{"id":11708,"date":"2006-08-12T14:52:43","date_gmt":"2006-08-12T14:52:43","guid":{"rendered":".\/?p=11708"},"modified":"2006-08-12T14:52:43","modified_gmt":"2006-08-12T14:52:43","slug":"11708","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/08\/11708\/","title":{"rendered":"Nein zum Absenkungstarifvertrag ZuSi in Kassel und anderswo"},"content":{"rendered":"<p>  Gro&#223;er Unmut &#252;ber den Kurs der ver.di-Oberen<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  ver.di bekennt sich mit dem Tarifvertrag zur Zukunftssicherung (ZuSi)   f&#252;r die kommunalen Krankenh&#228;user dazu, den staatlichen R&#252;ckzug aus   Investitionen in Krankenh&#228;usern durch eine weitere Senkung der L&#246;hne   und\/oder durch &#8222;Mitarbeiterkapitalbeteiligung&#8220; auf die   Krankenhausbesch&#228;ftigten abzuw&#228;lzen. Das Klinikum Kassel ist das erste   Gro&#223;klinikum, bei dem dieser Tarifvertrag zur Anwendung kommen soll.<\/p>\n<p>  <i>von Leonie Blume, Kassel<\/i><\/p>\n<p>  Der ZuSi steht in Kassel im Zusammenhang mit einem geplanten Neubau &#8211;   einer seelenlosen Mammutklinik f&#252;r 152 Millionen Euro. Der   zentralisierte Neubau soll ein Behandlungs- und Diagnosezentrum   beherbergen, in dem riesige interdisziplin&#228;re Stationen vorgesehen sind.   Es ist ein Rationalisierungsprojekt, dem 300 Stellen und 280 Betten zum   Opfer fallen sollen.<\/p>\n<p>  <b>Neubaufinanzierung mit ZuSi <\/b><\/p>\n<p>  In der Vergangenheit haben die Landesregierungen die Investitionen f&#252;r   Krankenhausneubauten zum gr&#246;&#223;ten Teil &#252;bernommen. Den Rest schossen die   Kommunen zu. Damit ist es vorbei. Jeder Euro Zinsen f&#252;r Kredite soll   m&#246;glichst durch Lohnverzicht und Arbeitsverdichtung finanziert werden. <\/p>\n<p>  Die Belegschaft des Klinikums Kassel machte von 1999 bis 2002 durch   einen erfolgreichen Kampf gegen Privatisierung bundesweit auf sich   aufmerksam. Inzwischen verfolgt ver.di im Klinikum keinen einheitlichen   Kurs mehr. Ein Betriebsrat hat die Seiten ins Management gewechselt.   Eine ver.di-Funktion&#228;rin sitzt als Arbeitsdirektorin auf einem   hochdotierten Chefposten. Der Unmut &#252;ber den TV&#246;D und die Tatsache, dass   sich ver.di bei der Betriebsratswahl im Gegensatz zu den   &#196;rzte-VertreterInnen nicht gegen den ZuSi aussprach, f&#252;hrte zu einer   Niederlage f&#252;r ver.di. Zwar stellt ver.di noch die Mehrheit im   Betriebsrat, verlor aber Pl&#228;tze an die &#196;rzteliste.<\/p>\n<p>  <b>1.000 Unterschriften gegen Verzicht<\/b><\/p>\n<p>  Am 21. Juni fand eine ver.di-Mitgliederversammlung statt. 200   KollegInnen &#8211; viermal soviel wie bei der Sitzung zuvor &#8211; waren anwesend.   Bereits zuvor sammelten Besch&#228;ftigte 1.000 Unterschriften und   bekundeten, dass sie &#8222;weder bereit noch in der Lage seien, auf Lohn zu   verzichten&#8220;.<\/p>\n<p>  Den Aufschlag machte Werner Freischl&#228;ger, Leiter des hessischen   ver.di-Fachbereichs 3 f&#252;r Gesundheit und soziale Dienste. Er   argumentierte, dass man sich dem Wettbewerb stellen m&#252;sse und ZuSi nur   Vorteile biete. Zum einen w&#252;rde es nicht ausschlie&#223;lich um Verzicht,   sondern auch um die &#8222;Zurverf&#252;gungstellung&#8220; und &#8222;sp&#228;tere R&#252;ckzahlung&#8220; von   L&#246;hnen gehen. Dass es aufgrund von Fallpauschalen (DRGs) und   vorherrschender Krankenhausunterfinanzierung v&#246;llig aussichtslos ist,   dass es den Krankenh&#228;usern in ein paar Jahren wieder besser geht,   verschwieg er. Au&#223;erdem vertrat er die Position, dass ZuSi ein Mittel   gegen Privatisierung und betriebsbedingte K&#252;ndigungen sei.<\/p>\n<p>  W&#228;hrend der Arbeitgeber von den Besch&#228;ftigten 60 bis 100 Prozent vom   Urlaubs- und Weihnachtsgeld fordert, schl&#228;gt Freischl&#228;ger eine   Arbeitszeitverl&#228;ngerung auf 40 Stunden ohne Lohnausgleich und den   Verzicht von ein Prozent Leistungsentgelt vor. Das erg&#228;ben zusammen f&#252;nf   Prozent vom Monatslohn.<\/p>\n<p>  <b>Keine Zukunft mit ZuSi<\/b><\/p>\n<p>  Die Gegenrede hielt Steffi Nitschke, Vertrauensleutesprecherin am   Klinikum Kassel. Zusammen mit dem stellvertretenden   Vertrauensleutesprecher Eckhard Geitz und der Vorsitzenden der JAV,   Katja Hoffmann, brachte sie bereits zu den Betriebsratswahlen ein vom   Netzwerk f&#252;r eine k&#228;mpferische und demokratische ver.di unterst&#252;tztes   Flugblatt gegen ZuSi heraus.<\/p>\n<p>  Nitschke bezweifelte, dass die Besch&#228;ftigten jemals wieder etwas von   ihrem Geld sehen w&#252;rden. Au&#223;erdem h&#228;tten die Besch&#228;ftigten wohl kaum ein   Interesse daran, den Abbau von 300 Stellen zu finanzieren. ZuSi w&#252;rde   zudem die Unterfinanzierung des Gesundheitswesens weiter vorantreiben.   Die ohnehin viel zu niedrig angesetzten DRGs w&#252;rden anhand von   Referenzkrankenh&#228;usern errechnet. Wenn diese aber Anwender des ZuSi   seien, w&#252;rde das die Arbeitskosten und somit die Einnahmen der   Krankenh&#228;user weiter dr&#252;cken.<\/p>\n<p>  ZuSi sei au&#223;erdem kein Schutz vor Privatisierung. Trotz der Vereinbarung   bis 2012, nicht mehr als 49 Prozent des Klinikums zu verkaufen, drohe   Kassels Oberb&#252;rgermeister Hilgen (SPD) bereits jetzt mit dem Verkauf.   Die Erfahrung zeige, dass Lohnverzicht das Klinikum gerade erst   attraktiv f&#252;r private Investoren machen w&#252;rde.<\/p>\n<p>  <b>K&#228;mpfen statt kapitulieren<\/b><\/p>\n<p>  Nitschke rief zur Gegenwehr auf. Bereits vor einigen Jahren sei es   gelungen, die geplante Privatisierung zur&#252;ckzuschlagen. Da in Kassel   auch andere Bereiche wie die St&#228;dtischen Werke konkret vom Verkauf   betroffen seien, st&#228;nde man diesmal nicht allein.<\/p>\n<p>  In der Diskussion &#8211; die deutlich machte, dass die Mehrheit der   ver.di-Mitglieder nicht bereit ist, f&#252;r den Neubau auf Lohn zu   verzichten &#8211; griffen verst&#228;rkt Leute, die von ver.di kommen, jetzt aber   einen Posten im Management haben, in die Debatte ein.<\/p>\n<p>  Um keine Abstimmungsniederlage zu erleiden, gelang den   ver.di-Funktion&#228;ren, die f&#252;r ZuSi waren, ein taktisches Man&#246;ver.   Entgegen der Einladung, in der eine Abstimmung &#252;ber ZuSi angek&#252;ndigt   wurde, behauptete man pl&#246;tzlich, es ginge in der Abstimmung nur darum,   ob die Mitglieder daf&#252;r seien, dass ver.di mit dem Arbeitgeber   Verhandlungen aufnehme. Dies f&#252;hrte zu einer heillosen Verwirrung.   Selbst viele KollegInnen, die gegen Lohnverzicht sind, hatten nichts   dagegen zu verhandeln. So stimmte eine Mehrheit daf&#252;r. Ein Antrag auf   Abstimmung &#252;ber Pro und Kontra von ZuSi wurde von der Diskussionsleitung   ignoriert.<\/p>\n<p>  Viele der Anwesenden machten ihrem Unmut danach Luft, einige drohten mit   dem Austritt aus ver.di. Auf einer Vertrauensleuteversammlung eine Woche   sp&#228;ter gab es heftige Kritik an dem Verhalten von ver.di-Funktion&#228;ren.   Die Mehrheit stellte sich hinter Steffi Nitschke.<\/p>\n<p>  Die Mehrheit der Besch&#228;ftigten im Klinikum Kassel ist gegen   Lohnverzicht. Ob sich das in aktiven Widerstand gegen ZuSi umsetzen   l&#228;sst, werden die n&#228;chsten Wochen zeigen. Immerhin musste ver.di in   einem Flugblatt erkl&#228;ren, &#8222;dass aus Sicht der Besch&#228;ftigten die   betriebliche Akzeptanz f&#252;r einen etwaigen Arbeitnehmerbeitrag bisher   nicht vorhanden ist&#8220;.<\/p>\n<p>  <b>Protest-E-Mails bitte an:<\/b><\/p>\n<p>  werner.freischlaeger@verdi.de<\/p>\n<p>  betriebsrat@klinikum-kassel.de<\/p>\n<p>  * Angabe zur Funktion dient nur zur Kenntlichmachung der Person<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Gro&#223;er Unmut &#252;ber den Kurs der ver.di-Oberen\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[11,14],"tags":[184],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11708"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11708"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11708\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11708"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11708"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11708"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}