&#252;nftige L&#246;hne und Umwelt-, wie Wohnbedingungen f&#252;r alle Menschen.<\/p>\n<p>  Mit der kapitalistischen Wirtschaft l&#228;sst sich dies nicht vereinbaren.   Deshalb m&#252;ssen die Produktionsmittel in Gemeineigentum &#252;berf&#252;hrt und es   muss nach den Bed&#252;rfnissen von Mensch und Umwelt produziert werden. Eine   sozialistische Ver&#228;nderung der Gesellschaft ist n&#246;tig. Erst dann k&#246;nnen   Bedingungen entstehen, die Krankheiten vermeiden und optimal heilen.<\/p>\n<p>  <b>Hintergrundinformationen <\/b><\/p>\n<p>  Seit Anfang der 90er Jahre wurden 10 Prozent aller Krankenh&#228;user   geschlossen, 20 Prozent aller Betten abgebaut. Die durchschnittliche   Verweildauer der Patienten ist um 30 Prozent zur&#252;ckgegangen. Die   Patientenf&#228;lle sind um 20 Prozent gestiegen. Gleichzeitig wurden weit   mehr als 60.000 Stellen abgebaut.<\/p>\n<p>  Im deutschen Gesundheitswesen entsteht durch Betrug und Korruption ein   j&#228;hrlicher Schaden von 20 Milliarden Euro. Das ist das Ergebnis einer   Studie der Antikorruptionsorganisation Transparency international im   Jahr 2004.<\/p>\n<p>  Die Pharmaindustrie gibt 20 Prozent ihres Umsatzes oder zehn Milliarden   Euro f&#252;r Werbung aus. Ihr Werbeetat ist h&#246;her als ihr Forschungsetat.   Die meisten &#196;rzte bekommen jeden Monat sechs Kilogramm nicht bestellte   Fachzeitschriften von denen 2,5 Kilogramm reine Werbung sind.   (ISW-Report Nr. 48)<\/p>\n<p>  Der Bundesverband der Verbraucherzentralen sch&#228;tzt die Zahl der   Todesf&#228;lle durch falsche Medikamentenverordnung und -einnahme in   Deutschland auf 5.000 bis 8.000 pro Jahr. &#220;ber 200.000 Menschen kommen   j&#228;hrlich wegen unerw&#252;nschter Nebenwirkungen von Arzneimitteln ins   Krankenhaus.<\/p>\n<p>  <i>Holger Dr&#246;ge ist ausgebildeter Krankenpfleger und Mitglied der   SAV-Bundesleitung. Er lebt in Berlin.<\/i><\/p>\n<p>  Lesehinweis auf:<\/p>\n<p>  Humanmedizin statt Profitmedizin<\/p>\n<p>  herausgegeben vom <a href=\"http:\/\/www.netzwerk-verdi.de\">Netzwerk f&#252;r   eine k&#228;mpferische und demokratische ver.di<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Mit dem &#8222;Fondsmodell&#8220; weiter in die 2-Klassen-Medizin &#8211; sozialistische<br \/>\n      Perspektive n&#246;tig&#160;\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[111],"tags":[270,251],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11717"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11717"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11717\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11717"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11717"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11717"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}