{"id":11634,"date":"2006-05-20T13:14:31","date_gmt":"2006-05-20T13:14:31","guid":{"rendered":".\/?p=11634"},"modified":"2006-05-20T13:14:31","modified_gmt":"2006-05-20T13:14:31","slug":"11634","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/05\/11634\/","title":{"rendered":"S&#252;dafrika &#8211; Betriebsrat und DSM-Mitglied erzwingt Wiedereinstellung bei \r\n      Supermarktkette SPAR"},"content":{"rendered":"<p>  Internationale Solidarit&#228;t spielte wichtige Rolle <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>von Weizmann Hamilton, DSM (Democratic Socialist Movement;   Schwesterpartei der SAV und Sektion des CWI in S&#252;dafrika), Johannesburg,   South Africa<\/i><\/p>\n<p>  Nach f&#252;nf Monaten Kampf hat DSM-Mitglied Vusi Khumalo, Betriebsrat der <i>Commercial   Services and Allied Workers Union<\/i> (COSAWU; Gewerkschaft der   Besch&#228;ftigten im Handelswesen), es geschafft, dass die Supermarktkette   SPAR ihn in der Filiale Royal Ascot in Kapstadt wiedereinstellen muss!   Vusi wurde wegen eines Artikels entlassen, den er f&#252;r die Winterausgabe   2005 der DSM-Zeitung<i> Izwi La Basebenzi<\/i> geschrieben hatte. Darin   wurde unverbl&#252;mt beschrieben, was f&#252;r repressiven Ma&#223;nahmen sich die   Kolleginnen bei der in S&#252;dafrika SUPER SPAR hei&#223;enden Handelskette   ausgesetzt sehen. Dazu geh&#246;ren auch k&#246;rperliche Misshandlung am   Arbeitsplatz und eine Bezahlung unterhalb des gesetzlichen Mindestlohns.   SUPER SPAR wurde nun von der Schiedskommission CCMA dazu verurteilt,   Vusi bis zum 24. Mai 2006 wieder einzustellen und den ausstehenden Lohn   &#8211; mehr als 9000,- s&#252;dafrikanische Rand (~ 1.100,- &#8364;) seit seiner   Entlassung &#8211; nachzubezahlen. Der Kommissionsvorsitzende warnte den   Handelsriesen zugleich, das Ultimatum nicht verstreichen zu lassen, da   ansonsten Klagen zu erwarten seien, die wiederum die Beschlagnahmung der   entsprechenden Gelder bewirken k&#246;nnten.<\/p>\n<p>  In der Urteilsbegr&#252;ndung wurde das Management von SUPER SPAR stark   angegangen und der Kommissionsvorsitzende erkl&#228;rte, dass Vusi nicht f&#252;r   den schlechten Ruf der Konzernleitung verantwortlich zu machen sei. Dem   zu Folge entspr&#228;chen die Behauptungen &#252;ber Unterbezahlung,   K&#246;rperverletzungen und das Auftreten von bewaffnetem Sicherheitspersonal   am Arbeitsplatz lediglich der Wahrheit. Es wurde in dem Verfahren nicht   nur festgestellt, dass die Behauptung des Managements, wonach SUPER SPAR   als Arbeitsplatz kein geeigneter Ort f&#252;r Vusi mit seinen   Meinungs&#228;u&#223;erungen sei, zur&#252;ckzuweisen sind. Der Vorsitzende sagte   dar&#252;ber hinaus: &#8222;Geschichtlich betrachtet ist die Demokratie dieses   Landes nicht nur in den Schulen, sondern auch am Arbeitsplatz geboren   worden. Es waren die Arbeiter, die gegen Diskriminierung, die   Autorit&#228;ten und Unterdr&#252;ckung gek&#228;mpft haben. Wie wir heute wissen,   haben sie viel zu den Arbeitsgesetzen beigetragen, die jetzt g&#252;ltig   sind. Dazu nutzten sie den Arbeitsplatz als Forum. Dies war der Ort, an   dem das Apartheid-System und der Rassismus zerrieben wurden. Dies war   auch der Ort, an dem viele ihr Leben lie&#223;en oder nur ihren   Lebensunterhalt verloren. Au&#223;erdem war dies der Ort, von dem aus die   Arbeiter den Kampf f&#252;r Demokratie aufnahmen &#8211; auch wenn ihnen dies   niemals erlaubt war. Warum sollte ausgerechnet jetzt, nach dem Sieg der   Demokratie, die Freiheit der Ausdrucksweise am Arbeitsplatz verboten   werden?&#8220;.<\/p>\n<p>  Umfassend wurde auch seitens des Verhandlungsf&#252;hrers aus dem von Vusi   verfassten Artikel zitiert, der ja urspr&#252;nglich der Grund f&#252;r seine   Entlassung gewesen war. So kam dann auch zur Sprache, dass die   ANC-Regierung verantwortlich f&#252;r die Ausbeutung von ArbeiterInnen sei   und daf&#252;r, dass den ArbeiterInnen nach zehn Jahren des Bestehens der   Demokratie im Land immer noch verwehrt w&#252;rde, ihre Rechte wahrzunehmen.   Auch die Bezugnahme auf Karl Marx war Gegenstand der Schiedsverhandlung:   &#8222;[&#8230;] dieser erkl&#228;rte, dass die Arbeiter die einzigen sind, die das   bourgeoise System st&#252;rzen und eine sozialistische Gesellschaft errichten   k&#246;nnen&#8220;, so die Wiedergabe von Vusis Artikel durch das Gericht, und   weiter: &#8222;Die ArbeiterInnen bei SUPER SPAR haben den ersten Schritt   dieses Kampfes getan.&#8220; Der Kommissionsvorsitzende erkl&#228;rte daraufhin,   dass Vusi das Recht habe, sich in &#8222;sozialistischer Manier&#8220; in einer   sozialistischen Zeitung zu &#228;u&#223;ern &#8211; schlie&#223;lich sei er Mitglied des DSM.<\/p>\n<p>  W&#228;hrend er gleichzeitig die Ausf&#252;hrungen des <i>Freedom of   Expression Institute<\/i> unterst&#252;tzte, das extra zu Vusis Unterst&#252;tzung   einen Rechtsanwalt aus Johannesburg hatte einfliegen lassen, bemerkte   der Kommissionsvorsitzende in Richtung Arbeitgeber, dieser habe versagt   bei der W&#252;rdigung der &#8222;Freiheit der individuellen Ausdrucksweise, die   doch die Basis der Demokratie ist. Auch wenn sie von manchen nicht   unumstritten hingenommen wird.&#8220;<\/p>\n<p>  Vusi Khumalos Sieg wurde kurze Zeit nach der Meldung des   Arbeitsministeriums errungen, wonach SUPER SPAR seine ArbeiterInnen seit   Januar 2005 unterbezahlt! COSAWU ist seitdem dabei, eine amtliche   Bewilligung einzuholen, um SUPER SPAR dazu zu zwingen, die L&#246;hne auf den   Mindeststandard anzuheben und alle ausstehenden Zahlungen seit Anfang   2005 nachzureichen.<\/p>\n<p>  Wegen einer Formsache hatte COSAWU die Anerkennung als Gewerkschaft   verloren. Da es rechtlich nicht m&#246;glich ist, diese Entscheidung   anzufechten, ist COSAWU gezwungen, weiterhin Eintrittsformulare an die   ArbeiterInnen zu verteilen.<\/p>\n<p>  Trotz alledem hat SUPER SPAR schon angek&#252;ndigt, gegen den Beschluss der   Schiedskommission vorzugehen. Erfahrungsgem&#228;&#223; sind die Chancen dazu   jedoch eher gering. Die M&#246;glichkeiten, gegen die &#220;berpr&#252;fung der   Kommission vorzugehen sind generell sehr begrenzt (was ein Beispiel des   Vorgehens gegen ein CCMA-Urteil aus der j&#252;ngeren Vergangenheit beweist).   Hinzu kommt, dass es nicht erlaubt ist einen solchen Fall vor ein   anderes Gericht zu bringen. Und dann gibt es nur noch die theoretische   M&#246;glichkeit, arg firmensch&#228;digendes Verhalten, offenbare Befangenheit   oder Korruption des Kommissionsvorsitzenden nachzuweisen. Doch am   schlimmsten wird es f&#252;r SUPER SPAR sein, Vusi nicht davon abhalten zu   k&#246;nnen, seinen Job wieder aufzunehmen &#8211; ganz unabh&#228;ngig davon, ob sie   das Urteil anfechten werden oder nicht.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">  Vusi hat sich seit seiner Entlassung beispielhaft und vorbildlich   verhalten: Allein in der vergangenen Woche sammelte er 26   Beitrittserkl&#228;rungen unter KollegInnen in anderen SUPER SPAR Filialen   f&#252;r die COSAWU &#8211; weitere 25 Angestellte dort wollen noch in dieser Woche   eintreten.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">  Die Unterst&#252;tzung, die Khumalo und die kleine Gewerkschaft erfahren   haben, trug entscheidend dazu bei, seine und die Moral der ArbeiterInnen   aufrecht zu erhalten. Das DSM bedankt sich bei all denen, die   Protestnoten an SUPER SPAR geschickt haben. Das Management der   Kaufhauskette war so verunsichert von den Eingaben der &#8222;socialists from   all over the world&#8220;, wie der Kommissionsvorsitzende sich ausdr&#252;ckte,   dass man schon erwog, eine Beschwerde beim Staatspr&#228;sidenten   einzureichen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>      Internationale Solidarit&#228;t spielte wichtige Rolle<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[36],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11634"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11634"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11634\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11634"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11634"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11634"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}