{"id":11646,"date":"2006-06-25T12:36:25","date_gmt":"2006-06-25T12:36:25","guid":{"rendered":".\/?p=11646"},"modified":"2006-06-25T12:36:25","modified_gmt":"2006-06-25T12:36:25","slug":"11646","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/06\/11646\/","title":{"rendered":"Rassismus hat viele Gesichter &#8211; und hat Ursachen"},"content":{"rendered":"<p>  Zur Rolle von Politikern, Staatsapparat und Kapitaleignern <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Am so genannten &#8222;Herrentag&#8220; kam es wieder zu mehreren neonazistischen   Gewalttaten, vor allem gegen MigrantInnen. Das ist nichts   ungew&#246;hnliches, das machen die selbsternannten &#8222;Herrenmenschen&#8220; jedes   Jahr am &#8222;Herrentag&#8220;, und auch an anderen Tagen. &#220;berraschend war   h&#246;chstens die gespielte &#8222;&#220;berraschung&#8220; von Teilen der Medien und der   etablierten Politik. Gerade so, als ob gesetzliche Diskriminierung von   MigrantInnen, verbale Z&#252;ndeleien von Politikern, groteske &#8222;Deutschtests&#8220;   und eine in populistischer Absicht gesch&#252;rte Islamophobie, die jeden   muslimischgl&#228;ubigen Menschen unter Generalverdacht stellt, potenzieller   Terrorist zu sein, neonazistischen Schl&#228;gern nicht als Steilvorlage   dienten.<\/p>\n<p>  <i>von J&#246;rg Fischer, Berlin<\/i><\/p>\n<p>  In einem aktuellen Artikel des Internetmagazins   &#8222;mut-gegen-rechte-gewalt.de&#8220; hei&#223;t es: &#8222;In einer gemeinsamen   statistischen Erhebung ziehen die acht vom Bundesprogramm CIVITAS   gef&#246;rderten Projekte zur Beratung von Opfern rechtsextremer Straf- und   Gewalttaten Bilanz f&#252;r 2004: Bei 551 Angriffen kamen 822 Menschen zu   Schaden.&#8220;Wohl gemerkt: Hier handelt es sich nur um die bekanntgewordenen   Zahlen und nur um die aus den ostdeutschen Bundesl&#228;ndern und Berlin.   Gegen&#252;ber 2004 haben rechte Gewalt- und Straftaten 2005 weiter   zugenommen.<\/p>\n<p>  <b>Die Stichwortgeber der Neonazis<\/b><\/p>\n<p>  Wenn die Politik ausnahmsweise neonazistische Gewalt zur Kenntnis nimmt,   so reagiert sie oftmals mit verbaler Betroffenheit und mit Versuchen,   die T&#228;ter zu rechtfertigen. Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit, so   die stereotypen Worth&#252;lsen, w&#252;rden die neonazistischen T&#228;ter, die stets   als &#8222;Einzelt&#228;ter&#8220; dargestellt werden, zu ihren Verbrechen treiben. Das   ist etwas sehr vereinfacht, etwas sehr kurzgegriffen. W&#252;rde n&#228;mlich   jeder, der erwerbslos ist, zum rassistischen Schl&#228;ger oder Brandstifter,   dann w&#252;rden etwa in den Berliner Stadtteilen Neuk&#246;lln, Wedding oder   Moabit jeden Tag ganze Stra&#223;enz&#252;ge und H&#228;userblocks in Flammen stehen.<\/p>\n<p>  Neonazis und ihre Handlanger ver&#252;ben ihre Gewalttaten gegen jene   Menschen, die nicht in ihre Wahnvorstellung einer &#8222;deutschen Norm&#8220; oder   &#8222;deutschen Leitkultur&#8220; passen: gegen Menschen mit einer anderen   Hautfarbe, gegen Menschen mit einer anderen Religion, gegen Menschen mit   einer anderen politischen &#220;berzeugung, gegen Menschen mit Behinderung.<\/p>\n<p>  Und genau daf&#252;r bekommen sie auch die Stichworte aus der   vielbeschworenen &#8222;Mitte&#8220; geliefert. Erinnert sei nur an das Ger&#252;lpse von   der &#8222;durchrassten Gesellschaft&#8220; von Herrn Stoiber oder an die   Selektionsfantasien von G&#252;nter Beckstein, der meinte, man m&#252;sse zwischen   &#8222;Ausl&#228;ndern unterscheiden, die uns n&#252;tzen und solchen, die uns nicht   n&#252;tzen&#8220;. Was hinter dem letzten Zitat steckt, ist die eiskalte, inhumane   Verwertungslogik einer nur am Profit einiger weniger orientierten   Gesellschaft.<\/p>\n<p>  <b>Die Interessen der &#8222;Wirtschaft&#8220;<\/b><\/p>\n<p>  Diese profitorientierte Logik steckt auch hinter so manchen Reaktionen   auf neonazistische Gewalttaten. Die Sorge gilt n&#228;mlich weniger den   Menschen, die Opfer rechter Gewalt werden, sondern mehr dem bef&#252;rchteten   Imageschaden f&#252;r den Wirtschaftsstandort Deutschland &#8211; gerade auch vor   der anstehenden Fu&#223;ball-WM, wo &#8222;die Welt&#8220;, nat&#252;rlich nur der verwertbare   und zahlungskr&#228;ftige Teil derselben, &#8222;zu Gast bei Freunden&#8220; sein soll   und wohl eher zu &#8222;Gast bei Froinden&#8220; zu werden droht. Und damit der   Imageschaden nicht zu gro&#223; wird, wird eben nicht nur heruntergespielt,   sondern werden Initiativen wie Opferperspektive oder andere   antirassistische Gruppen eben als &#8222;Nestbeschmutzer&#8220; hingestellt,   &#246;ffentlich beschimpft und notfalls eben vom so genannten   Verfassungsschutz denunziert und in ihrer Arbeit behindert.<\/p>\n<p>  Daneben erf&#252;llen die Neonazis nat&#252;rlich auch eine f&#252;r manche wichtige   und n&#252;tzliche Aufgabe: Sie reproduzieren die vorgegaukelten   S&#252;ndenbockbilder, spitzen sie weiter zu und versuchen so ihren Beitrag   zur gew&#252;nschten Spaltung beizutragen &#8211; NichtmigrantInnen gegen   MigrantInnen,&#160; Noch-Erwerbst&#228;tige gegen Erwerbslose und so weiter.<\/p>\n<p>  <b>Aufgaben der Linken<\/b><\/p>\n<p>  Zu den Aufgaben der Linken geh&#246;rt es nicht nur, jeder Form von   Ausgrenzung und Neonazi-Aktivit&#228;ten energisch entgegenzutreten, sondern   auch die Hinterm&#228;nner und die gesellschaftlichen Ursachen von Nazis und   Rassisten zu benennen und Alternativen aufzuzeigen.<\/p>\n<p>  Eine wichtige Antwort auf die Spaltungspropaganda der Nazis ist die   praktische Solidarit&#228;t. Egal in welcher Form, von wem und wo: Immer wenn   versucht wird, Rassismus, Antisemitismus, Homophobie oder   Behindertenfeindlichkeit zu sch&#252;ren, muss mit aller Konsequenz dagegen   vorgegangen werden. Da gibt es keine Entschuldigung f&#252;r Wegschauen oder   Schweigen. Wenn MigrantInnen in einem Stadtteil von Faschisten bedroht   oder angegriffen werden, dann gilt es, Demonstrationen und Kundgebungen   gegen rechte Gewalt und gegen die rassistische Politik zu organisieren.   Wenn Nazis marschieren wollen, dann muss dagegen mobilisiert werden mit   dem Ziel, Nazi-Aufm&#228;rsche zu stoppen. Thematisiert werden muss&#160; bei   diesen Aktivit&#228;ten auch die Offensive der Gro&#223;en Koalition und der   Unternehmer. Merkel und M&#252;ntefering muss ein Strich durch die Rechnung   gemacht werden, wenn sie ablenken wollen vom &#8222;Optimierungsgesetz&#8220; zur   Optimierung der Angriffe auf Erwerbslose, Mehrwertsteuererh&#246;hung und   Gesundheitsreform.<\/p>\n<p>  Die Bek&#228;mpfung rechter Gewalt darf nicht dazu missbraucht werden, immer   sch&#228;rfere Gesetze durchzudr&#252;cken, mit denen demokratische Rechte weiter   ab- und der &#8222;starke Staat&#8220; aufgebaut wird.<\/p>\n<p>  Rechtsextreme Parteien wie die NPD wettern scheinbar gegen Hartz IV,   geben sich scheinbar radikal. Dabei stehen sie auf dem Boden der   kapitalistischen Marktwirtschaft. Mit ihrer rechten Hetze wollen sie   einen Keil treiben in die Arbeiterbewegung, die sich gemeinsam zur Wehr   setzen muss gegen die Angriffe der Unternehmer &#8211; wie in Frankreich, wo   ArbeiterInnen, Erwerbslose und Jugendliche verschiedener Hautfarben   zusammen erfolgreich Gegenwehr leisteten.<\/p>\n<p>  Die neue Linke muss daf&#252;r argumentieren, das &#220;bel an der Wurzel zu   packen. Die Wurzel ist das Profitsystem selber. Der Zusammenhang von   Rassismus und Kapitalinteressen muss aufgezeigt, eine   antikapitalistische, sozialistische Alternative muss offensiv verbreitet   werden.&#160;&#160;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>      Zur Rolle von Politikern, Staatsapparat und Kapitaleignern<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[5],"tags":[182],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11646"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11646"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11646\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11646"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11646"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11646"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}