{"id":11694,"date":"2006-07-17T09:59:12","date_gmt":"2006-07-17T09:59:12","guid":{"rendered":".\/?p=11694"},"modified":"2006-07-17T09:59:12","modified_gmt":"2006-07-17T09:59:12","slug":"11694","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/07\/11694\/","title":{"rendered":"Ankunft der &#8216;Big Eight&#8217; sorgt f&#252;r &#196;rger"},"content":{"rendered":"<p>  &#8216;Nieder mit dem Kapitalismus!&#8217;: Russisches Sozialforum er&#246;ffnet <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>von Elizabeth Clarke, CWI, St. Petersburg<\/i><\/p>\n<p>  Unter Bezugnahme auf die j&#252;ngsten offiziellen Ver&#246;ffentlichungen wird   der G8-Gipfel in St. Petersburg &#252;ber eine Million US-Dollar   verschlingen. Nicht inbegriffen sind die Kosten f&#252;r die massiven   &#8222;Sicherheitsvorkehrungen&#8220;. Seine G&#228;ste und Wladimir Putin selbst,   Pr&#228;sident der so bezeichneten Energie-Supermacht der Welt, werden zwei   Tage damit verbringen, Themen wie Demokratie und Krieg auszuklammern.   Statt dessen werden sie darin &#252;bereinstimmen mit einer Politik   fortzufahren, die das Schicksal der Mehrheit der Weltbev&#246;lkerung um   keinen Deut verbessert, die nicht ein Jota davon abweicht Armut und   &#196;ngste fortbestehen zu lassen.<\/p>\n<p>  In der Gegend um den Konstantinovsky Palast, im S&#252;den der Stadt, wo der   G8-Gipfel stattfindet, stehen alle hundert Meter Gruppen von Polizisten   und Soldaten auf den Gehwegen. &#8222;Die Menschen beschweren sich zwar   dar&#252;ber, in Wirklichkeit tun ihnen die Beamten allerdings eher leid&#8220;,   beschreibt Nadeschda Romanovna von Sozialistischer Widerstand   (Schwesterorganisation der SAV und Sektion des CWI in Russland) die   momentane Situation. &#8222;Sie stehen dort in gl&#252;hender Hitze und in voller   Montur mit Schlagst&#246;cken, Gewehren und m&#246;glicherweise sogar mit Pistolen   unter ihren Jacken&#8220;. Wie die Fabrik, in der Nadeschda arbeitet, sind   noch einige andere f&#252;r zwei Tage geschlossen worden. &#8222;Aus   Sicherheitsgr&#252;nden, sagen sie. Allerdings wurden wir f&#252;r zwei Tage nach   Haus geschickt, ohne dass man uns daf&#252;r bezahlt. Andere KollegInnen in   Strelny durften schon seit dem 10. Juli nicht mehr arbeiten. Sie stehen   seitdem ebenfalls ohne L&#246;hne da. Gleichzeitig werden keine Kosten und   M&#252;hen f&#252;r die VIPs gescheut. Um nur ein Beispiel zu nennen: 60 neue,   Elektro-PKWs wurden gekauft, die wahrscheinlich nur dazu benutzt werden,   um auf dem ausgedehnten Gel&#228;nde des alten Zarenpalastes herumzufahren&#8220;.<\/p>\n<p>  Unterdessen wurden Hunderte von AktivistInnen daran gehindert zum   Gegengipfel in die Stadt zu kommen. Sie wurden im Vorfeld zuhause von   der Polizei besucht, aus Z&#252;gen abgef&#252;hrt, einige wurden in Gewahrsam   genommen oder im Vorfeld anderweitig festgehalten, einige wurden   misshandelt, andere wieder freigelassen. Die OrganisatorInnen des   russischen Sozialforums, das im Petersburger Kirov Stadion stattfindet,   sprechen von rund 800 TeilnehmerInnen, die es bis dorthin geschafft   haben. Doch selbst heute fr&#252;h wurde noch ein Reisebus mit potentiellen   TeilnehmerInnen abgefangen. Bis zum jetzigen Augenblick haben sie das   Gel&#228;nde nicht erreicht.<\/p>\n<p>  Zur Er&#246;ffnung des Sozialforums erschienen dann Pution-Fans, die sich   selbst als &#8222;Liga der anderen Globalisierer&#8220; bezeichnen. Sie begannen   damit, reaktion&#228;re Spr&#252;che zu rufen wie &#8222;Russland, wir stehen zu dir!&#8220;.   GenossInnen von Sozialistischer Widerstand (SR) waren allerdings schnell   zur Stelle, um die St&#246;rer von dem Gel&#228;nde zu begleiten. &#8222;Wir nennen sie   Staats-Patrioten&#8220;, erkl&#228;rte Sergej, SR-Mitglied aus Moskau. &#8222;Andere   nennen sie einfach nur Faschisten. Was sie mit `anderer Globalisierung&#180;   meinen? &#8211; keineR wei&#223; das. Aber sie haben bei dieser Veranstaltung   keinen Platz. Es ist eine Provokation!&#8220;.<\/p>\n<p>  Kurz nach diesem Vorfall erreichte ein weiterer Anh&#228;nger Putins das   Gel&#228;nde in einer Limousine: Die Gouverneurin der Stadt, Valentina   Matvienko. Gefolgt von einem Tross JournalistInnen und Fernsehteams nahm   sie ihren Weg ins Stadion und ging geradewegs auf den Stand von   Sozialistischer Widerstand zu (dem ersten und einzigen stand, der vor   Er&#246;ffnung des Sozialforums aufgebaut worden war und seitdem von   unz&#228;hligen BesucherInnen bev&#246;lkert wird). Sofort sah sich Matvienko mit   einer Tirade unangenehmer Fragen konfrontiert. Mit &#252;berw&#228;ltigender   Heuchlerei begr&#252;&#223;te sie die Forums-TeilnehmerInnen und redete davon, wie   &#8222;demokratisch&#8221; doch ihre Administration sei. Sie sagte, dass die gegen   Anti-G8-AktivistInnen stattgefundenen Repressionen nicht von ihr zu   verantworten seien usw. In der Stadt wurden nach ihren Angaben keine   Kundgebungen verboten, sondern nur die Demoz&#252;ge. Doch gerade eine der   Hauptveranstaltungen war eben der geplante Protestmarsch gegen den   G8-Gipfel, der dort enden sollte, wo das bekannte Kriegsschiff &#8222;Aurora&#8220;   vor Anker liegt.<\/p>\n<p>  <b>Die ArbeiterInnen des Lada-Werks aus Togliatti<\/b><\/p>\n<p>  An dem Sozialforum nehmen viele junge Leute und auch GewerkschafterInnen   teil. Unter ihnen auch ArbeiterInnen aus dem Lada-Werk in Togliatti, der   gr&#246;&#223;ten Autofabrik des Landes. Au&#223;erdem sind nat&#252;rlich viele   GlobalisierungskritikerInnen sowohl russische als auch ausl&#228;ndische   anwesend, f&#252;r die das Hauptproblem nicht der globale Kapitalismus,   sondern die &#8222;unfaire&#8220; und &#8222;inhumane&#8220; Art ist, mit der dieser auftritt.   Dennoch war der meist geh&#246;rte Slogan auf dem Gel&#228;nde: &#8222;Nieder mit dem   Kapitalismus!&#8220; und unterschiedlichste sozialistische Gruppen sind   ebenfalls anwesend. Zwar werden auf den Hauptveranstaltungen und   Workshops die Lage der Welt und andere essentielle Themen nicht   er&#246;rtert, trotzdem finden einige wichtige Debatten &#252;ber die diversen   Erfahrungen zu den Aspekten Wohnungssituation und Bildung statt.<\/p>\n<p>  Mit einer lebhaften Delegation nehmen letztlich mehr als 20 Mitglieder   von Sozialistischer Widerstand an den Veranstaltungen teil. Mit einem   breit verteilten, speziell f&#252;r das Sozialforum verfassten Flugblatt   wecken sie gro&#223;es Interesse an unserer Arbeit unter den   ForumsbesucherInnen und die Zeitung von Sozialistischer Widerstand, die   Linke Vorhut, verkauft sich so gut wie das neueste Infoheft von uns mit   dem Titel &#8222;Warum Sozialismus?&#8220;. Heute Nachmittag wird ein Treffen unter   demselben Titel stattfinden, auf dem der Autor dieses Pamphlets, Ivan   Ovsiannikow, zusammen mit CWI-GenossInnen aus Polen, Irland und   Britannien reden wird.<\/p>\n<p>  Im Vorfeld des russischen Sozialforums wurde eine zweit&#228;giges Symposium   &#252;ber Globalisierung und Neoliberalismus veranstaltet. Dort wurde viel   diskutiert und nur wenig &#252;ber die konkreten K&#228;mpfe gesprochen, die zur   Zeit von ArbeiterInnen und Jugendlichen gegen die Auswirkungen der   Globalisierung auf ihr t&#228;gliches Leben gef&#252;hrt werden. Die Konferenz   wurde in erster Linie von der deutschen &#8222;Rosa Luxemburg Stiftung&#8220;   organisiert, die der Linkspartei.PDS in Deutschland nahe steht.   Mitglieder des CWI nahmen daran teil und machten deutlich, wie ironisch   die OrganisatorInnen sich doch verhalten, wenn sie in Russland   Veranstaltungen gegen eine neoliberale Globalisierung durchf&#252;hren und   gleichzeitig in Berlin und anderen deutschen St&#228;dten selbst neoliberale   &#8222;Reformen&#8220; durchf&#252;hren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>      &#8216;Nieder mit dem Kapitalismus!&#8217;: Russisches Sozialforum er&#246;ffnet<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[134],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11694"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11694"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11694\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11694"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11694"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11694"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}