{"id":11643,"date":"2006-06-05T12:28:34","date_gmt":"2006-06-05T12:28:34","guid":{"rendered":".\/?p=11643"},"modified":"2006-06-05T12:28:34","modified_gmt":"2006-06-05T12:28:34","slug":"11643","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/06\/11643\/","title":{"rendered":"Verstaatlichung der Bodensch&#228;tze &#8211; ein Anfang ist gemacht"},"content":{"rendered":"<p>  Evo Morales erf&#252;llt ein Wahlversprechen und verstaatlicht die Gas- und   &#214;lreserven Boliviens <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Am 1. Mai, p&#252;nktlich zum Kampftag der internationalen Arbeiterbewegung,   machte der bolivianische Pr&#228;sident Evo Morales den ArbeiterInnen und der   verarmten Bauernschaft seines Landes ein besonderes Geschenk: Per Dekret   lie&#223; er die R&#252;ckverstaatlichung der nationalen Erdgas- und Erd&#246;lreserven   verf&#252;gen, deren F&#246;rderung vor zehn Jahren privatisiert worden war. Diese   Ma&#223;nahme bezeichnete er als &#8222;historisches Ende der Auspl&#252;nderung des   Landes&#8220;.<\/p>\n<p>  <i>von Anna Shadrova, Bremen <\/i>    <\/p>\n<p>  Jose Lopez, ein Einwohner von Santa Cruz, brachte seine Begeisterung zum   Ausdruck: &#8222;W&#228;hrend der ersten hundert Tage seiner Herrschaft hat Evo   nichts von den Dingen getan, die er angek&#252;ndigt hatte. Aber das ist viel   besser. Jetzt stehen wieder alle hinter ihm.&#8220;<br \/>Damit l&#246;ste der   seit dem 18. Dezember 2005 amtierende Evo Morales von der MAS (Bewegung   f&#252;r den Sozialismus) sein popul&#228;rstes Wahlversprechen ein und gewann   viel Zustimmung zur&#252;ck, die nach der Wahl etwas abgeflaut war, da der   neue Pr&#228;sident ausschlie&#223;lich zu Symbolik gegriffen hatte. Dazu geh&#246;rte   beispielsweise die Halbierung seines Gehalts auf 1.850 US-Dollar oder   seine &#246;ffentlichen Auftritte im bunten Pullover statt in Anzug und   Krawatte.<\/p>\n<p>  <b>Morales&#8217; Verstaatlichung &#8211; ein Schaf im Wolfspelz?<\/b><\/p>\n<p>  Die nun vorgenommene &#8222;Verstaatlichung&#8220; gleicht allerdings eher einem   Deal mit den multinationalen Konzernen. Enteignet wurden sie nicht, sie   bekamen lediglich eine Frist von 180 Tagen, um neue Vertr&#228;ge mit der   Regierung abzuschlie&#223;en. In diesen soll die Verteilung der Einnahmen neu   geregelt werden, zu wesentlich schlechteren Bedingungen f&#252;r die   Konzerne: Die Steuern, die zuvor nur 18 Prozent betrugen, sollen in   Zukunft bei 82 Prozent liegen. Gleichzeitig sollen die Ressourcen nur   noch zu 18 Prozent unter ihrer Kontrolle bleiben. Multis, die sich nicht   auf diese Bedingungen einlassen wollen, sollen nach Ablauf der Frist   Bolivien verlassen.<\/p>\n<p>  Die gr&#246;&#223;ten ausl&#228;ndischen Firmen, die in Bolivien arbeiten, sind Repsol   (Spanien), Total (Frankreich), BP (Britannien) und Petrobras, die dem   brasilianischen Staat geh&#246;rt. Die bolivianische Tochtergesellschaft von   Petrobras ist f&#252;r 24 Prozent der bolivianischen Steuereinnahmen   verantwortlich und f&#252;r 18 Prozent des Bundesinlandprodukts.<\/p>\n<p>  <b>Enteignung erforderlich<\/b><\/p>\n<p>  Petrobras k&#252;ndigte bereits an, &#8222;k&#252;nftig keinen Cent mehr in Bolivien zu   investieren&#8220;. Andere ausl&#228;ndische Investoren zeigen sich besorgt.<\/p>\n<p>  Dennoch handelt es sich hier nicht um eine komplette Verstaatlichung,   wie sie eigentlich n&#246;tig w&#228;re. Ein Gro&#223;teil des erwirtschafteten   Reichtums bleibt in den H&#228;nden der Kapitalisten. Sie sollen weiter mit   den &#214;l- und Gasreserven Renditen erzielen k&#246;nnen. An der Verwaltung und   der Kontrolle &#252;ber die F&#246;rderanlagen sollen sie ebenfalls weiter   beteiligt sein. N&#246;tig w&#228;re hingegen die vollst&#228;ndige Enteignung der in   Bolivien t&#228;tigen Unternehmen. Die Betriebe sollten auf die Besch&#228;ftigten   &#252;bertragen werden, um eine demokratische Planung&#160; nach den Bed&#252;rfnissen   der Bev&#246;lkerung &#8211; und im Einklang mit der Umwelt &#8211; zu erm&#246;glichen.   Wichtige Kr&#228;fte im Gewerkschaftsdachverband COB fordern das im &#252;brigen   auch.<\/p>\n<p>  <b>Quo vadis, Morales?<\/b><\/p>\n<p>  Dass Morales nun tats&#228;chlich einen Schritt in Richtung Verstaatlichung   macht, ist dem Druck der Bev&#246;lkerung zu verdanken. Die Frage der   Energieversorgung ist in Bolivien ein entscheidendes Thema, an dem   bereits mehrere Regierungen gescheitert sind, zuletzt Pr&#228;sident Mesa.<\/p>\n<p>  Der Energiesektor ist die wichtigste Einnahmequelle Boliviens, und die   Bev&#246;lkerung ist zurecht sauer dar&#252;ber, dass die Multis kassieren,   w&#228;hrend sie verarmen. Diese aufgeladene Situation f&#252;hrte 2003 zu einem   Aufstand, als gro&#223;e Teile der Gasreserven an die USA verkauft werden   sollten. In der Folge wurde Pr&#228;sident Gonzales S&#225;nchez de Lozada   gest&#252;rzt. Sein Nachfolger Mesa konnte sein Amt ebenfalls nicht bis zum   Ende der Legislaturperiode aus&#252;ben.<br \/>Der Schritt des amtierenden   Pr&#228;sidenten Morales ist somit keine v&#246;llig freiwillige Sache. Die Massen   haben mehr als einmal deutlich gemacht, dass sie bereit sind, aufs Ganze   zu gehen und sich nicht unterkriegen lassen.<\/p>\n<p>  <b>Hin zum Sozialismus?<\/b><\/p>\n<p>  Es ist durchaus denkbar, dass Morales weiter nach links gedr&#252;ckt wird   und sich gezwungen sehen k&#246;nnte, die Konzerne tats&#228;chlich zu enteignen   und seiner linken Rhetorik auch in anderer Hinsicht (wie etwa in der   Frage des Mindestlohns) Taten folgen zu lassen. Das w&#252;rde allerdings auf   den erbitterten Widerstand der herrschenden Klasse sto&#223;en. Mit der   Unterst&#252;tzung des US-Imperialismus w&#252;rden sie alles daran setzen, ihre   Macht zu behaupten. Darum ist es n&#246;tig, generell mit der Diktatur der   Banken und Konzerne zu brechen. Auf allen Ebenen sollten ArbeiterInnen   und Bauern mobilisiert und in die Diskussions- und Entscheidungsprozesse   einbezogen werden. Die Kampfbereitschaft ist enorm. Allein am 1. Mai   demonstrierten Hunderttausende.<\/p>\n<p>  Dies ist allerdings nicht das, was Morales anstrebt. Er versucht nach   wie vor, zu lavieren, gute Kontakte zu den USA aufrecht zu halten und   die Multis nicht v&#246;llig zu verschrecken. Aber bereits kurz vor der Wahl   warnte der Vorsitzende des Bauernverbands: &#8222;Wenn die neue Regierung   nichts &#228;ndert, muss sie ebenfalls gehen &#8211; und das gilt auch f&#252;r Evo&quot;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>      Evo Morales erf&#252;llt ein Wahlversprechen und verstaatlicht die Gas- und<br \/>\n      &#214;lreserven Boliviens<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[41],"tags":[182],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11643"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11643"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11643\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11643"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11643"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11643"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}