{"id":11595,"date":"2006-04-26T09:36:20","date_gmt":"2006-04-26T09:36:20","guid":{"rendered":".\/?p=11595"},"modified":"2006-04-26T09:36:20","modified_gmt":"2006-04-26T09:36:20","slug":"11595","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/04\/11595\/","title":{"rendered":"Neue Tabubr&#252;che in der Metallindustrie"},"content":{"rendered":"<p>Mit dem Tarifabschluss gibt die IG-Metall-Spitze wichtige Haltelinien kampflos preis <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Nach massiver Warnstreikbeteiligung kam es kurz vor Einleitung einer   Urabstimmung &#252;ber Streikma&#223;nahmen zu einem Tarifabschluss f&#252;r die rund   3,4 Millionen Besch&#228;ftigten.<\/p>\n<p>  von Torsten Sting, Rostock<\/p>\n<p>  Etwa 880.000 Besch&#228;ftigte haben sich laut IG Metall (IGM) an den   Warnstreiks beteiligt. Viele KollegInnen waren bereit, f&#252;r die   Forderungen der Gewerkschaft auch zu streiken. Wenn die gesamte   Kampfkraft genutzt worden w&#228;re, dann h&#228;tten die Unternehmerpl&#228;ne   abgeschmettert und die &#8222;Steink&#252;hler-Pause&#8220; verteidigt werden k&#246;nnen.   Dann w&#228;re es zudem m&#246;glich gewesen, die Pausenregelung auf andere   Besch&#228;ftigtengruppen und Tarifgebiete auszuweiten sowie die f&#252;nf Prozent   voll durchzusetzen. In letzter Sekunde wurde jedoch ein Ergebnis   pr&#228;sentiert, das neue Tabubr&#252;che enth&#228;lt.<\/p>\n<p>  Fl&#228;chentarifvertrag wird weiter ausgeh&#246;hlt<\/p>\n<p>  Kaum war der Abschluss erzielt, kam es zum Aufschrei der Repr&#228;sentanten   der kleinen und mittleren Betriebe. Dabei liegt allein die   durchschnittliche Produktivit&#228;tssteigerung deutlich &#252;ber der   vereinbarten Lohnerh&#246;hung von drei Prozent (der Tarifvertrag hat eine   Laufzeit von 13 Monaten).<\/p>\n<p>  Diese Diskussion lenkt nur davon ab, dass die Arbeitgeberseite immense   politische Erfolge verbuchen konnte. So wurde die Einmalzahlung f&#252;r die   Monate M&#228;rz bis Mai erstmals mit einer betrieblichen &#214;ffnungsklausel   versehen. Je nach wirtschaftlicher Lage kann demzufolge der Betrag von   310 Euro auch gestrichen werden (zur ebenfalls m&#246;glichen Verdoppelung   des Betrags wird es sicherlich nur in Ausnahmef&#228;llen kommen). Dies   entscheiden Gesch&#228;ftsleitung und Betriebsrat. Mal ganz abgesehen davon,   dass die wirkliche Lage des Unternehmens immer nur die Kapitalseite   kennt, bedeutet diese Regelung eine weitere Untergrabung des   Fl&#228;chentarifvertrages. Betriebsr&#228;te sind erpressbar, weil sie kein   Streikrecht haben, um ihren Forderungen Nachdruck verleihen zu k&#246;nnen.   Die Kluft zwischen den Belegschaften wird weiter vergr&#246;&#223;ert, weil die   Betriebe k&#252;nftig noch unterschiedlichere Regelungen haben. Das erschwert   in Zukunft die erfolgreiche Mobilisierung der Belegschaften f&#252;r   gemeinsame Forderungen.<\/p>\n<p>  &#8222;Steink&#252;hler-Pause&#8220;<\/p>\n<p>  Bei der Pausenregelung betont die IGM-Spitze um Peters und Huber,   standhaft geblieben zu sein. Formell wird diese Sonderregelung f&#252;r die   92.000 Bandarbeiter in Nordw&#252;rttemberg-Nordbaden erhalten. Da sie nun   aber nur f&#252;r Flie&#223;bandarbeiter mit kurzen Takten weiterhin gilt, lobt   Gesamtmetall in einer Stellungnahme: &#8222;Die Pauschalierung der Erholzeiten   konnte f&#252;r eine Reihe von Arbeitspl&#228;tzen aufgehoben werden.&#8220; Die   Vertreter des Unternehmerlagers haben allen Grund zu jubeln. Nach   Angaben des Verhandlungsf&#252;hrers der Arbeitgeber in Baden-W&#252;rttemberg   kann diese Regelung bedeuten, dass etwa zwei Drittel der Betroffenen   entweder k&#252;rzere oder gar keine st&#252;ndliche Pause mehr haben werden. In   der Konsequenz bedeutet das Arbeitsverdichtung und Verl&#228;ngerung der   Arbeitszeit.<\/p>\n<p>  Ausgelagerte Verhandlungen<\/p>\n<p>  Bei der Pr&#228;sentation des Abschlusses von der IG Metall verschwiegen   wurde, dass zwei Verhandlungen ausgelagert und damit der demokratischen   Kontrolle der Gewerkschaftsmitglieder entzogen wurden:<\/p>\n<p>  1. &#8222;Verhandlungsverpflichtung f&#252;r produktionsferne T&#228;tigkeiten&#8220;<\/p>\n<p>  Mit der Behauptung, der Verlagerung von Arbeitspl&#228;tzen entgegenzuwirken,   sollen die Arbeitskosten f&#252;r produktionsferne T&#228;tigkeiten wie zum   Beispiel Logistik oder Rechnungswesen reduziert werden. Konkrete   Verhandlungen werden dazu in K&#252;rze aufgenommen. Angestrebt ist ein   Ergebnis, das sich an den konkurrierenden Dienstleistungsbereichen   orientiert. Dabei sollen alle tariflichen Standards auf den Pr&#252;fstand,   vor allem die Dauer der Arbeitszeit.<\/p>\n<p>  2. &#8222;Tarifpolitische Belohnung f&#252;r den Aufbau von Arbeitspl&#228;tzen&#8220;<\/p>\n<p>  Schlie&#223;lich sieht der Tarifabschluss eine Verhandlungsverpflichtung vor,   mit dem laut Gesamtmetall der &#8222;Aufbau von Besch&#228;ftigung tarifpolitisch   gef&#246;rdert&#8220; werden soll. &#8222;Die Arbeitgeber halten eine Regelung f&#252;r   notwendig, bei der die Kosten f&#252;r die Einstellung neuer Mitarbeiter   solidarisch zwischen Betrieb und Besch&#228;ftigten geteilt werden.&#8220;<\/p>\n<p>  IGM-Spitze gibt gewerkschaftliche Grundpositionen auf<\/p>\n<p>  Zwar haben die Unternehmer eine Lohnerh&#246;hung zugestanden, die sie   wochenlang als indiskutabel bezeichneten. Das ist der enormen   Warnstreikbeteiligung zu verdanken &#8211; verbunden mit der Angst von   Gesamtmetall vor einer Streikdynamik. Trotzdem ist der Abschluss   verheerend. Schlie&#223;lich ist die IG Metall eine der gr&#246;&#223;ten   Gewerkschaften der Welt mit gewaltiger Kampfkraft. Angesichts der   derzeit vollen Auftragsb&#252;cher waren die Unternehmer erst Recht   angreifbar. Zudem wurde die Chance vertan, mit ver.di den Kampf gegen   Arbeitszeitverl&#228;ngerung zu verbinden.<\/p>\n<p>  Der Abschluss f&#246;rdert die Erpressbarkeit der Belegschaften enorm und   erschwert die Kampfbedingungen der Gewerkschaft. Die Regelung zur   &#8222;Steink&#252;hler-Pause&#8220; und die ausgelagerten Verhandlungen zum Thema   Arbeitszeit bereiten den n&#228;chsten Ausverkauf der Gewerkschaftsspitzen   vor.<\/p>\n<p>  Eine Branche &#8211; ein Tarifvertrag, ein Betrieb &#8211; eine Belegschaft, kein   neuer Arbeitsplatz durch Lohnverzicht &#8211; das waren lange Zeit   Grundpositionen der Gewerkschaften. Grundpositionen, die von der   IGM-Spitze heute aufgegeben werden. IGM-Verhandlungsf&#252;hrer beim   Pilotabschluss in NRW war Detlef Wetzel. Er gilt als &#8222;hei&#223;ester   Kandidat&#8220; (Berliner Zeitung) f&#252;r den Posten des Vize-Chefs in der IG   Metall. Damit droht auf dem Gewerkschaftstag 2007 ein weiterer   Rechtsruck.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit dem Tarifabschluss gibt die IG-Metall-Spitze wichtige Haltelinien<br \/>\n    kampflos preis <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[11],"tags":[181],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11595"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11595"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11595\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11595"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11595"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11595"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}