{"id":11615,"date":"2006-05-12T17:00:00","date_gmt":"2006-05-12T17:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=11615"},"modified":"2006-05-12T17:00:00","modified_gmt":"2006-05-12T17:00:00","slug":"11615","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/05\/11615\/","title":{"rendered":"Der Tag der Entscheidung? &#160; &#160; &#160; &#160; &#160; &#160;"},"content":{"rendered":"<p>  <i><b>WASG-Bundesvorstand beschlie&#223;t Ma&#223;nahmen zu Berlin <\/b><\/i><\/p>\n<p> Joachim Bischoff, ehemaliges Mitglied des WASG-Bundesvorstands, wollte die   Hoffnung noch nicht aufgeben. Auf einer Veranstaltung am 11. Mai in   Berlin schloss er nicht aus, dass die Vernunft noch siegen k&#246;nne.   Gemeint war, dass der WASG-Bundesvorstand m&#246;glicherweise doch noch von   administrativen Ma&#223;nahmen gegen den Berliner Landesverband absehen   k&#246;nne. Letzterer hatte entschieden, am 17. September eigenst&#228;ndig bei   den Wahlen zum Abgeordnetenhaus in der Hauptstadt anzutreten und damit   eine Alternative zum Sozialabbau und den Privatisierungen des   SPD\/L.PDS-Senats anzubieten.&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;<!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>von Sascha Stanicic, Berlin<\/i><\/p>\n<p>  An dieser Entscheidung wird von Seiten des Berliner Landesvorstands   festgehalten, obwohl der Bundesparteitag ihn dazu aufforderte die   Wahlbeteiligungsanzeige zur&#252;ck zu nehmen und die L.PDS-Kandidatur zu   unterst&#252;tzen. Die Berlinerinnen und Berliner weisen zurecht darauf hin,   dass diese Aufforderung im Widerspruch zu den politischen Grunds&#228;tzen   der Partei steht, die eine Beteiligung an Sozialabbau und Privatisierung   betreibenden Regierungen ausschlie&#223;en. Die Behauptung des   Bundesvorstands, die Beschl&#252;sse des letzten Parteitages seien Grunds&#228;tze   der WASG ist einfach unsinnig, denn zu keinem Zeitpunkt gab es   Ver&#228;nderungen von Satzung oder Grundsatzprogramm. Ver&#228;nderungen des   Grundsatzprogramms (z.B. in der Frage der Regierungsbeteiligung) h&#228;tten   mit Zwei-Drittel-Mehrheit beschlossen werden m&#252;ssen. Selbst der   Leitantrag des Bundesvorstands beim Bundesparteitag fand aber keine   solche Mehrheit.<\/p>\n<p>  Der Berliner Landesverband besteht auch darauf, dass Landesverb&#228;nde   autonom &#252;ber die Beteiligung bei Landtagswahlen entscheiden d&#252;rfen, was   dem f&#246;deralistischen Parteienrecht in der Bundesrepublik entspricht.<\/p>\n<p>  Am Dienstag, den 16. Mai wird ein Landesparteitag durchgef&#252;hrt, damit   die demokratisch gew&#228;hlten Delegierten aus den Bezirksgruppen noch   einmal die M&#246;glichkeit haben, die Beschl&#252;sse des Bundesparteitags zu   bewerten und abschlie&#223;end zu entscheiden, ob die Kandidatur aufrecht   erhalten wird.<\/p>\n<p>  Der Bundesvorstand hat durch den Parteitag einen Freifahrtschein   ausgestellt bekommen, mit allen Mitteln einen eigenst&#228;ndigen Antritt des   Berliner Landesverbandes zu verhindern. Am Samstag, den 13. Mai wird der   Bundesvorstand nun &#252;ber die zu ergreifenden Ma&#223;nahmen befinden. In einem   Brief an den Berliner Landesvorstand vom 9. Mai haben die Mitglieder des   gesch&#228;ftsf&#252;hrenden Bundesvorstands Klaus Ernst und Thomas H&#228;ndel   Ordnungsma&#223;nahmen angek&#252;ndigt. Joachim Bischoffs ge&#228;u&#223;erte Hoffnung auf   einen Verzicht auf solche ist wohl eher rhetorischer Natur. Denn es ist   klar, dass im neuen Bundesvorstand kein gro&#223;er Widerstand gegen   administrative Ma&#223;nahmen zu erwarten ist. Nach den R&#252;cktritten von   Joachim Bischoff, Sabine L&#246;sing und Bj&#246;rn Radke aus dem Gremium, kann   der Fl&#252;gel um Klaus Ernst und Christine Buchholz deutliche Mehrheiten   f&#252;r das Kalt-stellen der Berliner Rebellinnen und Rebellen erwarten.<\/p>\n<p>  Offen scheint nur, welcher Art die Ma&#223;nahmen sein werden. Ob der   Bundesvorstand eigenm&#228;chtig die Wahlbeteiligungsanzeige zur&#252;ckziehen   kann, ist juristisch zweifelhaft. Der Berliner Landeswahlleiter hat   &#246;ffentlich erkl&#228;rt, dies dr&#252;cke eine &#8222;vordemokratische Denkweise&#8220; aus.   Wahrscheinlich f&#252;hrt dies aber dazu, dass am Samstag der Landesvorstand   abgesetzt und den Berliner WASG-Mitgliedern ein durch den Bundesvorstand   eingesetzter Koordinator vor die Nase gesetzt wird.<\/p>\n<p>  In skandal&#246;ser Art und Weise wird versucht, diesen Ma&#223;nahmen eine   scheinbare Legitimation durch die WASG-&#8220;Basis&#8220; zu geben. Die &#8222;Initiative   Rixdorf&#8220;, der Zusammenschluss der Bef&#252;rworterInnen einer gemeinsamen   Kandidatur mit der L.PDS, hat f&#252;r Samstag 17.00 Uhr zu einer   Veranstaltung geladen. Der Bundesvorstand hat diese Einladung an alle   Mitglieder der Berliner WASG verschickt und damit seinen Zugang zu den   Mitgliederdaten missbraucht, um eine Fraktionsveranstaltung zu bewerben.   Auf dieser soll ein Koordinierungskreis gew&#228;hlt werden. Z&#228;hlt man eins   und eins zusammen, wird klar, welches Spiel gespielt wird. Die   Parallelstrukturen zum offiziellen Landesverband, die seit Wochen unter   Mithilfe des Bundesvorstands aufgebaut werden, sollen legitimiert   werden. Sicher wird der zuk&#252;nftige Landeskoordinator die zu w&#228;hlenden   Rixdorf-KoordinatorInnen zu seinem &#8222;Schatten-Vorstand&#8220; machen. <\/p>\n<p>  Ebenfalls nicht auszuschlie&#223;en ist, dass sofort die schwersten Gesch&#252;tze   aufgefahren werden und der gesamte Landesverband aufgel&#246;st wird. Lieber   keine WASG, als eine, die konsequent an den Parteigrunds&#228;tzen festh&#228;lt   und auch dort gegen Sozialabbau, Privatisierungen und   Arbeitsplatzvernichtung k&#228;mpft, wo diese durch den gro&#223;en Bruder L.PDS   mit umgesetzt werden &#8211; das w&#228;re dann das Motto.<\/p>\n<p>  Trotz dieser zu erwartenden Zwangsma&#223;nahmen gegen einen demokratisch   gew&#228;hlten Landesvorstand, der demokratisch gef&#228;llte Beschl&#252;sse umsetzt,   sind die Unterst&#252;tzerInnen der eigenst&#228;ndigen Kandidatur optimistisch   und rechnen damit, dass das Vorgehen des Bundesvorstands nicht nur   politisch skandal&#246;s und undemokratisch ist, sondern selbst vor einem   b&#252;rgerlichen Gericht keinen Bestand haben wird.<\/p>\n<p>  Warum dann diese Politik der verbrannten Erde durch Klaus Ernst und die   Mehrheit des Bundesvorstands? Offensichtlich soll mit allen Mitteln   verhindert werden, dass in der neu zu bildenden Partei ein starker und   einflussreicher Fl&#252;gel entsteht, der die Politik des kleineren &#220;bels   nicht mitmacht. Klaus Ernst versuchte schon vor einem Jahr die   Mitglieder der Sozialistischen Alternative, wie Lucy Redler   (Spitzenkandidatin der WASG Berlin), aus der WASG zu dr&#228;ngen. Auch beim   Bundesparteitag in Ludwigshafen drohte er unverhohlen mit   Parteiausschl&#252;ssen, sollten die SAV-GenossInnen nicht ihre Opposition   aufgeben. Und das Ende der SPD-L.PDS-Regierungskoalition in Berlin, das   eine Folge einer erfolgreichen WASG-Kandidatur sein k&#246;nnte, soll   verhindert werden. Schlie&#223;lich will man 2009 ja auch auf Bundesebene   koalitionsf&#228;hig sein.<\/p>\n<p>  Dass dieser Kurs die Anziehungskraft und Attraktivit&#228;t der Neuen Linken   f&#252;r die Ausgebeuteten und Benachteiligten, f&#252;r die GewerkschafterInnen   und AktivistInnen der sozialen Bewegungen, v&#246;llig untergr&#228;bt und zu   einer Partei f&#252;hren wird, die genauso schnell ihre Unterst&#252;tzung   verlieren wird, wie die Berliner L.PDS in den vier Regierungs-Jahren,   wird entweder in Kauf genommen oder &#252;bersehen. Genau das wird aber die   traurige Konsequenz sein, sollte die sich bildende linke Opposition in   WASG und L.PDS keinen Kurswechsel durchsetzen k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  Die Berliner WASG wirkte in den letzten Wochen oft wie das gallische   Dorf in den Comics von Goscinny und Uderzo. Es gibt dort zwar keinen   Zaubertrank, aber eine Prinzipienfestigkeit, die auch enorme   Widerstandsf&#228;higkeit mobilisiert. Doch so isoliert, wie Asterix und   Obelix, sind die Berlinerinnen und Berliner nicht. Beim Bundesparteitag   wurde deutlich, dass ca. ein Drittel der Delegierten die eigenst&#228;ndige   Kandidatur unterst&#252;tzen und 47 Prozent der Delegierten &#8211; trotz der   massiven Intervention von Oskar Lafontaine in dieser Frage und der   offenen Drohung im Falle einer anderen Entscheidung die WASG zu   verlassen &#8211; gegen administrative Ma&#223;nahmen waren. Der Riss geht durch   die Gesamtpartei &#8211; und aus der gesamten Partei wird es Unterst&#252;tzung f&#252;r   eine Kandidatur in Berlin geben. Denn die Notwendigkeit einer   tats&#228;chlich sozialen und anti-neoliberalen Wahlalternative in Berlin ist   durch die Debatten und Auseinandersetzungen der letzten Wochen und   Monate immer mehr Menschen deutlich geworden. Diese Notwendigkeit wird   sich durchsetzen &#8211; auch gegen Ordnungsma&#223;nahmen, Absetzungen und   Ausschl&#252;sse.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>      <i><b>WASG-Bundesvorstand beschlie&#223;t Ma&#223;nahmen zu Berlin <\/b><\/i><\/p>\n<p>Joachim Bischoff, ehemaliges Mitglied des WASG-Bundesvorstands, wollte die<br \/>\n      Hoffnung noch nicht aufgeben. Auf einer Veranstaltung am 11. Mai in<br \/>\n      Berlin schloss er nicht aus, dass die Vernunft noch siegen k&#246;nne.<br \/>\n      Gemeint war, dass der WASG-Bundesvorstand m&#246;glicherweise doch noch von<br \/>\n      administrativen Ma&#223;nahmen gegen den Berliner Landesverband absehen<br \/>\n      k&#246;nne. Letzterer hatte entschieden, am 17. September eigenst&#228;ndig bei<br \/>\n      den Wahlen zum Abgeordnetenhaus in der Hauptstadt anzutreten und damit<br \/>\n      eine Alternative zum Sozialabbau und den Privatisierungen des<br \/>\n      SPD\/L.PDS-Senats anzubieten.&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;&#160;<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[30],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11615"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11615"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11615\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11615"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11615"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11615"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}