{"id":11594,"date":"2006-04-24T14:52:34","date_gmt":"2006-04-24T14:52:34","guid":{"rendered":".\/?p=11594"},"modified":"2006-04-24T14:52:34","modified_gmt":"2006-04-24T14:52:34","slug":"11594","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/04\/11594\/","title":{"rendered":"Nepal: Generalstreik und Massenproteste"},"content":{"rendered":"<p>Stellungnahme des Komitees f&#252;r eine Arbeiterinternationale vom 21. April 2006 <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Nach Massenprotesten und einem zwei Wochen dauernden Generalstreik   k&#246;nnte es zum Sturz des brutalen Regime des nepalesischen K&#246;nigs,   Gyanendra kommen. Das Regime in Nepal hat am Freitag den 22. April nach   Massenprotesten bei denen &#252;ber 100.000 Menschen in der Hautpstadt   Kathmandu demonstriert hatten, eine Ausgangssperre bei der jedeR,   der\/die auf der Strasse angetroffen wird, erschossen wird, eingesetzt.   Angesichts der brutalen Repression sind die Massen radikalisiert worden   und haben die Angst vor der Repression verloren. Ein Student wurde in   der britischen Zeitung Guardian zitiert: &#8220;Wir sind bereit unser Leben   f&#252;r die Nation zu opfern, denn wir werden get&#246;tet werden, aber es macht   uns nichts aus.&#8220; (Freitag, 21. April 2006)<\/p>\n<p class=\"bodytext\">  Die Proteste wurden gewaltt&#228;tiger und erfassten gr&#246;&#223;ere Teile des Landes   und sie wurden au&#223;erdem radikaler. Nun fordern die Massen eine Republik   und das Ende der Monarchie und nicht mehr nur Wahlen. In einem   verzweifelten Versuch des K&#246;nigs, sich an der Macht festzukrallen hat er   (zum Zeitpunkt als dies geschrieben wird) der Opposition das Recht   angeboten, den Kanzler zu nominieren sowie eine R&#252;ckkehr zur Demokratie   &#8211; aber ohne Zeitangaben!<\/p>\n<p class=\"bodytext\">  Am Donnerstag hat die Polizei auf DemonstrantInnen geschossen und drei   get&#246;tet und viele verletzt. Mit &#8222;brutaler Eile&#8220; hat die Armee die K&#246;rper   der get&#246;teten rasch einge&#228;schert. Zwei Wochen lang haben die   ArbeiterInnen in Nepal einen Generalstreik durchgef&#252;hrt, der auch von   kleinen LadenbesitzerInnen und manchen Teilen der Mittelschicht   unterst&#252;tzt wurde. W&#228;hrend dieser Zeit wurden mehr als 14 Menschen von   den staatlichen Kr&#228;ften get&#246;tet. Zu den Massenaktionen hatte die   Sieben-Parteien-Allianz (SPA) aufgerufen, die u.a. die Kommunistische   Partei von Nepal (Vereinigte Marxisten-Leninisten) und die nepalesische   Congress Partei umfasst. Maoistische Rebellen, die seit zehn Jahren   einen Guerillakampf gegen das Regime f&#252;hren, haben zur Unterst&#252;tzung des   Streiks einen Waffenstillstand im Tal von Kathmandu ausgerufen und die   Proteste unterst&#252;tzt.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">  An den Massenprotesten von Donnerstag haben mehr als 100.000 Menschen   teilgenommen, und sie waren die Zusammenf&#252;hrung von zwei Wochen von   Streiks und Protesten. Die OrganisatorInnen sagen, dass &#252;ber 400.000   teilgenommen haben.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">  Grosse Gruppen von Menschen, die gegen den K&#246;nig protestieren wollten,   sind aus allen Himmelsrichtungen in die Hauptstadt gekommen und sahen   sich der Armee gegen&#252;ber die ein Sperrgebiet bewachte. AugenzeugInnen   berichteten, dass die Polizei wahllos auf die DemonstrantInnen schossen   die von den H&#252;geln des westlichen Vorortes Kalanki herunterstr&#246;mten.   Trotz der Ausgangssperre sind die Menschen am Freitag wieder auf die   Strasse gegangen.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">  K&#246;nig Gyanendra hatte im Februar 2005 die Regierung entlassen und die   Macht an sich gerissen. Aber der maoistische Guerillakrieg ging weiter,   die wirtschaftliche Krise hat sich verst&#228;rkt, ebenso die Armut. Nun sind   so gut wie alle Teile der Gesellschaft in Opposition zum K&#246;nig, darunter   die ArbeiterInnen, die Bauern und B&#228;uerinnen, Studierende, Anw&#228;ltInnen,   JournalistInnen und kleine Gewerbetreibende.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">  Die Proteste nahmen w&#228;hrend des zweiw&#246;chigen Generalstreiks zu. Der   Streik umfasst nun (zum Zeitpunkt da dies geschrieben wird) 80.000   Besch&#228;ftigte des &#246;ffentlichen Dienstes. Sogar Besch&#228;ftigte des   Innenministeriums haben an den j&#252;ngsten Demonstrationen teilgenommen. Am   Montag der letzten Woche, haben sich auch Besch&#228;ftigte der Privaten   Banken dem Streik angeschlossen. &#8222;Die Bewegung ist popul&#228;r, sie w&#228;chst   und dehnt sich aus,&#8220; kommentierte Dhruba Adhikary vom unabh&#228;ngigen   nepalesischen Presseinstitut.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">  In seiner dritten Woche f&#252;hrt der Streik zu Engp&#228;ssen bei frischen   Lebensmitteln, &#214;l zum Kochen etc. in Kathmandu. Es gibt keine Fahrzeuge   auf der Strasse, weder Menschen noch G&#252;ter werden transportiert. Die   Situation hat die herrschende Klassen international alarmiert. &#8222;Ich   f&#252;rchte, wir bewegen uns auf eine revolution&#228;re Situation zu&#8220;, wird ein   anonymer Diplomat zitiert.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">  Selbst Teile der herrschende Elite in Nepal sehen K&#246;nig Gyanendra nun   als Risikofaktor, dessen autokratische Herrschaft Nepal gef&#228;hrlich nah   zu sozialen und Klassenaufst&#228;nden gebracht hat. Ausl&#228;ndische M&#228;chte, wie   die USA oder die EU-Staaten, kritisieren die Herrschaft des K&#246;nigs   offen. Sie und die angrenzenden M&#228;chte Indien und China f&#252;rchten, dass   das Beispiel von revolution&#228;ren Massenk&#228;mpfen in der Region   NachahmerInnen finden k&#246;nnte. Im Moment ist der letzte wirkliche   Verb&#252;ndete des K&#246;nigs China und sogar das chinesische Regime k&#252;hlt seine   Beziehungen ab.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">  Der K&#246;nig ist isoliert und herrscht auf Basis einem brutalen   Unterdr&#252;ckungsapparat um an der Macht zu bleiben. Aber es gibt viele   Berichte von den letzten Protesten, das viele Polizisten und Soldaten   auf der Strasse ebenfalls die Herrschaft von K&#246;nig Gyanendra   kritisieren. Teile davon k&#246;nnen rasch auf die Seite der DemonstrantInnen   wechseln und damit das Ende seiner Diktatur einl&#228;uten.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">  Der Sturz des K&#246;nigs wird von den ArbeiterInnen und den Armen in Nepal   und international begr&#252;&#223;t werden. Es wird die Macht der Massen deutlich   machen, die sich in den Protesten in den St&#228;dten und den Streiks   ausgedr&#252;ckt hat. Der Sturz wird wichtige Auswirkungen in der ganzen   Region haben, wird ArbeiterInnen, Bauern und B&#228;uerinnen und die Armen   inspirieren ebenfalls Massenaktionen zu beginnen. Aber solange es nicht   zu weitreichenden sozialen Ver&#228;nderungen in Nepal kommen, wird das Ende   der Herrschaft von K&#246;nig Gyanendra nicht das Ende der extremen sozialen   und wirtschaftlichen Krise bedeuten.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">  Nepal ist eines der &#228;rmsten L&#228;nder der Welt mit einer &#252;berwiegend   b&#228;uerliche Bev&#246;lkerung mit 85% der 23,6 Million EinwohnerInnen, die am   Land leben. Nach der Volksz&#228;hlung von 2001 gibt es 92 verschiedene   Sprachen in Nepal. Nur grundlegende, soziale Ver&#228;nderungen k&#246;nnen die   katastrophale Situation der Massen beenden und es dem Land erlauben,   sich als Teil einer sozialistischen F&#246;deration der Region auf   freiwilliger Basis zu entwickeln.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">  Aber das ist nicht das Programm der Sieben-Parteien-Allianz (SPA). Die   Congress-Partei, die SPA politisch dominiert, steht fest auf dem Boden   kapitalistischer Ideologie und wird innerhalb der engen Grenzen des   Kapitalismus und von Nepals semi-feudaler Bedingungen agieren. Eine   andere SPA-Partei, die Kommunistische Partei von Nepal (Vereinigte   Marxisten-Leninisten) organisiert zwar Massenproteste, hat aber kein   Programm das ernsthaft den Kapitalismus herausfordert. Die maoistische   CPN-M organisiert gesch&#228;tzte 15.000 in ihren Einheiten und kontrollierte   etwa 75% des Landes. Sie behaupten, sie w&#252;rden eine liberale   parlamentarische Demokratie unterst&#252;tzen und verschieben den Kampf f&#252;r   Sozialismus in eine ferne Zukunft. Aber Nepal hatte eine beschr&#228;nkte   formale &#8222;Demokratie&#8220; bis K&#246;nig Gyanendra vor f&#252;nf Jahren die Macht an   sich gerissen hat. Diese beschr&#228;nkten demokratischen Reformen haben die   immense Armut und Arbeitslosigkeit nicht beendet. Das ist nur m&#246;glich,   wenn die feudale und kapitalistische Herrschaft beendet wird und wenn   die imperialistische Dominanz der Wirtschaft beendet wird. Der einzige   Weg, um die Gesellschaft weiter zu entwickeln und die bei&#223;ende Armut und   Ausbeutung zu beenden, ist der Aufbau einer Regierung der ArbeiterInnen   und B&#228;uerInnen auf Basis eines Programms um die Wirtschaft demokratisch   zu planen und mit der Perspektive, die Unterst&#252;tzung der ArbeiterInnen   in Indien, China und anderen asiatischen L&#228;ndern zu gewinnen mit dem   Ziel des Aufbaus einer sozialistischen F&#246;deration in der Region.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">  Die Massen gehen instinktiv weiter als die beschr&#228;nkten Forderungen der   SPA, das zeigt sich in den zunehmend verzweifelten Versuchen der   Oppositionsparteien die Massenbewegung zu kontrollieren. JournalistInnen   haben aus Kathmandu&#160; berichtet das viele DemonstrantInnen gesagt haben,   dass die SPA-F&#252;hrung zur Seite treten muss, wenn sie ihre Forderungen,   die Herrschaft des K&#246;nigs vollst&#228;ndig zu beenden und die Einf&#252;hrung   voller demokratischer Rechte, nicht unterst&#252;tzen. Diese DemonstrantInnen   wollen auch ein Ende von endemischer Armut und Mangel.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">  Es entwickelt sich eine revolution&#228;re Krise. Es gibt die dringende   Notwendigkeit, demokratisch gew&#228;hlte Komitees von ArbeiterInnen,   Studierenden und der st&#228;dtischen Bev&#246;lkerung aufzubauen ebenso wie   B&#228;uerInnenkomitees am Land, um den Generalstreik weiterzuentwickeln die   die Basis f&#252;r eine neue Regierung zu legen. Der Aufbau von bewaffneten   Selbstverteidigungskomitees, unter der Kontrolle dieser demokratischen   Strukturen, um die Proteste zu verteidigen, ist eine dringende Aufgabe.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">  Solche Komitees k&#246;nnen die Basis f&#252;r den Aufbau einer Regierung der   ArbeiterInnen und B&#228;uerInnen ebenso sein wie Einberufung einer   revolution&#228;ren Verfassungsgebenden Versammlung mit einem revolution&#228;ren   sozialistischen Programm um die die wirkliche Transformation von Nepal   im Interesse der ArbeiterInnen und der armen Massen zu beginnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stellungnahme des Komitees f&#252;r eine Arbeiterinternationale vom 21. 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