{"id":11697,"date":"2006-07-19T09:01:39","date_gmt":"2006-07-19T09:01:39","guid":{"rendered":".\/?p=11697"},"modified":"2006-07-19T09:01:39","modified_gmt":"2006-07-19T09:01:39","slug":"11697","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/07\/11697\/","title":{"rendered":"Mexiko &#8211; Wahlbetrug der politischen Rechten &#160; &#160;"},"content":{"rendered":"<p>  von Tony Saunois, CWI (Komitee f&#252;r eine Arbeiterinternationale, dem die   SAV angeh&#246;rt)&#160;&#160;<!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Mehr als 500.000 ArbeiterInnen, Studierende, Intellektuelle, Arbeitslose   und andere str&#246;mten am Sonnabend, dem 8. Juli, auf den zentralen Platz   der mexikanischen Hauptstadt Mexiko-Stadt, den Z&#243;calo. Eine Flut von   gelb, die Farbe von Lopez Obradors Wahlkampagne, ergoss sich von diesem   Platz durch alle gro&#223;en Stra&#223;en der 30-Millionen-Stadt. Dieser   Massenprotest war die Reaktion auf den Aufruf des radikal-populistischen   Pr&#228;sidentschaftskandidaten Andr&#233;s Manuel L&#243;pez Obrador (in Mexiko   mittlerweile besser bekannt unter der Bezeichnung &#8216;AMLO&#8217;) an seine   Anh&#228;nger, an der Kundgebung teilzunehmen. &#8216;AMLO&#8217; war der Kandidat der   PRD (Partido de la Revoluci&#243;n Democratica; &#8222;Partei der demokratischen   Revolution&#8220;) f&#252;r die mexikanischen Pr&#228;sidentschaftswahlen vom 2. Juli 06.<\/p>\n<p>  Zu den Protesten wurde aufgerufen, um eine breite Kampagne gegen den   offenkundigen Wahlbetrug zu starten, der stattgefunden hatte, um den   rechts-konservativen Kandidaten Felipe Calder&#243;n von der neoliberalen PAN   (Partido Aci&#243;n Nacional; &#8222;Partei der nationalen Aktion&#8220;) ins Amt zu   hieven. <\/p>\n<p>  Der Wahlkampf war von einer starken Polarisierung zwischen den Klassen   und sogar zwischen den Regionen gekennzeichnet. Die Arbeiterklasse,   B&#228;uerinnen, Bauern, die indigene Bev&#246;lkerung sowie sich radikalisierende   Studierende und Intellektuelle in den St&#228;dten standen hinter AMLO, der   seine Stimmen haupts&#228;chlich im S&#252;den des Landes und in der   Mega-Metropole Mexiko-Stadt gewinnen konnte. Die reiche Elite, Teile der   Mittelschicht und eine Mehrheit des agrarisch strukturierten Nordens   unterst&#252;tzten hingegen Calder&#243;n. Die herrschende Klasse bef&#252;rchtet,   dass, sollte Obrador die Pr&#228;sidentschaft angeboten werden, damit nur   neuen sozialen K&#228;mpfen von ArbeiterInnen, B&#228;uerinnen und Bauern T&#252;r und   Tor ge&#246;ffnet wird. <\/p>\n<p>  Diese sehr wichtige Wahl offenbarte ferner die historische   Marginalisierung der dritten politischen Kraft in Mexiko. Die &#8222;Partei   der institutionalisierten Revolution&#8220; (Partido Revolucionario   Institucional; PRI), die von 1929 bis 2000 die Regierung stellte, trat   mit ihrem Kandidaten Roberto Madrazo an. Er kam mit ungef&#228;hr 20 Prozent   der abgegebenen Stimmen nur auf den dem&#252;tigenden dritten Platz. Damit   konnte die PRI zum ersten Mal &#252;berhaupt in keinem einzigen der 32   Bundesstaaten Mexikos eine Mehrheit gewinnen. Das ist ein gro&#223;er   Unterschied zu allen Wahlen vor dem Jahr 2000. Bis dahin wurde die   korrupte, repressive, patriarchische und populistische PRI mit offiziell   80  bzw. 90 Prozent der &#8222;Stimmen&#8220; wiedergew&#228;hlt. <\/p>\n<p>  Die PRI war mehr und mehr f&#252;r Korruption und Stimmen-Kauf bekannt   geworden &#8211; eine Methode, der sich jetzt die neoliberale PAN bedient. <\/p>\n<p>  <b>Massive Wahlf&#228;lschungen<\/b><\/p>\n<p>  Von AMLO wird berichtet, dass er die Wahl in 45 der 300 Wahlbezirke f&#252;r   sich entscheiden konnte. Am 6. Juli zitierte die spanische Tageszeitung   El Pa&#237;s Claud&#237;a Sheinbaum, die Sprecherin der PRD, die sagte, dass es in   18.000 Wahllokalen mehr Stimmzettel als registrierte Wahlberechtigte   gegeben hat. In 50.000 von 130.788 Wahllokalen war die gemeldete Zahl   abgegebener Stimmen h&#246;her als die Summe der registrierten   Wahlberechtigten. <\/p>\n<p>  Das Wahlgutachten der PRD dokumentiert eine Liste weit verbreiteter   Unregelm&#228;&#223;igkeiten. So wird zum Beispiel beschrieben, dass eine zweite   Z&#228;hlung nur in 2.600 der insgesamt gut 130.000 Wahllokale durchgef&#252;hrt   wurde. Und allein diese Nachz&#228;hlung f&#252;hrte dazu, dass Calder&#243;ns F&#252;hrung   von 400.000 auf 244.000 Stimmen zusammenschmolz. Wegen   &#8222;Unregelm&#228;&#223;igkeiten bei der Behandlung der Registrierkarten, einer nicht   zuzuordnenden Autorenschaft und rechnerischer Fehler&#8220;, so die offizielle   Verlautbarung, sind in der ersten Ausz&#228;hlung unglaubliche 2,5 Millionen   Stimmen aus 11.000 Wahlurnen nicht ber&#252;cksichtigt worden, deren Ergebnis   am 3. Juli 06 ver&#246;ffentlicht wurde. <\/p>\n<p>  Bezugnehmend auf das mexikanische Magazin El Universal in Mexicali, Baja   California kam es bei der Bestimmung der Stimmenverteilung in 80% der   Wahllokale zu &#8222;rechnerischen Fehlern&#8220;. Andere Berichte geben Auskunft   &#252;ber zu fr&#252;h geschlossene Wahllokale mit Hunderten um ihr Wahlrecht   Betrogenen. El Universal zitiert einen anderen Sprecher der PRD, Manuel   Camacho, der bekundet, dass es im Bundesstaat M&#233;xico sogar F&#228;lle gab,   bei denen Stimmen in einigen Wahllokalen 85 Mal gez&#228;hlt wurden, bis das   Endergebnis feststand. <\/p>\n<p>  In den n&#246;rdlichen Bundesstaaten, wo die Rechts-Konservativen stark sind,   wurden mehr Stimmen f&#252;r den Pr&#228;sidentschaftskandidaten als f&#252;r Senatoren   und Kongressabgeordnete &#8222;gez&#228;hlt&#8220;. In den s&#252;dlichen Bundesstaaten, wo   hingegen die PRD ihre Hausmacht hat, war die Situation genau umgekehrt:   Es gab mehr Stimmen f&#252;r Senatoren und Kongressabgeordnete als f&#252;r den   Pr&#228;sidentschaftskandidaten! <\/p>\n<p>  Dieser massive Wahlbetrug schlug sich auch jenseits der mexikanischen   Grenze nieder. In den USA wurden &#8222;illegale&#8220; mexikanische ArbeiterInnen   von den mexikanischen Botschaften und Konsulaten kurzerhand als nicht   wahlberechtigt erkl&#228;rt. Auf diese Weise wurden &#252;ber eine Million   Wahlberechtigte von der Wahl ausgeschlossen, weil ihre Registrierkarten   angeblich abgelaufen waren. Es wurde ihnen aber auch nicht erlaubt, die   Karten au&#223;erhalb Mexikos einfach erneuern zu lassen. <\/p>\n<p>  Die El Pa&#237;s vom 7. Juli 2006 kommentierte noch w&#228;hrend der Wahl: &#8222;Es   herrschte selbst dann noch eine au&#223;erordentlich gelassene Atmosph&#228;re im   nationalen Wahlkampfb&#252;ro der PAN, als die ersten Hochrechnungen nichts   Gutes f&#252;r Calder&#243;n erahnen lie&#223;en. &quot;Die Situation wird sich schon noch   zu unseren Gunsten wenden&quot;, wurde behauptet. <\/p>\n<p>  Und tats&#228;chlich &#8222;wendete&#8220; sich noch einiges. Die PRD f&#252;hrte &#252;ber 20   Stunden, die die Ausz&#228;hlung andauerte. Bis zu dem Zeitpunkt, da 99,6   Prozent der Stimmen &#8222;&#252;berpr&#252;ft&#8220; waren und die PAN sich auf mysteri&#246;se   Art und Weise pl&#246;tzlich an erster Stelle wiederfand! <\/p>\n<p>  <b>Gr&#246;&#223;te Demonstration in der Geschichte Mexikos<\/b><\/p>\n<p>  Weit bevor die Wahlkampagnen der einzelnen Parteien in diesem Jahr   begonnen hatten, versuchte die neoliberale PAN schon einen eventuellen   Sieg der PRD unm&#246;glich zu machen. Im vergangenen Jahr versuchte der   scheidende Staatschef, Vincente Fox (PAN), zu unterbinden, dass der   amtierende B&#252;rgermeister von Mexiko-Stadt, Obrador, &#252;berhaupt auf dem   Wahlzettel erschien. Er versuchte Obrador unter einem Vorwand ins   Gef&#228;ngnis zu bringen. Dieses Verhalten provozierte Obrador so sehr, dass   er die gr&#246;&#223;te Demonstration in der Geschichte Mexikos organisierte.   Sch&#228;tzungsweise 1,5 Millionen Menschen folgten seinem Aufruf und   forderten den R&#252;cktritt von Fox. <\/p>\n<p>  Daraufhin schalteten die rechts-konservativen Kr&#228;fte einen Gang zur&#252;ck.   Dies allerdings nur, um die entscheidenden weiteren Schritte zu planen,   die die PRD um ihren Sieg bringen sollten: W&#228;hrend des Wahlkampfes   knackten Hacker die Homepage des PRD-Kandidaten, manipulierten die dort   gemachten Aussagen und wandten anderen schmutzige Tricks an. Im   Bundesstaat Guerrero wurden zwei Wahlbeobachter der PRD von   &#8222;Unbekannten&#8220; nieder geschossen. <\/p>\n<p>  Vor dem Hintergrund, Obradors Wahlsieg zu verhindern, kam es in der   mexikanischen Bev&#246;lkerung zu einer massiven Polarisation zwischen Arm   und Reich. Obrador erfuhr eine &#252;berw&#228;ltigende Unterst&#252;tzung durch die   Arbeiterklasse, B&#228;uerinnen, Bauern, die Armen in den St&#228;dten,   Jugendliche, sich radikalisierende Angeh&#246;rige der Mittelschicht und   Intellektuelle. Auf der anderen Seite wurde Calder&#243;n von der Rechten des   Landes und der reichen Elite gest&#252;tzt. <\/p>\n<p>  Die Unterst&#252;tzung f&#252;r AMLO spiegelt die Bandbreite derer wider, die sich   von seinen Ans&#228;tzen angesprochen f&#252;hlten. Die Korruption und die reiche   Elite im Land anprangernd, versprach er die Bez&#252;ge des Pr&#228;sidenten zu   halbieren. Im selben Zusammenhang k&#252;ndigte er an, die L&#246;hne der meisten   Besch&#228;ftigten um 20 Prozent zu erh&#246;hen und die Preise f&#252;r Strom, Benzin   und Haushalts-Gas um 10 Prozent zu senken. Er stellte dar&#252;ber hinaus   eine staatliche Beihilfe von monatlich 70 US-Dollar f&#252;r &#196;ltere, allein   erziehende M&#252;tter und Behinderte in Aussicht. Gleichzeitig forderte er,   dass das NAFTA (Freihandelsabkommen zwischen Kanada, den USA und Mexiko   mit erheblichen negativen Auswirkungen auf die einfache Bev&#246;lkerung) in   seinen entscheidenden Passagen neu verhandelt werden m&#252;sse. Diese   Forderung provozierte nat&#252;rlich die Gegnerschaft des US-Imperialismus   und der Bush-Administration. <\/p>\n<p>  Solche radikal-populistischen Ank&#252;ndigungen fanden nat&#252;rlich einen   &#252;berw&#228;ltigenden R&#252;ckhalt unter der mexikanischen Bev&#246;lkerungsmehrheit.   Und die Wahl Obradors h&#228;tte zweifellos einen enormen R&#252;ckschlag f&#252;r den   US-Imperialismus und die mexikanische herrschende Klasse bedeutet. Bush   und die Vereinigten Staaten hatten sich daran gew&#246;hnt, mit einem   willf&#228;hrigen und neoliberalen Pr&#228;sidenten Fox ihre Gesch&#228;fte zu machen.   Selbstredend wollten sie nicht fortan mit einem radikalen,   populistischen Nationalisten wie Obrador zu verhandeln. <\/p>\n<p>  W&#228;hrend Obrador sich gegen Korruption wandte und Reformen vorschlug, die   den Armen zu gute kommen sollten, hatte erjedoch kein politisches   Programm, das mit dem kapitalistischen Wirtschaftssystem als Ganzem   bricht.  &#220;ber den ganzen Wahlkampf hindurch betonte er, dass er weder   den Unternehmen noch dem Kapitalismus Schaden zuf&#252;gen wolle. &#8222;Ich bin   gegen [&#8230;] die Korruption, die unser Land so hart getroffen hat. Aber   ich habe kein Problem mit den Unternehmern dieses Landes&#8220;, sagte er   w&#228;hrend einer Wahlveranstaltung in Tijuana. <\/p>\n<p>  <b>Kapitalismus mit &#8222;menschlichem Antlitz&#8220;<\/b><\/p>\n<p>  In einem Interview mit der Tageszeitung Washington Post erkl&#228;rte   Obrador: &#8222;Ich pflege gute Beziehungen zu Gesch&#228;ftsleuten. Probleme habe   ich nur mit Lobbyisten, die eine Regierung nur f&#252;r ihren eigenen Vorteil   benutzen wollen&#8220;. <\/p>\n<p>  Mit anderen Worten zieht er einen Kapitalismus mit &#8222;menschlichem   Antlitz&#8220; vor, der weniger korrupt ist. <\/p>\n<p>  Eine f&#252;hrende Figur in Obradors Wahlkampfteam, und im Schattenkabinett   f&#252;r den Posten des Finanzministers vorgesehen, war Rogelio Ram&#237;rez de la   O. Er sagte der in London erscheinenden Financial Times: &#8222;Fiskalische   Disziplin ist die Voraussetzung daf&#252;r, die Kosten f&#252;r Schuldentilgung zu   verringern und f&#252;r eine niedrigere Inflationsrate zu sorgen [&#8230;] einen   solch umsichtigen Ansatz m&#246;chte Herr L&#243;pez (Obrador) gerne sehen &#8211; eher   vergleichbar mit Brasiliens Luis Ignacio Lula da Silva als mit dem   radikalen Hugo Ch&#225;vez in Venezuela&#8220; (4. April 2006). <\/p>\n<p>  In Mexiko griffen einige b&#252;rgerlich-kapitalistische Kommentatoren diese   Aussagen auf. Eduardo Garcia, der f&#252;r das Finanzmagazin Sentido Com&#250;n   schreibt, kommentierte: &#8222;Es gibt zwar einige Bef&#252;rchtungen innerhalb des   Unternehmer-Lagers, diese sind allerdings nicht rational zu begr&#252;nden.   Es liegt wohl eher daran, dass ein f&#252;r sie Fremder ans Ruder k&#228;me, w&#252;rde   Obrador tats&#228;chlich die Wahlen f&#252;r sich entscheiden. Au&#223;erdem hatte man   bisher nichts mit ihm zu tun. Es handelt sich dabei nur um die Angst vor   dem Fremden, davor, dass er die Regeln m&#246;glicherweise nicht einhalten   k&#246;nnte. Zwar mag er sich gegen einzelne Unternehmer stellen, er stellt   sie aber nicht gegen das Unternehmertum als solches.&#8220; <\/p>\n<p>  Obradors Billigung des kapitalistischen Systems wird die in ihn   gesetzten Erwartungen entt&#228;uschen und seine Unterst&#252;tzung untergraben,   sollte er doch noch den Wahlsieg zuerkannt bekommen. <\/p>\n<p>  Was Teile der herrschenden Klasse Mexikos zudem f&#252;rchten, ist der Fakt,   dass ein Sieg Obradors auch den Effekt h&#228;tte, die Arbeiterklasse und   Armen des Landes weiter zu befl&#252;geln. T&#252;r und Tor w&#252;rden f&#252;r weitere   K&#228;mpfe und Forderungen nach einem Wechsel ge&#246;ffnet. Ein Beispiel f&#252;r   diese These sind die j&#252;ngsten Auseinandersetzungen von mehr als 70.000   LehrerInnen, die im Bundesstaat Oaxaca ihre Wellen schlugen. &#220;ber diesen   Kampf entwickelte sich ein echter Volksaufstand, in dem der R&#252;cktritt   des Gouverneurs gefordert wurde. Andere Besch&#228;ftigte wie die Bergleute   und Metallarbeiter traten ebenfalls auf den Plan. Soziale Organisationen   und lokal verankerte Gewerkschaften, die zusammen &#252;ber 10 Millionen   Menschen repr&#228;sentieren, haben f&#252;r den 28. Juli 06 zu einem   Generalstreik aufgerufen. <\/p>\n<p>  Die herrschende Klasse bef&#252;rchtet, dass Obrador unter solchen   Bedingungen kein verl&#228;sslicher Partner mehr sein w&#252;rde und in eine   radikalere Position gedr&#228;ngt werden k&#246;nnte. Dann w&#228;ren auch st&#228;rkere   staatliche Eingriffe nicht mehr auszuschlie&#223;en, was die Eliten nat&#252;rlich   abschreckt. <\/p>\n<p>  Die momentane Krise, die sich in diesen Wahlen widerspiegelt, schl&#228;gt   ein neues Kapitel in der Geschichte der Klassenk&#228;mpfe in Mexiko auf &#8211;   und all das geschieht direkt hinter der Grenze zu den USA. Die   Auswirkungen dieser Bewegungen werden auf dem gesamten amerikanischen   Kontinent inklusive den USA sp&#252;rbar sein. Kurz nachdem in den USA   Millionen von illegalisierten ArbeiterInnen mit lateinamerikanischer   (vor allem mexikanischer) Herkunft gegen die Versch&#228;rfung der dort   herrschenden Ausl&#228;nder-Gesetze auf die Stra&#223;en gegangen waren, erlebt   nun ein weiteres lateinamerikanisches Land unruhige Zeiten: Mexiko. <\/p>\n<p>  <b>Eint&#228;giger Generalstreik ist n&#246;tig<\/b><\/p>\n<p>  Wegen des massiven Drucks sah sich Obrador gen&#246;tigt, zu Massenprotesten   aufzurufen und die Wahlergebnisse in Frage zu stellen. Auch forderte er   eine Nachz&#228;hlung der Stimmen. Nach Bekanntwerden des Wahlbetrugs nannte   Obrador seinen Gegenkandidaten Calder&#243;n eine &#8222;Marionette der M&#228;chtigen&#8220;.   Den scheidenden Pr&#228;sidenten Fox nannte er einen &#8222;Verr&#228;ter&#8220;. Ohne Zweifel   geben diese sentimentalen Ausbr&#252;che Auskunft &#252;ber die Haltung der   Massen, bei denen so etwas anzukommen scheint und die Obrador im   Wahlkampf unterst&#252;tzten. <\/p>\n<p>  Wie nicht anders zu erwarten, sandte George W. Bush unverz&#252;glich seine   Gl&#252;ckw&#252;nsche zu Calder&#243;ns Wahlsieg. &#8211; Zur Erinnerung: Bush selbst wandte   vor sechs Jahren bei den Pr&#228;sidentschaftswahlen in den USA noch sehr   &#228;hnliche Mittel im Bundesstaat Florida an, um die Wahlen f&#252;r sich   ausgehen zu lassen. Als Echo auf Bushs Gratulationen trafen die   Segensw&#252;nsche des konservativen kanadischen Premierministers Stephen   Harper und &#8211; zur besonderen Ver&#228;rgerung der mexikanischen Bev&#246;lkerung &#8211;   des spanischen &#8222;sozialistischen&#8220; Regierungschefs Jos&#233; Luis Rodriguez   Zapatero ein, der damit endg&#252;ltig all denen sein wahres Gesicht gezeigt   hat, die bisher noch Hoffnungen in ihn setzten. <\/p>\n<p>  Von El Pa&#237;s am 10. Juli 2006 interviewte DemonstrantInnen auf dem Z&#243;calo   zeigten ihre Wut gegen Zapatero: &#8222;Er ist ein Verr&#228;ter. Er ist genau wie   (sein konservativer Vorg&#228;nger) Aznar [&#8230;]&#8220;.<\/p>\n<p>  Nat&#252;rlich ist die Stimmung unter den ArbeiterInnen und Jugendlichen, die   f&#252;r die PRD gestimmt haben, angespannt. Sie wollen dieses Ergebnis von   Wahlmanipulation nicht hinnehmen und gegen den Betrug k&#228;mpfen. Das   mexikanische Magazin La Jornada berichtet von handgemalten Schildern,   die vergangenen Sonnabend auf dem Z&#243;calo den Wahlbetrug anprangerten.   Auf weiteren stand zu lesen: &#8220;Estamos listos, Senor, usted ordene!&#8220;   [&#8222;Wir sind bereit, mein Herr, gib nur den Befehl!&#8220;] Die DemonstrantInnen   skandierten: &#8222;Wenn es keine  L&#246;sung mehr gibt, wird es Revolution   geben&#8220;. <\/p>\n<p>  Dennoch ist mehr n&#246;tig als nur dieser erste Schritt mit Aufrufen zu   Protesten, soll der Wahlbetrug tats&#228;chlich r&#252;ckg&#228;ngig gemacht werden. Es   bedarf der vollen Mobilisierung der Arbeiterklasse und anderer   unterdr&#252;ckter Schichten. Vielsagend sind diesbez&#252;glich die Berichte von   allgemeinem St&#246;hnen und Buh-Rufen, als Obrador seine Anh&#228;nger bat, von   Stra&#223;enblockaden oder andere Handlungen abzusehen! Die PRD hat dazu   aufgerufen Komitees zu bilden, die die Leute &#252;ber den Verlauf der   Proteste und Demos informieren und das ganze Ausma&#223; der Wahlf&#228;lschung   dokumentieren soll. <\/p>\n<p>  Solche Komitees m&#252;ssen ausgebreitet und von unten durch die   Arbeiterklasse und all die organisiert werden, die gegen den Wahlbetrug   k&#228;mpfen wollen. Gew&#228;hlte Aussch&#252;sse m&#252;ssen in den Betrieben, Schulen,   Universit&#228;ten und Arbeiter-Stadtteilen aufgestellt werden, um einen   echten Kampf gegen die Regierung gew&#228;hrleisten zu k&#246;nnen. Diese   Aussch&#252;sse m&#252;ssen auf lokaler Ebene, dann stadt-, landes- und bundesweit   miteinander vernetzt werden, um die Kampagne zu koordinieren. Ein   solcher Kampf muss demokratisch durch die Arbeiterklasse, die Jugend,   die B&#228;uerinnen und Bauern sowie die sich radikalisierende Mittelschicht   organisiert werden. Er darf nicht in den H&#228;nden der amtierenden   Partei-F&#252;hrung ruhen. <\/p>\n<p>  Die Massenkundgebungen, zu denen Obrador aufgerufen hat, m&#252;ssen als   erster Schritt in einen eint&#228;gigen Generalstreik m&#252;nden, damit eine   breite Kampagne gegen den versuchten Wahlbetrug erfolgreich sein kann.   Die Kampagne muss auch dazu f&#252;hren, dass sich eine unabh&#228;ngige Bewegung   der Arbeiterklasse und Bev&#246;lkerungsmehrheit gr&#252;ndet, um den Kampf gegen   den Betrug aufzunehmen. Dar&#252;ber hinaus muss aber auch die Abschaffung   des herrschenden korrupten kapitalistischen Gesellschaftssystems   diskutiert werden. <\/p>\n<p>  Korruption und Stimmenkauf, welche in Mexiko &#252;blich sind, sind Teil des   kapitalistischen Systems. Nur wenn das System beendet wird, das diesen   Mechanismen zugrunde liegt, kann auch die zerm&#252;rbende Armut aufh&#246;ren,   von der die Bev&#246;lkerungsmehrheit in Mexiko gebeutelt ist. Eine Regierung   der ArbeiterInnen, B&#228;uerinnen und Bauern mit einem revolution&#228;ren   sozialistischen Programm muss gebildet werden, um den Kapitalismus in   Mexiko und ganz Lateinamerika zu &#252;berwinden.<\/p>\n<p>  <i>London, den 11. Juli 2006<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>      von Tony Saunois, CWI (Komitee f&#252;r eine Arbeiterinternationale, dem die<br \/>\n      SAV angeh&#246;rt)&#160;&#160;<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[41],"tags":[251],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11697"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11697"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11697\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11697"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11697"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11697"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}