{"id":11656,"date":"2006-06-07T14:52:41","date_gmt":"2006-06-07T14:52:41","guid":{"rendered":".\/?p=11656"},"modified":"2006-06-07T14:52:41","modified_gmt":"2006-06-07T14:52:41","slug":"11656","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/06\/11656\/","title":{"rendered":"15.000 gegen Sozialabbau in Berlin auf der Stra&#223;e &#160;"},"content":{"rendered":"<p>  Unter dem Motto &#8222;Schluss mit den &#8222;Reformen&#8220; gegen uns!&#8220; fand am   vergangenen Samstag in Berlin eine bundesweite Demonstration gegen die   Angriffe der Gro&#223;en Koalition statt, an der etwa 15.000 Menschen   teilnahmen.<br \/>&#160;<!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Zu der Demo hatte ein B&#252;ndnis aus Erwerbslosen- und Sozialinitiativen,   Studierendengruppen, Untergliederungen der Gewerkschaften, der WASG und   der Linkspartei.PDS aufgerufen. Wichtige Forderungen der Demonstranten   waren der sofortige Stopp der Umverteilung von unten nach oben u. a.   durch die Einf&#252;hrung eines Mindestlohnes von 10,- Euro und einer   30-h-Woche bei vollem Lohn- und Personalausgleich sowie die R&#252;cknahme   der Agenda 2010 und der Hartz-IV-Gesetze. Die Demonstration richtete   sich ausdr&#252;cklich gegen die geplante Erh&#246;hung des Renteneintrittsalters   auf 67 Jahre, eine Senkung der Arbeitgeberbeitr&#228;ge zur Kranken- und   Arbeitslosenversicherung, die Verl&#228;ngerung der Probezeit auf zwei Jahre,   den Ausbau von Kombil&#246;hnen, gegen Massenentlassungen, Sozialabbau,   innere Aufr&#252;stung und Krieg.<\/p>\n<p>  <b>Wut in Widerstand verwandeln! <\/b><\/p>\n<p>  Besonders w&#252;tend waren die Demonstranten &#8211; unter denen sich viele   Erwerbslose befanden &#8211; auch &#252;ber die j&#252;ngsten Beschl&#252;sse der   Bundesregierung, erwerbslose Empf&#228;nger von Hartz IV noch st&#228;rker zu   schikanieren. So k&#246;nnen beispielsweise ab dem 1. August jedem Empf&#228;nger   von Hartz IV, der innerhalb von 12 Monaten drei Mal eine &#8222;zumutbare&#8222;   Besch&#228;ftigung oder Qualifizierung ablehnt, jegliche Zahlungen &#8211; also   auch Wohnkostenzusch&#252;sse &#8211; gestrichen werden. Erwachsene bis 25 Jahre   bekommen bereits ab der zweiten Job-Ablehnung alle Gelder gek&#252;rzt.   Stattdessen gibt es dann nur noch Lebensmittelgutscheine. Zur   Erinnerung: als zumutbar gilt seit Hartz IV jede Arbeit, die nicht   &#8222;sittenwidrig&#8220; ist. Dabei ist es f&#252;r die Jobcenter egal, ob ein Lohn   unter dem Existenzminimum liegt. Weitere Angriffe der Bundesregierung   auf Erwerbslose sind geplant, so die K&#252;rzung bei den Regels&#228;tzen der   Empf&#228;nger von Hartz IV. Entsprechend k&#228;mpferisch und lautstark war dann   auch die Demonstration. Die Demonstranten lie&#223;en sich dabei auch nicht   vom starkem Regen abschrecken, der den ganzen Zeitraum &#252;ber anhielt und   bestimmt viele Berlinerinnen und Berliner von einer Beteiligung an der   Demonstration abgehalten hatte. Aber auch bei sch&#246;nem Wetter h&#228;tte die   Demo bestimmt nicht an die Teilnehmerzahlen der Demonstration vom 1.   November 2003 herangereicht, wo 100.000 in Berlin gegen die Agenda 2010   der damaligen rot-gr&#252;nen Bundesregierung auf die Stra&#223;e gingen. Die   damalige Demonstration f&#252;hrte zu einer Aufbruchstimmung, die sich   unmittelbar in Streiks von Studierenden gegen die Einf&#252;hrung von   Studiengeb&#252;hren und auf betrieblicher Ebene gegen Sozialabbau und die   Angriffe auf die Tarifautonomie &#228;u&#223;erten. Sie f&#252;hrte dazu, dass die   Gewerkschaften am 3. April 2004 Demonstrationen mit 500.000   Teilnehmerinnen und Teilnehmern organisierten und dass im Sommer 2004   zehntausende Erwerbslose und Besch&#228;ftigte gegen die Einf&#252;hrung von Hartz   IV auf die Stra&#223;e gingen. Das alles l&#228;utete letztendlich das Ende der   rot-gr&#252;nen Bundesregierung ein und f&#252;hrte auch zur Gr&#252;ndung der neuen   Partei Wahlalternative Arbeit und Soziale Gerechtigkeit (WASG).<\/p>\n<p>  <b>Franz&#246;sisch reden! <\/b><\/p>\n<p>  Eine St&#228;rke der Demo vom 1. November 2003 war gewesen, dass ein Gro&#223;teil   der Demonstranten aus Betrieben und Gewerkschaften kamen. Die Demo vom   letzten Samstag wurde hingegen haupts&#228;chlich von Erwerbslosen- und   Sozialinitiativen sowie Mitgliedern der WASG und LP.PDS gepr&#228;gt. Wenig   vertreten waren auch die Studierenden, die sich derzeit immerhin in   vielen Bundesl&#228;ndern u. a. unter dem Motto &#8222;Franz&#246;sische Verh&#228;ltnisse,   jetzt!&#8220; gegen die Einf&#252;hrung von Studiengeb&#252;hren wehren. Damit nehmen   die Studierenden Bezug auf den Erfolg der franz&#246;sischen Jugendlichen und   Besch&#228;ftigten, die gemeinsam durch massive Proteste auf der Stra&#223;e und   in den Betrieben den Einstellungsvertrag CPE verhindert haben, der f&#252;r   Jugendliche unter 26 Jahren eine zweij&#228;hrige Probezeit vorsah und somit   f&#252;r Jugendliche jeglichen K&#252;ndigungsschutz abschaffen sollte! Und genau   diese Gemeinsamkeit ist es, die bei der Demo vergangenen Samstag noch   fehlte. Die massiven Stra&#223;enproteste und die Androhung eines   unbefristeten Generalstreiks der franz&#246;sischen Gewerkschaften waren es   gewesen, die die franz&#246;sische Regierung zum R&#252;ckzug gezwungen hatte.   &#8222;Franz&#246;sisch reden!&#8220; ist also auch bei uns n&#246;tig. Die fehlende   Mobilisierung aus den Betrieben trug dazu bei, dass die   Gewerkschaftsf&#252;hrung die Demo letzten Samstag regelrecht ignorieren   konnte. Ver.di-Chef Bsirske sagte seine Rede bei der Auftaktkundgebung   sogar kurzfristig &#8222;aus terminlichen Gr&#252;nden&#8220; ab.<\/p>\n<p>  <b>Polizeikn&#252;ppel ins Gesicht <\/b><\/p>\n<p>  Die Herrschenden hingegen scheinen die Demonstration als f&#252;r sie   gef&#228;hrlich genug eingesch&#228;tzt zu haben. Denn anders sind die massiven   Polizei&#252;bergriffe auf die friedlichen Demonstranten nicht zu verstehen.   So kn&#252;ppelte die Polizei sogar auf eindeutig nicht &#8222;autonom&#8220; aussehende   &#228;ltere Demonstrationsteilnehmerinnen und -teilnehmer ein. Als   fadenscheinige Begr&#252;ndung wurden zusammengeknotete Transparente (!)   angef&#252;hrt, sp&#228;ter auch angebliche Farbbeutelw&#252;rfe. All das sind keine   ausreichenden Gr&#252;nde daf&#252;r, dass etliche Demonstranten schwer verletzt   wurden. Einem Demonstranten wurden sogar die Z&#228;hne mit dem Kn&#252;ppel   ausgeschlagen! Diese Polizei&#252;bergriffe fanden immer wieder und selbst   noch bei der Abschlusskundgebung statt und dienten eindeutig dazu, die   Demonstration zu provozieren, zu kriminalisieren und einzusch&#252;chtern.   Dass die Demo aber nicht auseinanderlief und sich der Gro&#223;teil der   Demonstranten solidarisch mit den von der Polizeigewalt Betroffenen   solidarisierten, zeigt, dass ihr Vorhaben nicht gelungen ist. Die   Mehrheit der Demonstranten nahm jedenfalls nicht nur das Gef&#252;hl der   Solidarit&#228;t, sondern auch die Erkenntnis mit nach Hause: Jetzt erst   recht! Und das macht Hoffnung.<\/p>\n<p><i>von Ronald Luther und Krischan   Reichow, Berlin<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>      Unter dem Motto &#8222;Schluss mit den &#8222;Reformen&#8220; gegen uns!&#8220; fand am<br \/>\n      vergangenen Samstag in Berlin eine bundesweite Demonstration gegen die<br \/>\n      Angriffe der Gro&#223;en Koalition statt, an der etwa 15.000 Menschen<br \/>\n      teilnahmen.<br \/>&#160;<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[78],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11656"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11656"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11656\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11656"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11656"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11656"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}