{"id":11602,"date":"2006-04-28T18:13:47","date_gmt":"2006-04-28T18:13:47","guid":{"rendered":".\/?p=11602"},"modified":"2006-04-28T18:13:47","modified_gmt":"2006-04-28T18:13:47","slug":"11602","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/04\/11602\/","title":{"rendered":"&#8222;Schulterschluss statt Achselzucken&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Mit diesem Slogan streikten Studierende und Besch&#228;ftigte der Ruhruniversit&#228;t Bochum gegen die Politik der nordrhein-westf&#228;lischen Landesregierung. <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">  &#220;ber 400 von 3000 KollegInnen des nicht-wissenschaftlichen Personals   sind bereits seit 14 Tagen im Ausstand. Eine Demonstration und mehrere   Protestaktionen in Bochum und gemeinsam mit KollegInnen in anderen   Teilen des Ruhrgebietes fanden bereits statt, um die 41-Stunden &#8211;Woche   und den Wegfall des Weihnachtsgeldes zur&#252;ckzuschlagen.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">  Diesmal hatten sie ihren Streik auch mit Solidarit&#228;tsaktionen f&#252;r die   Bochumer Studierenden verbunden. Am 27. April sollte die Senatssitzung   stattfinden, die &#8211; sehr wahrscheinlich &#8211; die Einf&#252;hrung von   Studiengeb&#252;hren an der RUB beschlossen h&#228;tte. Sie wurde allerdings sehr   schnell abgebrochen, da StudentInnen daran teilnehmen und ihre   Forderungen vorbringen wollten, was nat&#252;rlich nicht gew&#252;nscht war.   Vorsorglich hatte man die Sitzung in einen Raum gelegt, wo nur 70   Personen Platz haben, damit keineR mith&#246;rt. Daraufhin besetzten ca. 150   Studentinnen das Rektorat und forderten die Verlegung der Sitzung ins   Audimax sowie Zugang zu der Sitzung, um dort ihren Protest zu Ausdruck   zu bringen.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">  In einer Urabstimmung sprachen sich 90,7% der RUB-StudentInnen gegen die   Einf&#252;hrung von Studiengeb&#252;hren aus. Eine Vollversammlung gestern Morgen   beschloss, sich nicht einfach ausverkaufen zu lassen und in den Streik   zu treten, um ihre Rechte einzufordern und f&#252;r ihre Studienpl&#228;tze und   die der zuk&#252;nftigen Studentinnen zu k&#228;mpfen.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">  Erstaunlich ruhig blieben die 2500 DemonstrantInnen auf dem Univorplatz   angesichts der unglaublichen Dinge, die von den Rednern verk&#252;ndet   wurden: ein Vertreter der Unileitung wurde nicht sofort ausgepfiffen,   als er ewig die immer gleiche Leier ab spulte, die wir alle tagt&#228;glich   in Presse, Funk und Fernsehen zu h&#246;ren kriegen: es ist kein Geld da,   also m&#252;sst ihr blechen! (Man wolle es ja auch nicht, man habe   jahrzehntelang gek&#228;mpft, man sei ja im selben Boot, aber es ginge nicht   anders).<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">  Das verwunderte nat&#252;rlich niemanden, aber den leeren Worten folgten umso   drastischere Taten: die Unileitung lie&#223; das Rektorat kurzerhand durch   eine Hundertschaft der Polizei gewaltsam r&#228;umen! So werden friedlich f&#252;r   ihre Rechte eintretende Studierende kriminalisiert. Denn Bildung ist ein   Recht f&#252;r jeden, aber sie wird durch Studiengeb&#252;hren nur noch f&#252;r eine   kleine reiche Minderheit zug&#228;nglich sein &#8211; denn wer kann sich schon,   zus&#228;tzlich zu den Lebenserhaltungskosten noch 500 &#8364; Studiengeb&#252;hren im   Semester leisten? Wie sollen das die Kinder der Opel-ArbeiterInnen, der   ehemaligen ArbeiterInnen und jetzt Erwerbslosen und der Hartz4-   Empf&#228;ngerInnen bezahlen? Gerade im Ruhrgebiet gibt es in Westdeutschland   &#8211; abgesehen von Bremerhaven &#8211; die h&#246;chste Anzahl von Hartz &#8211;   IV-Empf&#228;ngerInnen. Die Universit&#228;ten werden sich dort nicht durch eine   bef&#252;rchtete &#8222;schlechtere Qualit&#228;t&#8220; infolge fehlender Gelder leeren,   sondern durch die nicht mehr vorhandenen StudentInnen.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">  Kein Studium, keine Lehrstelle, keinen Schulabschluss &#8211; so stellen sich   immer mehr Jugendliche ihre Zukunft mittlerweile vor. Immer mehr   Schulabg&#228;nger sehen nicht ein, wozu sie &#252;berhaupt noch einen Abschluss   machen sollen. Und immer mehr bleiben immer fr&#252;her auf der Strecke. Mit   dem neuen Schulgesetz in NRW, das unter anderem Kopfnoten und   Zentralabitur beinhalten soll, werden schon in der Schule die Schwachen   ausgesiebt, nur die Elite bleibt &#252;brig- die Kinder, die deswegen so   &#8222;elit&#228;r&#8220; sind, weil ihre Eltern sich Nachhilfestunden leisten k&#246;nnen,   und weil sie nicht anecken in der Gesellschaft oder in der schule.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">  An diesem Donnerstag wurde nicht nur das Rektorat in Bochum, sondern   zeitgleich auch in K&#246;ln und Bonn besetzt, da zuf&#228;llig am selben Tag die   entsprechende Entscheidung f&#252;r Studiengeb&#252;hren getroffen werden sollte.   An der Katholischen Fachhochschule in Aachen soll es am 24. Mai   demn&#228;chst einen Streiktag geben, f&#252;r die Universit&#228;ten Duisburg und   Essen ist ein Streik beschlossen worden. Die Bereitschaft zum Widerstand   ist sehr gro&#223;, Jetzt kommt es darauf an, diesen Widerstand an den   Universit&#228;ten nicht nur gleichzeitig, sondern gemeinsam und   st&#228;dte&#252;bergreifend zu organisieren.<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">  Das gilt nicht nur f&#252;r die Studierenden: der gemeinsame Protest der   Bochumer Studierenden und ArbeiterInnen und Angestellten der RUB sind   ein gutes Vorbild. Denn Die Studierenden, Besch&#228;ftigten und Sch&#252;lerInnen   sitzen wirklich im selben Boot. Wir brauchen deshalb die gemeinsame   Gegenwehr und gemeinsame Streik- und Protestaktionen aller studentInnen,   aller Sch&#252;lerInnen und Besch&#228;ftigten des &#246;ffentlichen Dienstes gegen die   Pl&#228;ne der Landesregierung, gegen die Politik f&#252;r die Wirtschaftsbosse,   f&#252;r eine lebenswerte Zukunft f&#252;r alle!<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm\">  <i>von Conny Dahmen, Bochum\/K&#246;ln<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit diesem Slogan streikten Studierende und Besch&#228;ftigte der<br \/>\n    Ruhruniversit&#228;t Bochum gegen die Politik der nordrhein-westf&#228;lischen<br \/>\n    Landesregierung. <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[17],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11602"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11602"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11602\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11602"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11602"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11602"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}