{"id":11582,"date":"2006-04-06T18:31:42","date_gmt":"2006-04-06T18:31:42","guid":{"rendered":".\/?p=11582"},"modified":"2006-04-06T18:31:42","modified_gmt":"2006-04-06T18:31:42","slug":"11582","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2006\/04\/11582\/","title":{"rendered":"WASG-BuVo: Berlin bin ich."},"content":{"rendered":"<p>Der WASG-Bundesvorstand k&#252;ndigt an: Den Wahlantritt in Berlin entscheiden wir. Dazu wurden &#8220;Inhaltliche Positionen f&#252;r einen gemeinsamen Wahlkampf der Linkspartei.PDS und WASG Berlin&#8221; pr&#228;sentiert &#8211; ohne jede Beteiligung der gew&#228;hlten Strukturen der WASG Berlin.<\/p>\n<p><i>von Stephan Kimmerle<\/i> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Auf einer Pressekonferenz &#8220;Gemeinsam f&#252;r Berlin&#8221; wurden &#8220;Inhaltliche   Positionen f&#252;r einen gemeinsamen Wahlkampf&#8221; pr&#228;sentiert. Auf dem Podium   sa&#223;en Oskar Lafontaine (Fraktionschef der Linken), Bodo Ramelow   (Fusionsbeauftragter der Linkspartei.PDS), Axel Troost (Mitglied im   gesch&#228;ftsf&#252;hrenden Bunndesvorstand der WASG), Klaus Lederer   (Landesvorsitzender der L.PDS) und Klaus-Dieter Heiser (nach   Selbstauskunft vertrat er &#8220;all jene WASG-Mitglieder, die f&#252;r einen   gemeinsamen Wahlantritt im Sinne des Neuformierungsprozess&#8221; in Berlin   seien).<\/p>\n<p>  <b><span>Inhaltliche Positionen <\/span><\/b><\/p>\n<p>  Heiser durfte den Auftakt machen und stellte die Positionen vor. Es   handle sich um Kompromisse, die jedoch tragf&#228;hig sein. Doch das   Kleingedruckte blieb unerw&#228;hnt, zahlreiche Formulierung lassen unklar,   welcheTaten folgen werden.<\/p>\n<p>  So l&#228;sst sich hervorheben, dass das Papier &#8220;Verteidigung und Erhaltung   der Daseinsvorsorge in &#246;ffentlicher Hand&#8221; einfordert. Ramelow   kritisierte auf der Pressekonferenz den Verkauf der Dresdner Wohnungen.   Das habe gezeigt, &#8220;was mit uns geht und was mit uns nicht geht&#8221;. Eine   Abgabe von Wohnungen an den Kapitalmarkt in gr&#246;&#223;erem Umfang d&#252;rfe es mit   der neuen Linken nicht geben. Doch zum Beispiel beim Thema Wohnen &#8211;   aktuell sind 1.700 Wohnungen in Berlin zum Verkauf ausgeschrieben &#8211;   lautet der Kompromiss im Papier gerade noch: &#8220;Keine weiteren   Privatisierungen von Wohnungsbaugesellschaften&#8221; &#8211; einzelne Wohnungen,   die in den letzten Jahren zu Zehntausenden verkauft wurden, sind davon   unber&#252;hrt.<\/p>\n<p>  Lafontaine hatte nur eine halbe Stunde Zeit und verlie&#223; die Konferenz   vorzeitig. Er ordnete das aktuell ver.di-Tarifergebnis als &#8220;sehr   schmerzlich ein&#8221;, denn bei der &#246;ffentlichen Hand seien so   Arbeitszeitverl&#228;ngerungen durchgesetzt worden. Demgegen&#252;ber st&#252;nde die   Politik der L.PDS in Berlin. Sie werde zu unrecht von linken   KritikerInnen f&#252;r den Absenkungstarifvertrag ger&#252;gt. Denn der Vertrag,   den auch Bsirske unterschrieben habe, bedeute das Gegenteil von   Arbeitszeitverl&#228;ngerungen. Der Tarifvertrag in Berlin sei also   &#8220;besonders zu bewerten&#8221;. Die Verteidigung von Tarifvertr&#228;gen grenze die   neue Linke auch gerade von anderen Parteien ab, die eben weniger   Tarifvertr&#228;ge und weniger Schutzrechte wollten. Das &#8220;Bekenntnis zum   Tarifvertrag&#8221; auch in Berlin sei daher so wichtig.<\/p>\n<p>  Bez&#252;glich der Besch&#228;ftigten im &#246;ffentlichen Dienst fordern die Autoren   der vorgelegten Wahlkampf-Positionen: &#8220;mittelfristig Ankoppelung des   Berliner Anwendungs- Tarifvertrages an die bundesweiten   Fl&#228;chentarifvertr&#228;ge des &#246;ffentlichen Dienstes&#8221;. Diese Ankoppelung gibt   es heute schon &#8211; mit klarer Regelung zu Arbeitszeitverk&#252;rzungen mit   Teil-Lohnverlust von rund zehn Prozent. Der vereinbarte Stellenabbau f&#252;r   die n&#228;chsten Jahre, im Gesundheitsbereich (bei Charite und Vivantes)   5.000 Stellen, bei der BVG (&#246;ffentlicher Nahverkehr) rund 3.000 Stellen,   wird nicht erw&#228;hnt.<\/p>\n<p>  Einzig betriebsbedingte K&#252;ndigungen sollen ausgeschlossen werden. Das   wird die KollegInnen im Arbeitskampf bei der Charite trotzdem freuen &#8211;   vorausgesetzt Thomas Flierl, zust&#228;ndiger L.PDS-Senator, zieht die   Drohungen damit tats&#228;chlich jetzt zur&#252;ck. Eine unverbindliche   Absichtserkl&#228;rung in diesem Punkt bei aktiver Vorbereitung von bis zu   2.000 betriebsbedingten K&#252;ndigungen, politisch vertreten durch einen   L.PDS-Senator &#8211; das ist nicht glaubw&#252;rdig. Hier sind Taten entscheidend,   nicht Worte.<\/p>\n<p>  Selbst Worte fehlen jedoch bez&#252;glich der &#252;ber 30.000 Ein-Euro-Jobber,   die in Berlin in Kitas, Schulen und zahlreichen anderen Bereichen des   &#246;ffentlichen Dienstes eingesetzt werden. Die WASG forderte bislang, zum   Beispiel im hessischen Kommunalwahlkampf auch noch gemeinsam mit der   L.PDS: &#8220;Keine Ein-Euro-Jobs in den Kommunen&#8221;. Und in Berlin?<\/p>\n<p>  Relativ einfach machen es sich die Autoren beim 18-Euro-Sozialticket f&#252;r   Erwerbslose. Im Papier hei&#223;t es: &#8220;Kampf um die Herabsetzung des Preises   auf 18 Euro. Zur Finanzierung dieser Ma&#223;nahme wollen wir die   Verantwortung der Agentur f&#252;r Arbeit und der Nahverkehrsbetriebe   einfordern&#8221;. Bezahlen sollen dann die Besch&#228;ftigten oder die restlichen   Fahrg&#228;sten &#8211; oder die Arbeitsagentur.<\/p>\n<p>  Klaus Lederer fasste zusammen, der jetzige Vorschlag weise   &#8220;Kompatibilit&#228;t&#8221; zu dem auf, was bisher in der L.PDS als Wahlprogramm   erarbeitet worden sei.<\/p>\n<p>  In Bezug auf das Berliner Bildungssystem sprang Lafontaine ebenfalls f&#252;r   die L.PDS im Senat in die Bresche: Sozial gestaffelte Kita-Geb&#252;hren &#8211;   das k&#246;nne man vertreten, da die Interessen sozial Benachteiligter ja   gewahrt blieben. Das k&#246;nne man eventuell ausbauen, aber da wolle er   &#8220;sich nicht einmischen&#8221;.<\/p>\n<p>  Im Papier soll &#8220;der Einstieg&#8221; &#8220;erprobt&#8221; (in einen &#246;ffentlich gef&#246;rderten   Besch&#228;ftigtungssektor), der &#8220;Kampf gef&#252;hrt&#8221; (18-Euro-Ticket), &#8220;alle   M&#246;glichkeiten ausgesch&#246;pft&#8221; (Verhinderung Verkauf Sparkasse) werden &#8211;   und mit wem? Soll die Regierung mit der SPD das umsetzen? Und was   passiert, wenn die SPD dazu nicht bereit ist? Was sind die   &#8220;Haltelinien&#8221;, um einen Begriff Lafontaines aufzugreifen, linker Politik   in Berlin?<\/p>\n<p>  Worte statt Taten, die Konsequenz fehlt.<\/p>\n<p>  <b><span>Keine Beteiligung der WASG Berlin <\/span><\/b><\/p>\n<p>  Auf der Website der L.PDS findet sich die Meldung: &#8220;Inhaltliche   Positionen f&#252;r einen gemeinsamen Wahlkampf der Linkspartei.PDS und WASG   Berlin wurden heute auf einer Pressekonferenz in Berlin vorgestellt. Dem   vorausgegangen waren zahlreiche &quot;offene, nicht &#246;ffentliche Gespr&#228;che&quot;   mit Vertretern der Berliner WASG auch nach der Urabstimmung, wie der   Berliner Landesvorsitzende der Linkspartei.PDS Klaus Lederer sagte.&#8221; (<a class=\"moz-txt-link-freetext\" href=\"http:\/\/sozialisten.de\/sozialisten\/nachrichten\/view_html\/zid32334\/bs1\/n0\">website   der L.PDS<\/a>, 6. April 2006)<\/p>\n<p>  Wer diese Vertreter der WASG Berlin waren ist unklar. Die Forderung des   WASG-Landesvorstands Berlin, selbst auf der Pressekonferenz vertreten zu   sein wurde abgelehnt. Zum Zeitpunkt der Pressekonferenz wurde dem   Landesvorstand noch nicht einmal das der Presse pr&#228;sentierte Dokument   zur Kenntnis gegeben. Gleichwohl solle das Papier nun in beiden Parteien   intensiv debattiert werden, so Axel Troost.<\/p>\n<p>  Auf Nachfragen der Presse erkl&#228;rte Lederer, es habe zahlreiche Angebote   der L.PDS zu gemeinsamen Gespr&#228;chen gegeben. Doch die Haltung der WASG   Berlin falle unter &#8220;Religionsfreiheit&#8221;, das respektiere er, damit wolle   er allerdings &#8220;nichts zu tun haben&#8221;.<\/p>\n<p>  <b><span>Administrative Ma&#223;nahmen <\/span><\/b><\/p>\n<p>  Axel Troost konstatierte eine &#8220;deutliche Bewegung&#8221; hin zu einer   gemeinsamen Position. Das Papier umfasse die Eckpunkte, die der BuVo f&#252;r   einen gemeinsamen Wahlkampf erwartet habe. Inhaltlich m&#252;sse das nun in   beiden Parteien intensiv debattiert werden. Troost sprach davon, dass   der Entwurf beim Landesparteitag der L.PDS eingebracht werde, was   Lederer sp&#228;ter relativierte (siehe unten).<\/p>\n<p>  Die Schlussfolgerung von Troost sei, dass &#8220;damit ein getrennter   Wahlantritt des Landesverbandes WASG Berlin aus unserer Sicht, aus   Bundessicht, nicht mehr notwendig erscheint, weil es eben keine   inhaltlichen Differenzen mehr gibt, die unterschiedliche Wahlantritt   rechtfertigen&#8221;. Der WASG-Landesvorstand solle nun Stellung beziehen,   positiv. Er erwarte, dass der Landesverband &#8220;sich durchringt und die   Wahlbeteiligungsanzeige zur&#252;ckzieht&#8221;.<\/p>\n<p>  &#8220;Wenn dies nicht erfolgen sollte&#8221;, wenn der Landesparteitag der Berliner   WASG an einem eigenen Wahlantritt festhalte, machte Troost deutlich,   dass &#8220;wir als Bundesvorstand am Tag nach dem Landesparteitag die   Wahlbeteiligungsanzeige zur&#252;ck ziehen werden&#8221;. Dies werde dann vom   Bundesparteitag am darauffolgenden Wochenende diskutiert und   beschlossen, also best&#228;tigt.<\/p>\n<p>  Auf Nachfrage, ob es denn rechtlich m&#246;glich sei, dass der Bundesvorstand   die Wahlbeteiligungsanzeige zur&#252;ckziehe und was das mit Demokratie zu   tun habe, meinte Maurer, dass die rechtlichen H&#252;rden mit Hilfe des   Verfassungsrechtlers Morlock gemeistert werden w&#252;rden. Er als Volljurist   k&#246;nne keine Probleme entdecken und &#8220;weiss gar nicht, wie sie da auf ein   Demokratie-Problem kommen&#8221;.<\/p>\n<p>  Es sei kein Bruch der Berliner Urabstimmungs-Entscheidung f&#252;r einen   eigenst&#228;ndigen Wahlantritt, so Troost, da die ja jetzt anders ausfiele,   w&#252;rde sie nun stattfinden, denn eine &#8220;inhaltlich neue Situation&#8221; sei   entstanden durch das &quot;gemeinsame&quot; Papier.<\/p>\n<p>  <b><span>Weiteres Vorgehen <\/span><\/b><\/p>\n<p>  Auf Nachfrage &#252;ber die Beschlussfassung der L.PDS bez&#252;glich des   vorgelegten Dokuments &#228;u&#223;erte Klaus Lederer, man sei beim   Landesparteitag der L.PDS Berlin morgen, Freitag, 7. April, &#8220;nicht in   der Lage unter Wahrung aller Fristen&#8221; das Papier zur Abstimmung zu   stellen. Aber es weise ohnehin gro&#223;e &#220;bereinstimmungen auf mit dem was   an Wahlkampfprogramm bisher erarbeitet worden sei. Es sei eben ein   &#8220;Irrtum, dass wir diese Positionen nicht geteilt h&#228;tten&#8221;. Der   Landesparteitag sei nur auf zwei, drei Stunden veranschlagt, im   Wesentlichen, um den Spitzenkandidat Wolf zu w&#228;hlen und einer Rede Gysis   zu lauschen. Erst im Mai, beim n&#228;chsten Parteitag sei eine inhaltliche   Positionierung m&#246;glich. Doch er werde das hier pr&#228;sentierte Papier   vorstellen und dann, so Lederer, &#8220;kucken wir mal, mit welchem Beifall   die Delegierten diese Information aufnehmen&#8221;.<\/p>\n<p>  <a href=\"http:\/\/sozialisten.de\/sozialisten\/nachrichten\/pdf\/060405berlin_wahlkampfpositionen.pdf\">Das   Papier von WASG-Bundesvorstand und L.PDS findet sich hier<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der WASG-Bundesvorstand k&#252;ndigt an: Den Wahlantritt in Berlin entscheiden<br \/>\n    wir. 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