{"id":11621,"date":"2006-05-15T19:00:00","date_gmt":"2006-05-15T19:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=11621"},"modified":"2006-05-15T19:00:00","modified_gmt":"2006-05-15T19:00:00","slug":"11621","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/05\/11621\/","title":{"rendered":"Nach der Absetzung der rebellischen WASG-Landesvorst&#228;nde &#160; &#160;"},"content":{"rendered":"<p>  Es ist eine alte Weisheit, dass politische Probleme nicht mit   administrativen Mitteln gel&#246;st werden k&#246;nnen &#8211; es sei denn man will sie   nicht l&#246;sen, sondern loswerden. Nach diesem Motto handelt der   WASG-Bundesvorstand. Er hat die beiden rebellischen Landesvorst&#228;nde in   Berlin und Mecklenburg-Vorpommern einfach abgesetzt. Die Amtsenthebung   erfolgte, weil diese an ihrer Entscheidung festhalten, eigenst&#228;ndig bei   den kommenden Landtagswahlen anzutreten. Sie lehnen eine Unterst&#252;tzung   der Linkspartei.PDS in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern ab, weil diese   in den Regierungen unsoziale Politik mitverantworten.&#160;&#160;<!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>von Sascha Stanicic, Berlin <\/i><\/p>\n<p>  Die Berliner WASG-Aktiven halten an ihrem grunds&#228;tzlichen Nein zu   Sozialabbau, Privatisierungen, Lohnk&#252;rzungen und Arbeitsplatzvernichtung   fest und sind nicht bereit, eine solche Politik weniger zu bek&#228;mpfen,   nur weil sie von einer Landesregierung ausgef&#252;hrt wird, an der die   Linkspartei.PDS beteiligt ist. Die Ablehnung einer Politik des kleineren   &#220;bels durch Lucy Redler und die anderen Vorstandsmitglieder trotz des   massiven Drucks durch die Bundestagsfraktion und den Bundesvorstand   findet Unterst&#252;tzung in der Stadt. Gerade in den letzten Wochen hatte   die WASG eindrucksvoll gezeigt, auf welcher Seite sie steht: zum   Beispiel durch eine spektakul&#228;re Aktion gegen Abschiebungen, als sich   Mitglieder und KandidatInnen an einen Abschiebeknast ketteten, oder   durch die Unterst&#252;tzung einer Aktion gegen die Privatisierung der Bahn.   Die WASG Berlin ist auch in anderen wichtigen Auseinandersetzungen in   der Stadt vertreten: beim Aktionskomitee &#8222;Gesunde Charit&#233;&#8220; (gegen   Lohnk&#252;rzungen, Stellenabbau und Privatisierungen bei dieser Klinik),   beim B&#252;rgerb&#252;ndnis gegen Privatisierungen oder der Initiative zum Erhalt   des Kulturzentrums Bethanien.<\/p>\n<p>  Innerhalb von knapp zwei Wochen wurden &#252;ber 2.200   Unterst&#252;tzungsunterschriften f&#252;r die eigenst&#228;ndige WASG-Kandidatur   gesammelt und die Umfragewerte sind immerhin von zwei auf drei Prozent   gestiegen, w&#228;hrend das Gesamtpotenzial in der Stadt nach einer   Meinungsumfrage bei zw&#246;lf Prozent liegt.<\/p>\n<p>  Gerade weil die Berliner WASG die realistische Chance hat in das   Abgeordnetenhaus einzuziehen und somit zu einem Nagel am Sarg des   SPD\/L.PDS-Senats zu werden, geht der WASG-Bundesvorstand mit aller   Brutalit&#228;t gegen den Landesverband vor. Offensichtlich will man die   Regierungsf&#228;higkeit der L.PDS und der zu bildenden neuen gemeinsamen   Partei nicht besch&#228;digt sehen. Wobei Regierungsf&#228;higkeit hier die   F&#228;higkeit zur Koalitionsbildung mit der neoliberalen und   arbeitnehmerfeindlichen SPD bedeutet.<\/p>\n<h5>  Demokratievorstellungen des Bundesvorstands<\/h5>\n<p>  Der Beschluss des Bundesvorstands zur Absetzung der Landesvorst&#228;nde in   Berlin und Mecklenburg-Vorpommern widerspricht nicht nur einem   entscheidenden Grundsatz der WASG. Im Gr&#252;ndungsprogramm hei&#223;t es   n&#228;mlich, dass sich nur an einer Regierung beteiligt wird, wenn dies zu   einem Politikwechsel in Richtung der WASG-Forderungen f&#252;hrt. Er   widerspricht auch der pluralistischen und demokratischen Kultur, die die   WASG f&#252;r sich in Anspruch nimmt. Nachdem Oskar Lafontaine in den letzten   Wochen zum Einhalten der &#8222;Generallinie&#8220; aufgerufen hat, wurden nun durch   den Bundesvorstand zwei Beauftragte eingesetzt, die den Landesverband   bis zur Neuwahl eines Vorstands leiten sollen und mit einer   &#8222;Generalvollmacht zur Vertretung des Landesverbandes im Rechtsverkehr   gegen&#252;ber Dritten und Mitgliedern der Partei&#8220; ausgestattet wurden. Dies   soll unter anderem das Recht beinhalten, &#8222;bereits einberufene   Landesparteitage zu verlegen oder festzulegen, dass diese nicht   stattfinden&#8220;. Auch dies widerspricht der Satzung, die eine Absage von   einmal einberufenen Landesparteitagen nicht vorsieht. Warum diese   weitgehenden Versuche in die Rechte der WASG-Basis einzugreifen? Weil am   Dienstag, den 16.5. ein Berliner Landesparteitag einberufen ist, der   deutlich machen wird, dass die Ordnungsma&#223;nahmen nicht nur gegen den   Landesvorstand, sondern gegen den gesamten Landesverband gerichtet sind   und deshalb von diesem abgelehnt werden.<\/p>\n<p>  Davon ist zumindest auszugehen, denn schon jetzt haben sich mehrere   Bezirksvorst&#228;nde gegen die Beschlussfassung des Bundesvorstands   ausgesprochen und haben fast f&#252;nfzig Mitglieder und Funktionstr&#228;gerInnen   der Berliner WASG eine Unterschriftenliste unterschrieben, die den   Bundesvorstand auffordert, die Absetzung zur&#252;ck zu nehmen. Darin hei&#223;t   es unter anderem: &#8222;Die Beschl&#252;sse des Bundesparteitags und des   Bundesvorstands widersprechen den Grunds&#228;tzen unserer Partei. Wir haben   die WASG gegr&#252;ndet, um gegen Sozialabbau, Privatisierungen,   Arbeitsplatzvernichtung und Lohnk&#252;rzungen zu k&#228;mpfen. In unserem   Programm steht, dass Regierungsbeteiligungen nur dann in Frage kommen,   wenn diese zu einem Politikwechsel in Richtung unserer Forderungen   f&#252;hren. Weil wir diese Grunds&#228;tze nicht &#252;ber Bord werfen wollen, kommt   eine Unterst&#252;tzung der Kandidatur der Berliner L.PDS nicht in Frage.   Diese hat im Senat unsoziale und arbeitnehmerfeindliche Politik zu   verantworten und ist fest entschlossen, die Koalition mit der   neoliberalen SPD fortzusetzen. Deshalb sehen wir uns gezwungen, an der   eigenst&#228;ndigen Kandidatur des WASG festzuhalten.Wir sind f&#252;r eine neue   Linke. Wir sind aber davon &#252;berzeugt, dass diese nur erfolgreich sein   kann, wenn sie konsequent an der Seite der abh&#228;ngig Besch&#228;ftigten und   Benachteiligten steht. Sonst wird sie das Schicksal der Berliner L.PDS   teilen, die massiv an Unterst&#252;tzung in der Bev&#246;lkerung verloren hat.&#8220; <\/p>\n<h5>  Wie weiter?<\/h5>\n<p>  Thies Gleiss, Bundesvorstandsmitglied in Opposition zur Absetzung der   Landesvorst&#228;nde, schreibt in einer Stellungnahme:&#8222;Der Berliner   Landesverband, fast 900 Mitglieder, wird bewusst zerschlagen.&#8220;   Offensichtlich spekuliert die Vorstandsmehrheit um Klaus Ernst und das   Berliner Linksruck-Mitglied Christine Buchholz darauf, dass nun viele   der L.PDS-kritischen Aktiven der WASG den R&#252;cken kehren werden und man   auf diese Art die unbequemen Oppositionellen los wird. Viel spricht   daf&#252;r, dass dieser Plan nicht aufgehen wird. Auf einer spontan   einberufenen Versammlung von &#252;ber 60 WASG-Mitgliedern gab es einhellig   die Meinung, dass der Kampf um die WASG Berlin bis zum Ende gef&#252;hrt   werden muss. Nicht nur, damit es am 17. September eine w&#228;hlbare soziale   Alternative bei den Wahlen gibt, sondern auch um die Neue Linke   bundesweit nicht denen zu &#252;berlassen, die schon die   Regierungsbeteiligung auf Bundesebene f&#252;r 2009 planen. Rund 40 Berliner   WASG-Mitglieder haben sich deshalb auch schon f&#252;r das bundesweite   Treffen der linken Opposition in der WASG angemeldet, das am 20. Mai in   Kassel stattfinden wird.<\/p>\n<p>  Einigkeit herrschte auch darin, die Aktivit&#228;ten der WASG Berlin zu   verst&#228;rken. Am Dienstag, den 16. Mai wird eine Protestaktion f&#252;r   Mindestlohn und gegen die Niedrigstl&#246;hne zahlende PIN AG stattfinden.   Ort des Geschehens: das Rote Rathaus &#8211; denn der SPD\/L.PDS-Senat   versendet seine Amtspost &#252;ber die Lohndr&#252;cker-Firma PIN AG. Die   konsequente Forderung der WASG Berlin: &#246;ffentliche Auftr&#228;ge sollen nur   an Firmen gehen, die tarifliche Standards einhalten und Betriebsr&#228;te   nicht behindern. Die Politik der derzeitigen Bundesvorstands-Mehrheit   zeigt sich auch an dieser Frage. Auf eine solche Aktion angesprochen,   erkl&#228;rte Christine Buchholz, sie sei nat&#252;rlich daf&#252;r, das Thema PIN AG   in der Mindestlohnkampagne zu behandeln &#8211; aber eine solche Aktion sei   doch &#8222;b&#252;ndnispolitisch falsch&quot;. Doch wenn man den   Glaubw&#252;rdigkeitsverlust der L.PDS Berlin (Mindestlohn in Worten fordern   und in Taten unterlaufen) nicht anprangert, wird man in den Augen der   Betroffenen selber Opfer dieses Glaubw&#252;rdigkeitsverlustes.<\/p>\n<p>  Mit der Absetzung des Landesvorstandes und der zu erwartenden R&#252;cknahme   der Wahlbeteiligungsanzeige durch den &#8222;Generalbevollm&#228;chtigten&#8220; H&#252;seyin   Aydin werden sich nun auch die Gerichte befassen m&#252;ssen. Die Berliner   WASG-AktivistInnen sind optimistisch, dass sie nicht nur &#8222;Recht haben&#8220;,   sondern auch Recht bekommen werden. Denn offensichtlich greift der   Bundesvorstand satzungs- und rechtswidrig in die Autonomie eines   Landesverbandes ein, der nicht gegen die Grunds&#228;tze und die Satzung der   Partei versto&#223;en hat.<\/p>\n<h5>  Bundesweite Solidarit&#228;t n&#246;tig<\/h5>\n<p>  Die Landesverb&#228;nde Berlin und Mecklenburg-Vorpommern brauchen jetzt die   bundesweite Solidarit&#228;t von WASG-Mitgliedern, -Kreisverb&#228;nden, -Gremien   und allen Linken! Es gibt schon eine Muster-Resolution, die genutzt   werden kann und an den Bundesvorstand geschickt werden soll.   Solidarit&#228;ts-Veranstaltungen, Spenden-Sammlungen und Teilnahme am   Oppositionstreffen in Kassel sind geboten!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>      Es ist eine alte Weisheit, dass politische Probleme nicht mit<br \/>\n      administrativen Mitteln gel&#246;st werden k&#246;nnen &#8211; es sei denn man will sie<br \/>\n      nicht l&#246;sen, sondern loswerden. 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