{"id":11618,"date":"2006-05-13T09:32:54","date_gmt":"2006-05-13T09:32:54","guid":{"rendered":".\/?p=11618"},"modified":"2006-05-13T09:32:54","modified_gmt":"2006-05-13T09:32:54","slug":"11618","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/05\/11618\/","title":{"rendered":"Arme ent-, Arbeitnehmer belasten?"},"content":{"rendered":"<p>  Brief von Claus Ludwig, stellvertretender Fraktionsvorsitzender Die   Linke.K&#246;ln im Rat, an die Mitglieder der L.PDS zur Abstimmung &#252;ber die   Kindergartengeb&#252;hren. <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Liebe Genossinnen und Genossen,<\/p>\n<p>  ich m&#246;chte euch noch einmal dringend auffordern, eure Position   betreffend der Elternbeitr&#228;ge f&#252;r die Kinderbetreuung zu &#252;berdenken.   Wenn ihr so abstimmt wie angek&#252;ndigt, stimmt ihr f&#252;r h&#246;here Beitr&#228;ge   auch f&#252;r niedrig und mittelm&#228;&#223;ig bezahlte Teile der Arbeiterklasse. Eure   Argumentation &#8222;mehr Teilhabe&#8220; wird somit zu Umverteilung unter den   arbeitenden Menschen.<\/p>\n<p>  W&#228;hrend wir am 10. Mai im &#8222;Mittwochskreis&#8220; zusammen gesessen haben und   u.a. J&#246;rg erkl&#228;rt hat, dass die Erh&#246;hung von Beitr&#228;gen oder Fahrpreisen   eine ganz normale Sache sei, &#8222;eine Anpassung an die Inflation&#8220;, hat die   SPD-CDU-Koalition auf Bundesebene weitere steuerliche Verschlechterungen   beschlossen, die v.a. die Arbeiterklasse belasten. Die   BerufspendlerInnen sollen bis 2010 5,4 Millionen Euro mehr an den Staat   bezahlen. Der Sparerfreibetrag wird gesenkt, das Kindergeld wird nur   h&#246;chstens bis 25 Jahre bezahlt, v.a. Eltern von Studierenden und   Arbeitslosen sind davon betroffen. Gleichzeitig wurde eine   &#8222;Reichensteuer&#8220; eingef&#252;hrt (Erh&#246;hung des Spitzensteuersatzes von 42 auf   45%), die nur ein schlechter Witz ist. Freiberufler und Selbst&#228;ndige   zahlen sie nicht, nur Angestellte mit einem zu versteuernden   Jahreseinkommen von &#252;ber 250.000 Euro (500.000 bei Verheirateten). Die   Regierung erwartet l&#228;cherliche 127 Millionen j&#228;hrlich von dieser Steuer.   Die n&#228;chsten Steuererleicherungen f&#252;r Kapitalgesellschaften werdne laut   &#8222;S&#252;ddeutscher Zeitung&#8220; schon von Finanzminister Steinbr&#252;ck vorbereitet.<\/p>\n<p>  W&#228;hrend die SPD sich in K&#246;ln als sozial feiern lassen will, treibt sie   die Umverteilung zu Gunsten der Kapitalbesitzer voran. Aus unserer Sicht   darf es prinzipiell keine Zustimmung der Linken f&#252;r jede noch so kleine   Verschlechterung f&#252;r die arbeitende und erwerbslose Bev&#246;lkerung geben.   Solange es Milliard&#228;re gibt und solange sich in den H&#228;nden einiger   Banken und Konzerne unvorstellbar viel Kapital konzentriert, d&#252;rfen   keine Kosten auf die Arbeiterklasse abgew&#228;lzt werden, auch nicht auf die   &#8222;besser verdienenden&#8220; Lohnabh&#228;ngigen.<\/p>\n<p>  Solange bei L&#246;hnen und Sozialleistungen keine &#8222;Anpassung an die   Inflation&#8220; stattfindet, sondern f&#252;r weniger Geld l&#228;nger gearbeitet   werden muss, darf auch nicht die geringste Erh&#246;hung von Geb&#252;hren,   Abgaben usw. von uns unterst&#252;tzt oder sch&#246;ngeredet werden. Ich verweise   noch einmal darauf, dass zumindest nach der Vorlage der Verwaltung von   letzter Woche v.a. die Menschen mit einem Einkommen zwischen 19.000 und   25.000 Euro von Erh&#246;hungen betroffen w&#228;ren, die weit &#252;ber 10% liegen.   Selbst bei einer Entsch&#228;rfung der Vorlage sind Geb&#252;hrenerh&#246;hungen   vorgesehen. Damit ist diese abzulehnen.<\/p>\n<p>  Euer Vorschlag ist keine pragmatische Politik, die den Menschen hilft,   sondern Mitwirkung bei der ganz normalen b&#252;rgerlichen Trickserei und   damit ein Beitrag zur Spaltung zwischen ArbeitnehmerInnen und   Erwerbslosen. Ihr m&#246;gt das nicht gerne h&#246;ren, aber das ist die gleiche   Logik, mit der eure Leute in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern   drastischen Sozialabbau rechtfertigen. &#8222;Wenn wir nicht mitmachen, machen   es andere noch schlimmer und uns werfen die Leute vor, warum wir es   nicht verhindert haben.&#8220; So oder &#228;hnlich habt ihr beim &#8222;Mittwochskreis&#8220;   am 10.5. argumentiert, so oder &#228;hnlich argumentieren Wolf, Liebig und   Lederer, um ihre Politik in Berlin zu rechtfertigen.<\/p>\n<p>Wir werden   gewiss einzelne Differenzen in der Fraktion verkraften k&#246;nnen.   Allerdings habt ihr am 10.5. deutlich gemacht, dass ihr solch einen   Vorgang als ganz normal anseht und auch weiterhin vorhabt, so zu   verfahren. Wenn linke Ratsmitglieder, die per Jobticket das gesamte   VRS-Gebiet umsonst bereisen k&#246;nnen, Fahrpreiserh&#246;hung bei der KVB   rechtfertigen, dann hinterl&#228;sst das einen bitteren Nachgeschmack. Solche   Fragen werden zu einer massiven Belastungsprobe f&#252;r die linke   Ratsfraktion in K&#246;ln. Wir haben in der politischen Erkl&#228;rung gemeinsam   unterschrieben, uns gegen alle Formen von Sozialabbau zu wehren.   Geb&#252;hrenerh&#246;hungen sind nichts anderes als Sozialabbau. Wir haben   unterschrieben, f&#252;r eine Umverteilung, f&#252;r die Umkehr der   Haushaltspriorit&#228;ten zu stehen. Was hei&#223;t das in einem solchen Fall? Es   kann nur hei&#223;en, dass wir keine Verschlechterung f&#252;r die arbeitenden   Menschen akzeptieren und einfordern, dass die Reichen zur Kasse gebeten   werden, sei es durch Forderungen an Bund und Land oder durch die   Erh&#246;hung der Gewerbesteuer.<\/p>\n<p>  Ich habe einen Vorschlag gemacht, wie wir aus dieser Situation   herauskommen: wir fordern getrennte Abstimmung und stimmen der Erh&#246;hung   des Freibetrages auf 19.000 Euro zu. Damit machen wir deutlich, dass wir   jede Verbesserung bef&#252;rworten, auch wenn andere sie vorschlagen. Wir   fordern weiterhin, dass es bis zu einem Einkommen von 50.000 Euro keine   Erh&#246;hung geben darf, weil wir nicht bereit sind, als &#8222;Gegenleistung&#8220;   Verschlechterungen zu akzeptieren. Wir k&#246;nnen das als &#196;nderungsantrag in   den Rat einbringen und deutlich machen, dass wir nur f&#252;r die Vorlage   stimmen, wenn diese Verbesserung aufgenommen wird.<\/p>\n<p>  Wir k&#246;nnen das auch vorher mit SPD und Gr&#252;nen besprechen. J&#246;rg hat   gesagt, wir k&#246;nnten das so nicht fordern. Warum nicht? Welchen Sinn   machen die wechselnden Mehrheiten sonst?! Wenn wir Z&#252;nglein an der Waage   spielen k&#246;nnen, dann sollten wir es tun. Wir haben nicht die   Vorstellung, nett mit SPD und Gr&#252;nen zu plaudern. Die sind auch nicht   nett zu uns. Sie wollen unsere Stimmen billig haben, um ein soziales   M&#228;ntelchen &#252;ber ihre neoliberale Politik h&#228;ngen zu k&#246;nnen. Die   wechselnden Mehrheiten sollten dazu dienen, dass wir &#8211; im Einzelfall &#8211;   SPD und Gr&#252;ne vor uns hertreiben und nicht umgekehrt. Wir sollten   hingehen und Druck machen: &#8222;Wenn ihr unsere Stimmen haben wollt und euch   f&#252;r den h&#246;heren Freibetrag feiern lassen wollt, m&#252;sst ihr unserer   Forderung zustimmen. Uns geht es nicht um soziale Symbolpolitik, sondern   darum, dass wirklich niemand schlechter gestellt wird.&#8220;<\/p>\n<p>  Wenn J&#246;rg meint, er k&#246;nne die Gespr&#228;che so nicht f&#252;hren, sind ich und   andere GenossInnen von GgS jederzeit bereit, die Gespr&#228;che zu f&#252;hren.   Oder wir machen das gemeinsam.<\/p>\n<p>  In diesem Zusammenhang m&#246;chten wir darauf verweisen, dass ihr mit der   Verschiebung von Winkelhog auf den AWB-Gesch&#228;ftsf&#252;hrer-Posten den Weg   f&#252;r die Stadtdirektorwahl freigemacht habt, ohne dass die zus&#228;tzlichen   Ausbildungspl&#228;tze beschlossen wurden. Noch immer ist es nicht   hunderprozentig gekl&#228;rt und die Wahl des Stadtdirektors steht bevor.   Wollt ihr diesen weiterhin w&#228;hlen? In der Gesamtheit l&#228;uft die von euch   vorgeschlagene Politik nicht auf eine Ausnutzung der wechselnden   Mehrheiten hinaus, um Zugest&#228;ndnisse aus SPD und Gr&#252;nen heraus zu   quetschen sondern auf eine Nachtrabpolitik.<\/p>\n<p>  Mit der Forderung, bis 50.000 Euro Einkommen keine Erh&#246;hungen   vorzunehmen, haben wir die M&#246;glichkeit, aus dieser f&#252;r die Fraktion sehr   gef&#228;hrlichen Situation herauszukommen. Es erscheint mir notwendig   nochmals zu erinnern, dass es mit GgS niemals eine Zustimmung f&#252;r   Sozialabbau, (Teil-)Privatisierung, Geb&#252;hrenerh&#246;hungen zu Lasten der   arbeitenden und erwerbslosen Bev&#246;lkerung, K&#252;rzungen bei kulturellen und   sozialen Projekten und Einrichtungen, etc. geben wird.<\/p>\n<p>  Mit solidarischen Gr&#252;&#223;en<br \/>Claus Ludwig<\/p>\n<p>  <span><b>Fakten: <\/b><\/span><b><font size=\"3\" color=\"#000000\">SPD\/Gr&#252;ne:   Arme ent-, Arbeitnehmer belasten<\/font><\/b><\/p>\n<p>  Zur Neuordnung der Elternbeitr&#228;ge f&#252;r die Kinderbetreuung gab es   urspr&#252;nglich Antr&#228;ge von SPD und Gr&#252;nen einerseits und der CDU   andererseits. Beide Varianten sehen eine rund 10prozentige Erh&#246;hung vor.   SPD und Gr&#252;ne haben au&#223;erdem die Heraufsetzung der Freibetragsgrenze auf   19.000 Euro (CDU: 13.000 Euro) vorgeschlagen, dass w&#252;rde arme Familien   entlasten, sowie eine Differenzierung in mehrere Stufen (von 6 auf 16).<\/p>\n<p>  Ein h&#246;herer Freibetrag von 19.000 Euro ist nat&#252;rlich ein Fortschritt und   daher von der Linken zu unterst&#252;tzen. Allerdings haben viele Gering- und   Durchschnittsverdiener ein Einkommen &#252;ber 19.000 Euro und w&#252;rden mehr   bezahlen als jetzt. Im ersten Entwurf der Verwaltung, basierend auf dem   SPD-Gr&#252;nen-Vorschlag, w&#252;rden vor allem die Menschen mit einem Einkommen   zwischen 19.000 und 25.000 Euro &#252;berdurchschnittlich belastet. So w&#252;rde   der Beitrag f&#252;r die Unter-3j&#228;hrigen-Betreuung von 68 auf 105 Euro   steigen.<\/p>\n<p>  GgS lehnt es ab, Belastungen innerhalb der Arbeiterklasse zu   verschieben. Wir treten f&#252;r Verbesserungen ein bzw. lehnen   Verschlechterungen ab. Daraus ergibt sich, dass wir bei getrennter   Abstimmung &#252;ber die einzelnen Punkte zwar f&#252;r die Heraufsetzung des   Freibetrages stimmen k&#246;nnen, aber das Gesamtpaket ablehnen m&#252;ssen, au&#223;er   es wird garantiert, dass kein Normalverdiener mehr bezahlen muss als   vorher.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>      Brief von Claus Ludwig, stellvertretender Fraktionsvorsitzender Die<br \/>\n      Linke.K&#246;ln im Rat, an die Mitglieder der L.PDS zur Abstimmung &#252;ber die<br \/>\n      Kindergartengeb&#252;hren.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[30],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11618"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11618"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11618\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11618"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11618"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11618"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}