{"id":11592,"date":"2006-04-21T15:39:25","date_gmt":"2006-04-21T15:39:25","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=11592"},"modified":"2012-08-21T12:50:33","modified_gmt":"2012-08-21T10:50:33","slug":"11592","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/04\/11592\/","title":{"rendered":"Sozialismustage 2006 &#8211; Zukunft statt Kapitalismus"},"content":{"rendered":"<p>380 TeilnehmerInnen aus dem gesamten Bundesgebiet sowie internationale G\u00e4ste aus Belgien, Brasilien, Polen, Tschechien, England, Frankreich und \u00d6sterreich diskutierten an diesem Osterwochenende in 22 verschiedenen Veranstaltungen, Debatten und Plenumsdiskussionen und tauschten Erfahrungen aus. Dabei gab es gro\u00dfe Einigkeit dar\u00fcber, dass \u201eZukunft\u201c und \u201eKapitalismus\u201c f\u00fcr die Mehrheit der Weltbev\u00f6lkerung unvereinbar sind.<\/p>\n<p><em>von Conny Dahmen, SAV K\u00f6ln<\/em><\/p>\n<p><!--more--><br \/> \u00a0<\/p>\n<p><img src=\"http:\/\/www.sozialismustage.de\/schule.jpg\" alt=\"\" align=\"left\" \/> Die Frage nach einer sozialistischen Alternative, einer komplett anderen Organisation der Gesellschaft, die sich an den Bed\u00fcrfnissen der Menschheit und nicht an der Profitgier einiger weniger orientiert, zog sich deshalb wie ein roter Faden durch die verschiedenen Veranstaltungen.<\/p>\n<p>Gro\u00dfen Raum nahm die wichtige Debatte zum Neuformierungsprozess der Linken ein und zu welchen inhaltlichen Bedingungen dieser stattfinden soll. An dieser sehr lebhaften Debatte, die mit etwa 250 TeilnehmerInnen zur best besuchtesten des gesamten Wochenendes geh\u00f6rte, beteiligten sich neben zahlreichen WASG und SAV Mitgliedern im Saal, Thiess Gleis vom Bundesvorstand der WASG sowie Uwe Hiksch, Vertreter der Initiative Rixdorf (Teil der WASG Minderheit in Berlin) und Bef\u00fcrworter der gemeinsamen Kandidatur mit der Linkspartei.PDS in Berlin. Uwe Hiksch ist ehemaliger Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der PDS f\u00fcr die er auch im Bundestag sa\u00df. Auf dem Podium dikutierten ebenfalls Lucy Redler, Mitglied im Landesvorstand der WASG Berlin und SAV Mitglied sowie Sascha Stanicic, Bundessprecher der SAV und Kandidat f\u00fcr den WASG Bundesvorstand .<\/p>\n<p>Die TeilnehmerInnen des Wochenendes konnten aus erster Hand von den Erfahrungen der erfolgreichen Protestbewegung der Jugend und Arbeiter in Frankreich gegen die Aufweichung des K\u00fcndigungsschutzes erfahren. Leila Messaoudi und Olaf van Aken aus Rouen berichteten eindrucksvoll von der Entwicklung des Widerstandes und der wichtigen Lehre, dass sich K\u00e4mpfen lohnt. In den Wortbeitr\u00e4gen \u00e4u\u00dferten viele den Wunsch und die Notwendigkeit nach \u201efranz\u00f6sischen Verh\u00e4ltnissen\u201c in Deutschland.<\/p>\n<p><img src=\"http:\/\/www.sozialismustage.de\/Podium.jpg\" alt=\"\" align=\"left\" \/> Bereits die Veranstaltung am Freitagabend \u00fcber den \u201eWiderstand gegen Sozialkahlschlag und der Kampf f\u00fcr Sozialismus im 21. Jahrhundert\u201c gab einen guten Vorgeschmack darauf, dass an diesem Osterwochenende nicht alleine Entspannung, sondern vor allen Dingen Spannung und Erfahrungsaustausch pur angesagt waren.<\/p>\n<p>Andre Ferrari, Mitglied im Vorstand der neu gegr\u00fcndeten Partei f\u00fcr Sozialismus und Freiheit, P-SOL, und Vorsitzender der SAV Schwesterorganisation Socialismo Revolutionario aus Brasilien, er\u00f6ffnete die Sozialismustage. Er gab einen spannenden Einblick in die \u201eLinksverschiebung\u201c auf dem lateinamerikanischen Kontinent und beschrieb die Aufgaben und Anforderungen, den in einigen L\u00e4ndern Lateinamerikas begonnenen revolution\u00e4ren Prozess zu einem erfolgreichen Ende zu bringen.<\/p>\n<p>Michael Pr\u00fctz, Mitglied im Landesvorstand der WASG in Berlin, schilderte die Politik von Sozialabbau und Tarifflucht des Berliner Senates und erkl\u00e4rte die Notwendigkeit einer inhaltlich linken Alternative bei den Wahlen zum Abgeordnetenhaus im September. Pr\u00fctz erkl\u00e4rte, dass die WASG in Berlin gegen alle Parteien antrete, da in Berlin alle Parteien, einschlie\u00dflich der Linkspartei.PDS, ins Lager der Privatisierer und der Sozialabbauer geh\u00f6rten.<\/p>\n<p>Nico Weinmann, SAV Mitglied und frisch gew\u00e4hlter Stadtrat f\u00fcr die KasselerLinke. ASG griff die Ereignisse an der Berliner R\u00fctli Schule auf. Er verurteilte die K\u00fcrzungspolitik des Berliner Senats und wendete sich gegen die rassistische Kampagne, die in vielen Medien gegen die Sch\u00fclerInnen ausl\u00e4ndischer Herkunft gef\u00fchrt wird. Stattdessen stellte er die soziale Frage in den Mittelpunkt und verwies auf die Tatsache, dass 2005 kein einziger Schulabg\u00e4nger der R\u00fctli-Schule einen Ausbildungsplatz fand. \u201eDie Sch\u00fclerInnen werden in den Medien als kriminell stigmatisiert, wirklich kriminell ist jedoch das kapitalistische System, dass einer immer gr\u00f6\u00dfer werdenden Anzahl von Jugendlichen keine Zukunft zu bieten hat\u201c, endete Nico seinen Wortbeitrag.<\/p>\n<p>Katja Hofmann, JAV Vorsitzende* des Klinikums Kassel und Volker Gernhardt, Betriebrat* im vivantes Krankenhaus Neuk\u00f6lln beschrieben eindrucksvoll die erschreckenden Verschlechterungen im Gesundheitswesen. Dies gilt f\u00fcr Patient und Personal. \u201e Die Zust\u00e4nde erinnern oftmals eher an ein besseres Lazarett als an ein Krankenhaus\u201c, erkl\u00e4rte Volker Gernhardt.<\/p>\n<p>Peter Taaffe, Generalsekret\u00e4r der Socialist Party in England und Wales beschrieb den allt\u00e4glichen und internationalen Horror des Kapitalismus. Er schilderte die Folgen des internationalen Konkurrenzkampfes um M\u00e4rkte und Rohstoffe. Dabei verwies er auf die desastr\u00f6se Lage f\u00fcr die Zivilbev\u00f6lkerung im Irak unter der Besatzung des Imperialismus und die Gefahren f\u00fcr ein weiteres Abgleiten in einen B\u00fcrgerkrieg. Peter Taaffe sprach \u00fcber die Zuspitzung der Kriegsgefahr im Iran. Dabei machte er aber auch deutlich, dass der US Imperialismus und die Bush Administration durch die Situation im Irak und die wachsende Antikriegsstimmung innerhalb der eigenen Bev\u00f6lkerung, die einher geht mit wachsender Opposition und sinkenden Zustimmungraten f\u00fcr George W. Bush\u00b4s Sozialkahlschlagspolitik, geschw\u00e4cht sei. Dennoch: Eine friedliche Welt im Kapitalismus ist ausgeschlossen. Das kapitalistische System ist in der Krise. Dar\u00fcber k\u00f6nnen auch die Wachstumsraten in China nicht hinwegt\u00e4uschen. Ein auf Profitmaximierung ausgerichtetes Wirtschaftssystem ist nicht in der Lage nachhaltige Entwicklung zu garantieren. Das Ma\u00df an Umweltzerst\u00f6rung in China ist gigantisch und ist ein Faktor f\u00fcr wachsenden Widerstand in der Bev\u00f6lkerung. Nachhaltige Entwicklung ist nur unter einer demokratischen Planwirtschaft m\u00f6glich. \u201eUnter heutigen Bedingungen\u201c, so zitierte Peter Taaffe den chinesischen Wirtschaftsminister, \u201ebr\u00e4uchte man die Resourcen von f\u00fcnf Planeten Erde um den Lebensstandard der chinesischen Bev\u00f6lkerung auf US- amerikanisches Niveau zu heben.\u201c Peter Taaffe erkl\u00e4rte, dass dies nur unter kapitalistischen Bedingungen gelte, eine nachhaltige sozialistische \u00d6konomie aber den Lebensstandard auch der chinesischen Massen erh\u00f6hen k\u00f6nnte, ohne die nat\u00fcrlichen Ressourcen zu zerst\u00f6ren. Die Entwicklungen in China fanden gro\u00dfes Interesse. Mit \u00fcber 60 TeilnehmerInnen geh\u00f6rte ein spezieller Arbeitskreis zu dem Thema zu den best besuchtesten des Wochenendes. Peter betonte auch die Zunahme von Klassenk\u00e4mpfen in ganz Europa. Er berichtete von der Wiederbelebung der Arbeiterbewegung in Gro\u00dfbritannien und dem Beitrag, den Mitglieder der Socialist Party in den Gewerkschaften in diesem Prozess leisten. Er wertete auch die Niederlage Berlusconis als einen Erfolg f\u00fcr die italienische Arbeiterklasse, wies aber gleichzeitig darauf hin, dass die neu gew\u00e4hlte Mitte-Links Regierung unter Prodis F\u00fchrung und Einbeziehung der Rifondazione Communista keine tats\u00e4chliche politische Antworten und L\u00f6sungen auf die Krise der italienischen Wirtschaft anzubieten hat. Angela Bankert vom Bundesvorstand der SAV gab der \u201eUtopie\u201c Sozialismus eine konkrete Form und f\u00fchrte aus, wie eine demokratische Planwirtschaft als Alternative zu Kapitalismus und Stalinismus aussieht. Diese Vorstellungen konkretisierte sp\u00e4ter unter anderem Winfried Wolf unter dem Motto \u201eEine andere \u00d6konomie ist n\u00f6tig!\u201c in einem eigenen, ebenfalls sehr gut besuchten, Arbeitskreis.<\/p>\n<p>Venezuela und Bolivien: \u201eKampf um das Schicksal der Menschheit\u201c<\/p>\n<h4>Podium<\/h4>\n<p>Dass die Diskussionen an diesem Osterwochenende alles andere als blo\u00dfer Zeitvertreib waren, sondern eine dringende Notwendigkeit, zeigen heute vor allem die Proteste in Lateinamerika: nicht umsonst wurde das Wochenende mit kurzen Filmausschnitte \u00fcber die Bolivarische Revolution in Venezuela, den K\u00e4mpfen f\u00fcr die Verstaatlichung der Gasindustrie in Bolivien und den j\u00fcngsten Stra\u00dfenblockaden in Ecuador eingeleitet. Andr\u00e9 Ferrari und Tanja Niemeier, Mitglied im internationalen B\u00fcro des Komitees f\u00fcr eine Arbeiterinternationale, sprachen \u00fcber den Aufstand gegen neoliberale Politik auf dem lateinamerikanischen Kontinent, die neuen linken Regierungen in Bolivien und Venezuela und den Aufbau einer neuen Arbeiterpartei in Brasilien. Insbesondere die Entwicklungen in Venezuela unter Hugo Chavez sind den Herrschenden ein Dorn im Auge. Nur so ist es zu erkl\u00e4ren, dass sich der verbale Schlagabtausch zwischen Chavez und Vertretern des US- Imperialismus in den letzten Wochen weiter zugespitzt hat. Von Venezuela, so \u00e4u\u00dfert sich Condoleezza Rice, gehe eine der gr\u00f6\u00dften Bedrohungen aus. Gemeint ist dabei vor allem, die Angst des US Imperialismus die wirtschaftliche Kontrolle und den politischen Einfluss \u00fcber einen der wichtigsten Erd\u00f6lproduzenten der Welt zu verlieren und die Angst, dass die Politik von Hugo Chavez andere Nachahmer auf dem Kontinent finden wird. Die Ch\u00e1vez-Regierung setzt wirkliche Reformen (=Verbesserungen) f\u00fcr die Massen der ArbeiterInnen und Armen um. Die Einkommen aus dem \u00d6lgesch\u00e4ft werden eingesetzt um die Gesundheitsversorgung zu verbessern, Analphabetismus zu bek\u00e4mpfen etc. Au\u00dferdem hat Chavez begonnen, still gelegte Betriebe zu verstaatlichen. Andr\u00e9 erkl\u00e4rte aber auch, dass die Arbeiterklasse in Venezuela ihre eigenen Organisationen braucht um die Errungenschaften der Bolivarischen Revolution zu verteidigen und auszubauen. Die Konterrevolution wartet nur auf eine Gelegenheit um die Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse in Venezuela und Lateinamerika insgesamt zu ihren Gunsten zu ver\u00e4ndern. Nur ein sozialistsiches Venezuela in einer freiwilligen sozialistischen F\u00f6deration Lateinamerikas kann einen dauerhaften Ausweg aus Armut und Elend bieten. Auch in Bolivien ist die neu gew\u00e4hlte Regierung Morales m\u00f6glicherweise gezwungen, eine deutliche antiimperialistische Haltung einzunehmen. Die Regierung steht knapp drei Monate nachdem sie gew\u00e4hlt wurde unter massivem Druck seitens der organisierten Arbeiterbewegung und der indigenen Bev\u00f6lkerung, die schnelle Ver\u00e4nderungen sehen will. Unter anderem l\u00e4uft ein Ultimatum, die Gasindustrie zu verstaatlichen, bald ab und schon jetzt geht wieder eine Widerstandswelle durch das Land. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage \u201eSozialismus oder Barbarei\u201c dort sehr konkret, und die Inspiration, die diese Bewegungen jetzt schon f\u00fcr uns in Europa bedeuten, zeigt, welche Ausstrahlung der Sieg des Sozialismus in diesen L\u00e4ndern h\u00e4tte.<\/p>\n<h4>Neuformierung der Linken<\/h4>\n<p>Die 380 BesucherInnen der Sozialismustage konnten in den verschiedenen Arbeitskreisen, Podiumsdiskussionen, oder auch zwischendurch im Caf\u00e9 in solidarischer Atmosph\u00e4re ihre Meinungen austauschen und von den Erfahrungen anderer profitieren. Und Erfahrungen gab es reichlich zu vermitteln, ob durch Arbeiteraktivisten wie den \u201eMettinger Rebellen\u201c Andr\u00e9 Halfenberg, der von den beeindruckenden Erfolgen bei den Betriebsratswahlen bei DaimlerChrysler f\u00fcr die oppositionelle Liste &#8222;alternative-Klartext&#8220; berichtete, oder Dieter Janssen, Streikleiter im B\u00fcrgerhospital Stuttgart*.<\/p>\n<p>Aber nat\u00fcrlich waren es vor allem die aktuellen Auseinandersetzungen \u00fcber die Richtung der WASG und die inhaltlichen Bedingungen des Neuformierungsprozesses, die das Wochenende pr\u00e4gten. Zahlreiche Debatten mit VertreterInnen unterschiedlicher Positionen in der WASG, mit WASG \u2013Stadtr\u00e4ten und WASGlern aus Berlin drehten sich um die Rolle linker Parteien in der Arbeiterbewegung, die m\u00f6glichen Alternativen zur K\u00fcrzungspolitik des rot-roten Senats in Berlin, die Frage von Regierungsbeteiligungen und die Notwendigkeit eines sozialistischen Programms.<\/p>\n<p>So vertraten Uwe Hiksch von der Inititiave Rixdorf, die in Berlin auf einen gemeinsamen Antritt von WASG und L.PDS dr\u00e4ngt, und Thies Gleiss vom WASG-Bundesvorstand* Positionen, die sich von der der Berliner WASG Mehrheit unterscheiden. Uwe Hiksch hielt eine \u201esozialistische Politik derzeit in keiner Partei oder gesellschaftlichen Str\u00f6mung f\u00fcr mehrheitsf\u00e4hig\u201c und sah die Hauptaufgabe darin die linken Kr\u00e4fte m\u00f6glichst stark in die neue Linkspartei zu f\u00fchren. Eine eigenst\u00e4ndige Kandidatur der WASG- Berlin sei dabei \u201ezumindest schwierig\u201c. Thiess Gleiss argumentierte, den Vereinigungsprozess ohne jegliche inhaltliche Bedingungen an die PDS zu f\u00fchren. Dies gelte auch in Berlin. Den Wahlantritt der Berliner WASG bezeichnete er als \u201eAbenteurertum\u201c, das die Partei spalte. Allerdings stellten sowohl Thies Gleiss als auch Uwe Hiksch klar, dass sie eine demokratische Entscheidung der Berliner WASG- Mitglieder f\u00fcr eine eigenst\u00e4ndige Kandidatur akzeptieren. Sie sagten ihre Unterst\u00fctzung bei eventuellen Ma\u00dfnahmen des Bundesvorstandes gegen die Berliner WASG zu.<\/p>\n<h4><img src=\"http:\/\/www.sozialismustage.de\/Abschluss.jpg\" alt=\"\" align=\"left\" \/> Inhaltliche Grundpositionen nicht \u00fcber Bord werfen<\/h4>\n<p>Nachdem bereits am Vortag Michael Pr\u00fctz vom Landesvorstand* der WASG Berlin die Aufgaben und Ziele der WASG Berlin vor dem Wahlkampf f\u00fcr die Abgeordnetenhauswahl im September 2006 dargelegt hatte, ging Lucy Redler, Mitglied im gesch\u00e4ftsf\u00fchrenden Landesvorstand* der WASG Berlin noch einmal genauer auf die Vorw\u00fcrfe der Gegner der Kandidatur ein. Sie betonte, dass die WASG Berlin hinter dem Neuformierungsprozess und f\u00fcr eine starke linke Kraft auf Bundesebene stehe, dieser Prozess aber an inhaltliche Mindestbedingungen linker Politik gekn\u00fcpft sein m\u00fcsse. Damit bewegt sich die WASG Berlin im Einklang mit den Grunds\u00e4tzen der WASG. In Berlin ergibt sich dabei, so Lucy Redler, folgende Situation: \u201eDas Problem, vor dem wir stehen, ist nicht, dass die PDS in Berlin keine sozialistische Politik betreibt, sondern dass sie nicht einmal linke Politik betreibt.\u201c Die Linkspartei.PDS tr\u00e4gt in Berlin die direkte Verantwortung f\u00fcr 32.000 1-Euro-Jobs, Tarifflucht, Sozialk\u00fcrzungen und Privatisierungen. Und zu einer Kurskorrektur ist sie nicht bereit. Das unter Beteiligung der Initiative Rixdorf ausgearbeitete Papier \u201eGemeinsam f\u00fcr Berlin\u201c stellt keine Umkehr der Politik der Berliner Linkspartei.PDS dar. Im Gegenteil, ihre Bilanz von f\u00fcnf Jahren Regierungbeiteiligung in Berlin wurde unter dem Titel \u201eFortsetzung folgt&#8230;\u201c an die Delegierten des Linkspartei.PDS Landesparteitages ausgeh\u00e4ndigt. Eine Kurs\u00e4nderung werde es nicht geben , hatte LP.PDS Vorsitzender Klaus Lederer betont . \u201eDeshalb\u201c, so entgegnete Lucy Redler auf den Vorschlag von Thies Gleiss nicht zu kandidieren, \u201egibt es in Berlin die M\u00f6glichkeit, nicht anzutreten, nicht\u201c. \u201eWir haben die Aufgabe den Besch\u00e4ftigten, Erwerbslosen und Jugendlichen eine Alternative zur K\u00fcndigungspolitik , Tarifflucht und Sachzwanglogik anzubieten\u201c.<\/p>\n<p>Sascha Stanicic, SAV-Bundessprecher warnte davor, den ersten konkreten Ansatz zu einer neuen Arbeiterpartei, die den Widerstand ma\u00dfgeblich effektiveren kann, durch Regierungsbeteiligungen mit der SPD und der Umsetzung von Sozialabbau und Privatisierungen, wie es die L.PDS betreibt, zu gef\u00e4hrden. Durch die prinzipienfeste Haltung der WASG in Berlin ist eine inhaltliche Diskussion im Neuformierungsprozess angesto\u00dfen worden. Die Debatte um \u201eHaltelinien\u201c linker Politik, die sich unter anderem aus dem Verkauf des gesamten \u00f6ffentlichen Wohnungsbestandes unter Beteiligung von Linkspartei.PDS Stadtr\u00e4ten in Dresden ergeben hat, ist Teil dieser Debatte, die ohne die Berliner WASG so nicht stattgefunden h\u00e4tte. Die Auseinandersetzungen sind Teil des Neuformierungsprozesses und werden dar\u00fcber entscheiden, was f\u00fcr ein Gesicht die neue Linke bekommt. Ein \u201eGemeinsam trotz aller Differenzen\u201c, wie es von der Initiative Rixdorf vertreten wird, tr\u00e4gt nur dazu bei, eine weitere Partei des kleineren \u00dcbels und der Sachzwanglogik zu schaffen. Genau das braucht die Arbeiterklasse, die Erwerbslosen, Jugendlichen und RentnerInnen nicht.<\/p>\n<p>\u201cWenn wir zur\u00fcckziehen, haben wir verloren, weil wir eine Politik bef\u00fcrworten, die ich nicht vertreten kann. Ich m\u00f6chte glaubw\u00fcrdige Politik machen, ich m\u00f6chte den W\u00e4hlerInnen in die Augen schauen.\u201c sagte ein Berliner WASG-Mitglied. Die Kandidatur wurde keineswegs als hinderlich, sondern als f\u00f6rderlich f\u00fcr den Neuformierungsprozess gesehen.<\/p>\n<p>Dass die Linkspartei.PDS sich in Berlin nicht mehr auf den Widerstand auf der Stra\u00dfe orientiert und in den kapitalistischen Sachzw\u00e4ngen gefangen ist, zeigte die Frage eines Mitglieds der Linkspartei.PDS in Pankow :\u201cWas hat Opposition bisher je ver\u00e4ndert?\u201c \u201eSchau mal nach Frankreich\u201c, rief man ihm aus dem Saal entgegen.<\/p>\n<p>Dem Vorwurf, die SAV lehne eine Zusammenarbeit mit der Linkspartei.PDS grundlegend ab, wurde mit Hilfe konkreter Beispiele eindeutig widersprochen: Choni Fl\u00f6ther, Kandidatin des B\u00fcndnisses Kasseler Linke. ASG, das zuletzt 6,8 % bei den Kasseler Kommunalwahlen erlangt hatte, und Stadtrat Claus Ludwig von der Ratsfraktion Die Linke.K\u00f6ln erkl\u00e4rten, dass es sehr wohl m\u00f6glich ist, mit der Linkspartei.PDS zusammenzuarbeiten, sofern diese Zusammenarbeit an konkrete inhaltliche Bedingungen linker Politik gebunden ist.<\/p>\n<p>Das sozialistische Ideen keineswegs abschreckend sind, machte eine Aktivistin der Jugendgruppe widerstand international! aus Rostock deutlich, die darauf hinwies, dass immerhin 75% aller Ostdeutschen Sozialismus f\u00fcr eine gute Idee halten, die nur verkehrt umgesetzt worden sei.<\/p>\n<p>abschlussDer Aufbau von neuen Arbeiterparteien ist eine internationale Notwendigkeit. Deshalb schlossen die Sozialismustage mit einer Podiumsdiskussion um die Perspektiven f\u00fcr den Aufbau neuer Parteien f\u00fcr Besch\u00e4ftigte und Erwerbslose international und die Rolle von MarxistInnen. Dabei wurde auch die Rolle, die eine marxistische Organisation wie die SAV spielen kann und in verschiedenen L\u00e4ndern spielt, verdeutlicht.<\/p>\n<p>Els Deschoemaker, Mitglied im Vorstand der Linkse Socialistische Partij\/ Mouvement pour une alternative socialiste, aus Belgien berichtete von der Generalstreiksbewegung im Herbst letzten Jahres. In den Streiks und Protesten gegen die Angriffspl\u00e4ne der Regierung, an der die Sozialdemokratie beteiligt ist, sei die Notwendigkeit f\u00fcr eine neue Interessensvertretung der Arbeiterklasse f\u00fcr viele auf einen Schlag deutlich geworden. Die Aufgaben einer Formation, die wirklich im Interesse der Besch\u00e4ftigten und Erwerbslosen handeln will, stellte Sascha Stanicic noch einmal heraus. Er rief dazu auf, WASG, Linkspartei.PDS und die Gewerkschaften unter Druck zu setzen, f\u00fcr die bundesweite Demo am 3. Juni zu mobilisieren: \u201eMit der WASG haben wir heute die Chance, einer Arbeiterpartei ein St\u00fcck n\u00e4her zu kommen.\u201c Sascha Stanicic betonte aber auch die Notwendigkeit eines sozialistischen Programms f\u00fcr die neuen Formationen. Jede Reformforderung die heute aufgestellt wird, st\u00f6\u00dft an die Grenzen dessen was unter kapitalistischen Rahmenbedingungen machbar ist. Der erfolgreiche Kampf um den Erhalt von Arbeitspl\u00e4tzen wird unmittelbar die Frage nach \u00dcberf\u00fchrung der Betriebe in Gemeineigentum aufwerfen. Der technische und technologische Fortschritt werde sich auch erst dann im Interesse der Mehrheit der Menschheit einsetzen lassen, wenn die Mehrheit dar\u00fcber entscheiden kann wie und zu wessen Nutzen die technischen Errungenschaften eingesetzt werden.<\/p>\n<p>Florek Nowicki vom CWI in Polen verdeutlichte, dass MarxistInnen nicht nur in der Theorie stark sind, sondern auch praktisch einiges zustande bringen: Florek ist f\u00fchrender Aktivist eines Solidarit\u00e4tskomitees, dass ArbeiteraktivistInnen verteidigt und beispielsweise erfolgreich die Wiedereinstellung entlassener Bergarbeiteraktivisten erreicht hat.<\/p>\n<p>F\u00fcnf AktivistInnen entschieden sich direkt am Wochenende in die SAV einzutreten, viele andere erkl\u00e4rten, diesen Schritt in den n\u00e4chsten Wochen zu tun.<\/p>\n<p>Das Wochenende war ein inspirierendes und motivierendes Erlebnis.<\/p>\n<p>Denn was h\u00e4tte man anderes aus diesem Wochenende mitnehmen k\u00f6nnen als den festen Willen, sofort aktiv beim Kampf f\u00fcr Sozialismus mitzuwirken und eine sozialistische Welt nicht nur m\u00f6glich sondern Realit\u00e4t werden zu lassen!<\/p>\n<p>* dient nur zur Kenntlichmachung der Person<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>380 TeilnehmerInnen aus dem gesamten Bundesgebiet sowie internationale G\u00e4ste<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[104,106],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11592"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11592"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11592\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11592"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11592"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11592"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}