{"id":11707,"date":"2006-08-06T14:51:31","date_gmt":"2006-08-06T14:51:31","guid":{"rendered":".\/?p=11707"},"modified":"2006-08-06T14:51:31","modified_gmt":"2006-08-06T14:51:31","slug":"11707","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/08\/11707\/","title":{"rendered":"Schluss mit der Umverteilung von unten nach oben"},"content":{"rendered":"<p>  Nachdem Mehrbelastungen f&#252;r die Besch&#228;ftigten von 30 Milliarden Euro   beschlossen wurden, hat das Bundeskabinett am 12. Juli die Eckpunkte der   Unternehmenssteuerreform verabschiedet. Kernpunkt ist die Senkung der   Steuerbelastung f&#252;r Unternehmen von knapp 39 auf unter 30 Prozent ab dem   Jahr 2008. Dies bedeutet Steuergeschenke an die Unternehmen in H&#246;he von   bis zu acht Milliarden Euro pro Jahr. Das Gesetz soll bis Mitte 2007   verabschiedet werden. Das parlamentarische Verfahren dazu beginnt in   diesem Herbst. <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>von Ianka Pigors, Hamburg<\/i><\/p>\n<p>  Von dem neuen Steuergeschenk profitieren wieder die, denen es ohnehin   sehr gut geht. Die Zahl der Unternehmen, die mehr als eine Milliarde   Euro Gewinn im Jahr einfahren, ist von 2004 auf 2005 von 14 auf 21   gestiegen (FAZ vom 4. Juli). Dennoch ist das Milliardengeschenk dem   Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) noch nicht gro&#223; genug. Er   fordert unter anderem die Abschaffung der Gewerbe- und   K&#246;rperschaftssteuer. Dabei wurde die K&#246;rperschaftssteuer, die wichtigste   Unternehmenssteuer, schon 2001 unter Rot-Gr&#252;n von 42 auf 25 Prozent   gesenkt und soll von der CSU\/CDU\/SPD-Regierung nun nochmals halbiert   werden.<\/p>\n<p>  <b>Griff in unsere Taschen<\/b><\/p>\n<p>  ArbeiterInnen werden in Zukunft steuerlich viel st&#228;rker belastet. Die   Erh&#246;hung von einkommensunabh&#228;ngigen Massensteuern wie der Mehrwertsteuer   ist besonders ungerecht. Egal ob Sozialhilfeempf&#228;nger oder   Multimillion&#228;r, die Steuererh&#246;hung auf Gebrauchsg&#252;ter wie Lebensmittel   trifft beide gleich hart. 1960 betrug die durchschnittliche   Lohnsteuerbelastung 6,3 Prozent, die f&#252;r Verm&#246;gen und Gewinne 20   Prozent. Heute ist das Verh&#228;ltnis umgekehrt. Die L&#246;hne sind mit 17,7   Prozent belastet, Verm&#246;gen und Gewinne lediglich mit 5,3 Prozent.<\/p>\n<p>  Gleichzeitig gehen die Reformen gegen uns auch in anderen Bereichen   weiter: Versch&#228;rfung der Hartz-Gesetze, Ausweitung des   Niedriglohnsektors, Studiengeb&#252;hren&#8230;<\/p>\n<p>  <b>Spitzensteuern rauf, Massensteuern runter<\/b><\/p>\n<p>  Es geht nicht darum, die eine oder andere K&#252;rzungsma&#223;nahme zu   kritisieren, sondern den derzeitigen politischen Kurs radikal   umzukehren. Die Mehrwertsteuer m&#252;sste gesenkt oder abgeschafft werden.   Stattdessen sollten Einkommen stark progressiv besteuert werden, so dass   die Steuerlast mit zunehmendem Einkommen ansteigen w&#252;rde. Gerechter w&#228;re   das allemal. Durchschnittsverdiener w&#252;rden erheblich weniger Steuern   zahlen. Hohe Einkommen, die f&#252;r Luxusausgaben oder zur Anh&#228;ufung von   Reichtum genutzt werden, w&#252;rden dementsprechend st&#228;rker besteuert. Zudem   sollte die Verm&#246;genssteuer wieder eingef&#252;hrt werden.<\/p>\n<p>  Solche Vorschl&#228;ge werden &#8211; wenn auch in abgeschw&#228;chter Form &#8211; von der   Linksfraktion im Bundestag vorgebracht. Allerdings werden die Konzerne   und Gro&#223;verdiener, die mit Hunderten von Lobbyisten und ihrer gewaltigen   wirtschaftlichen Macht Druck auf die Regierungen aus&#252;ben, sich nicht   &#252;berreden lassen, ihre Profitinteressen zu opfern, damit eine   Arbeiterfamilie n&#246;tige Arztbesuche zahlen, vern&#252;nftig Urlaub machen oder   ihr Kind auf die Universit&#228;t schicken kann.<\/p>\n<p>  <b>Beim Protest ein paar Schippen drauflegen<\/b><\/p>\n<p>  Mit ein paar sch&#246;nen Gesetzesentw&#252;rfen und symbolischen Aktionen kommt   man nicht weit. Erst recht nicht mit Kaffeekr&#228;nzchen bei Politikern, wie   es die DGB-Oberen m&#246;gen. Notwendig ist entschlossene Gegenwehr. Deshalb   ist der vom DGB geplante Aktionstag am 21. Oktober ein &#252;berf&#228;lliger   Schritt in die richtige Richtung. Da einzelne Kr&#228;fte im DGB diesen   Termin schon wieder in Frage stellen wollen, gilt es jetzt, Druck zu   machen, dass daran festgehalten wird. Zudem kommt es darauf an,   Lohnabh&#228;ngige, Erwerbslose und Jugendliche in die Vorbereitungen   einzubeziehen, massenhaft zu mobilisieren und die Weichen f&#252;r   Streikma&#223;nahmen zu stellen. Schlie&#223;lich k&#246;nnen Demonstrationen nur ein   Anfang sein. Daf&#252;r muss der heutigen DGB-Spitze Feuer unterm Hintern   gemacht werden. WASG und Linkspartei.PDS, allen voran die   Bundestagsfraktion der Linken, m&#252;ssen alle M&#246;glichkeiten aussch&#246;pfen,   die geplanten Proteste bekannt zu machen und mit vorzubereiten. Au&#223;erdem   ist es n&#246;tig, Diskussionen &#252;ber die n&#228;chsten Kampfschritte und &#252;ber   Alternativen zum Profitsystem zu f&#252;hren. Diskussionen &#252;ber eine andere,   sozialistische Gesellschaft &#8211; in der die Wirtschaft den Bed&#252;rfnissen der   Menschen dient und kein Selbstbedienungsladen f&#252;r eine reiche Minderheit   ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>      Nachdem Mehrbelastungen f&#252;r die Besch&#228;ftigten von 30 Milliarden Euro<br \/>\n      beschlossen wurden, hat das Bundeskabinett am 12. Juli die Eckpunkte der<br \/>\n      Unternehmenssteuerreform verabschiedet. Kernpunkt ist die Senkung der<br \/>\n      Steuerbelastung f&#252;r Unternehmen von knapp 39 auf unter 30 Prozent ab dem<br \/>\n      Jahr 2008. Dies bedeutet Steuergeschenke an die Unternehmen in H&#246;he von<br \/>\n      bis zu acht Milliarden Euro pro Jahr. Das Gesetz soll bis Mitte 2007<br \/>\n      verabschiedet werden. 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