{"id":11667,"date":"2006-06-23T13:57:41","date_gmt":"2006-06-23T13:57:41","guid":{"rendered":".\/?p=11667"},"modified":"2006-06-23T13:57:41","modified_gmt":"2006-06-23T13:57:41","slug":"11667","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/06\/11667\/","title":{"rendered":"Weitere Enteignung statt &#8220;Optimierung&#8221;!"},"content":{"rendered":"<p>In den letzten Wochen war in der Presse des &#246;fteren von Hartz-IV-Schmarotzern zu lesen. In diesem Zusammenhang wurde nach der Stallpflicht f&#252;r jugendliche ALG-Empf&#228;nger jetzt bekanntlich ein &#8220;Optimierungsgesetz&#8221; f&#252;r Hartz IV auf den Weg gebracht. <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>von Krischan, Berlin <\/i>    <\/p>\n<p>  <b class=\"moz-txt-star\">Kleine Vorgeschichte <\/b>    <\/p>\n<p>  Vor einigen Wochen erst wurden die Zumutungen f&#252;r jugendliche   ALG-II-Bezieher drastisch versch&#228;rft. Es wurde eine Art Residenzpflicht   bis zum 25. Lebensjahr in der elterlichen Wohnung durchgesetzt sowie der   ALG-II-Satz auf 80 % gek&#252;rzt. Das soll etwa eine Einsparung von 500   Millionen Euro im Jahr 2006 ergeben und 1,5 Milliarden im Jahr 2007, die   Folgen f&#252;r die Betroffenen interessieren da nicht. Wie soll jemand   beweisen, dass es f&#252;r den Auszug aus dem elterlichen Haushalt einen   &#8220;berechtigten&#8221; Anspruch gibt, Big Brother in Deutschland. Vor kurzem   wurde nun ein &#8220;Optimierungsgesetz&#8221; zur Senkung der Ausgaben im   ALG-II-Bereich durchgesetzt.<b class=\"moz-txt-star\"> <\/b>    <\/p>\n<p>  <b class=\"moz-txt-star\">Mediale Vorbereitung <\/b>    <\/p>\n<p>  Seit Monaten wurde in den Bl&#228;ttern der Republik zur &#8220;Jagd&#8221; auf   Erwerbslose geblasen. So wurden in Hamburg Anw&#228;rter auf einen   Ein-Euro-Job zur Annahme des selben noch &#246;ffentlich vorgef&#252;hrt (Bericht   aus der jungen Welt). In Berliner Boulevardbl&#228;ttern war von einer   Familie mit Migrationshintergrund zu lesen, die mehrere hunderttausend   Euro &#8220;ergaunert&#8221; haben sollen. Was dabei gern &#252;bersehen wird, ist, dass   die Anspr&#252;che durchaus berechtigt waren und die Zahlen der Presse   wesentlich zu hoch angesetzt waren.<\/p>\n<p>  Weiter ging die Kampagne mit nie belegten Behauptungen, wie dass 25 %   der ALG-II-Bezieher Leistungen zu Unrecht beziehen w&#252;rden, die Zahl   stammt &#252;brigens aus der &#8220;Clement&#8221;-Brosch&#252;re in der von Parasiten und   Schmarotzern die Rede war.<\/p>\n<p>  <b class=\"moz-txt-star\">Weitere Enteignung zu Gunsten des Kapitals <\/b>    <\/p>\n<p>  Die insgesamt 56 &#196;nderungen auf 45 Seiten werden massive Einschnitte f&#252;r   die Betroffenen mit sich bringen. Einige der h&#228;rtesten Punkte sollen   kurz angerissen werden.<b class=\"moz-txt-star\"> <\/b>    <\/p>\n<p>  Die Verlagerung der Beweispflicht f&#252;r ehe&#228;hnliche Gemeinschaften von der   Arbeitsagentur auf die Betroffenen d&#252;rfte dort f&#252;r Ratlosigkeit sorgen.   Bis zum heutigen Tag wurde nicht bekannt, wie zuk&#252;nftig die Kriterien   aussehen sollen. Neu ist auch, dass eine &#8220;Anerkennung&#8221; einer   Gemeinschaft seitens der ArGe jetzt nach einem Jahr automatisch m&#246;glich   sein soll. Der Datenschutz wird mit den zuk&#252;nftigen Anforderungen zur   Erbringung der Beweislast auch weiter aufgeweicht werden.<b class=\"moz-txt-star\"> <\/b>    <\/p>\n<p>  Ein anderer Punkt ist die Aufstellung eines Au&#223;endienstes zur   &#220;berwachung von ALG-II-Beziehern, um angebliche &#8220;erschlichene   Leistungen&#8221; aufzusp&#252;ren. Ziel dieser Ma&#223;nahme sind neben Einsparungen   auch die weitere Verunsicherung und Stigmatisierung von Erwerbslosen.<b class=\"moz-txt-star\"> <\/b>    <\/p>\n<p>  Die Liste der einzelnen Angriffe lie&#223;e sich noch lange fortsetzen,   s&#228;mtliche Punkte des neuen Gesetzes finden sich im Internet.<b class=\"moz-txt-star\"> <\/b>    <\/p>\n<p>  Im Ganzen beinhaltet das neue &#8220;Optimierugsgesetz&#8221; ausschlie&#223;lich   Verschlechterungen f&#252;r Hartz-IV-Empf&#228;nger, begr&#252;ndet mit bewussten L&#252;gen   seitens der etablierten Politiker.<b class=\"moz-txt-star\"> <\/b>    <\/p>\n<p>  <b class=\"moz-txt-star\">Konkrete Zahlen <\/b>    <\/p>\n<p>  Seit einigen Monaten wird von verschiedenen Politikern behauptet, dass   die Kosten f&#252;r das ALG II explodieren w&#252;rden. Wahr ist, dass die   Berechnungen f&#252;r das ALG II auf Grundlage von Zahlen aus dem Jahr 2003   get&#228;tigt wurden, ebenso dass der Mehrbedarf f&#252;r das ALG II f&#252;r 2006 bei   circa 2,5 Milliarden liegen wird. Zahlen von zig Milliarden Euro sind   frei erfunden und entbehren jeglicher realistischer Grundlage.<b class=\"moz-txt-star\"> <\/b>    <\/p>\n<p>  W&#252;rden konkrete Ma&#223;nahmen gegen die herrschende Arbeitslosigkeit in   Angriff genommen, so w&#228;ren Gesetze wie Hartz und andere &#252;berfl&#252;ssig.   Allein mit einer fl&#228;chendeckenden Einf&#252;hrung der 35-h-Woche w&#252;rde mehr   als 1,3 Millionen Arbeitspl&#228;tze geschaffen. Mit einem &#246;ffentlichen   Investionsprogramm, in den Bereichen Bildung, Kommunales, Jugend usw.,   w&#228;ren weiter hunderttausende Jobs m&#246;glich. Eine erste   Finanzierungsm&#246;glichkeit w&#228;re die konkrete Umsetzung der bestehenden   Gesetze. Jedes Jahr gehen durch Steuerhinterziehung rund 11 Milliarden   Euro verloren. Weiter M&#246;glichkeiten liegen bei der Gewerbesteuer, der   Einf&#252;hrung einer Verm&#246;genssteuer, einer stark progressiven   Einkommenssteuer und st&#228;rkerer Belastung von Gro&#223;konzernen.<\/p>\n<p>  Die gro&#223;spurig angek&#252;ndigte Reichensteuer, die von Unternehmerseite als   Weltuntergang gebrandmarkt wurde, ist nur Schein. Die sogenannte   Reichensteuer wird im ersten Jahr gerademal 127 Millionen Euro   einbringen.<\/p>\n<p>  <b class=\"moz-txt-star\">N&#228;chste Aufgaben <\/b>    <\/p>\n<p>  Blickt man auf die n&#228;chsten Monate, ergibt sich einiges an Potenzial f&#252;r   Widerstand.<\/p>\n<p>  Die Demonstration am 3. Juni in Berlin konnte das nur im Ansatz zum   Ausdruck bringen &#8211; auf grund der fortgef&#252;hrten Blockadehaltung der   Gewerkschaftsf&#252;hrung. Schon 2004 unterlie&#223; es die Gewerkschaftsf&#252;hrung,   die Bewegung gegen HartzIV zu unterst&#252;tzen, mit den bekannten   Auswirkungen.<\/p>\n<p>  Um weitere Angriffe abzuwehren ist eine St&#228;rkung der gewerkschaftlichen   Basisaktivisten n&#246;tig, verbunden mit einer breiter angelegten Vernetzung   der Aktivisten aus den sozialen Bewegungen. Das wir von der   Gewerkschaftsf&#252;hrung in absehbarer Zeit nicht viel zu erwarten haben,   zeigte der vor kurzem zu Ende gegangene Gewerkschaftstag des DGB. Eine   handfeste &#196;nderung der Gewerkschaftspolitik kann nur von durch massiven   Druck einer innergewerkschaftlichen Opposition und Initiativen von den   betrieblichen Aktivisten erreicht werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den letzten Wochen war in der Presse des &#246;fteren von<br \/>\n    Hartz-IV-Schmarotzern zu lesen. 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