{"id":11684,"date":"2006-07-07T21:28:26","date_gmt":"2006-07-07T19:28:26","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=11684"},"modified":"2012-06-28T16:01:29","modified_gmt":"2012-06-28T14:01:29","slug":"11684","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/07\/11684\/","title":{"rendered":"Das US-&quot;Empire&quot; steckt in der Krise &#160; &#160; &#160;"},"content":{"rendered":"<p>  Peter Taaffe untersucht die Perspektiven f&#252;r den US-Imperialismus&#160;&#160;&#160;<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Die Vereinigten Staaten sind die st&#228;rkste Macht, die die Welt je gesehen   hat. Sie haben eine Armee von mehr als 1,25 Millionen Menschen. Mehr als   eine halbe Million SoldatInnen, SpionInnen, TechnikerInnen, LehrerInnen   und MitarbeiterInnen ziviler Subunternehmen sind in anderen L&#228;ndern   stationiert. Sie unterhalten ein knappes Dutzend jederzeit   einsatzf&#228;higer Kampfverb&#228;nde auf s&#228;mtlichen Weltmeeren und versuchen   laut ihrer Doktrin des &#8222;vollen milit&#228;rischen Spektrums&#8220; das Weltall zu   dominieren.<\/p>\n<p>  Dieses &#8222;neue Rom&#8220; &#8211; der US-Kommentator Chalmers Johnson spricht von   einem &#8222;Imperium der Milit&#228;rbasen&#8220; &#8211; verf&#252;gt &#252;ber 725 offiziell   registrierte St&#252;tzpunkte auf der ganzen Welt. Inoffiziell gibt es   zumindest 1.700 milit&#228;rische Einrichtungen. Der Milit&#228;rhaushalt dieses   Reiches ist seit dem 11. September 2001 in die H&#246;he geschnellt. Die   Ausgaben sind nun beinahe so hoch wie die Milit&#228;rausgaben aller anderen   L&#228;nder zusammen.<\/p>\n<p>  <b>Das &#8222;neue Rom&#8220;<\/b><\/p>\n<p>  Nach den Anschl&#228;gen auf das World Trade Center 2001 hat der   US-Imperialismus versucht, sein milit&#228;risches Potenzial einzusetzen um   eine unipolare Welt zu schaffen, in der seine Vorherrschaft   unangefochten ist.<\/p>\n<p>  Tats&#228;chlich behauptete ein Kommentator &#8222;dass es kaum eine prominente   Figur in den USA gegeben hat, die angezweifelt h&#228;tte, dass die USA bis   ans Ende aller Tage die einzige milit&#228;rische Supermacht bleiben wird&#8220;.   Schon vor dem 11. September 2001 stellte ein anderer fest: &#8222;Amerika ist   nicht nur ein Teil der internationalen Staatengemeinschaft. Es ist die   dominierende Macht in der Welt, die dominanteste wahrscheinlich seit   Rom. Amerika hat die Macht Normen zu setzen und zu ver&#228;ndern,   Erwartungen zu pr&#228;gen und neue Realit&#228;ten zu schaffen. Wie? Durch die   unzweifelhafte und unangreifbare Demonstration von Willenskraft.&#8220;<\/p>\n<p>  Die Attacke von Al Qaida auf die USA war f&#252;r Bush der Vorwand, um diesen   Traum der neokonservativen Clique umzusetzen, die ihn seit seinem ersten   Tag im Amt umgab. Das erste Ziel war Afghanistan, dann Irak, dann sollte   der Iran zu Boden gerungen und der gesamte Nahe Osten unterworfen   werden. Das war Teil des gro&#223;en Plans, das informelle Reich des   US-Imperialismus in ein offenes &#8222;neues Rom&#8220; zu verwandeln.<\/p>\n<p>  Es hat Jahrhunderte gedauert, bis das R&#246;mische Reich zusammengebrochen   ist. Bushs Imperium jedoch versinkt nach weniger als einem Jahrzehnt im   Sand des Irak, in den Bergen von Afghanistan und dem Chaos von Somalia.   Die Gr&#252;nde f&#252;r den &#252;berst&#252;rzten R&#252;ckzug des US-Imperialismus sind von   der Socialist Party und dem Komitee f&#252;r eine Arbeiterinternationale   (engl. Abk&#252;rzung CWI) bereits analysiert worden. Wir haben argumentiert,   dass der Einsatz einer &#252;berw&#228;ltigender Milit&#228;rmacht allein nicht   erfolgreich sein kann. Dieser Einsatz w&#252;rde eine massive nationale und   soziale Revolte heraufbeschw&#246;ren, die auch innerhalb der Grenzen der USA   Auswirkungen hat.<\/p>\n<p>  <b>Opposition<\/b><\/p>\n<p>  Die Auswirkungen davon sind sichtbar: Die Zustimmung f&#252;r Bush ist im Mai   auf 31% gesunken &#8211; ein nie dagewesenes Tief. Er ist der unpopul&#228;rste   Pr&#228;sident seit 1945, abgesehen von dem verhassten Nixon, der in Folge   des Vietnam-Krieges und dessen Nachwehen in Form des Watergate-Skandals   aus dem Amt gefegt worden war.<\/p>\n<p>  Ein Ende des Horrors im Irak ist nicht absehbar. Die schrecklichen   Massaker von Haditha erinnern an &#228;hnliche Exzesse im Vietnam-Krieg,   symbolisiert durch das Massaker von My Lai, bei dem mehr als 500 M&#228;nner,   Frauen und Kinder umgebracht wurden. Der Unterschied dieses Mal ist,   dass die schrecklichen Ereignisse von Haditha wesentlich schneller ans   Tageslicht gekommen sind als jene von My Lai.<\/p>\n<p>  Die Ablehnung der Besatzung des Irak durch die US-Bev&#246;lkerung ist jetzt   gr&#246;&#223;er als zu Zeiten des Vietnam-Kriegs. Sechs von zehn AmerikanerInnen   glauben mittlerweile, dass die Invasion des Irak 2003 ein &#8222;Fehler&#8220; war.   Das hat Senatoren, die gew&#246;hnlich als Falken gelten (= die f&#252;r einen   harten Kurs stehen, d. &#220;bers.), wie zum Beispiel John Murtha, gezwungen,   einen raschen Abzug der Truppen aus dem Irak zu fordern. Allerdings ist   es eine Sache, sich in einen Sumpf hinein zu begeben, eine andere aber,   sich daraus wieder zu befreien. Die britische Tageszeitung &#8222;The   Independent&#8220; kommentierte das Abstechen und Erschie&#223;en von Frauen und   Kindern in Haditha: &#8222;Es ist offensichtlich, dass der Irak mit jedem Tag   mehr dem Vietnam &#228;hnelt.&#8220;<\/p>\n<p>  <b>B&#252;rgerkrieg?<\/b><\/p>\n<p>  Ja und Nein. Heute gibt es im Irak einen breiten nationalistischen   Widerstand, wie damals in Vietnam, der die Form eines Aufstandes   angenommen hat.<\/p>\n<p>  Allerdings beteiligen sich vor allem die f&#252;nf Millionen irakischen   SunnitInnen am Aufstand. Die T&#246;tung von Al-Zarkawi &#8211; der in jedem Fall   eine untergeordnete Rolle im Widerstand spielte &#8211; wird nichts dazu   beitragen, diese Bewegung zu bezwingen. Das haben sogar Bush und Blair   zugegeben. Zur Zeit von Saddam Husseins Gefangennahme und dem Tod seiner   S&#246;hne haben beide noch behauptet, das sei der Wendepunkt.<\/p>\n<p>  Die KurdInnen und SchiitInnen, welche die Mehrheit der Bev&#246;lkerung des   Irak bilden, haben aus unterschiedlichen Gr&#252;nden entweder die   US-Invasion unterst&#252;tzt (KurdInnen) oder sie zumindest toleriert   (SchiitInnen). Vor allem die herrschende schiitische Schicht arbeitet   mit den USA und Gro&#223;britannien zusammen, um ihre eigenen Machtanspr&#252;che   umzusetzen. Allerdings &#8222;&#228;hnelt (jetzt) die Ablehnung der US- und   britischen Truppen durch die Schiiten der Haltung der Sunniten am Beginn   des Guerillakrieges.&#8220; (Patrick Cockburn, &#8222;The Independent&#8220;, 24.5.2006).<\/p>\n<p>  Gleichzeitig nimmt der nationale Konflikt zwischen SchiitInnen (60% der   Bev&#246;lkerung), den SunnitInnen und den KurdInnen die Form eines das Land   spaltenden B&#252;rgerkrieges an, mit Anschl&#228;gen und Vergeltungsschl&#228;gen,   nach dem Prinzip &#8222;Auge um Auge&#8220;. Dieser Konflikt ist auf   kapitalistischer Basis nicht zu l&#246;sen.<\/p>\n<p>  Das ist der entscheidende Unterschied zu Vietnam. Die Opposition gegen   den US-Imperialismus in Vietnam wurde haupts&#228;chlich durch Ho-Chi-Minh   und die nationale Befreiungsfront FNL vereint. Diese &#252;berwiegend   stalinistisch-nationalistischen Kr&#228;fte hatten ein Programm sozialer   Befreiung der &#252;berwiegend b&#228;uerlichen Bev&#246;lkerung.<\/p>\n<p>  Im Irak gibt es keine derartige Kraft. Die USA k&#246;nnten nicht ihren   &#8222;Sieg&#8220; erkl&#228;ren und die Macht an eine solche Kraft &#252;bergeben und ihre   Truppen dann nach Hause bringen. Es ist v&#246;llig klar, dass die 132.000   SoldatInnen starken US-Truppen, mit R&#252;ckendeckung einer kleinen   britischen Besatzungstruppe, unf&#228;hig sind, die Situation zu   kontrollieren. Durchschnittlich 60 Mal pro Monat wurden die britischen   Einheiten seit Beginn des Jahres&#160;angegriffen. 1.000 britische Soldaten   sind seit Beginn des Krieges 2003 f&#252;r jeweils mehr als 30 Tage ihrer   Einheit ferngeblieben (AWOL &#8211; absent without leave &#8211; Fernbleiben ohne   Erlaubnis &#8211; bezeichnet im englischen Sprachgebrauch sowohl Desertation   als auch zeitweiliges Fernbleiben von der Truppe; d. &#220;bers.).<\/p>\n<p>  Die USA versuchen daher eine irakische &#8222;nationale Armee&#8220; zu basteln, die   zur Zeit &#252;ber 230.000 Soldaten verf&#252;gt und bis zum Ende n&#228;chsten Jahres   auf 320.000 Mann aufgestockt werden soll. Allerdings, wie Kommentatoren   in b&#252;rgerlichen Zeitungen wie dem &#8222;Independent&#8220; zur Kenntnis genommen   haben, &#8222;f&#252;hlen sich diese Kr&#228;fte den sunnitischen, schiitischen und   kurdischen Gemeinschaften verpflichtet und nicht der zentralen   Regierung. Das Problem liegt weniger in der Ausbildung als vielmehr in   der Loyalit&#228;t.&#8220;<\/p>\n<p>  <b>Sackgasse<\/b><\/p>\n<p>  Aus dieser sektiererischen Sackgasse kann man auf kapitalistischer Basis   nicht entkommen. Das wird unglaublicherweise von den vermeintlichen   F&#252;hrern der &#8222;Stop the War&#8220;-Bewegung in Gro&#223;britannien nicht zur Kenntnis   genommen.<\/p>\n<p>  Die Socialist Party fordert den sofortigen Truppenabzug aller fremder   Truppen aus dem Irak, so dass die Menschen im Irak ihr Schicksal selbst   bestimmen k&#246;nnen. Allerdings ist ein v&#246;lliger einseitiger Abzug durch   die USA unwahrscheinlich. Sie haben den Irak angegriffen, um ihre   &#214;lreserven zu sichern. Obwohl die meisten ihrer SoldatInnen (wie auch   jene der britischen Armee und anderer Verb&#252;ndeter) formell abgezogen   werden k&#246;nnten, ist es sehr unwahrscheinlich, dass sie alle 110   St&#252;tzpunkte, die sie im Irak halten, aufgeben werden.<\/p>\n<p>  Nur eine effektive nicht-sektiererische Bewegung der Arbeiter &#8211;   KurdInnen, SchiitInnen und SunnitInnen, gemeinsam mit TurkmenInnen und   anderen &#8211; kann v&#246;llig und dauerhaft den milit&#228;rischen und   wirtschaftlichen W&#252;rgegriff l&#246;sen, in dem der US-Imperialismus den Irak   h&#228;lt. Diese Bewegung m&#252;sste mit der Idee eines sozialistischen Irak   verbunden werden, organisiert auf Basis einer demokratischen   F&#246;rderation, die die Rechte aller V&#246;lker und Minderheiten des Irak   garantiert.<\/p>\n<p>  Nichts ist utopischer als die Argumente von einigen &#8222;SozialistInnen&#8220;,   die darauf beharren, dass allein durch den Abzug der Truppen die   irakische Bev&#246;lkerung in Freundschaft, Friede und gegenseitiger Toleranz   zusammenleben w&#252;rde. Wenn sie selbst wirklich &#252;ber ihr Schicksal   bestimmen k&#246;nnten, w&#252;rden sie das wahrscheinlich tun.<\/p>\n<p>  Auf der Basis des Kapitalismus allerdings, mit dem historischen Erbe   einer Spaltung, die von Imperialismus und Kapitalismus gepr&#228;gt und von   den Eliten der unterschiedlichen Gemeinschaften ausgebeutet und benutzt   wurde, k&#246;nnen diese sektiererischen Gr&#228;ben wachsen, wie die Erfahrungen   von Nordirland und,&#160;vielleicht noch tragischer, den Balkanl&#228;ndern zeigen.<\/p>\n<p>  Einige der Stimmen, die sich auf den Slogan &#8222;R&#252;ckzug der Truppen&#8220;   beschr&#228;nken, haben in der Vergangenheit eine &#228;hnliche Position bez&#252;glich   Nordirland eingenommen: &#8222;Zieht die britischen Truppen ab und   Protestanten und Katholiken w&#252;rden in Frieden zusammenleben.&#8220; Dieses   utopische Experiment ist allerdings nie umgesetzt worden, da der   britische Imperialismus, obwohl er seine Kr&#228;fte gerne aus Nordirland   abgezogen h&#228;tte, verstand, dass dies einen sektiererischen B&#252;rgerkrieg   ausgel&#246;st h&#228;tte &#8211; allerdings als Folge ihrer eigenen Politik in der   Vergangenheit. Daher haben sie sich trotz Bomben und Opfer auf den   Dauerclinch mit der IRA einlassen m&#252;ssen.<\/p>\n<p>  &#196;hnliche Argumente werden jetzt von Vertretern des US-Imperialismus   aufgeworfen. Sie wollen die fortgesetzte milit&#228;rische und vor allem   wirtschaftliche Unterjochung des Irak rechtfertigen, auch wenn die   Truppen formal in die St&#252;tzpunkte &#8222;zur&#252;ckgezogen&#8220; w&#252;rden. Die Aufgabe   der irakischen ArbeiterInnen und B&#228;uerInnen ist es daher, ein   Klassenb&#252;ndnis zu bilden, das einen Ausweg aus dem t&#228;glichen Horror   zeigen kann, der ihnen vom Imperialismus und den nationalen Eliten in   ihrem Machtkampf aufgezwungen wird.<\/p>\n<p>  <b>Wachsender Hass<\/b><\/p>\n<p>  Der Irak wird auf kapitalistischer Basis nie frei oder demokratisch   sein. Das hat Bushs Besuch im Irak am 13. Juni gezeigt. Er sagte zum   neuen irakischen Premierminister Nouri al-Maliki: &#8222;Ich habe den Willen   meines Landes ausgedr&#252;ckt mit Ihnen zu arbeiten, aber ich begr&#252;&#223;e, dass   Sie die Tatsache anerkennen, dass die Zukunft des Landes in Ihren H&#228;nden   liegt.&#8220; Allerdings hat der &#8222;unabh&#228;ngige&#8220; irakische Premier genau f&#252;nf   Minuten davor von Bushs Besuch Bescheid bekommen, eine klare   Demonstration der Beziehung zwischen &#8222;C&#228;sar&#8220; und seinem Prokonsul im   Irak.<\/p>\n<p>  Allerdings haben sich weder die irakische Bev&#246;lkerung noch die   Bev&#246;lkerungsmehrheit in der neokolonialen Welt, die durch den &#8222;Krieg   gegen den Terror&#8220; auf Linie gebracht werden sollen, dadurch   einsch&#252;chtern lassen. Der Slogan der r&#246;mischen F&#252;hrer in der Antike   gegen ihre kolonialen Sklaven lautete &#8222;Sie d&#252;rfen uns ruhig hassen,   solange sie uns f&#252;rchten&#8220; (oderint dum metuant). Das war die wirkliche   Philosophie von Bush und seiner Bande nach dem 9. September 2001. Als   Folge der US-Aktionen seither hasst die Bev&#246;lkerungsmehrheit in der   neokolonialen Welt die USA umso mehr, aber sie f&#252;rchtet sie nicht mehr!<\/p>\n<p>  <b>Das Beispiel Somalia<\/b><\/p>\n<p>  Die Ereignisse im Irak, in Somalia, Afghanistan, dem Iran und anderswo   unterstreichen das. Der Sieg der &#8222;Islamisten&#8220; in Somalia, unterst&#252;tzt   von den lokalen Kapitalisten aber auch den einfachen Menschen in ihrer   verzweifelten Suche nach einer Alternative zum unendlichen Chaos, stellt   eine &#8222;niederschmetternde Niederlage f&#252;r die US-Strategie der   Terrorbek&#228;mpfung durch lokale Stellvertreter&#8220; (&#8222;The Guardian&#8220;) dar.<\/p>\n<p>  Seitdem der Diktator Mohammad Siad Barre 1991 aus dem Amt gedr&#228;ngt   worden war, stand das Land ohne anerkannte nationale Autorit&#228;t unter der   Knute von korrupten Kriegsherren, die unglaublichen Reichtum durch die   Kontrolle von H&#228;fen, Stra&#223;en und Flugfeldern angeh&#228;uft haben. Die USA   haben diese Despoten gest&#252;tzt aufgrund ihrer Angst vor einer   &#8222;Talibanisierung&#8220; Somalias. Durch diese Fehlkalkulation werden jetzt   genau die Dinge bewirkt, die die USA verhindern wollten.<\/p>\n<p>  Bush hat damit gedroht, eine &#8222;neue Basis Al-Qaidas&#8220; zu verhindern, aber   nach dem schm&#228;hlichen R&#252;ckzug der US-Truppen aus Somalia unter Clinton   1994 wird die USA nicht in der Lage sein erneut direkt milit&#228;risch   einzugreifen. Den Islamisten wiederum wird es genauso wenig wie den   Taliban in Afghanistan gelingen, einen neuen Weg des Friedens und   Wohlstands f&#252;r die leidende somalische Bev&#246;lkerung zu beschreiten.<\/p>\n<p>  Die Intervention der US- und britischen Truppen in Afghanistan hatte   angeblich zum Ziel jegliche &#220;berbleibsel der barbarischen Taliban zu   eliminieren, die Macht der Kriegsherren zu zerschlagen und den feudalen   M&#252;ll zu beseitigen, inklusive der Verfolgung und Diskriminierung von   Frauen. Vier Jahre nach der Invasion weitet sich das Irak-Ph&#228;nomen nach   Afghanistan aus, mit Selbstmordattentaten in Kabul, der R&#252;ckkehr der   Taliban im S&#252;den des Landes und einer Mohnproduktion f&#252;r den   Drogenhandel auf einem Rekordhoch.<\/p>\n<p>  <b>Das Beispiel Afghanistan<\/b><\/p>\n<p>  Die Einflusssph&#228;re von Pr&#228;sident Karzai, auch &#8222;B&#252;rgermeister von Kabul&#8220;   genannt, reicht kaum &#252;ber die Grenzen der Hauptstadt hinaus. Im S&#252;den   und im Grenzland zwischen Afghanistan und Pakistan &#8222;beherrschen die   Taliban die Nacht&#8220;. Die mittelalterliche Barbarei ist zur&#252;ckgekehrt,   Schulen werden niedergebrannt, Frauen terrorisiert und gezwungen, in   ihren Wohnungen zu bleiben. Die d&#252;nne Linie von US- und britischen   Truppen ist unf&#228;hig die Stellung im Kampf gegen die Taliban zu halten.   Daher versucht die Karzai-Regierung in ihrer Verzweiflung ein B&#252;ndnis   mit den &#8222;Drogen-Kriegsherren&#8220; und ihren Milizen einzugehen, um die   Taliban zu bek&#228;mpfen.<\/p>\n<p>  Die 23.000 US-Truppen sind zusammen mit 9.000 Nato-Soldaten nicht f&#228;hig   die Sicherheit des Landes zu garantieren. De facto w&#228;re eine   &#8222;Fremdenlegion&#8220; von 150.000 Soldaten n&#246;tig um allein den S&#252;den   Afghanistans zu halten. Es droht der komplette Kollaps des Possenspiels   der &#8222;demokratischen&#8220; Karzai-Regierung, die sich lediglich auf die   Bajonette der US-Truppen und der Briten st&#252;tzt. In einem   Verzweiflungsakt versucht Karzai auch eine &#220;bereinkunft mit den Taliban   oder zumindest einem Teil von ihnen im S&#252;den zu treffen, so wie Pakistan   das getan hat.<\/p>\n<p>  <b>Das Beispiel Iran<\/b><\/p>\n<p>  Im Falle des Iran war die USA gezwungen ihre Politik zu revidieren, die   sie seit 27 Jahren verfolgt und einem Regime, das laut Bush zur &#8222;Achse   des B&#246;sen&#8220; geh&#246;rt, Gespr&#228;che anzubieten. Obwohl Condoleeza Rice   behauptete, dass sie gegen&#252;ber dem Iran einen harten Verhandlungskurs   f&#252;hren wolle und der Iran keine Erfolge auf dem Verhandlungswege   erreichen w&#252;rde, haben sich die USA verkalkuliert. Ihr S&#228;belrasseln hat   das iranische Atomprogramm nicht gestoppt. Ein Beobachter merkte an,   dass die Haltung der USA gegen&#252;ber dem Iran in der Frage von dessen   Atomprogramm und der M&#246;glichkeit von zuk&#252;nftigen Atomwaffen sich auf ein   Ultimatum beschr&#228;nkte: &#8222;Gib mir deine Kanone und dann erschie&#223;e ich   dich.&#8220;<\/p>\n<p>  Obwohl es eine breite Opposition zum Mullah-Regime in Teheran gibt,   lehnt die Mehrheit der iranischen Bev&#246;lkerung die Drohungen von Bush und   dem US-Imperialismus entschieden ab. Auch aufgrund der Geschichte von   imperialistischer Intervention und nationalem Widerstand dagegen durch   die iranische Bev&#246;lkerung.<\/p>\n<p>  Entgegen der Erwartungen von Bush, dass die Intervention im Irak den   Iran schw&#228;chen w&#252;rde, hat dies die Position des Iran als Regionalmacht   im Nahen Osten enorm gest&#228;rkt. Durch die Kontakte des Regimes zur   Hisbollah und aufgrund des R&#252;ckzugs Syriens aus dem Libanon, ist der   Iran dort nun eine Macht geworden. Der Iran ist nun sogar eingesprungen,   um die Hamas im Konflikt mit den pal&#228;stinensischen Beh&#246;rden finanziell   zu unterst&#252;tzen.<\/p>\n<p>  Ein Rekordhoch des &#214;lpreises und verst&#228;rkter Handel mit Russland, China   und Indien haben dem Iran erlaubt, den Druck der USA gegen sein   Atomprogramm gelassen hinzunehmen. Teile der US Regierung &#8211; angef&#252;hrt,   so scheint es, von Vizepr&#228;sident Cheney &#8211; w&#252;nschen nach wie vor eine   milit&#228;rische L&#246;sung. Aber eine volle milit&#228;rische Invasion im Iran,   dessen Bev&#246;lkerung dreimal so gro&#223; ist, wie jene des Irak, ist   ausgeschlossen. Luftangriffe auf die Nuklearanlagen des Iran sind   allerdings als Option nicht vom Tisch, so die irrwitzige Perspektive der   Bush-Regierung.<\/p>\n<p>  Aufgrund der Ablehnung dieser Option durch andere kapitalistische M&#228;chte   sieht es so aus, als ob die USA gezwungen w&#228;ren, sogar diesen Plan auf   Eis zu legen und sich besonders auf Europa, aber auch China und Russland   zu st&#252;tzen, um den Iran in Richtung eines Kompromisses zu dr&#228;ngen.<\/p>\n<p>  Wir, die Socialist Party und das CWI, sind gegen die Nutzung der   Atomenergie durch den Iran, ganz zu schweigen vom Erwerb von Atomwaffen.   Allerdings ist es zutiefst scheinheilig von den USA das iranische Regime   zu verurteilen. Der Iran ist an allen Grenzen von Atomm&#228;chten umgeben &#8211;   einige, wie zum Beispiel Israel, bis an die Z&#228;hne vom US-Imperialismus   bewaffnet.<\/p>\n<p>  <b>Schw&#228;chung<\/b><\/p>\n<p>  Die ge&#228;nderte Haltung der USA zum Iran verdeutlicht ihre geschw&#228;chte   Position und ist ein R&#252;ckschlag f&#252;r die Bush-Regierung und ihre   Philosophie von Alleing&#228;ngen und &#8222;vorbeugenden Milit&#228;rschl&#228;gen&#8220; gegen   m&#246;gliche Gegner der USA.<\/p>\n<p>  Die milit&#228;rische Macht der USA basiert nicht mehr wie in der   Vergangenheit auf ihrer dominanten wirtschaftlichen Position. Die USA   sind geschw&#228;cht aufgrund der Aush&#246;hlung ihrer Wirtschaft durch   De-Industrialisierung und aufgrund ihrer Abh&#228;ngigkeit vom asiatischen   Kapitalismus, insbesondere von China, das 7%ige US-Handelsbilanzdefizit   mit Dollar-Reserven zu stopfen. Wie lange das fortgesetzt werden kann,   ist eine andere Frage, wie wir in vorherigen Ausgaben des Socialist   bereits dargelegt haben.<\/p>\n<p>  Eines aber ist klar: der Ruf des US-Imperialismus ist nicht unbefleckt   geblieben, weder in der neo-kolonialen Welt noch anderswo. Faktisch ist   die Gestaltung der Welt durch den US-Imperialismus bereits schwer   angekratzt. Die Massenstreiks f&#252;r die Rechte der EinwanderInnen in den   USA, gekoppelt mit der Unzufriedenheit der US-ArbeiterInnen, sind   Hinweise auf die gewaltige soziale Opposition, die sich in den USA   selbst entwickelt. Auf internationaler Ebene zeigen die Bewegungen zum   Beispiel in Frankreich und Chile die weltweite Ablehnung von   Kapitalismus und Imperialismus.<\/p>\n<p>  Dies wird angeheizt durch die riesige Schere zwischen arm und reich,   welche von Seiten der ArbeiterInnen jetzt in Frage gestellt wird und   durch die massenhafte Opposition gegen den Krieg im Irak und die   kriegstreiberischen Aktionen des US-Imperialismus weltweit. Noch haben   diese Bewegungen keinen organisierten politischen Ausdruck in Form einer   Massenpartei der US-Arbeiterklasse gefunden, aber die Handlungen des   Bush-Regimes bereiten den Boden f&#252;r genau solch eine Entwicklung.<\/p>\n<p>  Das brutale r&#246;mische Imperium der Antike provozierte Sklavenaufst&#228;nde &#8211;   dieses moderne &#8222;Imperium&#8220; wird es ihm gleichtun. Allerdings konnten die   SklavInnen des alten Rom noch keine h&#246;here Form von Produktion und   Entwicklung der Gesellschaft erreichen. Die modernen LohnsklavInnen des   Kapitalismus &#8211; sowohl in den entwickelten als auch in den neokolonialen   L&#228;ndern &#8211; repr&#228;sentieren den Fortschritt der Menschheit, eine   sozialistische Zukunft und eine global geplante Wirtschaft als Antwort   auf Militarismus und Barbarei des US-Imperialismus und des Systems, auf   dem er basiert.<\/p>\n<p>  <i>Peter Taaffe ist Generalsekret&#228;r der Socialist Party in England und   Wales und Mitglied im Internationalen Sekretariat des Komitees f&#252;r eine   Arbeiterinternationale. Er ist Autor zahlreicher B&#252;cher, zuletzt &#252;ber   den britischen Generalstreik von 1926. Dieser Artikel erschien zuerst in   der englischen Wochenzeitung The Socialist.<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Peter Taaffe untersucht die Perspektiven f&#252;r den US-Imperialismus&#160;&#160;&#160;\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[42],"tags":[270,251],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11684"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11684"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11684\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11684"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11684"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11684"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}