{"id":11657,"date":"2006-06-07T14:54:21","date_gmt":"2006-06-07T14:54:21","guid":{"rendered":".\/?p=11657"},"modified":"2006-06-07T14:54:21","modified_gmt":"2006-06-07T14:54:21","slug":"11657","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/06\/11657\/","title":{"rendered":"Weltwirtschaft: &#8222;Korrektur&#8220; oder Crash?"},"content":{"rendered":"<p>  War es nur eine zeitweilige &#8222;Korrektur&#8220; von Spekulationsblasen oder ein   Vorbote des Einsetzens einer tieferen Krise?<br \/>  <i>von Lynn Walsh, Socialist Party, CWI-Britannien<\/i> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  In der zweiten Maiwoche gab es Turbulenzen auf den globalen   Finanzm&#228;rkten. Kurz nachdem die Aktienkurse beinahe auf Rekordh&#246;hen   gestiegen waren, kam es zu empfindlichen Einbr&#252;chen auf den weltweiten   Aktienm&#228;rkten, besonders aber in sogenannten &#8222;Wachstumsm&#228;rkten&#8220; wie   Indien und der T&#252;rkei. Preise von Waren wie Kupfer, die &#252;ber die letzten   Monate geboomt hatten, mussten ebenfalls Einbu&#223;en verbuchen. Es gab eine   generelle Flucht von spekulativen Kapital weg von riskanten (aber   potentiell sehr ertragreichen) Investitionen hin zu sichereren   Anlageobjekten, besonders W&#228;hrungs- und Regierungsanleihen. Lynn Walsh   untersucht diese Entwicklungen und die zugrunde liegenden Widerspr&#252;che   und Instabilit&#228;ten des weltweiten kapitalistischen Systems.<\/p>\n<p>  Das war die Frage, die von F&#252;hrungsspitzen des Kapitalismus und   b&#252;rgerlichen KommentatorInnen nerv&#246;s gestellt wurde. Einige Finanziers   hatten einen Crash gef&#252;rchtet, riskante Aktivposten abgesto&#223;en (sie   sammelten damit Profite von unl&#228;ngst in die H&#246;he geschraubten Preisen   ein) und nahmen Zuflucht in sichereren Investitionen.<\/p>\n<p>  Nach ein paar Tagen allerdings sprangen die Aktienpreise in den   entwickelten kapitalistischen L&#228;ndern zur&#252;ck. In New York, London und   anderen Industriel&#228;ndern fielen die Aktienpreise um insgesamt etwa 4-5   Prozent, die Preise in &#8222;Wachstumsm&#228;rkten&#8220; wie Russland, der T&#252;rkei,   Indien, Mexiko etc fielen um 10 Prozent oder mehr (obwohl einige sich   sp&#228;ter erholten).<\/p>\n<p>  Der Teil-Ausverkauf scheint ausgel&#246;st worden sein durch &#196;ngste vor einer   steigenden Inflation in den USA, wo die &#8222;Kern&#8220;-Inflation (ohne   Lebensmittel- und &#214;lpreise) auf eine j&#228;hrliche Rate von 3,2 Prozent   anstieg (zum Vergleich: die j&#228;hrliche Rate 2005 betrug 2,3 Prozent).   Dahinter lag die tiefersitzende Angst, dass die US-Notenbank mit einer   weiteren Anhebung der Zinsen reagieren und damit die &#196;ra der   ultra-billigen Kredite beenden w&#252;rde.<\/p>\n<p>  Die SpekulantInnen nahmen kurz darauf ihre fanatische Jagd nach Profiten   wieder auf. KapitalistInnen &#252;berall seufzten einen Sto&#223;seufzer der   Erleichterung. Die meisten von ihnen glauben selbstzufriedenerweise dass   die neuen Technologien und die Globalisierung unbegrenztes Wachstum und   Profitabilit&#228;t&#160; garantieren und Crashs und wirtschaftliche Kriesen in   den M&#252;lleimer der Geschichte verbannen.<\/p>\n<p>  In Wirklichkeit offenbaren die Mai-Turbulenzen die fragile Situation der   globalen kapitalistischen Wirtschaft die auf Basis von Anarchie   funktioniert. Bis jetzt scheinen sie haupts&#228;chlich eine Korrektur von   fieberhaften Investitionen in einigen der spekulativsten M&#228;rkte zu sein:   &#252;berbewertete Aktien in Wachstumsm&#228;rkten, riskante Anleihen an   zwielichtigen Unternehmen, Industrieg&#252;tern (wie z.B. Kupfer), &#214;l und Gas   sowie Fremdw&#228;hrungsanleihen. Im letzten Jahr haben sich spekulative   Blasen in all diesen Marktsektoren entwickelt, mit   Finanzierungsgesellschaften und Hedge Fonds an der Vorfront der   Aktivit&#228;ten.&#160;<\/p>\n<p>  Aber die Mai-Episode zeigt die dominante, parasit&#228;re Rolle des   Finanzkapitals, die von Natur aus sprunghaft und destabilisierend ist.   Vor allem aber hilft die zeitweilige Erholung der Finanzm&#228;rkte seit   Mitte Mai keineswegs, die nicht aufrecht zu erhaltenden Handels- und   W&#228;hrungsungleichgewichte in der Weltwirtschaft zu &#252;berwinden.<\/p>\n<p>  <b>Spekulatives Kapital <\/b>    <\/p>\n<p>  Der Wachstum von spekulativem Finanzkapital spiegelt die Intensivierung   der Ausbeutung der ArbeiterInnenklasse wieder, in den entwickelten   kapitalistischen L&#228;ndern, aber vor allem auch in der neokolonialen Welt.<\/p>\n<p>  Die neoliberale Politik des &#8222;ultra-freien Markts&#8220;, die von Regierungen   seit den fr&#252;hen 1980ern umgesetzt wird, hat die Profite von Unternehmen   und Finanzgesellschaften enorm gesteigert, gleichzeitig aber auch den   Anteil der KapitalistInnenklasse am weltweiten Reichtum erh&#246;ht. Vor 20   Jahren gab es laut Forbes Magazine 140 Milliard&#228;rInnen, heute gibt es   793 Milliard&#228;rInnen (allein in diesem Jahr sind 102 neue dazugesto&#223;en).<\/p>\n<p>  W&#228;hrend es verst&#228;rkt Investitionen in China und einer Handvoll anderer   Billiglohnl&#228;nger gibt, gibt es keinen generellen Anstieg an   Kapitalinvestitionen in neue Fabriken, Maschinen, Werke. Seit 2000 ist   der Einsatz von Kapital in OECD L&#228;ndern nur mit 2 % pro Jahr gewachsen,   weniger als die H&#228;lfte der Wachstumsrate in den 1960ern (w&#228;hrend des   Nachkriegsaufschwungs).<\/p>\n<p>  In den USA nehmen Finanzunternehmen 30-40 % der gesamten Profite durch   US-Unternehmen ein (mehr als 50 % wenn Finanzaktivit&#228;ten von Industrie-   und Handelsunternehmen miteinberechnet werden), im Gegensatz zu 10-15%   in den 50er und 60er Jahren.<\/p>\n<p>  Statt umfassenden Investitionen in neue Produktionsmittel haben die   Superreichen und gro&#223;en Konzerne ihre Jagd nach Profiten durch   spekulative Investitionen intensiviert. Die Deregulierung und   Globalisierung von internationalen Finanzm&#228;rkten hat schier endlose   M&#246;glichkeiten f&#252;r Profite er&#246;ffnet. Die Super-Profite der Konzerne und   der kolossale pers&#246;nliche Reichtum der KapitalistInnen stellen einen   scheinbar unersch&#246;pfliches Reservoir an Liquidit&#228;t zur Verf&#252;gung.<\/p>\n<p>  SpekulantInnen haben allerdings von gro&#223;z&#252;gig gew&#228;hrten billigen   Krediten enorme Vorteile gezogen &#8211; sie m&#252;ssen nicht mit ihrem eigenen   Geld spekulieren. Gro&#223;e kapitalistische Regierungen wie Japan seit den   1980ern und die USA nach 2000 haben die Zinsen auf beinahe Null-Niveau   gesenkt in dem Versuch, Finanzkrisen abzuwenden und das Wachstum zu   stimulieren.<\/p>\n<p>  Enorme Profite und scheinbar unbegrenzte billige Kredite haben mehrere   Blasen &#252;ber die letzten Jahre geschaffen. Die B&#246;rsenblase der 90er in   den USA und anderswo war angetrieben von billigen Krediten, wie auch die   aktuelle Immobilienblase. Beide spielten jeweils eine zentrale Rolle   darin, Konsum und Nachfrage durch den &#8222;Wohlstandseffekt&#8220; &#8211; den Umtausch   von Kapitalgewinnen in Konsumausgaben durch Kredite &#8211; zu stimulieren.<\/p>\n<p>  In den letzten Jahren haben KapitalinvestorInnen verzweifelt versucht,   neue Quellen f&#252;r Extra-Profite und Anlagem&#246;glichkeiten f&#252;r ihre Gelder   zu finden &#8211; Investitionen, die Profite &#252;ber der durchschnittlichen   Aussch&#252;ttung von &#8222;sicheren&#8220; Anteilen und Anlagen lukrieren. Daher der   Anstieg an Investitionen im W&#228;hrungshandel, &#8222;Junk&#8220;-Anleihen,   Handelsg&#252;tern und Anteile in &#8222;Wachstumsm&#228;rkten&#8220;.<\/p>\n<p>  &#220;bersch&#252;ssige Investitionen in diese Anlageg&#252;ter haben deren Wert enorm   in die H&#246;he getrieben und &#252;berbewertet. Eine Flut von Fremdinvestitionen   in Aktien auf dem indischen B&#246;rsenmarkt z.B. hat auch lokale   KapitalistInnen ermutigt, sich der Spekulationsorgie anzuschlie&#223;en. Als   Folge davon wurden die Aktienpreise weit &#252;ber jegliche rationelle   Einsch&#228;tzung bez&#252;glich ihres tats&#228;chlichen Werts in die H&#246;he getrieben.   Der scharfe Fall der Preise im Mai war eine unvermeidliche Korrektur. Es   bleibt abzuwarten, ob Aktien in L&#228;ndern wie Indien (wo Anteile um 25 %   fielen) sich erholen werden, und wie viele SpekulantInnen und   H&#228;ndlerInnen als Folge ihrer Verluste bankrott gehen.<\/p>\n<p>  Die Korrekturen im Mai haben die gro&#223;en internationalen Spekulanten und   Finanzgesellschaften vorsichtiger gemacht &#8211; f&#252;rs erste. Aber die   zugrunde liegenden Bedingungen, die die Blase produziert haben,   existieren nach wie vor und neue Blasen werden entstehen &#8211; bis es zu   einer drastischeren &#8222;Korrektur&#8220; kommt, einem tats&#228;chlichem Crash.<\/p>\n<p>  Wie genau es dazu kommen wird, ist schwer vorherzusagen. Im Moment   w&#228;chst die &#8222;reale&#8220; Wirtschaft (die Produktion gemessen anhand des   Bruttoinlandsprodukts). Der IWF prognostiziert f&#252;r das heurige Jahr 4,9   % Wachstum. Aber abgesehen vom entgegenwirkenden Effekt von h&#246;heren   Energie- und Warenpreisen (die beginnen eine Auswirkung auf das Wachstum   zu haben), k&#246;nnte das aktuelle Wachstum sehr rasch von einer neuen   Finanzkrise abgew&#252;rgt werden. Das k&#246;nnte von einer erzwungenen   Neufestsetzung der Wechselkurse der wichtigen Handelsw&#228;hrungen (US   Dollar, Euro, Yen) herbeigef&#252;hrt werden, unvermeidlich an einem   bestimmten Punkt in der nicht zu fernen Zukunft. Eine Finanzkrise k&#246;nnte   auch durch den Zusammenbruch einer der gro&#223;en Finanzgesellschaften oder   mehrerer der gro&#223;en SpekulantInnen ausgel&#246;st werden.<\/p>\n<p>  Angesichts der enormen Schulden auf deren Basis das System operiert und   der Komplexit&#228;t von Finanzinstrumenten wie zum Beispiel Derivaten &#8211; vom   ber&#252;hmten Investor Warren Buffet als &#8222;Massenvernichtungswaffen&#8220;   bezeichnet &#8211; sind gro&#223;e Bankrotte unvermeidbar.<\/p>\n<p>  1998, nach dem Zusammenbruch des russischen Rubels, ging der Hedge Fonds   &quot;Long Term Capital Management&quot; (LTCM) pleite. Die Auswirkungen h&#228;tten   katastrophal sein k&#246;nnen. Ein systematischer Zusammenbruch der globalen   Finanzm&#228;rkte wurde nur durch eine 3,6 Milliarden Rettungsaktion durch   ein Konsortium von Banken, das von der US Notenbank organisiert worden   war, verhindert. Selbst jetzt wird mehr als eine neue Zeitbombe wie LTCM   geschaffen, die nur darauf wartet zu explodieren.<\/p>\n<p>  <b>Handels- und W&#228;hrungsungleichgewichte <\/b>    <\/p>\n<p>  Der Chef-&#214;konom der OECD, Jean-Philippe Cotis, hiess die Mai-Turbulenzen   als notwendige Korrektur der &#252;berbewerteten riskanten   Investment-Anleihen willkommen. Aber er warnte, dass die Risiken   zunehmen, die ein Wachstum der Weltwirtschaft bedrohen. Die   Hauptbedrohung seien dabei die beispiellosen Ungleichgewichte zwischen   tief verschuldenten Defizit-Wirtschaften wie den USA und &#8222;fl&#252;ssigen&#8220;   &#220;berschusswirtschaften wie China.<\/p>\n<p>  Entgegen aller normaler Regeln kapitalistischer Wirtschaftslehre war und   ist der Doller eine &#252;berbewertete harte W&#228;hrung (aufgrund des   Kapitalflusses in die USA) w&#228;hrend der chinesische Yuan (oder RMB) stark   unterbewertet war und ist (weil der Yuan auf einer unrealistisch   niedrigen Wechselkursrate an den Dollar gebunden war). &#8222;Eine brutale   Aufl&#246;sung solcher Ungleichgewichte&#8220;, warnt Cotis, &#8222;w&#252;rden die   Weltwirtschaft empfindlich verletzen&#8220; (Financial Times, 24. Mai 2006).   Die Beziehung zwischen den USA und China ist der Dreh- und Angelpunkt   der Weltwirtschaft. US-KonsumentInnen stellen einen unerl&#228;sslichen Markt   f&#252;r Chinas Waren- und G&#252;terexporte dar (sowie auch jener Japans,   S&#252;dostasiens und anderer Regionen). Aber die US-Konsumausgaben basieren   auf Verschuldung.<\/p>\n<p>  Innerhalb der US-Wirtschaft haben viele KonsumentInnen ihren   Lebensstandard nur durch Hypotheken auf ihre H&#228;user aufrechterhalten   k&#246;nnen, da die Einkommen der ArbeiterInnen zugunsten der Profite der   Unternehmen leiden. Das war m&#246;glich aufgrund des Immobilienbooms und   aufgrund von billigen Krediten\/Hypotheken.<\/p>\n<p>  Der Anstieg der Immobilienpreise verlangsamt sich nun allerdings und das   Anheben der Zinsen durch die US-Notenbank reduziert den   &#8222;Wohlstandseffekt&#8220; der Immobilienblase. Wenn die Immobilienpreise   stagnieren oder fallen und die Zinsen noch st&#228;rker ansteigen, wird das   die Konsumnachfrage empfindlich beeintr&#228;chtigen. Mehr noch, h&#246;here   Zinsen in Kombination mit steigender Arbeitslosigkeit bedeuten, dass die   aktuelle Privatverschuldung durch Konsum und Kreditkarten nicht aufrecht   zu erhalten ist. Billige Kredite waren ein Schl&#252;sselfaktor in der St&#228;rke   der Konsumnachfrage in den USA &#8211; und das ist der Grund warum die   KapitalistInnen so vor einer Anhebung der Zinsen als Reaktion auf   steigende Inflation (oder vielmehr als Reaktion auf die Angst der   Notenbank vor steigender Inflation) zur&#252;ckschrecken.<\/p>\n<p>  Nach au&#223;en ist der US-Kapitalismus ebenfalls zu einem hohen Grad   verschuldet. Die USA verbraucht mehr als sie produziert, und importiert   hohe Mengen billiger G&#252;ter aus China und anderen L&#228;ndern der   neokolonialen Welt. Die St&#228;rke des Dollars in den letzten Jahren hat   Importe in die USA f&#252;r die US-KonsumentInnen sogar noch billiger   gemacht. Die Investmentbank Morgan Stanley sch&#228;tzt, dass   US-KonsumentInnen im letzten Jahrzehnt 600 Milliarden Dollar durch den   Kauf billiger G&#252;ter aus China gespart haben. Dadurch dass sie konstant   mehr importiert als exportiert, hat die USA ein schonungslos steigendes   Handelsdefizit. 2005 betrug es 725&#160; Milliarden Dollar oder 7 % des BIP.<\/p>\n<p>  Dieses wiederkehrende Defizit muss durch einen Kapitalfluss in die USA   finanziert werden. Einen Teil dieses Kapitalflusses machen Invesitionen   durch &#220;bersee-KapitalistInnen in US-Unternehmen, Aktien etc. aus. Aber   die Abdeckung des US-Defizits l&#228;uft zunehmend &#252;ber   US-Regierungs-Anleihen, durch die Notenbanken von China, Japan, S&#252;dkorea   und einiger anderer L&#228;nder (auch &#214;lproduzenten) die gro&#223;e   Handels&#252;bersch&#252;sse mit den USA haben. 2005 hatte China einen   Handels&#252;berschuss mit den USA von 201 Milliarden Dollar und hat nun   beinahe 1000 Milliarden Dollar in Fremdw&#228;hrungsreserven (drei Viertel   davon in Dollaranleihen) angeh&#228;uft, mehr sogar als Japan, die 847   Milliarden an Fremdw&#228;hrungsreserven besitzen. Sie haben sozusagen die   Dollar die sie durch ihre Exporte verdient haben recycelt, indem sie sie   zur&#252;ck in die US-Wirtschaft stecken. Ihr Motiv ist klar. Sie sollen den   US-Markt stabil halten um weiter dorthin exportieren zu k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  <b>US Nachfrage<\/b><\/p>\n<p>  Ein Zusammenbruch der Nachfrage in den USA h&#228;tte desastr&#246;se Auswirkungen   auf export-orientierte L&#228;nder, vor allem auf China, das aufgrund der   Armut seiner Bev&#246;lkerung nur &#252;ber sehr beschr&#228;nkte Inlandsnachfrage   verf&#252;gt. Der Kapitalfluss in die USA hat den US-Kapitalismus zum   weltweit gr&#246;&#223;ten Schuldner gemacht, er steht beim Rest der Welt mit 2500   Milliarden Dollar in der Kreide (Kapitalverkehrsbilanz). Das, in   Kombination mit einem steigenden Handelsbilanzdefizit, ist auf Dauer   nicht aufrechtzuerhalten &#8211; und wird Opfer fordern.<\/p>\n<p>  Bis jetzt war der US-Kapitalismus trotz dieser beispiellosen Situation   in der Lage, ungestraft davon zu kommen, aufgrund seiner Gr&#246;&#223;e und   Macht. Der Dollar wurde durch Kapitalfluss in die USA &#8211; was Warenimporte   sogar noch billiger macht &#8211; gest&#252;tzt, trotz Handelsbilanzdefizit. Der   Kapitalfluss in die USA hat erlaubt, die Zinsen auf sehr niedrigem   Niveau zu halten, und so billige Kredite f&#252;r den Immobilienboom und   andere &#8222;Blasen&#8220; in den USA und international zur Verf&#252;gung zu stellen.<\/p>\n<p>  Es hat Bush erlaubt, ein Budgetdefizit sehr billig zu finanzieren (ohne   die Zinsen anheben zu m&#252;ssen). Billige Kredite &#8211; im Gegensatz zur   Erfahrung der Vergangenheit&#8211; haben nicht zu beschleunigter Inflation   gef&#252;hrt, vor allem weil billige Produkte aus China und anderswo die   Preise niedrig hielten.<\/p>\n<p>  Sogar Greenspan von der US-Notenbank hatte realisiert, dass das   &#8222;Billigkreditparadies&#8220; nicht ewig dauern k&#246;nnte. Nach dem Zusammenbruch   der dot.com-Blase im Jahr 2000 versuchte die Notenbank eine   &#8222;kontrollierte&#8220; Abwertung des Dollars. Dem wurde allerdings Widerstand   von Seiten Chinas, Japans etc. entgegengestellt, weil ein schw&#228;cherer   Dollar einen st&#228;rkeren Yuan, Yen, Euro etc bedeutet h&#228;tte, was die   Exporte in die USA verteuert und damit eingeschr&#228;nkt h&#228;tte. Allerdings   begann der Dollar nach einer Pause im Jahr 2005 wieder zu fallen.<\/p>\n<p>  Das stellt ein akutes Dilemma f&#252;r Staaten dar, die gro&#223;e Dollarreserven   (haupts&#228;chlich in Form von US-Regierungsanleihen) besitzen. Wenn sie   diese weiterhin behalten, werden ihre Reserven an Wert verlieren, wenn   der Dollar f&#228;llt. Wenn sie allerdings beginnen ihre Dollarreserven zu   verkaufen, k&#246;nnten sie damit den Fall des Dollars beschleunigen &#8211; und   als Konsequenz viel gr&#246;&#223;ere Verluste erleiden.Es gibt bereits eine um   sich greifende Angst, dass die &#8222;kontrollierte&#8220; Abwertung des Dollars zu   einem gewissen Punkt zu einer Fluchtaktion f&#252;hren k&#246;nnte. Eine Reihe von   Staaten&#160; &#8211; inklusive China&#160; und einer Reihe von &#214;lproduzenten&#8211; haben   unl&#228;ngst begonnen ihre neuen Fremdw&#228;hrungsreserven weg vom Dollar hin   zum Euro zu verlagern. Sie agieren vorsichtig und zu einem gro&#223;en Teil   im Geheimen. Fr&#252;her oder sp&#228;ter werden allerdings auch andere   Dollarbesitzer beginnen ihre Dollarreserven in bedeutenden Mengen zu   verkaufen und zu anderen, st&#228;rkeren W&#228;hrungen zu wechseln.<\/p>\n<p>  Diese Verlagerung hat bereits begonnen und wird schwerwiegende   Konsequenzen haben. Zum ersten wird eine Reduktion von Kapitalfluss in   die USA die US-Regierung und die US-Notenbank zwingen Schritte zu   ergreifen um das Handelsbilanzdefizit und das Budgetdefizit zu   reduzieren.<\/p>\n<p>  Das wird eine Reduktion der US-Konsumnachfrage bedeuten sowie weniger   Nachfrage nach Exportg&#252;tern aus China und dem Rest der Welt. Um die   Mittel zu lukrieren um ihr Doppeldefizit zu finanzieren wird die   US-Notenbank die Zinsen noch st&#228;rker anheben m&#252;ssen. Das wird das Ende   des Billigkredit-Regimes &#8211; zur Zeit ja Grundlage des weltweiten   Wachstums &#8211; bedeuten. Der Fall des Dollars bedeutet eine St&#228;rkung des   Euros (da &#8222;hei&#223;es&#8220; Geld, staatliche W&#228;hrungsreserven etc. von einer   W&#228;hrung in die andere flie&#223;en). Das wird den relativen Preis von   Exporten aus der Euro-Zone erh&#246;hen und damit die j&#252;ngste schwache   Erholung der europ&#228;ischen Wirtschaft wiederum untergraben. Wenn die   US-Zinsen steigen, ist es sehr wahrscheinlich, dass die Zinsen in   Europa, Japan und anderswo gezwungen sind zu folgen (um eine Flucht von   Kapital zu verhindern). Das h&#228;tte einen negativen Effekt auf das   Wachstum in Europa, Japan etc.<\/p>\n<p>  All diese Trends werden negative Auswirkungen auf das   Wirtschaftswachstum und die Stabilit&#228;t der Finanzm&#228;rkte haben. Die Idee,   die von optimistischen KommentatorInnen eingebracht wurde, dass China,   Japan, Deutschland etc. von den USA die Rolle des Zugpferds der   Weltwirtschaft &#252;bernehmen &#8211; auf Basis ihrer eigenen M&#228;rkte &#8211; ist nicht   sehr wahrscheinlich.<\/p>\n<p>  <b>Dot.com-Blase<\/b><\/p>\n<p>  Seit dem Zusammenbruch der Dot.com-Blase 2000\/01 gab es eine Periode von   anhaltenden Wachstums der Weltwirtschaft. Zur selben Zeit haben sich die   darunterliegenden Widerspr&#252;che vor allem in Bezug auf die   Handelsungleichgewichte und W&#228;hrungs&#252;berbewertung auf nie da gewesene   Weise versch&#228;rft.<\/p>\n<p>  Die Polarisierung zwischen arm und reich in den wirtschaftlich   entwickelten, halb-entwickelten und armen L&#228;ndern hat sich ebenfalls in   grotesker Art und Weise versch&#228;rft und damit den Boden f&#252;r neue soziale   Explosionen gelegt.<\/p>\n<p>  Die Idee, die von vielen kapitalistischen F&#252;hrungsspitzen und ihren   StrategInnen promotet wird, n&#228;mlich, dass es eine schrittweise   kontrollierte Umgewichtung der extrem ungleich gewichteten   Weltwirtschaft geben kann, ist ein selbstgef&#228;lliger Traum.<\/p>\n<p>  Der Kapitalismus arbeitet auf Basis von Profitgier, Konkurrenz und der   Anarchie des Markts. W&#228;hrend eine gewisse Zusammenarbeit von Regierungen   zu bestimmten Zeiten m&#246;glich ist, ist es unm&#246;glich, den Kapitalismus so   zu koordinieren und zu planen, dass der Kreislauf von Boom und   Zusammenbruch &#252;berwunden werden kann.<\/p>\n<p>  Es scheint zwar einen hohen Grad an Zusammenarbeit durch die gro&#223;en   Wirtschaftsm&#228;chte im Rahmen von IWF, OECD etc zu geben. Sie sind sich   darin einig, den Lebensstandard der ArbeiterInnenklasse empfindlich zu   beschneiden und zu senken um ihre Profite zu erh&#246;hen und zu halten.   Nichtsdestotrotz bleiben sie Nationalstaaten mit ihren eigenen   Interessen und werden unvermeidlicherweise miteinander in Konflikt   geraten wenn sie versuchen, ihre eigenen Interessen zu retten und die   Kosten f&#252;r die Krise den Schultern ihrer Rivalen abzub&#252;rden.<\/p>\n<p>  F&#252;rs erste scheinen die Maiturbulenzen sich als &#8222;technische Korrektur&#8220;   von &#252;berhitzten M&#228;rkten erledigt zu haben. Aber solche Ereignisse   passieren nicht isoliert. Sie k&#246;nnen nicht getrennt werden von den   darunterliegenden widerspr&#252;chlichen Tendenzen des weltweiten   Kapitalismus.<\/p>\n<p>  Zumindest einige Finanziers h&#246;rten ein &#8222;Echo von 1987&#8220; in den   Mai-Turbulenzen, die den damaligen 20-%-Einbruch der Aktienm&#228;rkte in   Erinnerung riefen. Dieser Einbruch hatte den Weg f&#252;r die lange   Rezession, die 1990 begann, bereitet. Die Mai-Turbulenzen m&#246;gen mehr ein   Zittern als ein Erdbeben gewesen sein. Aber ein solches Zittern k&#252;ndigt   oft Ereignisse an, das auf der Richter Skala wesentlich h&#246;here Wellen   schlagen wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>      War es nur eine zeitweilige &#8222;Korrektur&#8220; von Spekulationsblasen oder ein<br \/>\n      Vorbote des Einsetzens einer tieferen Krise?<\/p>\n<p>\n      <i>von Lynn Walsh, Socialist Party, CWI-Britannien<\/i><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[127],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11657"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11657"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11657\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11657"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11657"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11657"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}