{"id":11673,"date":"2006-06-28T10:41:10","date_gmt":"2006-06-28T10:41:10","guid":{"rendered":".\/?p=11673"},"modified":"2006-06-28T10:41:10","modified_gmt":"2006-06-28T10:41:10","slug":"11673","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/06\/11673\/","title":{"rendered":"Schl&#228;gt das &#8222;Imperium&#8220; noch mal zur&#252;ck?"},"content":{"rendered":"<p>  Die Entwicklungen im Nahen Osten laufen f&#252;r Bush-Regierung nicht nach   Plan <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Eine Armee von 1,25 Millionen Soldaten, 725 offizielle Milit&#228;rbasen in   aller Welt, ein Waffenetat so gro&#223; wie der aller anderen L&#228;nder zusammen   &#8211; und trotzdem bekommt die Weltmacht Nr. 1 beim Versuch, eine &#8220;neue   Weltordnung&#8220; (Bush senior) zu schaffen, immer gr&#246;&#223;ere Probleme.<\/p>\n<p>  <i>von Conny Dahmen, K&#246;ln<\/i><\/p>\n<p>  Die Risiken und Nebenwirkungen der Bush-Politik geraten jetzt zunehmend   au&#223;er Kontrolle: Der Nahe Osten versinkt immer mehr in Chaos. Inzwischen   muss sich Bush junior, &#8222;der unmittelbar nach dem Irak-Krieg in Umfragen   noch Beliebtheitsrekorde eingefahren hatte, sogar mit Richard Nixon   vergleichen lassen&#8220; (Der Spiegel 20\/2006) &#8211; der in den Siebzigern seinen   Hut nehmen musste. Selbst ein Teil des Establishments steht dem   Kriegskurs mittlerweile skeptisch gegen&#252;ber.<\/p>\n<p>  Vom &#8222;Wiederaufbau&#8220; in Afghanistan und im Irak hat nur eine Schicht   korrupter Politiker und eine Handvoll von Gro&#223;konzernen profitiert,   w&#228;hrend Millionen hungern. Wirtschaft und Infrastruktur liegen weiter   unter Vorkriegsniveau. Ethnische und religi&#246;se Spannungen nehmen zu.   Beide Staaten sind auf dem Weg in den B&#252;rgerkrieg.<\/p>\n<p>  <b>Afghanistan<\/b><\/p>\n<p>  Viereinhalb Jahre nach der Invasion in Afghanistan sind die Taliban nach   wie vor Herrscher &#252;ber weite Teile des Landes. Bislang spottete man,   dass Pr&#228;sident Karsai nur der B&#252;rgermeister von Kabul w&#228;re. Aber selbst   in Kabul regt sich jetzt Widerstand. Nach einem Verkehrsunfall, der von   amerikanischen Truppen verursacht worden war und der sechs Tote und ein   Dutzend Verletzte forderte, brachen dort die gr&#246;&#223;ten Unruhen seit Ende   des Krieges 2001 aus. K&#228;mpfe der ausl&#228;ndischen Streitkr&#228;fte mit   Aufst&#228;ndischen versch&#228;rfen sich vor allem jetzt, da die &#8222;Schutztruppe&#8220;   Isaf ihre Pr&#228;senz in die Taliban-Hochburgen im S&#252;den und Osten des   Landes ausdehnen und so die US- Kr&#228;fte teilweise ersetzen soll.<\/p>\n<p>  <b>Irak<\/b><\/p>\n<p>  Im Irak plant der US-Imperialismus 32.000 der 132.000 US-Soldaten   abzuziehen und durch einheimische Truppen zu ersetzen, durch S&#246;ldner und   verschiedene sunnitische, schiitische, und kurdische Milizen. 70 Prozent   der IrakerInnen sind f&#252;r einen sofortigen Abzug der Besatzungstruppen.<\/p>\n<p>  Nicht nur SunnitInnen k&#228;mpfen jetzt gegen sie, mittlerweile treten auch   immer mehr SchiitInnen in den Widerstand ein, da die Besatzung den   schiitischen F&#252;hrern keine der erwarteten Vorteile verschafft hat (60   Prozent der Bev&#246;lkerung sind SchiitInnen; Saddam Hussein st&#252;tzte sich   seinerzeit aber vor allem auf die sunnitische Minderheit). Offiziell   kommen im Schnitt t&#228;glich 36 ZivilistInnen ums Leben. Die Zahl der   Luftangriffe hat sich von rund 25 monatlich zu Beginn des letzten Jahres   auf rund 150 im Dezember erh&#246;ht.<br \/>Inwieweit Bush der irakischen   Regierung die Drecksarbeit aufdr&#252;cken kann, ist fraglich. Bei den   Parlamentswahlen errang das pro-imperialistische schiitische B&#252;ndnis von   Allawi nicht mal ein Viertel der 275 Parlamentssitze; die Mehrheit der   Sitze ging an die Vereinigte Irakische Allianz von Sciri and Dawa, die   mit dem Iran verbunden sind und heute mit ihre eigenen Todesschwadronen   und Geheimgef&#228;ngnissen die ethnischen Konflikte weiter anheizen.<\/p>\n<p>  <b>Pal&#228;stina<\/b><\/p>\n<p>  Nachdem die Hamas bei den Wahlen Fatah &#252;bertrumpfte, will Israel als   zentraler B&#252;ndnispartner des US-Imperialismus in der Region die   Hamas-Regierung aushungern und sorgten zum Beispiel f&#252;r die Streichung   der Wirtschaftshilfe. Darum k&#246;nnen die L&#246;hne von 130.000 Besch&#228;ftigten   nicht ausbezahlt werden, 70 Prozent der Schulen droht die Schlie&#223;ung.   Die Regierung soll zudem durch die geplante Volksbefragung am 26. Juli   untergraben werden, die&#160; &#252;ber die Errichtung eines eigenen Staates in   Koexistenz mit Israel entscheiden soll. Vor diesem Hintergrund gab es in   den letzten Wochen immer wieder bewaffnete Zusammenst&#246;&#223;e zwischen Hamas-   und Fatah-Milizen. Eine Eskalation dieses Konfliktes k&#246;nnte den Bestand   der Pal&#228;stinenserbeh&#246;rde gef&#228;hrden und damit zu einer erneuten direkten   Besatzung Israels in Gaza und Westbank f&#252;hren.<\/p>\n<p>  <b>Iran <\/b>    <\/p>\n<p>  Das iranische Regime mit seinen Verbindungen zu den schiitischen Kr&#228;ften   in Afghanistan, im Irak und in Pal&#228;stina strebt danach, zur   entscheidenden Regionalmacht aufzusteigen. Der Einfluss von den USA   nahestehenden korrupten Regierungen in der Region ist zur&#252;ckgegangen.<\/p>\n<p>  Der Iran ist der viertgr&#246;&#223;te &#214;lproduzent weltweit und intensiviert   gerade seine Kontakte nach Russland und China. Bush will dagegen   angehen. Er ist allerdings in einer schwierigen Lage.&#160; Eine Option w&#228;re   die Bombardierung von iranischen Atomanlagen &#8211; kein einfaches   Unterfangen, das Massenproteste gegen die USA und ihre Verb&#252;ndeten zur   Folge h&#228;tte. Eine Invasion mit Bodentruppen erscheint derzeit so gut wie   ausgeschlossen. Die US-Soldaten sind bereits an zu vielen anderen   Punkten gebunden. So schrieb die New York Times am 9. M&#228;rz: &#8222;Die   amerikanische Politik im Nahen Osten hat den Iran unberechenbarer und   m&#228;chtiger gemacht, als er vor der Invasion im Irak gewesen war, w&#228;hrend   sie praktisch jeden Spielraum f&#252;r den Einsatz von US-Milit&#228;r zu nichte   machte.&#8220;<\/p>\n<p>  Mitte Februar wollte US-Au&#223;enministerin Condoleezza Rice weitere 75   Millionen Dollar in Oppositionsgruppen innerhalb und au&#223;erhalb des Irans   investieren &#8211; es lassen sich aber kaum pro-amerikanische Gruppen finden.   Mittlerweile wird von einem &#8222;Wechsel innerhalb des Regimes&#8220; gesprochen.   Dazu kommt, dass andere Gro&#223;m&#228;chte wie China und Russland gegen einen   Konfrontationskurs sind. Aber auch Frankreich und Deutschland (beide   wichtige Handelspartner des Iran) sind nat&#252;rlich nicht an einer   Neuordnung der ganzen Region einzig unter der Vorherrschaft des   US-Imperialismus interessiert.<\/p>\n<p>  <b>Albtraum ohne Ende?<\/b><\/p>\n<p>  Zahlreiche Brandherde k&#246;nnten den Nahen Osten in Flammen aufgehen   lassen. Die ethnischen und religi&#246;sen Konflikte werden sich nicht auf   kapitalistischer Basis l&#246;sen lassen. Schon heute wird die Spirale aus   Gewalt, Arbeitslosigkeit und Armut f&#252;r die Massen der ArbeiterInnen,   Bauern und Jugendlichen in diesen L&#228;ndern t&#228;glich unertr&#228;glicher. Es   entstehen zumindest einzelne wichtige Ans&#228;tze f&#252;r massenhafte Gegenwehr:   Im Gaza-Streifen entwickelten sich j&#252;ngst Komitees, die f&#252;r Gesundheit,   Bildung und Arbeitslosenversicherung k&#228;mpfen. In Teheran f&#252;hrte die neu   gegr&#252;ndete Busfahrer-Gewerkschaft Anfang des Jahres einen harten   Arbeitskampf. Diese Ansatzpunkte m&#252;ssen international unterst&#252;tzt   werden. N&#246;tig ist gemeinsamer Widerstand &#252;ber ethnische und religi&#246;se   Schranken hinweg gegen Sozialabbau, Kriege, Imperialismus und das   kapitalistische Profitsystem.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>      Die Entwicklungen im Nahen Osten laufen f&#252;r Bush-Regierung nicht nach<br \/>\n      Plan<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[64],"tags":[183],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11673"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11673"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11673\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11673"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11673"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11673"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}