{"id":11608,"date":"2006-05-02T14:04:56","date_gmt":"2006-05-02T12:04:56","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=11608"},"modified":"2012-05-25T15:21:51","modified_gmt":"2012-05-25T13:21:51","slug":"11608","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/05\/11608\/","title":{"rendered":"USA &#8211; Welcher Weg vorw&#228;rts f&#252;r die Bewegung der EinwanderInnen?"},"content":{"rendered":"<p>Ein sozialistischer Strategie-Entwurf <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i>von Hank Gonzalez, CWI-USA<\/i><\/p>\n<p>  Im Zusammenhang mit den gewaltigen Demonstrationen wird wie   selbstverst&#228;ndlich die Frage aufgeworfen: Welcher Weg voran f&#252;r die   Bewegung f&#252;r Rechte der EinwanderInnen? Zahlreiche Organisationen haben   zum 1. Mai als &#8222;Tag ohne ImmigrantInnen&#8220; aufgerufen. Das bedeutet, dass   niemand in die Schule sowie in die Arbeit geht und dass ein Boykott   aller wirtschaftlichen Aktivi&#173;t&#228;ten stattfindet &#8211; letztendlich ist das   ein US-weiter Streik. Der 1. Mai k&#246;nnte eine enorme Demonstration der   St&#228;rke von eingewanderten ArbeiterInnen und der Entschlossenheit sein,   f&#252;r unsere Rechte aufzustehen. Wenn die Wirtschafts-Bosse, die billige   Arbeit durch ImmigrantInnen wollen, uns gleiche Rechte und L&#246;hne nicht   zugestehen, dann sollten wir alle L&#228;den dicht machen.<\/p>\n<p>  Schon bisher umfassten die Proteste, beginnend mit den gro&#223;en Demos in   Chicago, tausende ArbeiterInnen, die ihre Arbeit verlie&#223;en. Die   Unternehmer begannen zu f&#252;rchten, die Bewegung k&#246;nne ihre Profite   treffen und die M&#246;glichkeit einschr&#228;nken, die Arbeit von ImmigrantInnen   r&#252;cksichtslos auszubeuten. Ein Artikel in &#8222;Market Watch&#8220; zu den Demos   vom 10. April merkte an, dass einige Fleischfabriken aufgrund von   Arbeitsniederlegungen schlie&#223;en mussten und dass andere &#8222;Industrien, die   sich weitgehend auf die Arbeit von ImmigrantInnen st&#252;tzen deshalb   potentiell stark von einer organisierten Arbeitsniederlegung betroffen   sind; inklusive Restaurants, Baugewerbe, Hotels, Geb&#228;udereinigung und   -instandhaltung.&#8221; Die US-Wirtschaft ist von eingewanderten ArbeiterInnen   abh&#228;ngig, Auf den Kundgebungen haben jene RednerInnen den meisten   Zuspruch bekommen, die an die Massen Fragen wie diese gerichtet hatten:   &#8222;Wer betreut die Kinder dieses Landes?&#8220;, &#8222;Wer h&#228;lt die Restaurants am   Laufen?&#8220;, &#8222;Wer baut die H&#228;user?&#8220;, &#8222;Wer h&#228;lt sie in Schuss und reinigt   sie?&#8220;<\/p>\n<p>  Ein erfolgreicher landesweiter Streik w&#252;rde den ArbeiterInnen das Gef&#252;hl   ihrer gemeinsamen Kraft vermitteln. Es sollte als eine M&#246;glichkeit   gesehen werden, den Kampf f&#252;r die gewerkschaftliche Organisierung von   jenen Arbeitspl&#228;tzen und Industriezweigen zu beginnen, in denen   ImmigrantInnen einen hohen Anteil ausmachen. Wenn eingewanderte   ArbeiterInnen zu Hunderten und Taus&#173;enden in die ArbeiterInnen-Bewegung   eintreten, k&#246;nnen sie eine entscheidende Rolle in der Wiederbelebung   sozialer K&#228;mpfe in den USA sowie im so dringend ben&#246;tigten Kampf f&#252;r   wirkliche Verbesserungen f&#252;r alle arbeitenden Menschen spielen.<\/p>\n<p>  <span lang=\"DE\"><b>Diskussion<\/b><\/span><\/p>\n<p>  Trotz allem hat bereits der Aufruf zu einem Massenstreik eine Diskussion   innerhalb der Bewegung er&#246;ffnet. Der eher konser&#173;vat&#173;ive Fl&#252;gel (Latino   Wirtschafts-Verb&#228;nde, F&#252;hrer der Katholischen Kirche und jene, die enge   Verbindungen zur Demokratischen Partei haben) hat sich energisch gegen   den 1. Mai-Aufruf gestellt. Sie lehnten ihn aufgrund der Angst ab, die   angeblichen B&#252;ndnispartnerInnen in der Demokratischen Partei vor den   Kopf zu sto&#223;en. Auch f&#252;rchten sie, ein Streik k&#246;nnte   Latino-ArbeiterInnen best&#228;rken, radikalere Forderungen aufzustellen, was   dazu f&#252;hren w&#252;rde, die Profite der Latino-Unternehmer zu bedrohen.<\/p>\n<p>  &#8222;Das ist etwas, was wir sehr ernst nehmen m&#252;ssen; wir m&#252;ssen alle   Auswirkungen &#252;berdenken, wenn wir es nicht richtig machen oder indem wir   eine gegenteilige Wirkung erzeugen&#8220;, sagte Jaime Contreras, Pr&#228;sident   der &#8222;National Capital Immigrant Coal&#173;itio&#173;n&#8220; und Vorsitzender der   Gewerkschaft &#8222;Service Employees Intern&#173;at&#173;ional Union, Local 82&#8220;. &#8222;Es   ist voreilig, den Boykott am 1. Mai zu machen, eingedenk dessen, dass   der Senat zu seiner Sitzung nicht vor dem 23. April zur&#252;ckkehrt. Wir   wollen sehen, was im Senat dazu herauskommt und welche Kompromisse (mit   dem Repr&#228;sentanten-Haus) auftauchen, bevor wir das tun.&#8220;<\/p>\n<p>  Das ist ein falscher Anspruch. Das Big Business und ihre PolitikerInnen   sind im Kampf f&#252;r ihre Interessen unbarmherzig &#8211; warum sollten wir es   sein? Der Schl&#252;ssel zur Erringung von Rechten f&#252;r ImmigrantInnen liegt   nicht darin, kapitalistische PolitikerInnen zu umwerben, sondern indem   wir mittels der Demonstration unserer sozialen St&#228;rke sie zwingen,   unsere Rechte anzuerkennen. Dynamik und Stimmung existieren unter   eingewanderten ArbeiterInnen, um kr&#228;ftige Streiks durchzuf&#252;hren. Diese   k&#246;nnen, wenn ordentlich vorbereitet, die Bewegung enorm st&#228;rken.<\/p>\n<p>  Das andere Hauptargument von Gewerkschaftsspitzen und Anf&#252;hrerInnen der   Bewegung von ImmigrantInnen ist, dass ein Streik zu vielen Entlassungen   f&#252;hren w&#252;rde. Aber wir k&#246;nnen den Bossen nicht erlauben, uns mit solchen   Drohungen einzusch&#252;chtern. Die Bewegung und besonders ihre F&#252;hrung muss   sich absolut klar dar&#252;ber sein, dass wir keine Einsch&#252;chterung von   Beteiligten an den Protesten hinnehmen werden. Unternehmen sollen   gewarnt werden, dass, wenn sie jemanden aufgrund der Streik-Teilnahme   k&#252;ndigen sollten, wir mit einer massiven Kampagne mit Kundgebungen und   der Forderung nach Wiedereinstellung aller ArbeiterInnen reagieren   werden.<\/p>\n<p>  Die ArbeiterInnen-Bewegung sollte sich an die Spitze der K&#228;mpfe f&#252;r die   Rechte von ImmigrantInnen stellen. Sie sollte eine gro&#223;angelegte   Ausbildungs-Kampagne starten, indem Millionen Flugbl&#228;tter verteilt,   Treffen am Arbeitsplatz sowie Massenkundgebungen abgehalten werden, um   zig Millionen ArbeiterInnen zu &#252;berzeugen, dass das Thema   ImmigrantInnen-Rechte f&#252;r alle ArbeiterInnen in den USA entscheidend   ist. Sie sollte volle Solidarit&#228;t f&#252;r einen 1. Mai-Streik und k&#252;nftige   Aktionen organisieren, diese ausweiten, um ImmigrantInnen UND in den USA   geborene ArbeiterInnen gleicherma&#223;en zu umfassen. Ein Sieg setzt die   volle Mobilisierung und die Unterst&#252;tzung breiterer Sektoren der   ArbeiterInnen-Klasse voraus. Das ist der Grund, warum die Bewegung den   Kampf f&#252;r die Rechte von ImmigrantInnen mit jenem f&#252;r Jobs mit L&#246;hnen,   von denen man leben kann, sowie voller Gesundheitsversorgung f&#252;r alle   Menschen verkn&#252;pfen sollte.<\/p>\n<p>  <span lang=\"DE\"><b>Bruch mit der Demokratischen Partei<\/b><\/span><b> <\/b>    <\/p>\n<p>  Die Bedingungen, denen sich die Mehrzahl der ImmigrantInnen   gegen&#252;bersieht (systematischer Rassismus, Polizeigewalt, Armut,   schlechteste Jobs und Arbeitsbedingungen) schreien nach weit mehr als   blo&#223; der defensiven Ablehnung von HR 4437 (dem Gesetz zu &#8220;Grenzschutz,   Antiterrorismus und Illegaler Immigrationskontrolle&#8221; mit einer Reihe von   Versch&#228;rfungen, welches im Dezember 2005 vom Repr&#228;sentanten-Haus   verabschiedet wurde; Anm.). W&#228;hrend der Proteste war ein popul&#228;rer   Slogan: &#8222;Heute demonstrieren wir &#8211; morgen w&#228;hlen wir&#8220;. Es ist richtig,   dass der Kampf nicht allein mittels Massenprotesten und sogar Streiks   gef&#252;hrt wird; eine politische Strategie ist n&#246;tig. Aber wen sollten wir   w&#228;hlen? Beide Parteien vertreten die Interessen der Unternehmer und   teilen rechte und rassistische Ansichten. Beide Parteien stellen sich   gegen die bedingungslose Amnestie f&#252;r alle ImmigrantInnen ohne Papiere.   In vergangenen Jahren fiel die F&#252;hrung der Demokraten haupts&#228;chlich   dadurch auf, dass sie Bushs Irak-Krieg und einen Gro&#223;teil seiner gegen   die ArbeiterInnen gerichteten Politik in den USA unterst&#252;tzt haben. Sie   unterst&#252;tzen uneingeschr&#228;nkt die Tagesordnung zugunsten des Kapitals,   die ImmigrantInnen in den USA als super-ausgebeutete   Zweite-Klasse-ArbeiterInnen mit beschr&#228;nkten Rechten beizubehalten.   ImmigrantInnen, ArbeiterInnen und alle Unterdr&#252;ckten &#8211; wir brauchen   unsere eigene politische Stimme, um unsere Kraft auf der politischen   B&#252;hne entfalten zu k&#246;nnen. Wir ben&#246;tigen den Aufbau eine neuen   politischen Partei in diesem Land der ArbeiterInnen und Unterdr&#252;ckten &#8211;   der ImmigrantInnen, Latinos, egal ob schwarz oder wei&#223;. Jene, die eine   solche Entwicklung als Unm&#246;glichkeit abtun, haben dasselbe mitunter   einige Monate zuvor &#252;ber einen landesweiten Streiktag am 1. Mai gesagt.   Ihr Irrtum kann bewiesen werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein sozialistischer Strategie-Entwurf <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[42,6],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11608"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11608"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11608\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11608"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11608"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11608"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}