{"id":11710,"date":"2006-08-05T17:22:07","date_gmt":"2006-08-05T17:22:07","guid":{"rendered":".\/?p=11710"},"modified":"2006-08-05T17:22:07","modified_gmt":"2006-08-05T17:22:07","slug":"11710","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/08\/11710\/","title":{"rendered":"Zum Gedenken an Ted Grant (1913-2006) &#160; &#160;"},"content":{"rendered":"<p>  Nachruf aus sozialismus.info, Magazin der SAV, Nr. 4&#160;&#160;<!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Am 20. Juli 2006, kurz nach seinem 93. Geburtstag, starb Ted Grant.   Da es nicht m&#246;glich ist, einem so langen Leben auf wenigen Seiten   gerecht zu werden, wird sich dieser Nachruf auf seinen gewichtigen   Beitrag zur marxistischen Theorie nach dem Zweiten Weltkrieg und zur   Aufrechterhaltung dieser Tradition in den 1950er Jahren konzentrieren.<\/b> <\/p>\n<p>  <i>von Wolfram Klein<\/i><\/p>\n<p>  Geboren wurde er 1913 in Germiston, in der N&#228;he von Johannesburg in   S&#252;dafrika. Unter dem Einfluss von Ralph Lee, der wegen seiner   trotzkistischen &#220;berzeugungen aus der Kommunistischen Partei   ausgeschlossen worden war, wurde er &#252;berzeugter Trotzkist. 1934   &#252;bersiedelte er nach England.<\/p>\n<h5>  WIL und RCP<\/h5>\n<p>  Dort war die trotzkistische Bewegung klein, gespalten und von   Cliquenmentalit&#228;t geplagt. Ein Einschnitt fand Ende 1937 statt, als   Grant, Lee und andere diesem Milieu den R&#252;cken kehrten und eine eigene   Gruppe bildeten, die Workers International League (WIL). Die Erfahrungen   der folgenden Jahre gaben der WIL Recht. Im Sommer 1938 schlossen sich   alle trotzkistischen Gruppen au&#223;er der WIL zu einer neuen Organisation   (Revolutionary Socialist League, RSL) zusammen, ohne die Differenzen der   Arbeitsmethoden zu kl&#228;ren. Die RSL war politisch sektiererisch und   organisatorisch ein Hexenkessel einander bek&#228;mpfender und sich   gegenseitig aus der Organisation ausschlie&#223;ender Cliquen. Die WIL war in   der Arbeiterbewegung aktiv, &#228;nderte entsprechend der Notwendigkeit   flexibel ihre Taktik, gewann neue Mitglieder (einschlie&#223;lich   &#252;bergetretener RSL-Mitglieder) und war eine der dynamischsten   trotzkistischen Organisationen weltweit. Die F&#252;hrung der trotzkistischen   Vierten Internationale dr&#228;ngte schlie&#223;lich auf eine Fusion beider   Organisationen &#8211; obwohl es bei manchen f&#252;hrenden Trotzkisten schien, als   h&#228;tten sie es der WIL nie verziehen, dass sie 1938 bei der Vereinigung   nicht mitgespielt hatte und auch noch Recht behalten hatte. So wurde   dann im M&#228;rz 1944 die RCP (Revolutionary Communist Party) gegr&#252;ndet. <\/p>\n<h5>  Nach 1945<\/h5>\n<p>  Trotzki hatte erwartet, dass der Zweite Weltkrieg entweder zur   Niederlage der Sowjetunion oder zum Sturz Stalins durch die sowjetischen   ArbeiterInnen f&#252;hren w&#252;rde. Beides h&#228;tte den Stalinismus weltweit   geschw&#228;cht. Statt dessen siegte die Sowjetunion unter Stalin, auch wenn   der Sieg wegen dessen verheerender Politik mit ungeheuren Opfern erkauft   war. F&#252;r eine ganze Geschichtsperiode war der Stalinismus ungemein   gest&#228;rkt. Wie Trotzki erwartet hatte, gab es nach dem Zweiten Weltkrieg   eine riesige revolution&#228;re Welle, aber auf Stalins Befehl retteten die   &#8222;Kommunistischen Parteien&#8220; in L&#228;ndern wie Frankreich oder Italien den   Kapitalismus, indem sie in Koalitionsregierungen eintraten.<\/p>\n<p>  Es war notwendig, Trotzkis marxistische Methode auf die neuen   Verh&#228;ltnisse anzuwenden. Aber die F&#252;hrung der Vierten Internationale   klammerte sich an Trotzkis alte Prognosen.<\/p>\n<p>  Ted Grant war nicht der erste und der einzige, der sich an die Arbeit   machte, die neue Weltlage zu verstehen. Schon ab Herbst 1943 begannen   Felix Morrow, Albert Goldman und Jean van Heijenoort in den USA, die   Erwartungen bez&#252;glich der Entwicklungen in Italien und Frankreich zu   kritisieren. Aber Ted Grant schaffte es in Zusammenarbeit mit Jock   Haston und anderen RCP-Mitgliedern ein in sich schl&#252;ssiges und richtiges   Gesamtbild zu entwickeln.<\/p>\n<p>  Pierre Frank, ein F&#252;hrer der Vierten Internationale meinte, dass es in   Westeuropa wegen der tiefen Krise des Kapitalismus keine b&#252;rgerliche   Demokratie, sondern nur noch Diktatur geben k&#246;nne. Grant argumentierte,   dass trotz fehlender wirtschaftlicher Grundlage, aufgrund der Einbindung   der ArbeiterInnen mittels der Sozialistischen und Kommunistischen   Parteien in das b&#252;rgerliche System demokratische Formen m&#246;glich waren.   Wenn es nicht nach dem Zweiten Weltkrieg einen jahrzehntelangen   Wirtschaftsboom gegeben h&#228;tte, w&#228;re das aber nicht lange m&#246;glich   gewesen. Einen so gro&#223;en Boom konnte damals niemand voraussehen, aber   Ted Grant erkannte schon bald, dass es einen neuen Boom gab, und nicht   nur eine &#8222;Erholung&#8220;, die die F&#252;hrung der Vierten Internationale maximal   zugestehen wollte. Ihr &#8222;Wirtschaftsexperte&#8220; Ernest Mandel erkl&#228;rte es   damals f&#252;r unm&#246;glich, dass die Produktionszahlen von 1938 jemals wieder   &#252;bertroffen werden w&#252;rden.<\/p>\n<h5>  Osteuropa, Jugoslawien, China&#8230;<\/h5>\n<p>  Ted Grants gr&#246;&#223;te Leistung war aber das Verst&#228;ndnis der Entwicklung in   Osteuropa. Das zeigt ein Vergleich mit dem bekanntesten &#8222;trotzkistischen   Theoretiker&#8220; der letzten Jahrzehnte, Ernest Mandel. Mandel galt damals   als Fachmann f&#252;r Osteuropa. Mit Bienenflei&#223; sammelte er so viele Fakten,   dass er den Wald vor lauter B&#228;umen nicht sah und zu v&#246;llig falschen   Schlussfolgerungen kam. Aber auch die verschiedenen KritikerInnen der   F&#252;hrung der Internationale (Morrow, Goldman, Heijenoort, Grandizo Munis,   Natalia Sedowa, Joseph Frey, C.L.R. James, Konstantin Castoriadis und   wie sie alle hie&#223;en) verrannten sich in dieser Frage. Ted Grant wandte   die marxistische dialektische Methode an, nach der man einzelne Fakten   nicht isoliert betrachten darf. &#8222;Aber die vorherrschenden Faktoren   unserer Epoche liegen im Sieg des &#8218;Oktober&#8217; und der Verzerrung der   Revolution durch die B&#252;rokratie. Auf der einen Seite der internationale   Hintergrund eines starken &#8218;Arbeiterstaats&#8217; (wenn auch in einer   degenerierten Form) und auf der anderen Seite der furchtbare Niedergang   des Kapitalismus-Imperialismus im Weltma&#223;stab und die Unf&#228;higkeit der   &#246;rtlichen B&#252;rokratie, ein einziges der nationalen oder demokratischen   Probleme zu l&#246;sen, vor denen das Land steht, dr&#228;ngen die Massen in die   Richtung der sozialistischen Revolution.&#8220; (Stalinism in the post-war   world) Vor diesem Hintergrund betrachtete er die Entwicklungen in den   L&#228;nder, die zum Kriegsende von der sowjetischen Armee besetzt wurden   oder in denen Partisanenarmeen siegten (Jugoslawien, China). In   Osteuropa waren die einheimischen Kapitalisten schon vor dem Krieg   schwach und ausl&#228;ndische Investoren stark gewesen. Dann kam die   Nazibesatzung und mit ihr die Enteignung z.B. j&#252;discher Unternehmer,   dann die Vertreibung der Nazis, die in verschiedenen L&#228;ndern von   Aufst&#228;nden, Fabrikbesetzungen etc. begleitet wurden. Viele Kapitalisten,   die oftmals mit den Nazis kollaboriert hatten, fl&#252;chteten vor der Roten   Armee. Der kapitalistische Staatsapparat war zerst&#246;rt, die Stalinisten   gingen sofort an die Errichtung b&#252;rokratischer Staatsapparate, um die   Bewegung der Massen von unten unter Kontrolle zu halten und eine   sozialistische Entwicklung zu verhindern. Dabei st&#252;tzten sie sich auf   die Reste des B&#252;rgertums, nahmen sie in die Regierung auf, behielten   aber die Kontrolle &#252;ber Polizei, Milit&#228;r, Geheimdienst etc. Wenn das auf   diese Weise geh&#228;tschelte B&#252;rgertum zu stark wurde, st&#252;tzen sich die   Stalinisten erneut auf die ArbeiterInnen (z.B. im Fr&#252;hjahr 1948 in der   Tschechoslowakei) und versetzten den Kapitalisten den Gnadensto&#223;. So   spielten die Stalinisten Kapitalisten und ArbeiterInnen gegeneinander   aus, festigten dabei ihren neuen Staatsapparat, enteigneten schrittweise   die Gro&#223;grundbesitzer und Kapitalisten und entrechteten ebenso   schrittweise die ArbeiterInnen. Die Ma&#223;nahmen gegen Kapitalisten und   Gro&#223;grundbesitzer waren fortschrittlich, aber ihre b&#252;rokratische Form   musste zu einer totalit&#228;ren Diktatur f&#252;hren. Nur deren Sturz durch eine   politische Revolution konnte den Weg zu einer sozialistischen   Gesellschaft frei machen. Weil Ted Grant erkannte, dass die Stalinisten   in L&#228;ndern, wo der Kapitalismus am Ende war, stalinistische Staaten   errichteten, um die Entstehung sozialistischer Staaten zu verhindern,   wurde er beschuldigt, dem Stalinismus revolution&#228;re Qualit&#228;ten   zuzugestehen. Dieselben Leute fingen dann im Sommer 1948 an, Tito   revolution&#228;re Qualit&#228;ten anzudichten, als er mit Stalin brach. Ted Grant   erkl&#228;rte hingegen, dass die sowjetische stalinistische B&#252;rokratie   versuchte, die jugoslawische national zu unterdr&#252;cken. Dass letztere   sich wehrte, war unterst&#252;tzenswert, &#228;nderte aber nichts an ihrem   stalinistischen Charakter. Grant und die RCP nutzten den Konflikt, in   dem sich beiden Seiten zu Recht gegenseitig vorwarfen, was bisher nur   die TrotzkistInnen dem Stalinismus vorwarfen (fehlende Demokratie,   nationale Borniertheit usw.), um die stalinistischen Illusionen der   KP-Mitglieder zu ersch&#252;ttern. Die F&#252;hrung der Vierten Internationale   nutzte ihn, um Illusionen in die jugoslawische Spielart des Stalinismus   zu sch&#252;ren. Nachdem sie mit ihrer ultralinken Politik gegen eine Wand   gerannt war, verfiel sie in opportunistische Anpassung an Stalinismus   und Linksreformismus. F&#252;r Grant waren seine Erkenntnisse die Grundlage,   um in den Folgejahren die Revolutionen in China, auf Kuba in S&#252;dostasien   und anderen L&#228;ndern richtig einzusch&#228;tzen.<\/p>\n<h5>  Die Vierte Internationale gegen die RCP<\/h5>\n<p>  Die F&#252;hrung der Internationale bek&#228;mpfte die Opposition. Sie tat das   sicherlich in der ehrlichen &#220;berzeugung, damit von einer korrekten   Haltung abweichende Ideen zu bek&#228;mpfen und erkannte nicht, dass sich die   historische Entwicklung selbst dieser &#8222;Abweichung&#8220; schuldig machte. Sie   f&#246;rderte nach Kr&#228;ften eine Oppositionsfraktion um Gerry Healy, die ihre   falschen Positionen in der britischen Sektion vertrat.<\/p>\n<p>  In Gro&#223;britannien hatte es im Krieg eine Radikalisierung gegeben, die   zum Labour-Erdrutschwahlsieg 1945 f&#252;hrte. Labour machte unter dem Druck   der ArbeiterInnen weitgehende Reformen wie die Verstaatlichung des   Bergbaus oder die Einf&#252;hrung eines &#252;ber Steuern finanzierten   Gesundheitsdienstes. Als Folge warteten die ArbeiterInnen erst mal ab,   ob diese Regierung nicht tats&#228;chlich den Sozialismus einf&#252;hren w&#252;rde,   statt sich einer kleinen revolution&#228;ren Partei anzuschlie&#223;en. Die Arbeit   der RCP war schwieriger als erwartet. Healy und Pablo propagierten den   Eintritt in die LP, wo sich angeblich ein linker Fl&#252;gel herausbildete,   in Wirklichkeit aber nichts dergleichen geschah. Grant und die   RCP-Mehrheit waren f&#252;r unabh&#228;ngige Arbeit plus Einwirkung auf die LP   &#252;ber die Gewerkschaften. (Die Gewerkschaften waren als Organisationen   Mitglieder der f&#246;deralistisch strukturierten Labour Party, stellten   Delegierte, konnten Antr&#228;ge schreiben und die meisten RCP-Mitglieder   waren in den Gewerkschaften aktiv.) Die Internationale spaltete 1947 die   RCP und lie&#223; Healys Leute unter ihrer direkten Kontrolle in die LP   eintreten &#8211; wo sie sich als linke ReformistInnen verkleideten.<\/p>\n<p>  Ein Teil der RCP-F&#252;hrung um Jock Haston war durch die st&#228;ndigen   Konflikte mit der Internationale ausgelaugt und schlug Ende 1948 den   Beitritt zur LP vor. Es gab eine heftige Opposition dagegen. Grant gab   ihr inhaltlich Recht, hoffte aber, Haston f&#252;r die revolution&#228;re Bewegung   erhalten zu k&#246;nnen, wenn man ihm nachgab. Sp&#228;ter gab er zu, dass das ein   Fehler war. Tats&#228;chlich waren die Folgen verheerend. Die Internationale   verlangte von der RCP, in Healys Organisation einzutreten, obwohl sie   die Mehrheit stellte. Vor der n&#228;chsten Konferenz, wo eine neue   gemeinsame F&#252;hrung gew&#228;hlt werden sollte, war die ehemalige RCP-Mehrheit   durch Healys Ausschluss-Orgien schon so dezimiert, dass Healy die   Mehrheit behielt. Zu den Ausgeschlossenen geh&#246;rte auch Ted Grant.<\/p>\n<h5>  Neuanfang<\/h5>\n<p>  Viele britische TrotzkistInnen waren durch das Vorgehen Healys, das   durch die Vierte Internationale gedeckt wurde, demoralisiert und wurden   inaktiv. Hinzu kam der Wirtschaftsaufschwung der 1950er Jahre, der   reformistische Illusionen bei vielen sch&#252;rte. Ted Grants zweite gro&#223;e   Leistung neben seinem theoretischen Beitrag zum Verst&#228;ndnis der   Nachkriegssituation ist, dass er in dieser Lage die Kraft hatte, mit   rund drei&#223;ig MitstreiterInnen vor allem in London und Liverpool noch   einmal von vorne zu beginnen. Im Mai 1951 hielten sie ihre erste   Konferenz ab, ab Februar 1952 gaben sie alle paar Monate ihre   Zeitschrift &#8222;International Socialist&#8220; heraus.<\/p>\n<p>  Sie versuchten auch, Kontakt zu TrotzkistInnen in anderen L&#228;ndern   herzustellen und sie zum Bruch mit der undemokratischen und politisch im   stalinistischen Sumpf gelandeten internationalen F&#252;hrung zu bewegen.   Jimmy Deane, der 1946 Mitglied des Internationalen Sekretariats geworden   war, hatte unter anderem Kontakte zur Mehrheit der franz&#246;sischen   TrotzkistInnen, die in Opposition zur internationalen F&#252;hrung standen.   Nachdem diese die britische Sektion zu Tr&#252;mmern geschlagen hatte,   schloss sie 1952 die franz&#246;sische Mehrheit aus. Als er aber auch in den   USA eine Oppositionsfraktion aufzubauen versuchte, zog die dortige   F&#252;hrung um Cannon die Notbremse und gr&#252;ndete eine internationale   Konkurrenzorganisation, der sich auch die franz&#246;sische Mehrheit und   Healy anschlossen. So war der Kontakt nach Frankreich wieder beendet.<\/p>\n<p>  Auf der anderen Seite kurierte die Realit&#228;t Pablo und die anderen F&#252;hrer   der Vierten Internationale von seinen Stalinismus-Illusionen: statt dass   sich der Stalinismus in eine revolution&#228;re Richtung entwickelte, fanden   in der DDR 1953 und Ungarn 1956 Revolutionen gegen den Stalinismus   statt. Auf dieser Grundlage versuchte die Gruppe um Grant und die   Deane-Br&#252;der eine britische Sektion der Internationale von Pablo, Mandel   &amp; Co (Internationales Sekretariat) aufzubauen.<\/p>\n<h5>  Militant und CWI<\/h5>\n<p>  Die folgenden Jahre blieben schwierig. Neue Mitglieder waren rar,   Publikationen unregelm&#228;&#223;ig, die Internationale behandelte ihre britische   Sektion immer als eine Art Aschenputtel und schloss sie schlie&#223;lich 1965   faktisch aus. Doch im Vorjahr hatte die Gruppe die Zeitung &#8222;Militant&#8220;   gegr&#252;ndet. Auf der Basis des theoretischen Fundaments, das vor allem Ted   Grant verteidigt hatte, konnte eine Gruppe neuer und j&#252;ngerer Mitglieder   wie Peter Taaffe, Keith Dickinson und andere nun eine dynamische   Entwicklung ausl&#246;sen und die gr&#246;&#223;te trotzkistische Organisation in der   britischen Geschichte wurde geschaffen. Dass es dazu einer neuen   Generation von Mitgliedern bedurfte, weist auch auf einige Schw&#228;che   Grants hin: organisatorische Schw&#228;chen und ein Hang zu einer   dogmatischen Herangehensweise.<\/p>\n<p>  1974 wurde das Komitee f&#252;r eine Arbeiterinternationale (Committee for   Workers&#8217; International, CWI) gegr&#252;ndet, das inzwischen in &#252;ber 35   L&#228;ndern vertreten ist. Diese Jahrzehnte wurden in Peter Taaffes Buch   &#8222;The rise of Militant&#8220; ausf&#252;hrlich geschildert.<\/p>\n<p>  In dieser Zeit war die politische &#8222;Gro&#223;wetterlage&#8220; sehr stabil, gepr&#228;gt   vom Ost-West-Gegensatz. Ted Grant war vor allem mit der Verteidigung der   marxistischen Theorie gegen alle m&#246;glichen Modestr&#246;mungen besch&#228;ftigt,   was bei ihm langsam zu einer wachsenden Verkn&#246;cherung f&#252;hrte. In den   gro&#223;en Massenk&#228;mpfen, in denen Militant eine f&#252;hrende Rolle spielte &#8211;   der Kampf des Liverpooler Stadtrats und der Kampf gegen die Poll Tax   (Kopfsteuer) &#8211; spielte Grant keine herausragende Rolle, was auch mit   seiner Schw&#228;che zusammenhing, die richtigen taktischen   Schlussfolgerungen zu ziehen. Das hatte die tragische Folge, dass er in   den 1980er und 1990er Jahren, als die Weltlage wieder v&#246;llig umgew&#228;lzt   wurde, die Rolle spielte, die Pablo, Mandel &amp; Co in den 1940ern der RCP   gegen&#252;ber gespielt hatten: Er verteidigte veraltete Formeln und   ignorierte die sich &#228;ndernde Wirklichkeit.<\/p>\n<h5>  Spaltung 1992<\/h5>\n<p>  Dies f&#252;hrte in der F&#252;hrung von militant und dem CWI mehr und mehr zu   politischen Konflikten. Zum Beispiel erwartete Grant nach dem   B&#246;rsenkrach im Oktober 1987 eine Weltwirtschaftskrise &#228;hnlich der 1929   einsetzenden Depression. Dies wurde von anderen F&#252;hrungsmitgliedern   nicht geteilt. Die entscheidenden Auseinandersetzungen entwickelten sich   dann aber um die Frage der Fortsetzung der Arbeit innerhalb der Labour   Party. Als eine gro&#223;e Mehrheit in Militant aufgrund des weitgehenden   Rechtsrucks und der Entleerung der Labour Party die Schlussfolgerung   zog, eine taktische Wende zu vollziehen und eine offene Organisation ins   Leben zu rufen, hielten Grant und sieben Prozent der Delegierten eines   Militant-Kongresses daran fest. Bis heute bestehen sie darauf, dass   MarxistInnen innerhalb der Labour Party arbeiten m&#252;ssen, da diese die   &#8222;Arbeiterpartei&#8220; sei.<\/p>\n<p>  Eine weitere wichtige Frage war die Einsch&#228;tzung der Entwicklungen in   der Sowjetunion und den vormals stalinistischen Staaten. Grant hatte die   schnelle Entwicklung hin zur Restauration des Kapitalismus nicht erfasst   und sprach sich 1991 f&#252;r eine kritische Unterst&#252;tzung f&#252;r den   Putschversuch in der Sowjetunion aus, da die Gener&#228;le angeblich die   Planwirtschaft verteidigten. Dies entsprach nicht der Realit&#228;t, da es   sich nur um eine Auseinandersetzung unterschiedlicher Fl&#252;gel der   B&#252;rokratie um die Frage handelte, wie der Kapitalismus eingef&#252;hrt werden   sollte. F&#252;r Grant war noch in seinem 1996 ver&#246;ffentlichten Buch &#252;ber die   Geschichte Russlands, der Kapitalismus nicht wieder hergestellt.<\/p>\n<p>  Als Folge dieser Differenzen kam es Anfang 1992 zum Bruch zwischen dem   CWI und Ted Grant. Die von ihm und anderen ins Leben gerufene   Internationale Marxistische Tendenz steht weitgehend am Rande der   Arbeiterbewegung und hat seit dem Bruch mit dem CWI in einer Reihe von   Fragen korrekte marxistische Positionen verlassen. So agieren sie heute   als unkritische Berater der Chavez-Regierung in Venezuela und haben auch   eine unkritische Haltung zu Fidel Castro entwickelt.<\/p>\n<p>  Dass die letzten 15 Jahre seines Lebens politisch verlorene Jahre waren,   l&#228;sst uns aber nicht die gewaltige Leistung vergessen, die er   insbesondere in den ersten Jahrzehnten nach Trotzkis Tod f&#252;r den   Marxismus und Trotzkismus vollbracht hat.<\/p>\n<p>  Wir sind &#252;berzeugt, dass es vielen seiner fr&#252;heren Schriften so gehen   wird wie den Werken zahlreicher Denker oder K&#252;nstler &#8211; dass sie nach   seinem Tod einem viel gr&#246;&#223;eren Personenkreis bekannt sein werden als zu   seinen Lebzeiten.<\/p>\n<\/p>\n<p>  <i>Wolfram Klein ist Mitglied im Bundesvorstand der SAV. Er arbeitet zur   Zeit an seiner Doktorarbeit zur Geschichte des internationalen   Trotzkismus nach dem 2. Weltkrieg. Er lebt in Weil der Stadt. <\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>      Nachruf aus sozialismus.info, Magazin der SAV, Nr. 4&#160;&#160;<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[92],"tags":[251],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11710"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11710"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11710\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11710"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11710"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11710"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}